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Dienstag, 20. Oktober 2020

Über Zensur im Netz

 Facebook hat den Mirror dieses Blogs zugemacht:

Das kam jetzt nicht wirklich überraschend. Und die Redaktion wird sich nicht die Mühe machen, dagegen vorzugehen, weil allgemein kein großer Wert auf soziale Netzwerke gelegt wird.

Die "Begründung" des US-Konzerns spricht denn auch Bände und stimmt eher traurig:

Eurer / Ihr ergebener Redakteur hat das MediaWatch-Konto und sein privates FB-Konto jetzt mit einer gewissen Erleichterung geschlossen. MediaWatch überlässt es wie immer seinen LeserInnen, ihr eigenes Urteil zu fällen.

Freitag, 24. Januar 2020

Vollarrondiert

Youtube hat den Kanal des iranischen Fernsehsenders Press TV aus dem Angebot zensiert (Mint Press News). Ein weiterer Beleg dafür, dass derartige Plattformen schon längst nicht mehr den Anspruch erheben können, neutral zu sein. Wie auch - schließlich sind es us-amerikanische Firmen. Wer also die andere Seite hören will, muss sich künftig direkt auf die Website bemühen.

Das kann grad an Tagen wie heute dringend nötig sein. Denn in Bagdad läuft grad eine riesige als "Marsch der Million" angekündigte Demonstration um den Abzug der US-Truppen zu fordern. Deutschsprachige Medien berichten unverschämterweise von "zehntausenden Demonstranten",
obwohl schon ein flüchtiger Blick auf niedrig aufgelöste Bilder zeigt, dass es mindestens viele Hunderttausende sind, die sich nach dem Freitagsgebet getroffen haben um ihren Unwillen gegen die Besatzung darzutun:

Geht es um Nachrichten, die vitale westliche Interessen berühren, muss man sich einfach selber ein möglichst vielgestaltiges Bild machen. Und in solchen Fällen reichen weder traditionelle Medien aus, noch die vollarrondierten, industriell kontrollierten Tummelplätze im Netz wie Youtube, Facebook Twitter und wie sie alle heißen mögen.

P.S.: Ebenfalls sorgfältig unterdrückt wird die Nachricht, dass auch die irakische Regierung die Nase voll hat von den Erpressungen der US-Amerikaner und lieber mit China ins Geschäft kommen würde. Die US-amerkanische Mint-Press hat zu diesem Thema eine bemerkenswerte Analyse vorgelegt. Darin wird Adil Abd al-Mahdi al-Muntafiki, derzeit noch Ministerpräsident des zerstörten Landes mit den Worten zitiert:
The Americans are the ones who destroyed the country and wreaked havoc on it. They have refused to finish building the electrical system and infrastructure projects. They have bargained for the reconstruction of Iraq in exchange for Iraq giving up 50% of oil imports. So, I refused and decided to go to China and concluded an important and strategic agreement with it. (...)
the Americans still insist to this day on canceling the China agreement.

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Auch eine Form von Zensur

"Do No Evil; Nichts Böses Tun" gilt weiterhin als Wahlspruch des nun Alphabet genannten Suchmaschinengiganten. Doch auf Google Earth wird die Besetzung Palästinas bereitwilig umgesetzt. Damit macht der Konzern sich zum Komplizen der illegitimen Besatzungs- und Apartheidspolitik des israelischen Staates und hält interesssierten UserInnen bedeutende Informationen vor.
Diese Entwicklung ist der Redaktion nicht neu - nun hat +972mag.com dankenswerterweise eine Analyse zu dem Thema vorgelegt. "Lost in Occupation: How Google Maps is erasing Palestine".
MediaWatch empfiehlt nicht nur deshalb dringend, wann immer möglich Open Street Map zu nutzen. Diese Weltkarte ist gemeinfrei und wird ständig von ihren Userinnen ergänzt, die auch vor Ort leben. Gerade für Städte und bestimmte Regionen in Entwicklungsländern ist Open Street Map oft viel genauer als das Google-Pendant. Wer das bequem prüfen möchte, kann auf die nächste Reise zum Beispiel Maps.me auf dem Handy mitnehmen. Diese Software basiert auf der Open Street Map.

