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Montag, 7. September 2026

Kriege, Dünger und El Niño: Warum Lebensmittel weltweit teurer werden

Blockierte Handelsrouten, Düngemittelknappheit und ein extrem starker El Niño: Die Vereinten Nationen rechnen 2027 mit 45 Millionen zusätzlichen Hungernden.

Die Welt steht vor einer neuen Nahrungsmittelkrise – und wieder kommen mehrere Bedrohungen zusammen. Seit Anfang 2026 ist die Straße von Hormus weitgehend blockiert, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Gleichzeitig entwickelt sich ein außergewöhnlich starker El-Niño.

Die Folge: Lebensmittelpreise steigen weltweit rasant und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen rechnet damit, dass in der Folge zusätzlich 45 Millionen Menschen von akutem Hunger bedroht sein werden.

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Montag, 23. März 2026

Iran-Krieg: Ernten weltweit gefährdet

Die Blockade der Straße von Hormus lässt nicht nur die Energie- sondern auch die Düngemittelpreise explodieren. Ein Drittel des Düngemitttel-Welthandels ist derzeit blockiert. 

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schlägt Alarm: Der Konflikt im Nahen Osten löst gerade eine globale Düngemittelkrise aus, die sich direkt auf Lebensmittelpreise und Ernährungssicherheit auswirkt. Die FAO warnte in einem Podcast am Dienstag vor "erheblich ernsteren" Folgen, sollte der Konflikt länger als drei Monate andauern. 

Der Chefvolkswirt der Organisation, Maximo Torero, betonte die Dringlichkeit: "Deshalb ist es so wichtig, nicht zuzulassen, dass dies über einen längeren Zeitraum eskaliert." In Europa kostet importierter Harnstoff mittlerweile bis zu 700 Euro pro Tonne – ein Anstieg um 66 Prozent seit Mitte Februar, wie die Fachzeitschrift agrarheute berichtet. 

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Montag, 30. September 2024

Krieg im Sudan: Wer profitiert?

Im Schatten der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten ist der Bürgerkrieg im Sudan fast völlig in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, denn das menschliche Leid, das hier entsteht, kann nur als unermesslich bezeichnet werden.

Die in den Medien und vielen Hilfsorganisationen gemeinhin genannte Zahl von etwas mehr als 15.000 Toten ist definitiv zu niedrig angesetzt. Die einfache Addition der Todesopfer aus den bisher bekannten Zusammenstößen und Gräueltaten lässt auf mindestens 65.000 Tote schließen. Tom Perriello, der US-Gesandte für den Sudan, spricht von 150.000 Opfern.

Dabei sind die anhaltende Hungersnot und die humanitären Probleme, die seit Jahrzehnten im Sudan und den angrenzenden Gebieten herrschen, überhaupt nicht berücksichtigt. Anfang Juli veröffentlichte das UNHCR einen revidierten Aufruf, in dem für das nächste halbe Jahr 1,03 Mrd. US-Dollar Soforthilfen gefordert werden. Derzeit irren etwa elf Millionen Flüchtlinge durch das Land oder vegetieren in Lagern vor sich hin. Zehn Mio. von ihnen wurden unter Anwendung oder Androhung von Gewalt verjagt. 25,6 Mio. Menschen, etwa die Hälfte der Bevölkerung des Sudan, hungert oder ist akut von Hunger bedroht.

Gekämpft wird fast überall im Sudan – vor allem um Khartum und im Süden des Landes. Besondere Aufmerksamkeit im Westen erhielten die Kämpfe in der Provinz Dafur, die sich derzeit im Ringen um die Stadt El Fasher zuspitzen. Aber warum geht der Krieg immer weiter? Vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben großen Einfluss auf den Krieg. Die UNO vermutet, dass die VAE die Rapid Support Forces (RSF) für ihren Kampf gegen die Regierungsseite bewaffnet haben. Die VAE bestreiten die Vorwürfe allerdings.

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Dienstag, 16. April 2024

Der Food Security Standard in Theorie und Praxis

Ihr/Euer MediaWatchBlog-Redakteur hatte vor einiger Zeit das Vergnügen, eine Broschüre zu Theorie und Praxis des Food Security Standards (FSS) der Welthungerhilfe für AgrarproduzentInnen und -unternehmen zusammenstellen zu können.

