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Montag, 22. September 2025

WTO-Fischereiabkommen

Ungewöhnliche Vorgänge bei der Welthandelsorganisation (WTO): Auf der Sitzung Mitte September nahm WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala die Annahmeurkunden von Brasilien, Kenia sowie Vietnam und Tonga zum Abkommen über Fischereisubventionen entgegen. 

Damit ist das Quorum von zwei Dritteln der WTO-Mitgliedsstaaten erreicht, womit der Vertrag in Kraft treten kann. 

Ungewöhnlich daran ist, dass solch ein Umweltabkommen nicht bei den Vereinten Nationen, sondern bei der WTO ausgehandelt wurde. Das Abkommen über Fischereisubventionen ist denn auch das erste multilaterale Abkommen der WTO, bei dem ökologische Nachhaltigkeit und nicht der Handel im Mittelpunkt steht. 

Bitte weiterlesen bei Telepolis ...

Samstag, 7. Mai 2022

Zwischenruf Schweinswale

Respekt vor der Deutschen Umwelthilfe, die es wagt, in dieser Zeit gegen den vorzeitigen Bau eines Flüssiggasterminals Einspruch zu erheben obwohl Bundesumwelt- und Energieminister Robert Habeck ausdrücklich davor "gewarnt" hatte (RND).

Ganz nonchalant geht die taz mit dem Umstand um, dass der Bestand seltener Schweinswale in der Nordsee durch diese Investition zusätzlich gefährdet werden könnte:

Ja, sorry auch - denn die meisten Zweibeiner verstehen eben nicht, dass sowohl der Schutz ihrer Umwelt und ihrer Mitgeschöpfe als auch die Vermeidung/Beendigung von Kriegen untereinander zwei Seiten derselben Medaille sind. Und absoluten Vorrang haben. Denn sie verstehen nicht, dass nur die Fähigkeit, beides in den Griff zu bekommen, ihr Überleben überhaupt erst ermöglichen wird. 

Das Spendenkonto der Umwelthilfe ist übrigens unter diesem Link zu erreichen:
https://www.duh.de/spenden/spende/

Freitag, 12. Juni 2020

Die Grüne Große Mauer

Fährt man in China über Land, fällt auf, dass es kaum alte Bäume gibt, dass aber an allen Ecken und Enden aufgeforstet wird – und zwar offensichtlich schon länger. Und tatsächlich läuft in der Volksrepublik China seit 40 Jahren - von der Weltöffentlichkeit fast unbemerkt – das größte Aufforstungsprogramm der Weltgeschichte. 1981 verpflichtete der nationale Volkskongress alle Chinesinnen und Chinesen ab einem Alter von elf Jahren jedes Jahr drei Baumsetzlinge zu pflanzen – vorzugsweise Pappeln oder Weiden, Eukalyptus, Birken und Lärchen. Allein zwischen 2000 und 2010 haben die Bürgerinnen und Bürger 56 Milliarden Bäume gesetzt.
Bis heute werden in China mehr Bäume aufgezogen als im Rest der Welt zusammengenommen. 2010 verfügte das Land über den weltweit größten von Menschen gepflanzten Wald, der eine Fläche von schätzungsweise einer halben Million Quadratkilometer bedeckte. Damit galt das offizielle Ziel der Kommunistischen Partei Chinas, 20 Prozent (etwa 1,95 Mio. km2) des Staatsgebietes zu begrünen, als erreicht. Zum Vergleich: Spanien ist knapp 506.000 km2 groß.

Freitag, 22. Mai 2020

Die Welt verbrennt

"Die Folgen der Klimakrise werden härter, umfassender und schneller eintreten, als bisher angenommen", meldete der Freitag als erstes deutsches Blatt. Irgendwann haben dann auch andere KollegInnen die Relevanz dieser Information begriffen und sie weiter verbreitet.
Zitiert wird eine Studie der US National Academy of Sciences. Kern der Überlegungen ist, dass bei einer planetaren Erwärmung um 3 Grad Celsius wesentliche Teile der Landmassen bis 2070 um etwa 7,5 Grad(!) wärmer werden. Das werde bis zu 3 Milliarden(!) Menschen direkt betreffen und weite Teile Afrikas, Lateinamerikas, Südasiens und Ozeaniens praktisch unbewohnbar machen. Der ORF bietet eine Karte.
(Im Vergleich dazu wird die jetzige Krise im Rückblick wie ein kurzer, freundlicher Moment der Entspannung aussehen, den viele Menschen genutzt haben, um endlich einmal auszuschlafen.)