Montag, 29. Januar 2018

"Ob die Zahlen wohl stimmen?",

bin ich kürzlich unter Verweis auf ein Youtube Video gefragt worden. Der Titel des Machwerks lautet "Die Welt, ein Dorf?". Der Vollständigkeit halber sei hier die Internetadresse mitgeliefert www.youtube.com/watch?v=muWtJlDy4Fw. Ihr/Euer ergebenster MediaWatch-Redakteur hält den Streifen aber für Zeitverschwendung. Da hilft auch der Hinweis der Macher nicht weiter, dass die Zahlen veraltet seien. Wer  schon die Tatsache, dass Frauen in Industrieländern in der Mehrzahl sind mit dem weltweiten Geschlechterverhältnis verwechselt, hat auch von den anderen Zahlen nichts verstanden. So wird der Anteil der Europäer um 100 Prozent überschätzt, die Zahlen zu Wohnungsverhältnissen und Alphabetisierung werden verdreht, und dass die Hälfte der Weltbevölkerung unterernährt ist, kann nicht einmal als schlechter Witz durchgehen. Alle Fehler des Videos hier anzusprechen, würde zu weit führen.

Dennoch, die Idee besticht. Wenn die Weltbevölkerung aus 100 Menschen bestünde, würde vieles leichter fassbar (wenn auch nicht unbedingt verständlicher). Jeder Einwohner repräsentiert dann rund 75 Millionen Menschen. Zum Vergleich: In der Bundesrepublik leben derzeit 82 Millionen Leute.

Bessere Filmchen in dieser Machart kommen von Erklärvideo.com - auch wenn das alles ein klein bisschen infantil wirkt und die Darstellung Fakten zum Energieverbrauch diskussionswürdig und die zur Verbreitung der elektronischen Kommunikation ziemlich optimistisch sind:


Auch die Animation von Galileo (Pro Sieben) ist insgesamt recht zutreffend und kann als Diskussionsgrundlage dienen, obwohl hier bei den Zahlen zur Ernährung von den internationalen Definitionen abgewichen wird:


Schließlich kann man noch eine Produktion von Hover angucken, die in bestimmten Punkten zwar recht detailliert ist, allerdings mit viel Eigenwerbung und sehr mäßigen deutschen Untertiteln daherkommt. Deshalb beschränken wir uns hier ebenfalls auf den Link: www.youtube.com/watch?v=UbffuGZHeR0

Montag, 5. Juni 2017

Vergleichsweise geringes Interesse der europäischen Netizens an ihren PolitikerInnen

Hier eine recht willkürlich zusammengestellte Liste von PolitikerInnen (einschließlich Papst und Dalai Lama), die nach der Zahl ihrer "follower" bei Twitter respektive "likes" bei Facebook geordnet ist.

Natürlich ist ein "mag ich" bei FB nicht mit einem "folge ich" bei Twitter zu vergleichen. Und auch sonst unterscheiden sich sprachlichen Zugänge und Bevölkerungs- sowie Netizen-Zahlen der Herkunftsländer bei den genannten Personen sehr. Dennoch fällt auf, wie vergleichsweise gering das Interesse der europäischen Netizens an ihren PolitikerInnen ist. In Fernost (Japan und Südkorea) scheint das ähnlich zu sein.

Nicht bei FB und Twitter zu finden waren führende PolitikerInnen aus dem Nahen und Mittleren Osten (Ausnahme Israel), aus Pakistan und Bangla Desh und auch keine chinesischen Offiziellen.

