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Montag, 8. September 2014

Ebola: Der Kampf wird dauern

Die Netzfrauen leisten fast immer gute Arbeit und sind eine wichtige kritische Stimme. Doch mit ihrem Blogbeitrag zu Ebola sind sie über das Ziel hinausgeschossen. Zu Recht weisen sie zwar darauf hin, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag, den 2.9.2014 noch keine tausend Ebola Todesfälle registriert hatte. Doch dann kommt ein faustdicker Denkfehler:
Dies sind natürlich 788 Todesfälle zu viel, aber trotzdem sollten wir sie mit den 1,2 Millionen Todesfällen, die jährlich durch Malaria verursacht werden, vergleichen oder aber mit den 2.000 Todesfällen die jährlich in Frankreich durch die saisonbedingte Grippe auftreten.

Mittwoch, 17. November 2010

Wahlen mit ungewissen Konsequenzen

Nach der von Unruhen überschatteten Veröffentlichung des Ergebnisses der Präsidentschaftswahl in Guinea hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Bevölkerung zur Ruhe aufgerufen. Die unabhängige Wahlkommission hatte am Montagabend den Oppositionspolitiker Alpha Condé mit 52,5 Prozent der Stimmen zum Sieger der Stichwahl erklärt. Der ursprünglich als Favorit betrachtete ehemalige Regierungschef Cellou Dalein Diallo kam nur auf 47,4 Prozent.

Wer sich darüber hinaus noch für einige Hinweis auf die politische Ökonomie Guineas interessiert, kann außerdem hier im Blog weiter lesen.

Sonntag, 7. November 2010

Guinea: Was bisher geschah

Diesen Sonntag (7. November 2010) findet in Guinea nach mehreren Verschiebungen endlich die Stichwahl um das Präsidentenamt statt. Im ersten Wahlgang im Juni 2010 hatte kein Kandidat die erforderliche absolute Mehrheit erreicht. Das Wahlergebnis wird am 20. Juli 2010 bekannt gegeben. Danach erhielt Ex-Premierminister Cellou Dalein Diallo 43,69 und Alpha Conde 18,25 Prozent der 2.675.320 Mio. abgegebenen gültigen Stimmen. Mit dem Ergebnis aus der Stichwahl wird in den nächsten Tagen gerechnet.

Wer Interesse an einigen wichtigen Wendepunkten der jüngeren guineischen Geschichte hat, sollte unbedingt

Donnerstag, 7. Januar 2010

Arbeit, Gerechtigkeit, Solidarität?

Sollte das ein erster Schritt auf dem Weg zur Rückkehr zu einer Zivilregierung werden?  Sekouba Konate, Der aktuelle Militärherrscher in Guinea macht der Opposition ein Angebot zur Bildung einer Übergangsregierung. ( Al Jazeera, Guinea Oye!, 2, 3, 4 Guardian).
"Will Price of Transition to Civilian Rule Be Amnesty for Military’s September 28 Attack?", fragt Guinea Oye!. (Damals kamen bei einem Massaker während einer Demonstration über 150 Menschen ums Leben.) Die Überlegung liegt nahe.
Doch ohne ein Signal aus dem Westen (von Frankreich), dass man im Gegenzug die Interventionsdrohungen (2) fallen lässt, wäre ein solches Entgegenkommen wohl kaum denkbar.
Vor kurzem erst war ein Anschlag auf Moussa Dadis Camara (den Vorgänger von Konate) de facto erfolgreich. Camara trug Kopfverletzungen davon, von denen er sich bisher nicht erholt hat. Guineische Regierungsstellen machten Frankreich für den Anschlag verantwortlich.

Freitag, 16. Januar 2009

Guinea: Do Elections Matter for Development?

Paul Collier, Columnist with the Guardian Newspaper in London, asks whether the Putschists in Guinea are to blame for their coup d'etat. Coups "can take a society from bad to worse", he argues (Guardian, 15 January 2009). But the coup in Guinea could be different. "The challenge is not to suppress them but to harness them as a force for good". The junta on Thursday named a government "made up of military officers and technocrats three weeks after they seized power", according to the BBC. Junta leader Captain Moussa Dadis Camara made it clear that soldiers hold the key finance, justice, and defence portfolios. "No representatives from political parties have been appointed but former banker Mahmoud Thiam has been put in charges of the mines sector", recorded the BBC.