Zu glauben, dass noch eine Menge Zeit vergehen wird, bis derartige Zustände erreicht sind, könnte sich außerdem als fataler Trugschluss erweisen: Science Daily verweist auf eine rapide Zunahme schwülheißer Tage für den Süden der USA.

Bewaffneter Natur- und Artenschutz kann zu ganz erheblichen Problem führen, wie eine taz-Serie belegt. Im Westen fehlt jegliches Gespür dafür und nach wie vor auch das Bewusstsein, dass es vor allem in Afrika und Südasien immer wieder zu ernsten Konflikten zwischen Tier und Mensch kommt.
Wenn man sich das hiesige Getue um die Wiederansiedelung des Wolfes anguckt (BR), (Borkener Zeitung), (CDU/CSU-Fraktion) - von Bären (1), (2) ganz zu schweigen -, kann man nur heilfroh sein, dass in Deutschland keine Elefanten oder Löwen und Tiger ausgewildert werden müssen, damit die Natur zu ihrem Recht kommt.Immerhin; die EU hat jetzt reagiert

Montag, 13. Januar 2020

Die große Unordnung

Nachdem

- es nun schon jahrezehntelang in Südostasien brennt,
- die rechtsradikale Regierung Brasiliens dem Abfackeln des Amazonas-Regenwaldes Vorschub leistet,
- Teile Kaliforniens mittlerweile baumfrei sind,
- Australien grad runterkohlt und selbst
- für das zentralafrikanische Kongo-Becken vor zunehmender Brandgefahr gewarnt wird,
- selbst Sibirien so austrocknet, dass es dort große Brandschutzprobleme gibt


gleichzeitig
- (zunächst einmal) Venedig und Jakarta im Meer versinken,


kann man ohne Übertreibung vom Beginn der großen Unordnung sprechen.

Wer glaubt, man käme hierzulande ungeschoren davon, könnte irgendwann ganz, ganz böse überrascht werden (2). Vor allem, wer auf einer Insel oder Hallig in der Nordsee wohnt, könnte schneller das Zuhause verlieren als gedacht.

Freitag, 20. September 2019

... und gebar eine Maus

Massensterben: Über die Brände in Lateinamerika sind die fortdauernden, schweren Verwüstungen in Südostasien ein wenig aus dem Blickfeld geraten (Al Jazeera). Der MDR bringt die Meldung gar im "Panorama" ...

Heißzeit: Angesichts des massiven Versagens der GroKo jetzt auch beim sogenannten "Klimapaket" wiederholen wir hier noch einmal die (natürlich schon längst wieder vergessenen) Worte einiger Youtuber vom Mai diesen Jahres:
Die irreversible Zerstörung unseres Planeten ist (...) das berechenbare Ergebnis der aktuellen Politik. Das behaupten nicht wir, sondern das ist (...) Konsens in der Wissenschaft. (…) Wer (...) nicht danach handelt, wie die aktuelle Regierung, hat nichts in der Führung eines aufgeklärten Landes zu suchen.
Es sind eben doch nur schwarze Nullen, die uns da regieren. Auch die Tatsache, dass fast die komplette Medienlandschaft die GroKo-Einigung als "Durchbruch" bezeichnet, ändert nichts daran. Die Grünen werden von diesem Versagen profitieren, es aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht besser machen. Wir werden darauf zurückkommen.

Freitag, 15. März 2019

¡Isso não Vale! Das ist es nicht wert!

