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Mittwoch, 2. September 2026

Entwicklungshilfe-Kürzungen: Ebola im Kongo als Warnsignal für die Welt

Über 500.000 Menschenleben in Gefahr: ONE beziffert die Folgen der deutschen Kürzungen bei vier zentralen Gesundheitsorganisationen. Keine Trendwende in 2027.

Im Mai brach im Osten der Demokratischen Republik Kongo die Ebola- aus und verbreitete sich rasant. Mittlerweile zählen die Behörden vor Ort bereits 3.007 Todesfälle. Das Virus hatte vermutlich wochenlang unentdeckt zirkuliert, bevor Behörden den Ausbruch offiziell meldeten.

Die verzögerte Erkennung des Ausbruchs steht in direktem Zusammenhang mit weltweiten Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit. Diese haben die Krankheitsüberwachung in vielen Ländern massiv geschwächt.

Bitte weiterlesen bei Telepolis ... 

Montag, 14. Juli 2025

Globale Gesundheit unter Druck - Die Abhängigkeit von Multimilliardären steigt

Mit dem schwindenden Engagement der traditionellen Geberländer gerät auch die globale Gesundheitsfürsorge in Schieflage. Kann private Philanthropie staatliches Handeln ersetzen?

Im Mai kündigte Bill Gates, einst der reichste Mensch der Welt, an, dass er „praktisch sein gesamtes Vermögen“ über die Gates Foundation in den nächsten 20 Jahren spenden werde. Das Kapital der Stiftung beläuft sich auf etwa 77 Milliarden US-Dollar. 

Dieser Schritt wird wahrscheinlich die herausragende Rolle der Stiftung im Bereich der globalen Gesundheit festigen, insbesondere da die Vereinigten Staaten und die wichtigen europäischen Geberländer ihre Budgets für globale Gesundheit und Entwicklungshilfe drastisch gekürzt haben. 

Bitte weiterlesen bei Telepolis ...

Donnerstag, 1. Dezember 2022

Spendenidee 2022


 

Auch dieses Jahr gilt das Motto, dass der aktuelle Tipp auf eine Region oder ein Problem abzielen soll, wo großer Bedarf herrscht. Und nachdem die Covid-19 Pandemie nun leider eher sehr schlecht als Recht durchgestanden ist, macht es Sinn an dieser Stelle einmal ausdrücklich auf die BUKO Pharmakampagne hinzuweisen: 

Die Leute von der Kampagne machen seit Jahrzehnten aktuelle, kritische, kompetente und leider viel zu unauffällige Arbeit. Dabei sind die Einlassungen der Pharmakampagne wissenschaftlich immer gut begründet. Derzeit arbeitet die Kampagne vornehmlich zu Antibiotika-Resistenzen, Zugang zu Krebsmedikamenten, Mutter-Kind-Gesundheit und den weltweiten Folgen von Covid19. 

Wer spenden möchte, kann dies Online tun oder  auf dem gewohntem Wege an den gemeinnützigen Trägerverein der Pharma-Kampagne in Form einer Überweisung:

„Gesundheit – global und gerecht e.V.“, Sparkasse Bielefeld
IBAN: DE97 4805 0161 0000 1056 27; BIC: SPBIDE3BXXX

Bitte vergessen Sie nicht, der Kampagne Ihren Namen und Ihre Adresse mitzuteilen, denn sie sendet Ihnen nach Jahresende automatisch eine Spendenbescheinigung für das Finanzamt zu.
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Seit 2015 erscheint die Rubrik Spendenidee einmal jährlich Anfang Dezember - also sozusagen pünktlich zu Weihnachten.
Bisher lagen die Schwerpunkte der veröffentlichten Tipps und Aufrufe bei Migration, (2), Westasien (Israel/Palästina, Jemen) bzw. Frieden (2) im Allgemeinen. Um Unterstützung für KlimaaktivistInnen hat MediaWatchBlog ebenfalls schon gebeten.  

Dienstag, 29. März 2022

Herzlichen Glückwunsch!

Fast auf den Tag genau vor acht Jahren veröffentlichte der MediaWatchBlog eine Stellungnahme zum hippokratischen Eid von Dr. Mugisho Nfizi Koya. 

Inzwischen ist Dr. Koya ein anerkannter Kinderpsychiater in Genf und hat ein erstes Buch, einen Praktischen Leitfaden zur Semiologie in der Kinderpsychiatrie, den "Guide pratique de sémiologie en pedopsychiatrie" veröffentlicht. Dr. Koya ist ein engagierter Mediziner, der eine Reihe spezifischer Kenntnisse erworben hat, weshalb sein Buch sicher auch im frankophonen Afrika von Nutzen sein kann.

Der Leitfaden kann beim Verlag Elsevier Masson vorbestellt werden.

P.S.: Semiologie (von griechisch σημεῖον semeion ‚Zeichen‘ und λόγος lógos ‚Wort‘, ‚Vernunft‘, auch Semeologie oder Sematologie, engl. semiology, frz. sémiologie) ist die allgemeine Lehre von sprachlichen und außersprachlichen Zeichen und ihren Systemen. In der Medizin, der Psychiatrie und der Psychologie ist Semiologie gleichbedeutend mit Symptomatologie. (wikipedia)

Freitag, 4. Februar 2022

Erste Schritte auf dem Weg zum Sozialstaat?