Bei Twitter folgen zum Beispiel:
Barack Obama         89,55
Donald Trump         31,25
Narendra Modi        30,33
Hillary Clinton         15,77
Dalai Lama               13,36
Papst Franziskus     10,80
Joko Widodo             7,48
Enrique Peña Nieto  6,40
"UK Prime Minister" 5,21
Dilma Rousseff          5,17
Nicolas Maduro         3,14
Emmanuel Macron   1,31
Muhammadu Buhari 1,05
Jeremy Corbyn           1,05
Benjamin Netanjahu 0,95
Michel Temer             0,78
Shinzo Abe                 0,69
Vladimir Putin           0,64
Jacob Zuma                0,42
Jean-Claude Juncker  0,42
Martin Schulz             0,39
Theresa May               0,32
Rodrigo R. Duterte    0,16
Millionen Menschen

Bei Facebook gefällt zum Beispiel:
Angela Merkel           2,43
Goodluck Jonathan   2,23
Aung San Suu Kyi     2,02
Sahra Wagenknecht   0,37
Millionen Menschen

Montag, 1. August 2016

Warten oder spekulieren oder ganz verweigern?

In welchen Dilemmata sich MedienmacherInnen befinden, die alles richtig machen wollen, zeigt telepolis am Beispiel der französischen Tageszeitung Le Monde. Dort will man künftig keine Bilder von Terroristen mehr zeigen. Telepolis merkt ganz richtig an:
Der Einfluss so einer Zeitung beschränkt sich nämlich 2016 weitgehend auf ihre Leser - und die sind wahrscheinlich nur zu einem sehr geringen Teil terrorgefährdete Jugendliche, sondern ältere wohlsituierte Bildungsbürger, bei denen der einzige Effekt sein könnte, dass sie den Terrorismus als weniger konkrete Bedrohung wahrnehmen, wenn die Nachrichten dazu weniger plastisch sind (...). Außerdem leidet langfristig die Glaubwürdigkeit bei den Lesern, die auf anderen Wegen mit den plastischeren Darstellungsvarianten von Greueltaten in Berührung kommen...
Leider gleitet der Text dann in eine Diskussion über die Problematik der Zensur von Sozialen Medien ab. Aber bei der Berichterstattung über Terroranschläge, Amokläufe und spektakuläre  Gewaltkriminalität ergeben sich weitere gewichtige Probleme:
Berichtet man erst, wenn schon Fakten auf dem Tisch liegen, schäumt die Netzcommunity, dass man sich Zeit lässt. Steigt man sofort in die Berichterstattung ein, ist man gezwungen mit Spekulationen zu hantieren. Hinzu kommt, dasss Bilder, die ganz selbstverständlich durch das Netz flimmern im Fernsehen nicht unbedingt angemessen sind. Auch die FAZ beschäftigt sich mit dem Thema, (2).

So groß  die Chance ist, die derlei Geschehnisse den MedienmacherInnen bieten, zu zeigen was journalistische Qualität ist, so schwierig ist es diesen Anspruch genau in diesem Moment zu erfüllen.

Dienstag, 22. März 2016

Der Januskopf von Google

Multinationale Unternehmen mischen nicht nur in der Wirtschafts- sondern auch in der Außenpolitik mit. So hat Google 2012 propagandistische Maßnahmen gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad eingeleitet (ZD-Net, hat tip Press TV). Fahnenflucht bei der syrischen Armee und politische Rücktritte wurden erfasst und bei Al Jazeera sichtbar gemacht, um die Rebellen zu stärken:
Die Initiative scheint bis zum Frühjahr 2013 gelaufen zu sein und war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags noch online. Der katarische Nachrichtensender hat dafür den Online Media Award 2013 für die beste technische Innovation erhalten.

Freitag, 8. Januar 2016

Geschenk oder Landraub?