Erfreulicherweise sind die Kriterien des FSS für die WHH kein sorgfältig gehütetes Geschäftsgeheimnis. JedeR Interessierte kann einen Blick hinter die Kulissen werfen. Etwa 70 Prozent der inzwischen wieder weit über 800 Millionen Hungernden weltweit lebt auf dem Land. Das macht ein Menschenrechtstool für ländliche Lieferketten so bedeutsam. Ein Interview mit Rafaël Schneider, dem Projektverantwortlichen bei der Welthungerhilfe hat Ihr/Euer MediaWatchBlog-Redakteur früher schon gemacht.

Montag, 5. Februar 2024

Handel, Weizen, Dünger und politische Annäherung

Während Chinas Handel mit Afrika boomt, prägen Weizengeschenke und politische Annäherung Moskaus Strategie. Westliche Medien registrieren Russlands und Chinas wachsende Bedeutung im kolonialen Hinterhof Europas mit Sorge.

Der Warenaustausch zwischen China und Afrika hat 2023 volle 282 Mrd. US-Dollar erreicht, allerdings wächst dabei das afrikanische Handelsdefizit (SCMP). Somit erreicht der afrikanische-chinesische Handel mittlerweile annähernd die Ausmaße des EU-Afrikahandels (268 Mrd. Euro in 2021). Zum Vergleich: Der Handel Afrikas mit den USA belief sich im gleichen Jahr auf knapp 62 Mrd. US-Dollar.  

Russland ist diesbezüglich jedoch noch lange nicht so weit. 2022 belief sich der russisch-afrikanische Handel auf umgerechnet 18 Mrd. US-Dollar, war allerdings in der ersten Hälfte des Jahres 2023 um weitere 35 Prozent regelrecht explodiert.


Daher setzt Moskau weiterhin stark auf politische Annäherung. Vor allem die Weizengeschenke an verschiedene afrikanische Staaten haben international ein breites Medienecho gefunden. Demnach hat Russland allein Anfang des Jahres 2024 immerhin 25.000 Tonnen Weizen an Kamerun, 50.000 Tonnen an die Zentralafrikanische Republik, 25.000 Tonnen an Mali und 25.000 Tonnen an Burkina Faso verschenkt.

Daher kann es nicht verwundern, dass die Presse im Westen einen wachsenden Einfluss auch von Russland in Afrika feststellt. Und das liegt nicht nur an Weizengeschenken sondern auch daran, dass die Versäumnisse und Fehler des Westens – von der kolonialen Vergangenheit ganz zu schweigen – hierzulande leicht vergessen werden; nicht aber in den betroffenen Ländern. 

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Montag, 19. Juni 2023

Hunger 13

Die Situation in Hinblick auf die Welternährung wird nicht einfacher, wie schon die Süddeutsche Zeitung gemerkt hat. Allerdings melden die KollegInnen aus München ziemlichen Blödsinn. Es hungern nicht 258 Millionen Menschen, wie die SZ irrtümlich schreibt oder abschreibt. Gemeint ist mit dieser Zahl lediglich die Viertelmilliarde Menschen, die dringend und sofort Nahrungsmittelhilfe braucht, wie etwa die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua korrekt vermerkt.
Hätten sie in der Münchner Redaktion kurz nachgeguckt - zum Beispiel bei der Welthungerhilfe - hätten sie gemerkt, dass in Wirklichkeit 828 Mio. Menschen (jedeR zehnte ErdenbügerIn) "unter chronischem Hunger leidet". Zwischen 2019 und 2022 wuchs diese Zahl laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bereits um 150 Millionen Menschen.

Dienstag, 11. April 2023

Hunger 12

Die Düngerpreise fallen zwar, liegen aber immer noch doppelt so hoch wie 2021 (agrar heute)

Das ist einer der Gründe dafür, warum es eine heftige Preisrunde bei Lebensmitteln in Deutschland von über 20 Prozent gegeben hat. Und diese Preise steigen nicht nur hierzulande.
In Marokko, sind Kartoffeln über 500 Prozent teurer geworden,
in Ägypten galoppiert die Inflation - angetrieben von der Teuerung bei Lebensmitteln,
in Thailand, wird der Reis teurer,
in Usbekistan, hat die Regierung einen Exportstopp für Grundnahrungsmittel verhängt und
in Argentinien steigen die Lebensmittelpreise, weil Dürre herrscht.
China kämpft mit allen zur Verfügung stehen Mitteln darum, Selbstversorger bei Nahrungsmitteln zu werden (SCMP) und so die Ernährung der Menschen im Reich der Mitte noch sicherer zu machen. 