Kostenlose Behandlung in öffentlichen und sogar in privaten Krankenhäusern für alle? Das gibt es nicht einmal in den USA, und gar in Pakistan klingt eine solche Idee gänzlich nach Science Fiction. Doch genau das plant Islamabad: Die landesweite Einführung von Sehat Sahulat (zu dt. etwa „Gesundheit ermöglichen“). 

Alle Menschen, die Gesundheitsdienstleistungen nicht selber finanzieren können, sollen kostenlose vor- und nachgeburtliche Gesundheitsversorgung und weitere medizinische Leistungen unter anderem bei Unfällen und Notlagen, bei Diabetes, Krebs, Hepatitis B und C sowie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen kostenlos erhalten.

Wie die Asia Times berichtet, geht das Programm auf eine Initiative von Premierminister Imran Khan zurück, der 2018 mit dem Versprechen Tabdeeli (Veränderung, Wandel) gewählt wurde. Schon bevor Khan in den 1990er-Jahren in die Politik ging, war der ehemalige Kricketspieler als Philanthrop bekannt, der Projekte im Gesundheitsbereich unterstützte.

Dienstag, 4. Mai 2021

"Das Patentsystem hat sich von seiner allerbesten Seite gezeigt"

Jetzt, wo weltweit 3,2 Millionen Menschen an oder mit Covid-19 verstorben sind und die KollegInnen (man mag sie kaum noch so nennen) uns mit Schauergeschichten aus Indien von den eigentlichen Aufgaben ablenken (vgl. auch diese Werbeeinblendung bei der Deutschen Welle), ist es Zeit, eine kurze Zwischenbilanz zu ziehen.

Allein in Deutschland sind fast so viele Menschen an der Infektion gestorben (83.362) wie China überhaupt Infektionen (90.697) zu verzeichnen hatte. Und da wir jetzt sehr genau ein Promille unserer Bevölkerung (100 Menschen auf 100.000 EinwohnerInnen) durch oder mit Covid-19 verloren haben, kann diese Marke gut zur Orientierung dienen.

Wo sind - anteilig an der Bevölkerung - die meisten Menschen an der Atemwegsinfektion gestorben? In Indien, Brasilien, den USA oder Südafrika? Weit gefehlt. 

Dienstag, 9. Februar 2021

Große Pläne

Anzahl der Impfdosen, die China zum Stichtag 8. Februar 2021 in andere Länder exportiert hat (etwa 6 Mio.; mit Stern) oder wo bereits Verträge bestehen (Global Times). Interessant ist, dass die meisten Zielländer Staaten mit mittlerem Einkommen oder Schwellenländer sind. Auch Nato- und OECD-Staaten wurden beliefert. Aus Afrika sind (bisher) nur Ägypten und Senegal dabei.

Wohin Russland seinen Impfstoff exportiert (bzw. mit welchen Ländern Verträge vorliegen) kann man bei Statista nachgucken.

Donnerstag, 7. Januar 2021

Zwei kurze aber wichtige Kuba-Meldungen

Kuba hat seine Doppelwährung zum 1. Januar abgeschafft. Der 1994 eingeführte Peso wurde wieder aus dem Verkehr gezogen. Künftig hat die Insel nur noch eine Währung, deren Ausgangskurs mit 24:1 zum US-Dollar festgesetzt wurde.
Das komme einer Abwertung gleich, meint die Deutsche Welle und greift außerdem die Darstellung einer exilkubanischen US-Zeitung auf, nach der "einigen staatlichen Unternehmen (...) der Zusammenbruch" drohe.
Das Handelsblatt sieht einen "Quantensprung in den Kapitalismus", um dann mahnend nachzusetzen: "Es drohen Inflation, Hamsterkäufe, Preisexplosion und Proteste der Bevölkerung". Wie viel muss man eigentlich rauchen, um nicht einmal mehr zu merken, wenn man sowas - derart unfreiwillig treffend - zusammenschreibt. 

Übrigens entwickelt die sozialistische Inselrepublik einen eigenen Covid-19 Impfstoff, wie amerika21 berichtet. Die Substanz befindet sich in Testphase 2 und kommt ohne Kühlung aus. Man hat andere Länder um Mitarbeit bei der Testphase 3 gebeten, weil auf Kuba zu wenig Menschen mit dem Virus infiziert sind(!). So ist das, wenn man über ein gut organisiertes Gesundheitswesen verfügt und obendrein noch staatliche Pharmaforschung betreibt.

Mittwoch, 28. Oktober 2020

Nicht sein kann, was nicht sein darf

Eine ziemlich Frechheit ist, was die ARD den UserInnen als Corona-Übersichtskarten präsentiert. Vor allem die Grafik für den als "interaktiv" bezeichneten Aufmacher unter www.tagesschau.de kann nur als Provokation aufgefasst werden:


In dieser Darstellung wirkt es so, als sei die Menschheit in etwa überall gleich schwer von der Infektionskrankheit betroffen. Doch das ist nicht wahr: Vor allem Ostasien und Afrika schneiden bislang sehr viel besser ab als Europa und die beiden Amerikas. Nun hat man beim Durchklicken natürlich die Hoffnung, dass die Darstellung im eigentlichen Beitrag besser wird. Doch weit gefehlt: Immer noch gibt es nur gleichmäßig verteilte, dicke rote Punkte, deren Flächenausdehnungen das Infektionsgeschehen nicht einmal annähernd maßstabsgetreu wiedergeben:

Wer meint, dass es sich dabei nur um eine Petitesse handelt, übersieht großzügig, dass die Wahrheit hier in einer Weise gebeugt wird, die eben genau das Unvermögen des Westens zukleistert, mit dem Virus fertig zu werden.