Die Aktivitäten und sozio-ökologischen Konflikte von Vale S.A.
Ein Gastbeitrag von ForscherInnen der Autonomen Universität Barcelona (UAB)

Anlässlich des Internationalen Aktionstags gegen Staudämme am 14. März veröffentlicht das Team des ENVJUSTICE - EJAtlas des Instituts für Umweltwissenschaft und Technologie (ICTA) der UAB die thematische Karte ¡"Esto no Vale! Isso não Vale! Die Aktivitäten und sozial-ökologischen Konflikte von Vale S.A.", welche einen Überblick über weltweite sozio-ökologische Konflikte im Zusammenhang mit Bergbau- und Industrieprojekten des Vale-Konzerns gibt.


Die Karte wurde von der EJAtlas-Forschungsgruppe der UAB (Daniela Del Bene, Sara Mingorría, Grettel Navas, Lucrecia Wagner, Raquel Neyra, Max Stoisser) in Zusammenarbeit mit Yannick Deniau vom Geocomunes-Kollektiv (Mexiko) und Beatriz Saes (Universidade Federal Fluminense, Brasilien) angefertigt. Der untenstehende Text ist von Beatriz Saes. Die Übersetzung besorgte Max Stoisser.

Mittwoch, 14. Februar 2018

Die andere Hällfte tut überhaupt nix

Eine immerhin 449 Firmen umfassende Untersuchung von Programmen unternehmerischer Nachhaltigkeit (corporate sustainability) in den Branchen Ernährung, Bekleidung und Holzwirtschaft, zeigt deren eng begrenzte Wirksamkeit (Science Daily):
...about half use some form of sustainable sourcing practice ranging from third-party certification of production standards to environmental training for suppliers (...)
More than 70 percent of sustainable sourcing practices cover only a subset of input materials for a given product. For example, a company might use recycled materials for the packaging of a product, but leave the remainder of a product's upstream impact unaddressed. (...)

Almost all sustainable sourcing practices address only a single tier in the supply chain, usually first-tier suppliers, such as the textile factories that sew T-shirts. Often, the remaining processes, from dying the cloth to growing the cotton, remain unaddressed. (...)
More than a quarter of sustainable sourcing practices apply to only a single product line.
For example, a company may use Fair Trade certification for only one type of chocolate bar among many that it sells.

Donnerstag, 9. Februar 2017

Ländersache Nachhaltigkeit

Seit Mitte Oktober hat sich Euer/Ihr ergebenster MediaWatch-Redakteur mit der Frage auseinandergesetzt, was die Bundesländer im Hinblick auf die Neuen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen tun und was sie tun könnten und sollten. Denn in vielen Bereichen verfügen die Länder über Kompetenzen, die für eine nachhaltige (Weiter-)Entwicklung Deutschlands wesentlich sind und machen zudem auch Entwicklungspolitik.

Warum auch die Länder was tun müssen? Nun, das Neuartige der SDGs besteht darin, dass sie universell gültig sind. Sie betonen die Notwendigkeit der Veränderungen vor Ort, verlieren aber gleichzeitig die internationale Verantwortung der reichen Länder nicht aus den Augen, insbesondere bei der Bekämpfung von Armut und Hunger aber auch bei der Beseitigung all der Hindernisse, die eine nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise hierzulande erschweren.

Ein Überblick über die Themen, die die Bundesländer im Kontext der SDGs bearbeiten können oder müssen, zeigt die Bandbreite der Aufgaben:
Klimaschutz und Energiewende, Nachhaltiges Wirtschaften, Schutz natürlicher Ressourcen (Biodiversität, Wald, Wasser, Flächen/Boden, Luft), Umwelt und Gesundheit, Bildung und Wissenschaft, Demografischer Wandel, Sozialer Zusammenhalt und gesellschaftliche Teilhabe, Gute Arbeit – faire Arbeit,  Integration, Nachhaltige Finanzpolitik, Nachhaltige Stadt- und Quartiersentwicklung, Nachhaltige Mobilität, Nachhaltiger Konsum und Lebensstil, Landbewirtschaftung, Gesundheit, Eine-Welt-Politik und die europäische und internationale Dimension, Geschlechtergerechtigkeit, Barrierefreiheit und Inklusion, Nachhaltigkeit in den Kommunen (Lokale Agenda), Bürgerschaftliches Engagement und Teilhabe.