Diese Nachrichten stellen selbstverständlich nur eine Auswahl dar, denn die Preise haben weltweit deutlich angezogen (FAO), auch wenn sie 2022 bei Speiseöl und Getreide zwischenzeitlich noch höher lagen.
Schon sind die ersten Hungerrevolten zu verzeichnen - zum Beispiel am 21. März als es Proteste wegen hoher Lebensmittelpreise in Nairobi (ZEIT) gab. 

Wer nun glaubt, es wird schon wieder werden, übersieht, dass die Abhängigkeit von Russland in Bezug auf Düngemittellieferungen - weltweit und auch in der EU - derzeit zunimmt (Focus) und durchaus noch weiter zunehmen kann. Die Energiepreise hierzulande sind einfach zu hoch, um noch Düngemittel herzustellen. Schon längst wurden Rufe nach der Politik laut (agrar  heute). Gleichzeitig verhindern die Sanktionen gegen Russland und Weißrussland den Import bezahlbarer Dünge- und Nahrungsmittel. Sogar das Weltwirtschaftsforum (WEF) macht sich deswegen Sorgen und sieht die Schuld für diese Entwicklung bei der EU. Einen brillanten Überblick über das Ausmaß der Abhängigkeit gibt das International Food Policy Research Institute, IFPRI:

Donnerstag, 12. Januar 2023

Hunger 11

Der Staub legt sich, die Aufregung auch so langsam. Hunger und Krieg bleiben.

19 "Hunger Hotspots" macht die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) für diesen Herbst und Winter aus (blau und dunkelblau auf der Karte unten):

Momentan sind weltweit 828 Millionen Menschen von Hunger betroffen - mehr als jedeR Zehnte; die meiste davon nach wie vor in afrikanischen  Ländern.  Daran werden auch die Investitionen reicher Knöppe in Gentechnik und marktorientierte neoliberale Versuche Landwirtschaft in Afrika auszubauen weder jetzt noch später irgendetwas verändern...

Übrigens: Wo der russische Präsident Wladimir Putin Recht hat, hat er Recht. Eine Untersuchung der renommierten Universität Wageningen bestätigt seine Aussagen, dass im Zuge der Schwarzmeerinitiative kaum Nahrungsmittel an Entwicklungsländer gegangen sind. Hat tip Nachdenkseiten. 

Derweil geht das Armdrücken um russische Nahrungs- und Düngemittelexporte mit kaum verminderter Heftigkeit weiter (Financial Times). Offiziell erlaubt der Westen entsprechende Ausfuhren, doch der Handel beklagt nach wie vor mangelnde Rechtssicherheit. Ob die Aufhebung von EU-Sanktionen gegen russische Düngemittelhersteller daran etwas grundsätzlich ändern wird, muss sich erst noch zeigen. Das Welternährungsprogramm freut sich aber immerhin über 260.000 Tonnen russischen Dünger, die bisher in europäischen Häfen festgehalten wurden und nun als Spende(!) an Entwicklungsländer in Afrika gehen. Hat tip German-Foreign-Policy.com

Aber auch der immer noch starke US-Dollar bereitet vielen Entwicklungs- und Schwellenländern bei ihren Nahrungsmittelimporten nach wie vor Probleme. (Nicht nur Erdöl wird vornehmlich in US-Dollar gehandelt.)

Mittwoch, 2. November 2022

Hunger 10

Der unlängst erschienene Welthungerindex 2022 (WHI) verdeutlicht die Auswirkungen von Covid-19, Klimakatastrophe und Kriegsfolgen (ohne Ukraine). Schätzungsweise bis zu 828 Millionen Menschen waren letztes Jahr fehl-, mangel- oder unterernährt. Die Fortschritte der letzten zehn Jahre sind Geschichte.
Die Hungerzahlen fallen umso drastischer aus, als sie rechnerisch nicht mehr durch chinesische Entwicklungserfolge gemindert werden. Denn China hat die absolute Armut mittlerweile weitestgehend besiegt. 