In Indien sind jetzt mehr als eine Milliarde Handys angemeldet und 300 Millionen Menschen online. Allerdings macht man sich dort momentan verstärkt Sorgen um die Netzneutralität: Das Facebook-Angebot "Free Basics" soll armen Menschen kostenlosen Zugang ins Netz ermöglichen, bedroht nach Meinung vieler aber die Netzneutralität. Eine gute Zusammenfassung der Diskussion bietet der Economist. FB verspricht, dass die Nutzerdaten nur 90 Tage aufbewahrt werden und dass der Service werbefrei bleibt. Was den Machern von Free Basics vorschwebt, zeigt allerdings schon der Domainname unter der der Dienst zu erreichen ist: internet.org. Eine Entscheidung des indischen Telekom-Regulierers TRAI wird für Ende Januar erwartet.

Ägypten hat Free Basics schon abgeklemmt (wenn auch wohl aus anderen Gründen, da FB während des arabischen Frühlings am Nil besonders beliebt war).

Mittwoch, 6. Januar 2016

Die Macht der Suchmaschinen

Am Amerikanischen Institut für Verhaltensforschung und Technologie ist untersucht worden, ob Wahlergebnisse mittels manipulierter Suchergebnisse beeinflusst werden können (PDF).
Die Antwort ist ja:
- By manipulating search engine results to favor one candidate over another, voter preferences can be altered by 20 percent or more.
- (...) voters with little knowledge of the candidates or who were undecided in their political affiliation at the time of the study were especially influenced by it.
- The transparency of search engine manipulation can vary so that the user lacks awareness of how the search engine results impact their consumption and perspective on the content presented.
- Even users who expressed awareness of search engine manipulation were still influenced by how the search results were presented to them.

Donnerstag, 8. Januar 2015

Hartleibige Ungereimtheiten

Invisible Children hat aufgehört (Washington Post). Das sind die Leute, die Kony 2012 gemacht haben. Das Kampagnenmodell "Kony 2012" hat der Organisation letzlich wohl mehr geschadet als genutzt. Nicht nur vor Ort gab es wohl erhebliche Schwierigkeiten. Auch der Versuch eine Hilfsorganisation wie ein Unternehmen auszubauen und zu führen, ist hier klar gescheitert. Der letzte Satz des Berichts in der Washington Post ist sehr bemerkenswert:
Charitable organizations have a profoundly different set of relationships with their beneficiaries, a group of people who are neither their customers nor their investors, which begs further reflection on the ultimately self-defeating effects of presenting hollowed out narratives as whole.
MediaWatch ist allerdings der Überzeugung, dass auch die Beziehungen zu Kunden und Investoren (sowie zu Wählern und Bürgern) letztlich nur dann auf solidem Fundament stehen können, wenn nicht ständig versucht wird, komplette Narrative zu servieren. Widersprüche und Ungereimtheiten sind meist wesentlich hartleibiger, als sich PR-Strategen und Verkaufsprofis das selbst in ihren schlimmsten Alpträumen ausmalen können.

Montag, 22. Juli 2013

Newsgames: Nicht nur für Zocker

MediaWatch hat immer wieder auf Infografiken oder Animationen verwiesen - angefangen bei Rüstungskonzernen und Atomwaffenversuchen bis zu Nilstaudämmen und Landgrabbing. Doch in den letzten Jahren ist eine neue Kategorie des Infotainment enstanden - sogenannte Newsgames. Die KollegInnen in den großen Tageszeitungen haben diesen Trend schon entdeckt: "Journalismus zum Spielen" (Deutsche Welle), "Der Bürgerkrieg zum Selberklicken" (Zeit Online) oder "Spiel des Lebens" (Süddeutsche.de) heißen die Beiträge zu diesem Thema.

Folgende Spiele laufen alle in englischer Sprache:
"Sweatshop" ist ein klassisches Aufbau-Strategiespiel mit dem man lernen kann, wie Ausbeutung (unter den Bedingungen eines Entwicklungslandes) funktioniert.
In "Spent" soll man als Arbeitsloser in den USA versuchen einen Job finden und danach - was viel schwieriger ist und der eigentliche Inhalt des Spiels - mit dem so verdienten Geld überleben.
In "The Truth" soll man versuchen, eine wikileaks-Quelle ausschalten.
In "Cutthrought Capitalism" bei der berühmten Zeitschrift wired lernen wir die Piraten vor den Küsten Somalias näher kennen und merken, dass ihre Arbeit gar nicht so einfach ist..