Auftraggeber für diese Untersuchung ist das Global Policy Forum - ja, genau die, die die SDG-Bibel verfasst haben. Wer keine 50 Seiten lesen mag, kann gerne auch auf eine (allerdings nicht von mir geschriebene) Kurzfassung zurückgreifen.

Freitag, 22. Juli 2016

Die Lücken schließen sich

Wichtige Lücken in unserem Wissen über die Klimamodellierung werden derzeit geschlossen:

Ein bisher nur theoretisch formulierter Rückkoppelungseffekt des Klimawandels ist nun erstmals durch empirische Untersuchungen von Satellitenbildern bestätigt worden. Die Klimaerwärmung verändernd die Wolkenbildung, was in zusätzlicher Erwärmung der Atmosphäre resultiert.

In einer weiteren groß angelegten Studie konnte die US-Raumfahrtbehörde NASA nun klären, warum die Klimamodelle eine höhere Erwärmung prognostizieren, als sie in den letzten 150 Jahren scheinbar tatsächlich eingetreten ist: Die historischen Messungen sind ungenau und enthalten im Schnitt Fehler von etwa 20 Prozent. (Beide Nachrichten Science Daily.)

Dazu passt: Ein Teil des Rhone-Gletschers wird jetzt mit weißer Plane abgedeckt, damit er langsamer wegschmilzt. (SPON) MediaWatch meint, dass dieses Geld besser für den Klimaschutz verwendet wäre, denn 2100 Jahren soll der ohnehin futsch sein - und mit ihm wohl praktisch alle Gletscher in den Alpen.

Der Rhonegletscher und Furkapass um 1900:

Und eine ähnliche Ansicht (von weiter oben und weiter weg) im Juli 2004:

Mittwoch, 23. März 2016

Chinas Wasserpolitik

MediaWatch hat schon vor Jahren auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die die chinesischen Stauseen am Oberlauf des Mekong den flussabwärts gelegenen Anrainerstaaten (Burma Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam) bereiten dürften. Eine lang anhaltende Dürre in Indochina hat Peking nun veranlasst, mehr Wasser als sonst aus diesen Stauseen abzulassen, um die Schäden zu begrenzen (Nationmultimedia; hat tip Asia Times). Xinhua bietet eine Fotostrecke zu dem Thema.

Der Schritt steht sicherlich auch in Zusammenhang mit einer Konferenz zwischen China und den Mekong-Anrainerstaaten, die jetzt, kurz nach dem wasserpolitischen Schritt Pekings stattfindet. Xinhua meldet:
China will offer concessional loans of 10 billion yuan (1.54 billion U.S. dollars) and credit lines of up to 10 billion U.S. dollars to fund infrastructure and improve connectivity in Cambodia, Laos, Myanmar, Thailand, Vietnam and China (...)
Five billion U.S. dollars in loans will be specifically dedicated to industrial production capacity cooperation between China at the upper reach of the Mekong (known as Lancang in the Chinese stretch) and the five Southeast Asian countries at the lower reaches. (...)
China and Thailand launched an 845-km railway project linking the Thai capital Bangkok with the northeastern city of Nong Khai near Laos, part of a Pan-Asia railway network, in late 2015.
The China-Laos railway from Mohan-Boten to Vientiane will be the first overseas route that connects Laos with the vast railway system in China, using Chinese technology, equipment and investment.

Montag, 18. Januar 2016

Was erlauben Erdöl?

Eine gute und umfassende Analyse der Ölpreisentwicklung und (versteckter) politischer Risiken eines dauerhaft niedrigen Ölpreises bietet The Nation. Hat tip Telepolis.
(Darin wird u.a. übrigens die These vertreten, dass die Abwahl der bolivarischen Regierung in Venezuela auch auf die durch den eingebrochenen Ölpreis heftig gesunkenen Staatseinnahmen zurückzuführen ist, die das Ende der chavistischen Subventionen für die Ärmeren eingeläutet hätten. Vgl. auch G-News dt.)
Aber angesichts des Klimawandels und der damit verbundenen Anstrengungen muss die Nachfrage nach dem Schwarzen Gold doch auch langfristig zurückgehen, oder? MediaWatch ist nicht so optimistisch wie die FAZ. Wir halten den - ja doch sehr lückenhaften - Umbau der Energieversorgung in einigen Industrieländern und die Divest-Bewegung nur für sekundäre (vgl. Grafik oben) beziehungsweise marginale Ursachen für den Ölpreisverfall. Eher spielt unser Meinung nach der Einsatz von Kernenergie, Kohle (vor allem in Indien und China oder in Südafrika aber auch Deutschland) und der gestiegene Erdgasverbrauch (vor allem in Europa) eine Rolle bei der Begrenzung des Ölverbrauchs (vgl. Grafik unten).