Der WHI wird maßgeblich von der Welthungerhilfe erstellt und weltweit wahrgenommen und auch kolportiert:
In Indien ist die Lage weiterhin sehr schwierig: Auf dem Subkontinent herrscht mehr Hunger als in den Nachbarländern Pakistan und Bangladesh (Outlook). Im Ranking liegt das Land auf nur Rang 107 (von 121).
Nigeria: Auf Rang 103 ist die Lage für die über 210 Mio. WestafrikanerInnen nicht wirklich besser als für die 1,4 Mrd. InderInnen. In der größten Volkswirtschaft Afrikas hungern 12,7 Prozent der EinwohnerInnen - über 25 Mio. Menschen (Premium Times via allafrica).

Lateinamerika und die Karibik bilden die einzige Weltregion mit einem im Vergleich zu [...] 2014 gestiegenen WHI-Wert 2022. Obwohl das Hungerniveau immer noch als niedrig gilt, ist der Anstieg des WHI-Werts von 8,0 auf 8,8 ein beunruhigender Trend. Der Grund dafür liegt in der von 5,3 Prozent im Jahr 2014 auf 8,6 Prozent im Jahr 2021 gestiegenen Unterernährungsquote in der Region,
konstatiert der WHI.

Dienstag, 13. September 2022

Hunger 09

Klimakatastrophe:
Weitere Ernten fallen Dürrekatastrophen zum Opfer, die in den USA so schlimm wie seit 1200 Jahren und in Europa so verheerend wie seit 500 Jahren nicht mehr waren. Raps und Getreide sind rechtzeitig gereift, aber der Mais hat die Trockenheit mit Ernteausfällen quittiert - und zwar sowohl in Europa als auch in den USA.
Nun wird Mais fast ausschließlich an Tiere verfüttert ("Veredelung" im Fachjargon) doch ist abzusehen, dass Fleisch, Eier und Molkereiprodukte noch deutlich teurer werden dürften. 

Dürre- und Hitzewellen haben auch den weltweiten Reisernten zugesetzt. Neben Indien (MediaWatch berichtete) hat es auch China und die USA getroffen.

Agrar heute liefert die passende Bildstrecke dazu: "Der Wüstenplanet".

Am Horn von Afrika (Äthiopien, Kenia, Somalia) herrscht der schwerste Wassermangel seit 40 Jahren (UN OCHA). 20 Millionen sind akut von Hunger bedroht. Doch anders als früher wird auch angesichts solcher Meldungen nicht mehr zu Spenden aufgerufen (ARD).
 
Ukraine: 
Unterdessen rechnet der der russische Präsident Wladimir Putin der Weltöffentlichkeit vor, wie die Wirklichkeit der vom NATO-Land Türkei organisierten, ukrainischen Nahrungsmittelexporte aussieht:
„Von 87 Schiffen, die ukrainische Häfen mit Getreide verlassen haben, sind 32 in die Türkei gefahren [...]. Drei Schiffe sind nach Südafrika, drei nach Israel, sieben nach Ägypten, 30 in die Europäische Union und nur zwei in die ärmsten Länder des UN-Nahrungsmittelprogramms, nach Jemen und Dschibuti gegangen. Das sind 60.000 Tonnen, nur 3 Prozent.“
Wer will - und wer kann - die "Propaganda" des personifizierten Gottseibeiuns widerlegen? Das Interesse daran dürfte hierzulande gering sein, und "wir" sind ja auch gar nicht angesprochen. Putin hat diese Rechnung nicht der "Goldenen Milliarde" sondern den sieben Milliarden Menschen aufgemacht, die nicht im Westen respektive in einem NATO-Land leben. 
 
Düngemittel:  
Der "fertilizer crunch" geht weiter. Die Auswirkungen von (zu) teuer gewordenen Düngern treffen in unterschiedlicher Schwere und Form so verschiedene Länder wie Bangladesch (wo auch illegales Horten die Preise treibt), Brasilien, Indien, die Philippinen und Peru aber auch viele afrikanische Staaten. 
 
Weltweit kaufen FarmerInnen derzeit weniger Dünger, weil sie ihn schlicht nicht bezahlen können. Das wird die nächsten Ernten überall geringer ausfallen lassen und den Hunger weltweit antreiben. Eine rasche Besserung der Lage ist nicht in Sicht, denn viele Unternehmen nutzen Erdgas zur Herstellung von Dünger, und das wird auf absehbare Zeit (zumindest in Europa) sehr teuer bleiben. 