Denn wenigstens so wie bei der Morgenpost muss das eigentlich aussehen:

Die Höhe der Neuinfektionen, die Gesamtzahl der Infektionen und auch die Zahl der Todesfälle vor allem in China sind im Vergleich verschwindend gering. Bezöge man sie gar auf die Einwohnerzahl, bliebe bestimmt nicht einmal mehr ein einziger Pixel übrig, um das Ergebnis auf einem durchschnittlichen Bildschirm maßstabsgerecht abbilden zu können. Auch die Situation in Indien sähe dann längst nicht so dramatisch aus wie in den hier gezeigten Screenshots.

Donnerstag, 30. Juli 2020

Covid 19-Splitter Juli 2020


"Wo Kuba gegen Corona kämpft", zeigt eine Grafik von welt:sichten.

EU/Migration: Die Mitgliedsstaaten nutzen Covid-19 als Vorwand, um die Seenotrettung auf dem Mittelmeer still und heimlich abzuwürgen. Auch unser aller Horst aus dem Innenressort und sein Parteikollege Andi aus dem Verkehrsministerium machen fleißig mit. Telepolis; unbedingt lesen.

Indien: Premierminister Narendra Modi macht ernst. Jede bedürftige Familie soll (weiterhin) fünf Kilo Reis und ein Kilo Linsen monatlich erhalten - und zwar bis November. Auch WanderarbeiterInnen* sollen unterstützt werden - egal in welchem Bundesstaat sie sich auf ihrer Suche nach Arbeit aufhalten. Das Programm heißt One Nation, One Ration card. M.K. Bhadrakumar schreibt:
In every sense it is an act of atonement for the tragedy of the migrant workers that the nation witnessed in disbelief and shame in the recent past. The scheme holds the historic potential to address the problem of destitution in the country.
Seltenes Lob von dem indischen Analytiker, der auch darauf hinweist, dass Delhi sich nun an die Hausaufgaben setzt, statt sich von "reaktionären Kräften des rechten Flügels" in einen brandgefährlichen Grenzkonflikt mit China treiben zu lassen.
Covid-19 wird sich allerdings noch als echte Dauerbelastung für die Menschen in Indien erweisen. Der Peak der Erkrankungen könnte vielleicht erst im März nächsten Jahres(!) erreicht werden.
*Über chinesische WanderarbeiterInnen kriegt man mit einem Handgriff "was raus". Möchte man dagegen wissen wie viele es in Indien sind, kriegt man die Antwort nur auf Englisch und nicht aus unabhängigen Quellen: Die Times of India beruft sich bei ihrer Angabe von 40 Millionen Wanderarbeiterinnen auf Regierungsstellen.

Soziales: "Darwin auf dem Marktplatz" überschreibt die schweizerische WoZ einen Beitrag, der die Frage umreißt, welche gesellschaftlichen Bedingungen eine erfolgreiche Covid-19 Bekämpfung begünstigen. Darin steht der bemerkenswert klare Satz:
Der entscheidende Faktor bei der Pandemiebekämpfung ist eben nicht die Rhetorik von PräsidentInnen (...), sondern die Existenz (...) kollektiver Infrastrukturen.
Das lässt sich natürlich auch wesentlich drastischer zuspitzen, wie Consortium News zeigt... ;]

Oder anders ausgedrückt:
China hat bei der Eindämmung von Covid-19 keineswegs deshalb so gut abgeschnitten, weil es ein Überwachungsstaat ist. Das Land steht deshalb gut da, weil es starke Institutionen hat, deren MitarbeiterInnen sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlen und von ihrer guten Arbeit ziemlich gut leben können. Für die, die dem letzten Link gefolgt sind und es genauer wissen wollen: 176.000 Yuan Jahreslohn für eine Krankenschwester sind umgerechnet 22.000 € - das aber in einem Land, in dem das Bruttonationaleinkommen pro Kopf immer noch nur zwischen einem Viertel (in US-Dollar) und einem Drittel (kaufkraftbereinigt) des deutschen Wertes liegt. Um sich - im Verhältnis - genauso gut zu stehen wie ihre chinesische Kollegin, müsste eine deutsche Krankenschwester also 66.000 €(!) pro Jahr bekommen - oder mehr. Der entsprechende Lohn in 'Schland liegt bei deutlich niedrigeren 39.250 €.

Dienstag, 30. Juni 2020

Weltbevölkerungsbericht 2020

Schon seit einer ganzen Reihe von Jahren ist Ihr/Euer ergebener MediaWatch-Redakteur an der Erstellung der deutschsprachigen Fassung des Weltbevölkerungsberichts beteiligt. Der diesjährige UNFPA-Weltbevölkerungsbericht trägt den Titel "Gegen meinen Willen - Praktiken beenden, die Frauen und Mädchen schaden und Gleichstellung verhindern". Es geht um schädliche Praktiken, deren Opfer fast immer Mädchen sind. Davon gibt eine ganze Menge - sicher mehr als die meisten uns vermuten würden:

Montag, 29. Juni 2020

Covid19-Splitter Juni 2020

Vorbemerkung

Nach weltweit 10 Mio. gemeldeten Infektionen und 500.000 Toten (Stand 28. Juni 2020: auf "weltweit" klicken und Schieber unten im Bild entsprechend einstellen) ist es merkwürdig still geworden um die ganzen, angeblich so verderblichen "Fake News". MediaWatch empfiehlt weniger Aufregung und ist sicher: Eine Zensur ist nicht nötig. Ähnliches und Schlimmeres haben wir auch bei HIV/Aids gesehen - und sehen es noch - schon Jahrzehnte lang.