Dienstag, 7. April 2015

Eine "einigermaßen wohlhabende Gesellschaft"

Wie sich die Chinesische Kommunistische Partei die wirtschaftliche Zukunft des Landes vorstellt, wird in dieser Infografik recht anschaulich erläutert:


Donnerstag, 20. November 2014

Schönheit der Zerstörung


SPON wundert sich, dass die Erderwärmung weiter geht, obwohl die Fieberkurve des Planeten aufgrund ungeklärter Effekte die letzten 15 Jahre stagnierte. Schon früher hatte man in der Redaktion offensichtlich geglaubt, den Weltklimarat wegen "Ungenauigkeiten" kritisieren zu müssen.

MediaWatch zeigt wieso der Klimawandel weiter geht:

Der NASA-Film bildet die (mit bisher nicht erreichter Genauigkeit simulierten) Kohlendioxid-Konzentrationen in der Atmosphäre während eines Jahres ab. besonders interessant ist es, zu sehen, wie diese auf der Nordhälfte während der Vegetationsperiode (Pflanzenwachstums im Sommer) abnehmen (hat tip (e)science news).

Mittwoch, 27. August 2014

Verantwortungsvoller Konsum

MediaWatch hat sich schon aus politökonomischer Sicht dafür ausgesprochen, gesellschaftliche Probleme nicht allein den KonsumentInnen aufzubürden, sondern besser ordnungspolitisch zu regeln. Nun zeigen Untersuchungen von Markus Giesler und Ela Veresiu (Uni York), dass der Versuch von KäuferInnen, verantwortungsbewusst zu konsumieren, Unternehmen mehr nützt als der Gesellschaft insgesamt (e!science, Journal of Consumer Research):
When businesses convince politicians to encourage responsible consumption instead of implementing policy changes to solve environmental and social problems, business earns the license to create new markets while all of the pressure to solve the problem at hand falls on the individual consumer. (...)
First, economic elites redefine the nature of the problem from political to one of individual consumption (for example, global warming stems from consumers failing to cultivate a sustainable lifestyle). Next, economic elites promote the idea that the only viable solution is for consumers to change their behavior. Third, new markets are created in order to turn this solution into a material reality
(eco-friendly light bulbs, hybrid automobiles, energy efficient appliances). Finally, consumers must adopt this new ethical self-understanding.

Dienstag, 24. Juni 2014

Die Grenzen von Wachstum und Gerechtigkeit

Die Mediawatch-Redaktion gibt unumwunden zu, dass sie noch auf die deutsche Übersetzung von "Le capital au XXIe siècle" wartet, bevor ein eingehender Blick in das eigentliche Werk riskiert wird. Doch eines scheint jetzt schon klar: Bevor man versucht, den französischen Ökonom zu kritisieren, weil er "vergessen" habe, ökologische Faktoren in seine Überlegungen einzubeziehen, sollte man lieber versuchen zu verstehen, welche Konsequenzen Pikettys Überlegungen haben, wenn man wirtschaftliches Wachstum allen Ernstes einschränken will. Dazu hilft ein Blick auf die hier verlinkte Grafik Piketty_Kapitalertragsraten_und_Wachstum aus dem sehr lesenswerten Beitrag "Verschärft der Kapitalismus die Ungleichheit oder nicht? – Thomas Piketty vs. Peter Bofinger" im Herdentrieb. Wie zu sehen ist, lagen die Kapitalertragsraten lange Jahrhunderte zwischen vier und fünf Prozent obwohl praktisch kein Wirtschaftswachstum vorhanden war.

