
Fast reagiert man erleichtert, wenn man liest, dass 2011 die weltweiten Rüstungsexporte erstmals seit 1995 (also nach 16 Jahren Boom) wieder ein wenig zurückgegangen sind (
G-News dt.). Doch ob das an der Finanzkrise (
SPON) oder den "Sparprogrammen" (
Hamburger Abendblatt) liegt, ist fraglich. Denn die "Boommärkte" "Lateinamerika, der Nahe Osten und Asien" (SPON) sind davon ja nur marginal betroffen. MediaWatch meint, dass nach dem Rüstungswettlauf, der auf das Ende des Kalten Krieges folgte, zumindest vorübergehend eine gewisse Marktsättigung erreicht ist. Darüber hinaus müssen die Militärs umdenken (Cyberkrieg, automatisierte Kriegsführung).
Das Stockholmer Fridensforschungsinstitut SIPRI hatte eine entsprechende
Pressemitteilung und eine
Liste der 100 größten Rüstungskonzerne mit Umsatzdaten (der militärischen Produktion und Dienstleistungen) veröffentlicht, die auch alle Mainstream-Medien brav kolportiert haben.
Nur die KollegInnen von
German-Foreign-Policy.com haben sich die Mühe gemacht, einmal etwas genauer in die Daten zu gucken. Dabei wurde deutlich, dass deutsche Qualität auch beim Töten Spitze bleibt.
Rheinmetall (...) gelang mit einem Verkaufszuwachs von 320 Millionen
US-Dollar ein Sprung nach vorn - von Platz 32 auf Platz 26. ThyssenKrupp
konnte sich durch eine Steigerung um 740 Millionen Dollar von Platz 57
auf Platz 49 verbessern und überholte die Panzerschmiede Krauss-Maffei
Wegmann, die nur 150 Millionen US-Dollar Verkaufserlöse hinzugewann und
auf Platz 54 verblieb. Diehl konnte seinen Absatz um rund 170 Millionen
US-Dollar vergrößern und liegt jetzt auf Platz 60.
German-Foreign-Policy.com wertet das als Ergebnis der Anstrengungen der deutschen Politik, die deutschen Rüstungsexporte auszubauen - eine Einschätzung, die auch im SIPRI selbst vertreten wird (
Badische Zeitung).
Übrigens: Die großen Söldnerfirmen sind im globalen Ranking von SIPRI zwar noch Exoten. Doch die
DynCorp International (gehört dem Hedgefonds
Cerberus Capital) kann mit 2,6 Mrd. US-Dollar Umsatz und weltweit 29.000 Beschäftigten durchaus mithalten und schafft es auf Platz 30.