Nach acht Monaten hat der Covid19-Erreger weltweit jetzt ein Viertel mehr Tote gefordert als Malaria in einem ganzen Jahr (Ärztezeitung). Euer/Ihr ergebener MediaWatch-Redakteur erlaubt sich noch einmal auf den Beitrag vom 5. März hinzuweisen, weil Politik, die nur noch reagiert (statt zu planen und vorzusorgen) heutzutage schon längst als normal gilt. (Wer mag, vergleiche im Gegensatz dazu: "China Sacrifices a Province to Save the World From Coronavirus" (!!)  vom 5. Feb. 2020,  aus dem nicht des Kommunismus verdächtigen Hause Bloomberg). Man ist hierzulande ja schon erleichtert, wenn man keine vorsätzliche Zerstörung der gesellschaftlichen Sphäre diagnostizieren muss (Hartz IV, Rente, epidemische Wirtschaftskriminalität, Rechte von politisch Verfolgten, Europa, Neuer Kalter Krieg, Hochrüstung, Auslandseinsätze u.v.m.).

Was ganz konkret bleibt, ist die Erfahrung, dass fast alle PolitikerInnen und sämtliche Mainstream-Medien der Bundesrepublik in Sachen Covid19 eine fast unheimliche, aalglatte 180-Grad-Wende hingelegt haben - selbstverständlich bar jeglicher Selbstkritik oder auch nur Reflexion: Anfangs hieß es noch "Übertriebener Hype?", "Ball flach halten", "Gar nicht mal so ansteckend", "Corona-Hysterie", (5), (6) etc.pp. Wenige Wochen später wurden all jene verteufelt, die Zweifel am Lockdown zu äußern oder gar zu demonstrieren wagten: "Verschwörungstheoretiker und Impfgegner: Polizei beendet Corona-Demo", (2), (3), (4), (5) usw. usf.

Unabhängig vom "Wahrheits"Gehalt der Einzelmeldungen haben die Info-Wendehälse damit genau jene Mitmenschen verunsichert und ausgegrenzt, die über den Feierabend hinausblicken. Ihre Enttäuschung und berechtigte Zweifel sind das direkte Resultat orientierungslosen Treibens einer auf Gewinnmaximierung ausgerichteten und entsprechend unbelehrbaren Informationsindustrie. Wie schnell dann aber sicher geglaubte Wahrheiten doch zerstäuben...

Und jetzt die Meldungen:

Algerien: Die Regierung hat die Covid-19 Geschehnisse genutzt, um die Hirak-Proteste systematisch abzuwürgen. Wurde im Mai noch in erheblichem Umfang demonstriert, wird die Repression jetzt immer härter. Es ist jedoch durchaus möglich, dass die Menschen ihre Proteste sofort nach Aufhebung des Lockdowns fortsetzen.

Indien: Arundhati Roy lässt kein gutes Haar an der Politik der regierenden Hindunationalisten in der Krise. Sie spricht von einem "genozidalen Klima gegen Muslime". 

Deutschland/humanitäre Hilfe: 'Geht doch', ist man versucht auszurufen. Und warum auch nicht? Deutschland unterstützt die Vereinten Nationen bei der Belieferung Venezuelas mit Hilfsgütern (amerika21). Ist nicht wirklich viel - freut aber doch.

Medien II: Was in Neuseeland Knorke (ARD) und in Göttingen scheint's alternativlos (Zeit) ist, muss in China natürlich Mist (ARD) sein (hier: harte Ausgangssperren).

Deutschland/Pharma: Wer erinnert sich noch, wie stolz wir Mitte März alle auf Dietmar Hopp sein sollten, weil er sich geweigert hat sein Pharmaunternehmen Curevac an die USA zu verkloppen? Nun, jetzt belohnt ihn die Bundesregierung mit 300 Millionen Euro dafür. Der Bund kauft sich über die Kreditanstalt für Wiederaufbau mit einem 23-prozentigen Anteil direkt in die Firma ein.
Das ist ein stolzer Preis, denn damit bewertet die Bundesregierung das Unternehmen mit über 1,3 Mrd. Euro. Und da war das Angebot des US-Präsidenten von angeblich einer Milliarde US-Dollar (890 Mio. Euro) für das nicht börsennotierte Unternehmen doch fast ein Drittel niedriger. Dazu passt:

US/Pharma: Die Vereinigten Staaten von Amerika haben der ganzen Welt den Impfstoffkrieg erklärt, meint die Asia Times. Spannend sind die Zusammenhänge mit dem Patentrecht (Link im Original):
The United States also entered its disagreement on the final WHA [World Health Assembly] resolution, being the lone objector to patent pooling of Covid-19 medicines and vaccines, noting “the critical role that intellectual property plays in incentivizing the development of new and improved health products.”
Deutschland/Rassismus/Ausgrenzung: War Covid-19 erst nur eine (natürlich von AsiatInnen eingeschleppte) Infektion, ist es mittlerweile als Krankheit der Anderen / Armen etabliert. Sowas kriegen doch nur Leiharbeiter in Schlachtfabriken oder Menschen, die beengt in Hochhäusern (z.B. in Göttingen) leben müssen. Und die werden dann auch ganz richtig weggesperrt. Der Freitag konstatiert darüber hinaus:
In Deutschland wurden die Corona-Daten von Hartz-IV-Empfängern mit denen von Erwerbstätigen verglichen. Das Risiko, an Corona zu sterben, ist in unteren Milieus auch hierzulande beinahe doppelt so hoch wie in den höheren.
Sogar die taz hat was gemerkt. Aber das ist ja nix Neues und zieht sich durch...