Wer also einen Zustand niedrigen Wirtschaftswachstums (wieder) anstrebt, muss eine glaubwürdige Antwort auf die Frage anbieten, wie vermieden werden soll, dass sämtlicher gesellschaftlicher Wohlstand sich in den Händen Weniger konzentriert (und unweigerlich zu mittelalterlichen Verhältnissen führt). Ohne eine Antwort auf die Verteilungsfrage zu geben, sollte die ökologische Frage unter der Prämisse des Nullwachstums überhaupt nicht gestellt werden. Nur wenn die Umverteilungswirkung von Steuern (rote Linie in der Grafik) auf Kapitalerträge und Erbschaften groß genug ist, um der Umverteilung von unten nach oben - deren Auswirkungen ohne Wirtschaftwachstum noch endgültiger und unwideruflicher sind als mit - permanent entgegenzuwirken, ist Nullwachstum überhaupt eine hinehmbare Alternative.

P.S.: Wirtschaftswachtum kann allerdings selbstverständlich auch ohne zunehmenden (und sogar bei abnehmendem) Ressourcenverbrauch stattfinden. Friederike Spieker schreibt bei Flassbeck Economics in einem absolut lesenswerten Beitrag über Grundfragen des Wirtschaftswachstum unter anderem:
Wichtig ist festzuhalten, dass die auf Wachstum angewiesene Marktwirtschaft in keiner bestimmten Dimension wachsen muss, dass sie nicht auf Gedeih und Verderb auf zunehmenden Ressourcenverbrauch angelegt ist. Um es platt auszudrücken: Marktwirtschaft funktioniert auch ohne eine steigende Zahl Autos, ja wir können sogar eine abnehmende Zahl Autos mit einer wachsenden Wirtschaft verbinden. Mehr saubere Luft, mehr saubere Böden, mehr sauberes Wasser, mehr Recycling, mehr Gesundheit etc. bis hin zu mehr Zeitwohlstand sind alles Kategorien, die meines Erachtens wachsen dürfen, ohne dass dem die Endlichkeit unseres Planeten entgegen steht. Mit der Befürwortung von Wachstum ist eben noch längst nicht gesagt, was wachsen sollte.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Weltweit fracken

Nachdem MediaWatch gerade einen "beachtlichen Etappensieg" melden konnte, weil eine britische Firma auf die Exploration von mutmaßlichen Erdölvorkommen im Virunga-Nationalpark verzichtet, ist es nun an der Zeit, wieder eine Menge Wasser in den Wein zu gießen:

In einem neuen Report "Heading South" berichten Friend of the Earth (FoE), wie vorwiegend europäische Energieriesen ihre Aktivitäten zu Förderung von Schiefergas ("fracking") in Ländern des Südens ausweiten. Am Beispiel Argentiniens wird gezeigt, wie dabei die Interessen der Betroffenen auf der Strecke bleiben. Die US Energy Information Administration (EIA) hat schon letztes Jahr eine Untersuchung durchgeführt, um eine Übersicht über die Schiefergasvorkommen außerhalb der Vereinigten Staaten zu bekommen (vgl. auch die Karte unten).


Auch die EU hat sich Anfang 2014 des Themas 'unkonventionelle Energiereserven' angenommen und Empfehlungen veröffentlicht, die unter anderem ausdrücklich die Einbringung von Chemikalien in den Boden vorsehen (Punkt 10). (Vgl. auch die Nachdenkseiten.) Bereits im letzten Jahr hatte FoE einen Bericht veröffentlicht, in dem der Stand der Fracking Aktivitäten und der Widerstand dagegen für eine ganze Reihe von Ländern zusammengefasst worden war: "Shale gas: Uncvonventional and unwanted".

Donnerstag, 12. Juni 2014

Beachtlicher Etappensieg

Zum ersten Mal seit Bestehen der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen hat eine Beschwerde zur Einstellung umweltschädlicher Aktivitäten eines Unternehmens geführt. Der WWF hatte sich beim Nationalen Kontaktpunkt Großbritanniens gegen die Erdöl-Explorationstätigkeit  des britischen Konzerns SOCO im Virunga-Nationalpark in der DR Kongo Beschwerde eingelegt.