A French official mentioned that the junta promised to hold elections this year, after an announcement before that elections would be possible in 2010. In December the junta had named Banker Kabine Komara as prime minister. Both the African Union (AU) and the West African regional bloc ECOWAS suspended the membership of Guinea after the coup.

Collier, who will publish his book "Wars, Guns and Votes: Democracy in Dangerous Places" in March, calls for a pragmatic policy in regard to Guinea's military. He writes:
"When the president died after 24 years in office, the likely prospect was that Guinea would follow Togo where, after the demise of the president-for-life after 38 years in office, his son graciously assumed power in a token election. No wonder that junior army officers sought to pre-empt the evolution of Guinea from dictatorship to absolute monarchy by seizing the moment. The gut-reaction condemnation of the coup by the international community is sanctimonious condescension. The coup in Guinea also followed a pattern: the absence of term limits and prolonged periods of rule increase the chances of a coup.
Clean elections matter for integrity, but do they matter for development? Does electoral accountability actually discipline a government to run the economy better? With Lisa Chauvet I have been analysing 30 years of data on elections in the developing world. To capture how the economy was run we used two measures: a commercial rating for investors and a rating done by the World Bank. A reasonable objection to each is that while they reflect what international investors and World Bank staff want, there is no reason to expect that they represent what voters want. Indeed, some NGOs have argued for years that they are precisely the policies that citizens do not want."
(Klaus Boldt)

Sonntag, 7. Dezember 2008

Guinea auf dem Weg zum Schuldenerlass

Eine Reportage von Ina Zeuch

Arm ist, wer sich arm fühlt. Oder wer als arm abgestempelt wird. Die Weltbank-Gruppe hat sich das Motto "Working for a world free of poverty" gegeben und definiert als arm, wer weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag verdient. Ende August zählte die Weltbank in einem neuen Bericht 1,4 Milliarden Erdenbürger zu den Armen - jeder Vierte in den sich entwickelnden Ländern gehört demnach dazu. Zuvor war ein Dollar pro Tag die Richtschnur gewesen. Im westafrikanischen Land Guinea gibt es nicht die krassen Gegensätze zwischen Arm und Reich wie in Indien oder Brasilien. Aber nach Weltbank-Maßstäben leben 40 Prozent der Bevölkerung in absoluter Armut. Der Schuldendienst verschlingt fast ein Viertel der Exporteinnahmen des mit Rohstoffen gesegneten Landes. Um in den Genuss eines Schuldenerlasses zu kommen, wofür politische und wirtschaftliche Kriterien erfüllt werden müssen, hat die Regierung neue Institutionen gegründet und ein Armutsbekämpfungsprogramm aufgelegt, das von der GTZ unterstützt wird. Ina Zeuch hat das Land bereist und für epo.de den folgenden Bericht verfasst.

Familie S. ist durchaus wohlhabend. Sie wohnt in einem großen Gehöft am Ortsausgang von Labé in Zentralguinea. Sie besitzt zwei Autos, beide Kinder fahren Mofas und besuchen das Gymnasium. Doch jeden dritten Tag gibt es keinen Strom und oft wird auch dann keiner geliefert, wenn er angekündigt ist. Zudem gibt es kein fließendes Wasser, das daher jeden Tag in Kanistern herangeschafft wird. Deshalb steht der Fernseher mit Videogerät oft verwaist im Schlafzimmer und der Kühlschrank taut ständig auf. Die täglichen Mahlzeiten garen auf dem Holzfeuer – eine alltägliche Situation in Labé.