In Deutschland hatte SKW Piesteritz die Produktion von Ammonium und Harnstoff schon gestoppt. Jetzt muss der Staat einspringen, damit zumindest Adblue weiter hergestellt und der LKW-Verkehr aufrecht erhalten werden kann.
Ob auch die Herstellung von Stickstoffdünger subventioniert werden wird, ist allerdings unklar.

Dienstag, 16. August 2022

Hunger 08

Deutschland: Ein Kilo Weizenmehl kostet im Supermarkt jetzt wieder 45 Eurocent. War da was? Nachdem die neue Rapsernte eingebracht ist, liegen die Preise für einen Liter Rapsöl beim Discounter jetzt bei 2 Euro. Das sind immer noch etwa 70 Eurocent mehr als letztes Jahr, aber deutlich weniger als die Fantasiesummen, die weiterhin für Sonnenblumenöl gefragt werden (alle Preise für konventionell erzeugte Ware).

Die Nahrungsmittelexporte aus der Ukraine werden beschleunigt. Am 9. August waren zwölf Schiffe in See gestochen - eines davon nach Südkorea (Reuters). Andere Frachter hatten nach China, in die Türkei und nach Italien abgelegt (Euronews). (Vgl. auch "Kein Schiff wird kommen" bei Overton.)
Von der Bekämpfung des Welthungers ist denn auch keine Rede mehr obwohl ein Schiff mit Weizen für das Welternährungsprogramm dabei war.
Die Ukraine erhofft sich Einnahmen von insgesamt etwa zehn Mrd. US-Dollar.
Das meiste Getreide, das noch in der Ukraine lagert, sei als Tierfutter deklariert, betont AP.

Aber:

Montag, 25. Juli 2022

Hunger 07

Na bitte, geht doch: Die Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei hat die Ausfuhr von ukrainischen Agrarprodukten über die verbliebenen (weiterhin verminten) Schwarzmeerhäfen möglich gemacht (ARD). Die Weizenpreise in Frankfurt haben daraufhin leicht nachgegeben und stehen mit Datum 22. Juli 2022 in etwa wieder da, wo sie im Februar 2022 vor Beginn des Ukraine-Krieges standen. Die Schiffe werden von beiden Kriegsparteien und zusätzlich von der Türkei auf versteckte Waffenlieferungen kontrolliert (RT.com).

Die Redaktion des MediaWatchBlog ist jedoch überzeugt, dass die Welternährung weiterhin höchst fragil ist. Zu viele fundamentale Faktoren sprechen gegen eine baldige Entspannung: wachsende wirtschaftliche Ungleichheit, Konflikte, hohe Energiepreise, hohe Düngemittelpreise und gefährdete Ernten (Stichwort Klimaüberhitzung). Die Welternährungsorganisation (FAO) bietet dazu eine hervorragende Animation auf Grundlage ihres aktuellen Berichts zur Welternährung:

This year’s report should dispel any lingering doubts that the world is moving backwards in its efforts to end hunger, food insecurity and malnutrition in all its forms. (...) The intensification of the major drivers behind recent food insecurity and malnutrition trends (i.e. conflict, climate extremes and economic shocks) combined with the high cost of nutritious foods and growing inequalities will continue to challenge food security and nutrition.

Mittwoch, 6. Juli 2022

Hunger 06

Das Welternährungsprogramm meldet in seinem Anfang Mai erschienenen Jahresbericht eine deutliche Zunahme des akuten Hungers schon in 2021:

Aus dem Dokument geht hervor, dass im Jahr 2021 rund 193 Millionen Menschen in 53 Ländern oder Gebieten von akutem Hunger auf Krisenniveau oder schlimmer (IPC/CH Phase 3-5) betroffen waren. Dies bedeutet einen Anstieg um fast 40 Millionen Menschen im Vergleich mit dem Höchststand 2020. (...)
In den "regelmäßig und besonders schwer betroffenen Regionen" habe sich die Zahl der Hungernden seit 2016 "fast verdoppelt". 