Freitag, 29. Mai 2020

Covid19-Splitter Mai 2020

USA: The New Humanitarian (vormals IRIN) hat unlängst mit einer schrägen Meldung aufgewartet. Demnach hat das Weiße Haus der US-Organisation für Internationale Entwicklung (USAID) untersagt, medizinische Masken und Handschuhe zu kaufen, um sie in der Entwicklungszusammenarbeit einzusetzen. Dazu ist scheints ab sofort eine besondere Genehmigung nötig. Eine ganz neue Variante von "America First" also. In der Meldung heißt es:
the effectiveness of USAID’s COVID-19 funding has been thrown into question. Supplies, which protect health and other frontline workers, for other operations – including Ebola control – could also be disrupted
Die zerstörerische Rolle der US-Regierung in der Weltgesundheitsorganisation (2) ist in der Mainstreampresse leider nicht ausreichend berücksichtigt worden, weil den Hobbystrategen der "Sieg" Chinas bei der diesjährigen Weltgesundheitsversammlung (WHA) (Welt, NZZ) und die Nebelkerzen um eine mögliche Herkunft des Virus wichtiger waren...
Zu Bedenken ist, dass die Ankündigung des chinesischen Präsidenten Xi Jingping vor der WHA, einen etwaigen Impfstoff aus dem Reich der Mitte (Ärzteblatt) allgemein zugänglich machen (Ärzteblatt), den Gewinnerwartungen hiesiger Pharmafirmen wohl im Wege stehen dürfte. MediaWatch prognostiziert denn auch jetzt schon, dass weder die Menschen in der Bundesrepublik - noch die Krankenkassen - in den Genuss eines solchen Impfstoffs kommen würden. 

Völlig verschwiegen wurde deutscher Sprache übrigens, dass die USA die Herausgabe neuer Sonderziehungsrechte (SDR) beim IWF blockieren, die jetzt vor allem für arme Länder wichtig wären (Foreign Policy, Al Jazeera, Telegraph).

Arbeit: Dass nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) weltweit 1,6 Milliarden (meist im informellen Sektor tätige) Menschen durch Covid19 - zumindest für einen gefährlich langen Zeitraum - von Arbeitslosigkeit bedroht sind, kann man bei Telepolis nachlesen. Die Meldung hat erfreulicherweise die Runde gemacht. Es geht vielleicht um jedeR zweite ArbeitnehmerIn auf dem Planeten. Die ILO bietet dazu auch eine Pressemitteilung auf Deutsch.

Hunger: Die Anzeichen mehren sich, dass im Gefolge der Covid19-Krise erheblich mehr Menschen hungern werden als sowieso schon. Das Welternährungsprogramm bittet um Spenden.

Wirtschaft: Dafür, dass die roten und grünen Ideen nach der Covid-19 Krise nicht ins Kraut schießen, werden hervorragend bezahlte Anwaltskanzleien sorgen. Über die Schiedsgerichte für internationale Investitionsabkommen bereiten sie jetzt schon Klagen gegen Staaten vor, die die Interessen der großen Konzerne in der Krise möglicherweise nicht hinreichend bedient haben. Der ORF hat die Story,  Corporate Europe wartet mit der zugrunde liegenden Analyse auf.
Fun Fact: Schon während des "Arabischen Frühlings" hatte es eine ähnliche Prozesswelle gegeben.
MediaWatch schließt sich der Forderung von Corporate Europe an: "Get out of the treaties before it is too late". Es muss irgendwann auch mal Schluss sein mit Freibier für die Oberen Zehntausend....

Mittwoch, 29. April 2020

Covid19-Splitter April 2020

Brasilien: Richter in Rio de Janeiro haben die Einstellung einer Regierungskampagne namens „Brasilien darf nicht stillstehen“ angeordnet (DLF). Demnach soll die rechtsextreme Regierung eine offizielle Erklärung abgeben, in der klargestellt wird, dass die Kampagne wissenschaftlichen Kriterien nicht standhält(!). Der Frankfurter Rundschau gilt der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro denn auch als "letzter Corona-Leugner".
Im Zusammenhang mit Corona läuft übrigens eine Art kalten (temporären?) Putsch in dem riesigen lateinamerikanischen Land (amerika21 schon Ende März) und mit Wochen Verspätung auch der Mainstream. Eine ausführlichere Analyse bietet Frederico Füllgraf in den Nachdenkseiten. Die Zeit versucht dagegen, Bolsonaros Ruf zu retten. Nach dem Motto
die große Mehrheit der brasilianischen Gesellschaft kann Ausgangsbeschränkungen und soziale Isolierung vermutlich nicht (...) umsetzen: In den riesigen Armutsgebieten (...) ist so etwas teilweise schon durch das beengte Wohnen und die verheerende hygienische Infrastruktur unmöglich
will das Wochenblatt Verständnis für den rechtsradikalen Evangelikalen schinden. Was für ein Hohn. MediaWatch bringt diesen Hinweis auch, weil es uns so oder so ähnlich in den nächsten Monaten in Bezug auf Covid19 und Entwicklungsländer noch öfter entgegenschallen wird. Armutsbekämpfung, leistungsfähiges Gesundheitwesen? (wie in Kuba, siehe unten) - nie gehört...