REICH UND DOCH ARM
Auch Guinea ist eigentlich ein reiches Land: Es besitzt das größte Bauxitvokommen der Welt, daneben gibt es reiche Vorkommen an Eisenerz, Nickel, Gold, Diamanten sowie große Mengen Holz und fruchtbares Ackerland. Trotzdem lag die nominale externe Gesamtverschuldung des westafrikanischen Staates 2005 bei etwa 3,3 Milliarden US-Dollar. Die Abzahlung von Schulden verschlingt derzeit etwa 23 Prozent der Exporteinnahmen.

Aber nicht nur der Staat, auch die Menschen sind bitter arm. 40 Prozent der Bevölkerung leben in absoluter Armut, verfügen nur über höchstens einen US-Dollar pro Tag. Im ländlichen Raum, wo fast 70 Prozent der Bevölkerung leben, beträgt die Anzahl der absolut Armen sogar 53 Prozent. Das Land leidet darüber hinaus unter einer hohen Inlandsverschuldung und zählt zu den am höchsten verschuldeten Ländern der Welt, den sogenannten HIPC-Ländern (Heavily Indebted Poor Countries). Deshalb war Guinea schon im Jahr 2000 für einen Schuldenerlass vorgesehen worden.

Doch noch kann Guinea die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank geforderten Bedingungen dafür nicht erfüllen. Zu diesen Forderungen gehören auch die Möglichkeit demokratischer Partizipation und good governance. Die aus dem Schuldenerlass frei werdenden Finanzmittel sollen zur Armutsminderung eingesetzt werden. Dazu muss ein umfassendes Konzept darüber vorliegen, wo und wie die Gelder eingesetzt werden sollen. Seit Dezember 2000 arbeitet das Land deshalb an der Erstellung eines Dokuments zur Strategie der Armutsminderung, des DSRP (Document pour la Stratégie de la Réduction de la Pauvreté).

DIE ROLLE VON IWF UND WELTBANK
Die Armutsbekämpfungsprogramme (Stratégie de la Réduction de la Pauvreté, SRP) wurden 1999 als neuer Ansatz zur Armutsbekämpfung vom Internationalen Währungsfonds und der Weltbank entwickelt. Sie sehen eine breite gesellschaftliche Beteiligung an der Erarbeitung und Überwachung der Armutsminderungsstrategien vor. Bei der Erstellung des DSRP haben IWF und Weltbank nur beratende Funktionen. Aber die Papiere müssen zum Abschluss den Exekutivgremien beider Institutionen vorgelegt werden und beeinflussen die Entscheidung über einen Schuldenerlass. Dabei legen IWF und Weltbank auf folgende Aspekte besonderen Wert:
  • wirtschaftliches Wachstum und Privatisierung,
  • Dezentralisierung, also regionale Umsetzung von politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen sowie die
  • Stärkung der sozialen Grunddienste.
Eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den Gebern wird zudem nur durch eine gute Regierungsführung ermöglicht. Der Schwerpunkt der deutsch-guineischen Entwicklungszusammenarbeit ist seit jeher die Stärkung gut funktionierender sozialer Grunddienste - und sie ist deshalb stark in das DSRP mit eingebunden.

Ein Armutsminderungsprogramm umfasst drei wesentliche Bestandteile:
  • Analyse der Armut
  • Entwicklung einer angemessenen Strategie und Überwachung
  • sowie Evaluierung der Umsetzung des Programms.
Derzeit stellt die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) vor allem freie Politikberater für das DRSP und finanziert Workshops und Fortbildungsseminare. Bei einem Schuldenerlass würden IWF und Weltbank mit speziellen Unterstützungskrediten jeweils unterschiedliche Reformen finanzieren, die Weltbank im öffentlichen Sektor, der IWF im Bereich der Wechselkurs- und Steuerpolitik.

STÄRKUNG DER ZIVILGESELLSCHAFT
Zunächst aber unterstützen IWF und Weltbank in Zusammenarbeit mit der GTZ seit Mai 2002 die nationale Strategie zur Armutsminderung ASRP (Appui à la Stratégie de la Réduction). Das setzte einen vielfältigen und schwierigen Prozess zwischen Staat und der im Aufbau befindlichen Zivilgesellschaft in Gang. Denn der erste DSRP wies einige Schwachpunkte auf, zum Beispiel die mangelhafte Beteiligung der Zivilgesellschaft und eine unzureichende Zusammenarbeit mit den staatlichen Stellen, denen es an Fachpersonal und guter Organisation fehlte.