Der Weizenpreis ist von seinen Höchstständen zurückgefallen (aber nur ein bisschen). Das kann natürlich kein Grund zur Entwarnung sein:

Mittwoch, 1. Juni 2022

Krieg Sanktionen und Klimawandel => Hunger 05

Russland hat 25 Mio. Exporte Tonnen für August bis Dezember 2022 angekündigt (TASS). Das ist einiges mehr als voriges Jahr (23 Mio. t) aber weniger als in den Jahren davor (S&P Global). Zwischen Juni und Dezember 2022 sollen außerdem 22 Mio. Tonnen Dünger exportiert werden. Ägypten hat seine Weizenbestellungen in Russland schon aufgestockt (Al Ahram weekly).
Und wenn Russland fordert, Sanktionen anzupassen, die den Export russischer Düngemittel und Getreidelieferungen behindern, ist dies keine politische Forderung im engeren Sinn, wie etwa n-tv es darzustellen sucht. Vielmehr ist ein Export sonst überhaupt nicht möglich, weil "internationale Transportunternehmen sich weigern, die Häfen Russlands anzulaufen" (RT deutsch). Dafür haben sie gute Gründe.

Es braucht also ein klares Signal, dass Nahrungs- und Düngemittel aus russischer Produktion ok sind, also keine extraterritorialen Strafaktionen nach sich ziehen und (rein technisch gesehen) auch bezahlt werden können. Solche Stimmen kommen schon länger auch aus der Wissenschaft.

Währenddessen exportiert die Ukraine nach wie vor Getreide; wegen der von Kiew verminten ukrainischen Häfen jetzt vor allem über rumänische Schwarzmeerhäfen. Verschiedene Quellen lassen auf insgesamt etwa 4,5 Mio. Tonnen in März, April und Mai schließen - ein durchaus bedeutender Anteil an den im Land noch vorhandenen mindestens 20 Mio. Tonnen Getreide (und Ölsaaten) (Agrar Heute, DW, Reuters (2)).

Samstag, 14. Mai 2022

Hunger <=> Krieg G7

Einerseits soll die Ukraine 20 Mio. Tonnen Weizen in weniger als drei Monaten exportieren (EU Kommission), andererseits schafft das Welternährungsprogramm Lebensmittel für humanitäre Zwecke aus anderen Ländern heran, denn: "Was die Ukraine noch selbst an Lebensmitteln produzieren kann, ist für die Soldaten reserviert." (Tagesspiegel) Man muss halt Prioritäten setzen.

Indien verbietet den Export von Weizen, weil die Ernte wegen der aktuellen Hitzewelle deutlich geringer ausfallen dürfte, als zunächst angenommen. Die Rede war von zehn Mio. Tonnen gewesen, über deren Export Delhi bereits Verhandlungen mit Marokko, Tunesien, Indonesien, den Philippinen, Thailand, Vietnam, der Türkei, Algerien und dem Libanon aufgenommen hatte. 

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock vertröstet alle von existenziellem Nahrungsmittelmangel betroffenen Menschen trotzdem lieber auf künftige Zeiten: "der Kampf gegen eine solche globale Krise [werde] eher einem "Langstreckenlauf" gleichen (...) und das Handeln der G7 das Miteinander auf der Welt wohl über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte prägen" zitiert die ARD Frau Baerbock. In der entsprechenden Erklärung der G7 werden denn auch keine neuen Initiativen angekündigt, geschweige denn konkrete Hilfen zugesagt. 

Fraglich ist allerdings, wie die G7-Länder einen solchen Kampf überhaupt erfolgreich stemmen wollen; sind sie doch teilweise nicht einmal mehr selbst in der Lage, die eigene Bevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen (1), (2). 

Damit das ein für allemal klar ist: 40 Milliarden für die Rüstungsindustrie sind kein Problem. Die brauchen das, schließlich sind die da dran gewöhnt. 40 Milliarden für 800 Millionen hungernde Menschen? Wären immerhin 50 US-Dollar pro Person; bestimmt lebensrettend in vielen Ländern der Welt. Aber wo kämen wir da hin? Da könnte ja jeder kommen...

Viele Länder werden sich also an Russland wenden (müssen), denn dort wird wieder eine Rekordernte erwartet (Reuters). Die Agentur schreibt dazu auch:

Russian exporters have largely managed to resolve problems with logistics and the transfer of payments caused by Western sanctions imposed on Moscow since late February and are exporting wheat from the Russian side of the Black Sea and sporadically from the Azov Sea.

Nachtrag 14.05.2022, 17:30 Uhr - Cem Özedmir, der deutsche Landwirtschaftsminister, kritisiert das Ausfuhrverbot Indiens für Weizen. Offensichtlich haben seine ReferentInnen dem Mann nicht mitgeteilt, dass die Prognosen für die diesjährige Weizenernte in Indien scharf nach unten korrigiert werden mussten - von 111,3 auf nur noch 95 Mio. Tonnen.  Grund dafür ist vor allem die außerordentliche Hitzewelle auf dem Subkontinent. Sollte Özdemir doch davon gewusst haben, sind seine Einlassung nur noch unverschämt zu nennen.