Nur das "Mc-Donalds-Videogame" kann man auf Deutsch spielen. Der Spieler wird "all die schmutzigen Geheimnisse kennenlernen", die Mc Donalds "zu einem der größten Konzerne der Welt gemacht haben", versprechen die Programmierer.

Eine ganze Liste (ja, wie früher - eine richtige Linkliste) mit nach Kategorien geordneten Hinweisen auf Spiele und Infotainment findet sich bei Bayreporta.com.

Wer jetzt sofort spielen will, kann ja das unten eingebundene "Windfall" von Persuasive Games starten und gleich ausprobieren, wie lange es dauert, eine bestimmte Windernergieleistung zu errichten und politisch durchzusetzen.

Donnerstag, 4. April 2013

Ein Einwurf zur "Online Demokratie"

Die neuen Online Plattfomen wie AVAAZ (Kritik bei wikipedia) oder Causes zur Mitwirkung sind reine Werkzeuge, die politisch mehr oder weniger neutral sind. (Eine wichtige Einschränkung gibt es hier jedoch glücklicherweise: AVAAZ erlaubt keine Kampagnen, die direkt gegen die Menschenrechte verstoßen, wie etwa einen Aufruf zu Gunsten der Todesstrafe.)

Allerdings besteht die Gefahr, dass die Online-Mitwirkungsmöglichkeiten demokratische Strukturen suggerieren, die nicht bestehen. In in den letzten 20 Jahren gab es jede Menge Unterschriften- und Mitmach-Kampagnen. Und nur wenige hatten eine messbare politische Wirkung (z.B. Landminen, steuerliche Absetzbarkeit von Schmiergeldzahlungen in der BRD bis 1996).

Ihr/Euer ergebenster MediaWatch Redakteur unterschreibt nur extrem selten und auch nur dann, wenn das politische Ziel klar umrissen ist und die Unterschriften einen klaren Adressaten haben - also z.B. (als Petition) in den parlamentarischen Betrieb eingespeist werden. Denn da sollte sich der Sitz der Demokratie befinden, solange hierzulande kein zuverlässiges System der Volksabstimmungen besteht. Zudem macht es Sinn, nur Sachen zu unterschreiben, die tatsächlich von Berlin oder Brüssel aus beeinflussbar sind.

Konkret: Petition an das EU-Parlament zur neuen EU-Wasserrahmenrichtlinie: ja. Avaaz Kampagne zur Gewalt gegen Frauen: nein. Kampagne gegen die Todesstrafe für Schwule in Uganda: nein. Das hat nicht mit Sym- oder Antipathien für die verschiedenen Themen zu tun, sondern ausschließlich mit mit der Einschätzuung, ob die einzelnen Initiativen auch zielführend sind.

Dienstag, 27. März 2012

Noynoying

Wer erinnert sich noch an die Wahl von Benigno "Noynoy" Aquino? Nun, die Menschen auf den Philippinen sind unzufrieden mit ihrem Präsidenten und machen aus ihrer Kritik witzige Aktionen im Netz (Global Voices).

Der Gag dabei ist, das Porträt des Präsidenten in abstruse oder brisante Zusammenhänge zu stellen. Noynoying kann aber auch einfach nur Faulenzen ("doing nothing about anything") bedeuten. Die Masche zieht mittlerweile weite Kreise. Einen Wikipedia-Eintrag gibt es auch schon.

Aktivist Vencer Crisostomo bringt die Forderungen der KritikerInnen folgendermaßen auf den Punkt:
Stopping oil price hikes, implementing genuine land reform, significantly raising wages, imposing a moratorium on tuition and other school fee increases, ending impunity and human rights abuses, standing up against US intervention, and ending foreign plunder and mining of the country's natural resources, among many others.