Kuba: Auch zur besonderen Leistungsfähigkeit des kubanischen Gesundheitssystems kann man Lesenwertes bei den Nachdenkseiten finden.

Israel/Palästina: Die Armee hat eine Corona-Notfallklinik im nördlichen Jordantal, in der völkerrechtswidrig besetzten Westbank zerstört (Palestine Chronicle). Wer dieser Quelle nicht vertraut, kann die Meldung gerne bei B’Tselem gegenchecken.
Duster sieht es für den Gazastreifen aus. Im größten Knast der Welt sind die Menschen völlig auf sich gestellt. Deshalb reicht MediaWatch auch gerne diesen Spendenaufruf des Palästinakomitee Stuttgart e.V. für das Al-Awda-Krankenhaus mit Sitz im Flüchtlingslager Jabalia im nördlichen Gazastreifen weiter.

Indien: An Vorhersagen zu katastrophalen Verläufen der Covid19-Pandemie auf dem Subkontinent (und in Afrika) fehlt es in den deutschen Medien wahrlich nicht (vgl. etwa telepolis). MediaWatch geht im Übrigen davon aus, dass diese Berichte deutlich weniger werden, wenn hierzulande die Bedrohung durch das Virus nachlässt. M.K. Bhadrakumar schildert die momentane Strategie der hindunationalistischen Regierung. Er vergleicht die aktuellen Herausforderungen mit der Situation von 1947 - der Teilung Indiens.
Und kann es wirklich überraschen, das gerade ein indischer Bundesstaat mit jahrzehntelanger kommunister Regierung nun in der Krise am besten abschneidet? Die Rede ist natürlich von Kerala. Doch der Erfolg lässt sich auf die Schnelle nicht kopieren, denn ihm liegen Jahrzehnte einer am Gemeinwohl orientierten, konsequenten und natürlich linken Politik zugrunde. Das Ergebnis der Mühen:
excellent public healthcare system in the state, functioning grassroots bodies and the high level of literacy
und genauso wichtig:
the lubricant that makes this architecture work is public trust in the government and in the authenticity of the elected leadership. That provides the critical fourth element of Kerala’s success story.
Iran/EU: Erstmals wurde im Zusammenhang mit der Covid19-Pandemie ein einziges(!) Geschäft zwischen der EU und dem Iran über INSTEX abgewickelt (Auswärtiges Amt). Die Deutsche Welle hat aufgepasst. Einen Hintergrund zu dem Thema bietet die taz.

China: Eine Untersuchung zeigt, dass die Isolationsmaßnahmen in Wuhan bis zu 700.000 Ansteckungen verhindert haben könnten.
Ein spannendes Interview über die praktischen Erfahrungen bei der Bekämpfung der Seuche in Wuhan bieten die Riffreporter. Interviewpartner ist Eckhard Nagel, Arzt und einer von zwei Präsidenten des Chinesisch-Deutschen Freundschaftskrankenhauses in Wuhan. Eine wichtige Lehre: Das Krankenhauspersonal sollte nicht länger als sechs Stunden am Tag arbeiten müssen - und zwar, weil dann die Überlebenschancen der PatientInnen signifikant größer sind. Unbedingt lesen.

Beschäftigung, nicht das Bruttonationaleinkommen sei die grundlegende Zielgröße beim derzeitigen Wiederanfahren der chinesischen Wirtschaft, betont die Global Times.

Dienstag, 14. April 2020

The Day After

Der wirtschaftliche Schaden durch Covid19 in China werde sich in Grenzen halten, zeigt sich Zhang Jun beim Project Syndicate überzeugt. Entscheidend sei, dass man die Seuche im ersten Quartal 2020 in den Griff gekriegt habe und deshalb jetzt die nächsten Schritte gehen könne. Wenn keine größeren externen Schocks mehr kommen, werde Chinas Wirtschaft um 5 bis 5,5 Prozent wachsen - statt wie bisher angestrebt um 6 Prozent. Damit liegt der Wirtschaftswissenschaftler ziemlich genau auf der offiziellen Linie. Und Peking hat nicht vor, wirtschaftspolitisch etwas anbrennen zu lassen:
(...) the theoretical basis on which a package will be based is not traditional Keynesianism, nor simple counter-cyclical adjustment theory and conventional crisis management theory.
(...) to reach the annual target of 5.5 percent, the policy package needs to hit 5.2 trillion yuan [das sind umgerechnet fast 700 Mrd. Euro], except the previous 1.3 trillion yuan plan that has been adopted. 
Die allermeisten Entwicklungsländer dürften bei weitem nicht so glimpflich davonkommen. Oxfam meint gar, die Krise werde eine halbe Milliarde Menschen in Armut stürzen (taz, Pressemitteilung).

Dienstag, 17. März 2020

Covid-19 Splitter März 2020

Weltgesundheitsorganisation: Die WHO hat einen Covid-19 Solidarity Response Fund eröffnet, an den Privatpersonen, Stiftungen und Unternehmen spenden können. Denn die Probleme werden weltweit auftreten, und vor allem Südasien und Afrika können aufgrund schwacher Staatlichkeit und völlig unzureichender Gesundheitssysteme schlechter auf die Pandemie reagieren. In Lateinamerika geht der Ärger jetzt grad erst los - dennoch steht auch hier Schlimmes zu befürchten.