Donnerstag, 5. Mai 2022

Krieg <=> Hunger 03

Die gestiegenen Preise für Düngemittel gefährden die diesjährige Reisernte, meldet Bloomberg. Das ist nicht nur eine Folge der hohen Erdgaspreise wie etwa die ARD meint, sondern geht auch auf den Exportstopp von Ammonium zurück, den Russland schon Ende letzten Jahres verhängt hat (Agrar heute). Allerdings machen die Sanktionen gegen russische Banken eine Wiederaufnahme der Exporte in westliche Länder sehr unwahrscheinlich.  China hatte zuvor bereits den Export von Phosphatdünger gestoppt. Beide Länder wollen so den Anstieg der heimischen Düngemitttelpreise einhegen. In der Folge dieser Entwicklungen haben sich die Preise für verschiedene Kunstdünger verdreifacht. Auch die Sanktionen gegen Belarus spielen eine Rolle. Für ein üppiges Pflanzenwachstum werden Stickstoff, Phosphor und Kalium (N,P,K) benötigt. 

Betroffen ist von dieser Entwicklung vor allem Brasilien, wo teilweise schon weniger gedüngt wird, aber auch Länder wie Simbabwe oder Kenia (Reuters). Der Krieg in der Ukraine hat die Lage weltweit noch einmal deutlich verschärft (Business Insider).

Eine sehr gute Übersicht über die derzeitige Ernährungskrise bietet das aktuelle Policy Briefing der Welthungerhilfe, aus dem auch die hier wiedergegebene Grafik stammt:
Die Darstellung zeigt überdeutlich, dass in darin aufgezählten Entwicklungsländern gehungert werden wird, wenn die Lebensmittelpreise steigen (und weiter steigen) - so Hunger dort nicht ohnehin schon längst die Regel ist wie etwa in Ostafrika oder im Jemen. 

Die erste Warnung hier im Blog gab es schon im Oktober 2021. Erinnert sei in diesem Kontext noch einmal an die lange Liste von Hungerrevolten im Zuge der Finanzkrise 2007 / 2008.

Montag, 25. April 2022

Krieg <=> Hunger 02

Die zunehmende Verknappung von Düngemitteln schafft in mehreren lateinamerikanischen Ländern Probleme in denen die Lebensmittel ohnehin schon sehr teuer sind (naked capitalism). In Indien wird dagegen diskutiert, ob die gestiegenen Weizenpreise Exportchancen für den Subkontinent bieten (Indian Express). Indonesien hat ein Exportverbot für Speiseöl erlassen (Bloomberg, hat tip Zerohedge).

Laut Welternährungsprogramm sind mittlerweile zusätzlich bis zu 323 Millionen Menschen von Hunger und Unterernährung bedroht (hat tip Telepolis). Tritt diese Prognose ein, könnte die Zahl der Hungernden auf eine Milliarde Menschen anwachsen. Oxfam wartet mit einer vergleichbaren Warnung auf, nach der in diesem Jahr bis zu 250 Mio. Menschen in extreme Armut abrutschen könnten (epo.de). Auch bei der Tagesschau ist das Thema nach zwei Monaten Ukraine-Krieg angekommen. Erste Reaktionen aus der Wissenschaft fordern etwa "Mutige Schritte gegen die heranziehende Ernährungskrise" (Deutsches Institut für Entwicklungspolitik). Dort heißt es unter anderem:

Ein Ende des Krieges wäre natürlich von überragender Wichtigkeit, schon für die Versorgung im Land, aber er würde die Probleme nicht beenden. Für die Ukraine müssen wahrscheinlich Alternativen zum Export über den Seeweg ausgebaut werden. Sanktionsmaßnahmen gegen Russland und Belarus, wie der Ausschluss von Banken vom SWIFT-System, sollten diese Produkte ausnehmen oder es sollten für sie alternative Zahlungswege gefunden werden. Wenn Deutschland Gasimporte aus Angst vor den massiven wirtschaftlichen Folgen nicht boykottiert, gilt eine solche Abwägung erst recht für drohende Nahrungsmittel-Engpässe. Hier müssen doppelte Standards verhindert werden. 