Sonntag, 25. März 2012

Weiter führende Hinweise wären schön gewesen

"Indien versagt bei der Armutsbekämpfung", findet Zeit Online. Noch immer verhungern auf dem Subkontinent jedes Jahr 1,7  Mio. Kinder. Die Kolleginnen enthalten uns jedoch den Link zur Anlass gebenden Pressemitteilung der indischen Planungskommission und den fast noch wichtigeren Anmerkungen dazu vor. Da steht nämlich nix von hungernden Kindern drin. Die Zahl stammt offensichtlich aus einem ganz anderen Kontext, der jedoch leider nicht nachzuvollziehen ist. Das ist schade, weil die entwicklungspolitische Berichterstattung in der Zeit meist ganz gut ist.

Interessant ist der Zeit-Artikel vor allem deshalb, weil er sich kritisch mit der nationalen Armutsgrenze in Indien auseinandersetzt:
Demnach ist ein Inder nicht mehr arm, wenn er im Monat 9,76 Euro verdient. Ein Landbewohner braucht pro Tag sogar nur 33 Cents, ein Stadtbewohner nur 42 Cents (...)
Neben einer Quellenangabe wären weiter führende Hinweise schön gewesen. Wer sich für die Diskussion über die Neudefinition der Armutsgrenze in Indien näher interessiert, sei auf die entsprechende Website der Planungskommission verwiesen, die auch Aufschluss über die Arbeit der Tendulkar Kommission gibt.

Leider gibt's bei Zeit Online praktisch keine externen Links - und das gilt derzeit für fast alle Internetauftritte von Mainstream Medien. Ein weiteres Beispiel dafür, wie ökonomische Interessen einen angemessenen Umgang mit dem Netz verhindern. Auf lange Sicht werden die Medien, die das nicht begreifen, jedoch das Qualitätspublikum verlieren. Wie so etwas richtig geht, macht Telepolis seit Jahren vor.

Freitag, 9. März 2012

Können Facebook-'likes' helfen, Frieden zu schaffen?

Eine interessante Idee haben die Leute von Invisible Children gehabt. Sie haben eine Kampagne TRI gestartet, die mittels der internationalen Netzgemeinde dafür sorgen will, dass Joseph Kony, berüchtigter der Chef der ebenso berüchtigten Lords Resistance Army bald verhaftet wird, um sich wegen seiner Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu verantworten.

Der Finanzbericht für 2010 und 2011 der Organisation enthält alle wesentlichen Angaben. Die Overheadkosten von Invisible Children bewegen sich danach mit 16 Prozent (S.6) über dem international üblichen Rahmen von etwa 10 Prozent (auch 2010 waren sie höher gewesen, S.7). Und das Managment war offensichtlich vom eigenen Erfolg überrascht, denn im Verlauf von 2011 haben die Verantwortlichen fast fünf Millionen US-Dollar auf den Konten auflaufen lassen (S.13). Man verspricht das Geld zweckgerichtet zu verwenden (S.13). Kritik am Finanzgebaren der NGO findet sich u.a. beim Guardian.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Indische Splitter

Auch das ist ein Fortschritt - und kein kleiner: In Indien ist ein Jahr ohne Polio-Neuerkrankungen vergangen. Zudem wird dort bewiesen, wie wichtig erfinderisches Recycling sogar zur Rettung von Menschenleben sein kann: Herzschrittmacher, die Toten in den USA entnommen wurden, tun jetzt ihren Dienst in indischen PatientInnen - selbstverständlich nach rigoroser Desinfektion (Recycling International; hat tip Jones).

