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Samstag, 7. Januar 2017

Sind wir die Guten?

Nicht nur die Klage der Herero und Nama auf Entschädigung vor einem US-Gericht sondern auch die deutschen Reaktionen darauf werden auch in Entwicklungsländern sehr genau beobachtet (G-News).

Dazu nur die Anmerkung, dass sich dieses Suchergebnis mit den Erfahrungen deckt, die Euer/Ihr ergebenster MediaWatch-Redakteur unterwegs immer wieder gemacht hat: Man weiß über uns und unsere kleinen und großen Lebenslügen auch im globalen Süden erstaunlich gut Bescheid. Und die Bewunderung für unsere wirtschaftlichen Erfolge geht in aller Regel mit ebenso spürbarer wie kritischer Distanz zu unserem zivilisatorischen Anspruch einher.

Wenn es mir gelang, eine offene Situation zu schaffen, in der meine Bekanntschaften sich - mehr oder weniger - unzensiert zu äußern wagen, wurde solche Kritik manchmal auch benannt. In den letzten Jahren habe ich in Afrika vor allem zu hören bekommen, wie traurig sei, wie wir mit unseren Alten umgehen, weil wir sie einfach in Heime geben. So etwas ist vor allem für AfrikanerInnen (bislang) unvorstellbar.

Es gilt also, was Hagen Rether formuliert hat nicht nur nach innen sondern fast noch mehr nach außen:
Wer Werte verteidigen will, hat sie schon aufgegeben. Man kann Werte nur leben, sodass sie manifest werden und Strahlkraft erlangen.

Dienstag, 27. November 2012

Deutsch-Südwest - Der Albtraum als Kollage

Manchmal ist es ein Glück, etwas entdecken zu können, das man eigentlich längst schon kennen müsste. So etwa, wenn man unversehends auf den Roman "Morenga" von Uwe Timm stößt. Dieses bereits 1978 entstandene Werk beschreibt den Aufstand der Nama ("Hottentotten") gegen die deutschen Kolonialherren. (Anders, als in vielen Besprechungen dargestellt, spielt die Vernichtung der Herero kaum eine Rolle in dem Werk.)

Timm gelingt es in einzigartiger Weise offizielle Dokumente, zeitgenössische persönliche Aufzeichnungen, Reiseberichte, Presseveröffentlichungen mit ungezählten historischen Anekdoten, Details und militärischen Gegebenheiten und nicht zuletzt wundervoll phantastischer und manchmal sogar bösartiger Fabulierkunst zu einem hochbrisanten Cocktail zusammenzubrauen.

Ein wahrer Zoo neurotischer Kolonialisten tritt gegen eine feindliche Umwelt und gegen eine hochintellegente, feindlich gesonnene Bevölkerung an. Persönliche Motive der Eroberer, ihr Wille zu Macht und/oder Reichtum, werden in diesem Prozess oft gründlich zersetzt. Doch ob die Protagonisten klug, dumm, gläubig, überheblich, korrekt, nachlässig, gierig, verwirrt, verzweifelt oder verstört sind - immer wird die Brutalität und Sinnlosigkeit der kolonialen Unternehmungen sichtbar.