Auch inflationsbereinigt sind die Nahrungsmittelpreise auf dem höchsten Stand seit 60 Jahren gestiegen,  wie die Grafik der Welternährungsorganisation unten zeigt:

Ägypten/Äthiopien: Die Auseinandersetzung um den Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD) könnte jetzt wieder an Schärfe zunehmen (Asia Times). Am Horn von Afrika hat nach einer harten Dürre die Regenzeit begonnen, und Ägypten steht wegen Lieferausfällen von Weizen aus der Ukraine und Russland mit dem Rücken zur Wand. Der Nil-Staudamm liefert seit Februar 2022 Strom.

Samstag, 19. März 2022

Krieg <=> Hunger

Eine erste Einschätzung (rapid assesment), welche weltweiten Auswirkungen der Krieg in der Ukraine auf den Welthandel und Entwicklung zeitigen dürfte, hat UNCTAD, die UN Organisation für Handel und Entwicklung am 16. März herausgegeben.

Aus Ägypten gibt es bereits eine Reportage (The New Arab). Das Land mit über 100 Millionen Einwohnerinnen dürfte vielleicht am schwersten von allen getroffen werden (allafrica.com).

Auch in Südafrika wird man nervös (2) und aus Ruanda kommen ebenfalls erste Warnsignale (allafrica.com).

Dass China eine der schlechtesten Weizenernten seiner Geschichte droht (Reuters), macht die Sache nicht besser.

Montag, 18. Mai 2020

Neues aus der EZ

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit hat ein Konzept "BMZ 2030" vorgelegt. Wichtigste Änderung: Viele Länder werden künftig keine Partner mehr in der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit der BRD sein. Da soll sich lieber die EU drum kümmern. Wer alles rausgeschmissen wird, ist aber noch nicht bekannt. amerika21 kritisiert, dass die Zusammenarbeit mit Kuba beendet wird.

Diese Änderungen gehen mit einem neuen Strategiepapier einher, nach dem die multilaterale Zusammenarbeit neu ausgerichtet werden soll. Das ist insofern bemerkenswert, als das es historisch bisher so war, dass konservative (oder liberale) Entwicklungsminister eher versucht haben, Geld (und Einfluss) in ihrem Haus zu bündeln. Multilaterale Entwicklungszusammenarbeit war vor allem ein rot(grünes) Markenzeichen. Ein Hauptanliegen der neuen Strategie lautet allerdings "Unsere Schwerpunkte noch stärker multilateral verankern". Wenn es sich dabei nicht nur um Wortgeklingel handelt, kann damit nur gemeint sein, dass die Bundesregierung künftig daran arbeiten sein wird, ihre Interessen auch in multilateralen Entwicklungsorganisationen stärker durchzusetzen.

Wie jedes Jahr ist auch 2020 ein neuer Bericht zur Wirklichkeit der deuschen Entwicklungspolitik erschienen, der von der Welthungerhilfe und terre des hommes herausgegeben wird. Natürlich wird der aktuellen Entwicklung im Zusammenhang mit dem Covid-19 Virus breiter Raum eingeräumt. Doch sind es vor allem die von langer Hand vorbereiteten Inhalte, die überzeugen (siehe z.B. die nebenstehende Grafik). Vor allem der Kommentar der Welthungerhilfe "Wenn Hunger zur Kriegswaffe wird" ist lesenwert.

Last not least bietet die Welthungerhilfe in ihrer Online-Zeitschrift Welternährung momentan einen Schwerpunkt zu Landrechten. Die meisten Texte zu dem Thema sind unter "Wirtschaft und Menschenrechte" rubrifiziert. Doch auch ein Blick auf die aktuellen Zahlen beim Landgrabbing lohnt.

Montag, 17. Februar 2020

Fehlanzeige

Deutschland, völlig irre... Was hierzulande als gute "Nachricht" gilt, demonstriert uns Focus ("Fakten, Fakten, Fakten") am Beispiel des Sudan:


Also gut, Fakten: Im Sudan leben nach Angaben des UN-Büros für Humanitäre Hilfe (OCHA) 1,1 Millionen Flüchtlinge und 1,87 Mio. intern Vertriebene. 9,3 Mio. der 40,5 Mio. Sudanesen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, aber nur 6,1 Mio. erhalten Hilfsleistungen. Die internationale Hilfe deckt momentan nur 52 Prozent des Bedarfs.

Hilferuf irgend jemand? Nö, Fehlanzeige.