Der Subkontinent liefert zudem einen erneuten Beweis, dass eine Frauenquote sinnvolle Politik ist (e! Science News).
"Kapitalismus in der Krise". In der gleichnamigen Serie der Financial Times Deutschland schreibt Arundhati Roy lesenswert über den Mythos des "trickle down":
Das Beispiel Indien macht mit einer Illusion Schluss: dass der Reichtum der Eliten irgendwann zu den ärmeren Schichten durchsickert. Stattdessen sprudeln die Ressourcen der Armen und der Mittelschicht nach oben und konzentrieren sich auf wenige.
Gezerre gibt es derzeit um die Teilnahme von Salman Rushdie an einem Literaturfestival in Jaipur/Rajastan (The Economic Times) (siehe auch ToI). Und im Netz hat die Redefreiheit ebenfalls gewisse Grenzen (Aljazeera). Dabei gehen die indischen Behörden denselben Weg wie europäische PolitikerInnen: Indem sie die Provider für die Inhalte verantwortlich machen, zwingen sie die Unternehmen, eine zensur zu ermöglichen (oder selbstdurchzuführen).

Sonntag, 24. April 2011

Die ersten 30 Monate

Seit August 2008 gibt es den MediaWatchBlog nun schon, doch kohärente NutzerInnenzahlen liegen nur für das letzte Jahr vor. Das liegt zum einen daran, dass die Seite im Oktober 2009 migrieren musste und anschließend ein anderer Counter verwendet wurde. Zum anderen ist es darin begründet, dass die Website im März 2010 auf deutsche Tags (Stichworte) umgestellt wurde. Auch dieser Schritt hat die Zugriffzahlen zwischenzeitlich spürbar gesenkt. Das redaktionelle Angebot umfasst mittlerweile über 400 Postings (davon dreißig Gastbeiträge). Zu den Details:

Freitag, 26. November 2010

Facebook und Twitter

Hier also nun der nächste Anlauf, die Inhalte aus dem MediaWatchBlog über weitere Internet-Medien zu verbreiten. Es sind eine Facebook-Seite und ein Tweet eingerichtet, die nun automatisch upgedatet werden. Allerdings können Posts dort manchmal auch mit einer gewissen Verspätung erscheinen.

Bleibt zu hoffen, dass dies dazu führt, dass sich noch mehr Menschen für das Themenspektrum des MediaWatchBlog interessieren und regelmäßig reinschauen.

Montag, 25. Oktober 2010

Ihre eigene Wahrheit

Was an der aktuellen Veröffentlichung von wikileaks zum Geschehen im Irak zwischen 2005 und 2009 auffällt, ist, dass viele Zeitungen sich erst garnicht mehr die Mühe machen, auf die Inhalte solcher Dokumente einzugehen. Nachrichtlich wird natürlich das Nötige getan, in den Kommentaren dreht es sich aber zunehmend um Meta-Fragen, des Geheimnisverrats und dessen Folgen.

"Das Enthüllungsportal Wikileaks hat wieder hunderttausende Seiten geheimer Dokumente in Netz gestellt. Eine Datenflut, an die sich die Regierenden und wir alle gewöhnen sollten", empfiehlt etwa der Tagesspiegel.

"Was geheim bleibt, ist neu auszuhandeln", behauptet dagegen die FR. Der Kommentar ist besonders problematisch, weil er so tut, als bestünde für die Whistleblower (und für wikileaks) kein Risiko.

"WikiLeaks verbreitet vor allem seine eigene Wahrheit", lautet der absurde Vorwurf der Welt: "Fast 400.000 Dokumente zeichnen ein dramatisches Kriegsbild. Dahinter stecken nicht nur hehre Ziele, sondern eine politische Agenda."

Dienstag, 24. August 2010

Das Ende des Internets hat schon begonnen

Mit den zunehmenden Breitbandanschlüssen mutiert das Internet zu einem zweiten Fernsehangebot. Hier eine Grafik für die USA, die - mit gewissen Abstrichen in Bezug auf den zeitlichen Ablauf - aber repräsentativ sein dürfte. (Gefunden bei Chris Blatman.)