Weltbank: Das Versagen des kapitalistischen Modells angesichts ernsthafter Herausforderungen scheint auch en detail so epidemisch zu verlaufen wie die Covid-19 Infektionen selbst.....
Mit einem Notfallfonds versucht die Weltbank, arme Staaten bei der Bekämpfung von Pandemien zu unterstützen. Durch dessen Strukturierung wird das Instrument aber überflüssigerweise zu einem mit Steuergeldern finanzierten Zocker-Papier für Finanzmarkt-Investoren – und verfehlt seinen eigentlichen Zweck.
Der sehr lesenswerte Text zu dem "Zocker-Papier" ist bei Makronom erschienen.

EU: Und auch politisch werden die allergrundlegendsten Prinzipien über Bord geworfen. Politico bietet einen längeren Beitrag zu den Maßnahmen, die jetzt auf EU-Ebene nötig wären. Das Lesen stimmt pessimistisch, was die Zukunft der EU angeht, aber folgender Absatz macht besonders traurig:
Italy has already asked to activate the European Union Mechanism of Civil Protection for the supply of medical equipment for individual protection. But, unfortunately, not a single EU country responded to the Commission’s call. Only China responded bilaterally. Certainly, this is not a good sign of European solidarity.
(Hervorhebung die Red.) Hat tip für diesen Link geht an meinen Freund Andreas. Auf diesen Umstand ist man ein paar Tage später auch bei Telepolis aufmerksam geworden.

Offensichtlich ermutigt von diesen Erfahrungen haben Verantwortliche aus der Lombardei nun auch Kuba und Venezuela (!) um Hilfe gebeten (amerka21). Man fasst es kaum. Allerdings pflegen Venezuela und Italien bereits seit zwei Jahrhunderten besondere Beziehungen.

Iran: In seiner großen - durch die US-Sanktionen vervielfachten Not - wendet sich Teheran zum ersten Mal seit der Revolution von 1979 wieder an den Internationalen Währungsfonds um ein Darlehen in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar zu erhalten.

Big Pharma steht natürlich schon in den Startlöchern, um ein paar Extraprofite abzusahnen. Besonders erbittert es die KritikerInnen, dass öffentlich geförderte Forschung mittels Patentanmeldungen zu privaten Gewinnmitnahmen führt (The Intercept).

China ist immer wieder für eine Überraschung gut: Im Reich der Mitte hat man eine Möglichkeit gefunden, Technologien zur vermehrten, hoch automatisierten Produktion von Gesichtsmasken zu nutzen, die ursprünglich der Herstellung von Kampfflugzeugen vorbehalten war (Asia Times).

Deutschland: Wie überall trifft eine Krise auch auch bei uns zu Haus die Armen am härtesten. Nicht nur die Geschäfte sondern auch die Tafeln machen zu. Christoph Butterwegge plädiert dafür, die Hartz-IV-Sätze zumindest vorübergehend zu erhöhen (beide Nachrichten Neues Deutschland). Eine andere Möglichkeit wäre, eine Einmalzahlung auszuhändigen - so ähnlich, wie Hongkong es gemacht hat.

Donnerstag, 5. März 2020

Haarsträubend

MediaWatch hatte bereits darauf hingewiesen, dass es nicht der richtige Weg ist, zu versuchen, China für sein konsequentes Vorgehen gegen die Ausbreitung von Covid19 zu diskreditieren. Im Gegenteil: Das chinsesische Vorgehen hätte die unkontrollierte Ausbreitung des Virus verhindern können.

Hätte - wenn, ja wenn der Februar 2020 dazu genutzt worden wäre, sich konsequent auf die Ankunft von infizierten PatientInnen vorzubereiten, Tests, Masken und die nötige Ausstattung für Krankenhäuser zu bevorraten, Quaratänekapazitäten auf- oder auszubauen und all das zu tun, was die Weltgesundheitsorganisation sonst noch empfiehlt.

Jetzt müssen die BürgerInnen dieses Landes konstatieren, dass die Fallzahlen aus China und Italien und wahrscheinlich sogar noch die aus dem Iran zuverlässiger sind als die Daten, die in der Bundesrepublik erhältlich sind (darum wird hier auch kein Link angeboten). Was sich hierzulande abspielt, ist haarsträubend.

"Deutschland anscheinend unfähig, auf Coronavirus zu testen", titelt Telepolis. Das Resümee des Beitrags: keine zentrale, bundesweite Erfassung der Infektionen, Schlamperei in vielen, vielen Einzelfällen (2) (hier sind nur die verlinkt, die nicht bei TP erwähnt werden), lange Wartezeiten, die eine Rückverfolgung der Infektionswege unmöglich machen und als sei das alles noch nicht genug, wird der Export von Testkits in den Iran verhindert. Bei TP spart man denn auch nicht mit deutlichen Worten:

Montag, 3. Februar 2020

Eindämmung mit globalem Nutzen

Rassimus verbreitet sich mit dem Corona-Virus (DLF). Obwohl die Weltgesundheitsorganisation die chinesischen Maßnahmen lobt, schwanken die hiesigen Berichte meist zwischen Panikmache und vor allem Diskreditierung der chinesischen Maßnahmen.

Besonders erbittert die Chinesinnen die Reaktionen aus Washington und das Einreiseverbot der USA für Menschen, die kürzlich in China gewesen sind obwohl die WHO dies ausdrücklich nicht empfiehlt (Global Times).