Ein darauf hin eingeleitetes Mediationsverfahren hat nicht nur dazu geführt, dass das Projekt aufgegeben wurde. Darüber hinaus hat sich SOCO bereit erklärt, überhaupt nicht mehr an Stätten nach Erdöl zu suchen, die zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Im Virunga-Nationalpark leben unter anderem die letzten Berggorillas.

OECD Watch bietet eine komplette Dokumentation des Falls. Der Guardian hat bereits berichtet. Die guten Nachrichten kommen von der niederländischen NGO SOMO. MediaWatch gratuliert den AktivistInnen zu diesem beachtlichen Etappensieg. Aber es ist davon auszugehen, dass Länder künftig seltener versuchen werden, schützenswerte Landschaften mit dem Prädikat 'Weltkulturerbe' zu versehen, wenn in dem Gebiet auch Bodenschätze vermutet werden. Zudem sind nur Firmen in OECD-Ländern gehalten, die Leitsätze zu beachten.


Freitag, 16. Mai 2014

Brasilien: Nicht nur Fußball

"Die Formalisierung des Arbeitsmarktes und die Anhebung der Arbeiterlöhne haben in den vergangenen Jahren am meisten dazu beigetragen, dass sich die soziale Ungleichheit in Brasilien verringert hat", weiß Brasilnews zu berichten.

Allerdings nehmen die Proteste und Streiks kurz vor der Fußballweltmeisterschaft wieder zu. „Schulen und Hospitäler nach FIFA-Standard“, fordern die DemonstrantInnen (Handelsblatt, vgl. auch BrasilNews) - wohl wissend, dass ihre Stimmen im Moment eher gehört werden als zu irgendeinem anderen absehbaren Zeitpunkt. Ob das Mega-Event ein wirtschaftlicher Erfolg wird, darf bezweifelt werden (Handelszeitung) - zumindest die Zahl der Buchungen von Inlandsflügen ist gegenüber früheren Jahren bisher unverändert (BrasilNews). Schon letztes Jahr hatte das riesige lateinamerikanische Land erfolgreiche Proteste gegen die Erhöhung der Fahrkarten-Preise erlebt (wikipedia). Auch damals waren sie während eines Fußball-Tuniers kumuliert.

Brasilien ist aber auch das Land, in dem jetzt erstmals gentechnisch veränderte Insekten freigesetzt werden. Es sind dies unfruchtbare Tiger-Mücken, die helfen sollen, das Dengue-Fieber einzudämmen (Transgen).

Da Möglichkeiten fehlen, weitere große Wasserkraftwerke zu bauen, will Brasilien bei der Stromerzeugung künftig verstärkt auf Kohle, Erdgas und Atomkraft setzen (BrasilNews).

Samstag, 5. April 2014

Und nun: das Wetter

Brasilien wird von einem außergewöhnlichen Dürreereignis getroffen (G-News dt. - alle anderen Links in englischer Sprache). In den Trockengebieten des Landes ist es so schlimm wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Daran, dass den Staudämmen im Zentrum des Landes Wasser zur Stromerzeugung fehlt, ändern auch die Überschwemmungen im Amazonas-Gebiet nichts.

Es ist die vierte Dürre in Brasilien in dichter Folge: Die Redaktion von MediaWatch kann sich an entsprechende Meldungen aus vergangenen Jahren erinnern - der WWF z.B. hat über extreme Trockenheiten in 2005, 2009 und 2010 berichtet.

In Bolivien wütet die schlimmste Trockenheit seit 30 Jahren und - derzeit brennt die Landschaft dort an mindestens 47.000 Stellen.

Auch im Süden Kolumbiens gibt es Probleme mit Wassermangel. Die Gegend ist für die Landwirtschaft wichtig.

In Haiti verdorren die Feldfrüchte ebenfalls. In Honduras wurde wegen der Trockenheit der Notstand ausgerufen.

P.S.: Auch in den USA fällt derzeit viel zu wenig Regen.