Man weist auch auf die H1N1 Pandemie vor zehn Jahren hin, der nachgewiesenermaßen über 15.000 Menschen zum Opfer fielen (wikipedia/WHO). "However, the US failed to adopt effective control measures, causing a worldwide spread of the virus", heißt es in der Global Times. (Die volle Zahl der Todesfälle ist übrigens nie bekannt geworden, weil die Erkrankungen schlichtweg nicht überall systematisch erfasst worden sind.)

Nach dem zu urteilen, was an glaubwürdigen Nachrichten zu uns dringt, ist zweifelsohne anzuerkennen, dass die ChinesInnen entschlossen und tapfer gegen eine pandemische Ausbreitung des Virus ankämpfen (Global Times Timeline) und damit nicht nur den Menschen in China sondern uns allen einen unschätzbaren Dienst erweisen.


Und man kann schon ganz schön sauer werden, wenn man so etwas lesen muss (Stern):
US-Handelsminister Wilbur Ross hat mit der Aussage für Empörung gesorgt, das Coronavirus könne zu einer Rückkehr von Jobs aus China nach Nordamerika führen. Ross sagte am Donnerstag im US-Sender Fox Business, das Coronavirus sei ein "Risikofaktor" für Unternehmen, die in China Geschäfte machen wollten.
Deshalb ist es verständlich, wenn die Global Times in dem oben verlinkten Beitrag fragt:
Is this the only way for the world's only superpower to revive its manufacturing industry and make itself great again?

Dienstag, 17. Oktober 2017

Ungleichheiten zu beenden ist der Weg und das Ziel

Die verschiedenen Dimensionen von Ungleichheit hängen zusammen und verstärken und perpetuieren sich gegenseitig.

Warum ausgerechnet die Duchsetzung des Menschenrechts auf Gesundheit und die Umsetzung der reproduktiven Selbstbestimmungsrechte vor allem von Frauen sowie der Kampf um ihre Gleichberechtigung und Bildung gute Startpunkte sind, um den Teufelskreis aus Armut, Unwissenheit und Benachteiligung zu durchbrechen, erläutert der diesjährige Bericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA).
Intersektionale Ungleichheit bedeutet, dass eine arme, ungebildete Frau, die in einer ländlichen Gegend wohnt und nicht über ihre Schwangerschaften entscheiden kann, kaum in den Genuss von Bildung kommen oder eine bezahlte Arbeitsstelle finden wird. Infolgedessen wird sie Armut und Marginalisierung wahrscheinlich nicht entrinnen können. (...) Der Zugang zu Dienstleistungen der Familien­planung ist eine Grundvoraussetzung nicht nur der reproduktiven Gesundheit, sondern auch der sozialen und wirtschaftlichen Gleichstellung. Denn ungewollte Schwangerschaften schmälern die Chancen von Frauen auf Bildung, politische Mitbestimmung und ökonomische Weiterentwicklung.
Die deutsche Stiftung Weltbevölkerung hat eine Kurzfassung der UNFPA-Publikation erstellt, an der Euer/Ihr ergebenster MediaWatch-Redakteur wieder einmal mitgewirkt hat: "Gepaltene Welt. Reproduktive Gesundheit und Rechte in den Zeiten der Ungleichheit".

Mittwoch, 8. März 2017

Bevölkerungsentwicklung und Emanzipation

Immer wieder geistert die 'Überbevölkerung' wie ein malthusscher Wiedergänger durch die Hirne der Menschen und durch die Medienlandschaft. Es ist Zeit, diesem Thema einen grundsätzlichen Beitrag zu widmen, in dem auch deutlich wird, dass die Herren der Schöpfung endlich ihre Versuche aufgeben müssen, die Bedingungen der Fortpflanzung diktieren zu wollen.

Warum kriegen Menschen viele Kinder - oder warum haben sie das zumindest die letzten 200.000 Jahre so gehalten? Wenn von zehn Kindern sechs bis neun sterben und wenn die Gefahr besonders hoch ist, dass die Mütter bei der Geburt ebenfalls sterben, macht es Sinn, so viele Kinder so schnell wie möglich in die Welt zu setzen. Unter vormodernen Bedingungen ist eine hohe Kinderzahl also ein überaus rationales Verhalten. (Als wenig stichhaltig hat sich hingegen das alte Argument erwiesen, dass viele Kinder nötig seien, weil diese in traditionalen Gesellschaften ihre Eltern später mitversorgen. Denn das "Risiko", so alt zu werden, dass man nicht mehr arbeiten kann, war vor der Entwicklung des modernen Gesundheitswesens doch verschwindend gering.) Als Beispiel für eine solche "vormoderne" Alterspyramide kann man etwa Niger anführen (oder Mali, Mosambik, Malawi und andere).
Wenn sich nun die Situation ändert, und von zehn Kindern ziemlich plötzlich auf einmal neun oder zehn überleben, beginnt die Bevölkerung natürlich zu wachsen - umso schneller, als die Menschen gleichzeitig die Chance bekommen, länger gesund zu bleiben und älter zu werden. Erst allmähIich stellen sich die Leute auf die neue Situation ein. In Europa hat diese als "demografischer Übergang" bezeichnete Periode etwa von 1840 bis 1980 gedauert. Die anderen Weltregionen ziehen nun nach und stellen somit die ursprüngliche Bevölkerungsverteilung mehr oder weniger wieder her.