Deshalb werden jetzt in einem zweiten Anlauf für das DSRP eine Vielzahl von Fortbildungskursen, Workshops sowie Lang- und Kurzzeitberatungen organisiert, um die vorhandenen Kapazitäten von staatlichen wie nichtstaatlichen Institutionen in die Durchführung zur Armutsbekämpfung voll mit einzubeziehen. Zur Verbesserung bei der Umsetzung und Evaluierung der Armutsminderungsstrategie wurde 2001 eigens das ständige Sekretariat für Armutsbekämpfungsstrategie SSRP (Sécrétariat Permanent de la Stratégie de Réduction de la Pauvreté) gegründet, das der Aufsicht des Wirtschafts- und Finanzministeriums unterliegt. Es arbeitet eng mit dem Ministerium für Planung in Conakry zusammen, die beide wiederum eng mit der GTZ kooperieren.

LABÉ ALS PILOTPROJEKT
Als Pilotprojekt für das DSRP wurde die Heimatregion der Familie S., Labé, mit seinen fünf Präfekturen ausgewählt. Denn einer der Schwerpunkte des Vorhabens ist die Entwicklung der ländlichen Regionen, in denen weit über die Hälfte der armen Bevölkerung lebt.

Der Distrikt zählt zu den ärmsten Regionen des Landes: Mitten im hügeligen und üppig grünen Fouta Djalon gelegen, leben dort fast 40 Prozent Arme. Die Menschen sind in allen Lebensbereichen eingeschränkt - beim Zugang zu Bildung, Gesundheitsdiensten und menschenwürdigem Wohnen mit fließendem Wasser und Strom. Nur 19 Prozent der Menschen in Mittelguinea können Lesen und Schreiben, die HIV-Aids-Rate hat sich zwischen 2001 und 2002 auf dem Land von 1,4 Prozent auf 2,8 Prozent verdoppelt.

Der Zusammenhang von Bildung und Aufklärung ist offensichtlich, aber vielfach sind gerade die Oberhäupter der Familien, die die familiären Entscheidungen fällen, Analphabeten. Nur 42 Prozent auf dem Land besuchen die Schule. Auch die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen zeigt sich in den ländlichen Regionen am deutlichsten: Von den erwähnten 70 Prozent Armen unter der Landbevölkerung sind gut 53 Prozent Frauen. Während 67,6 Prozent Jungen eingeschult werden, sind es bei den Mädchen nur knapp 40 Prozent.

FORTBILDUNGEN ZUR FÖRDERUNG LOKALER WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG
Vom 7. bis 11. Mai 2007 tagte im Bürgerzentrum Labés ein zweites Seminar zur lokalen Wirtschaftsentwicklung (Développement Économique Local, DEL). Das erste hatte im Dezember 2006 stattgefunden. In ganztägigen Vorträgen und Arbeitsgruppen diskutierten 38 Unternehmer und Vertreter lokaler Verwaltung und Zivilgesellschaft fünf Tage lang Vorschläge für die Gestaltung von Instrumenten zur Umsetzung und Evaluierung einer armutsorientierten DEL-Strategie für die Region Labé. Sie analysierten die staatlichen und privaten Wirtschaftsleistungen und listeten die wesentlichen Hindernisse auf, die die staatliche Verwaltung für lokale Unternehmen in den Weg legt. Zudem wurden hier Situationsberichte von Delegierten aus allen fünf Präfekturen Labés vorgestellt. Um ein konkretes Beispiel vor Augen zu haben, besuchten die Teilnehmer am dritten Tag eine Parfümölfabrik in der Region.

"Damit die Beteiligung aller wichtigen Akteure am DEL-Prozess sicher gestellt ist, werden die Berichte aus den Workshops an alle Teilnehmer und alle zuständigen Personen für Fragen der lokalen Wirtschaftsentwicklung in den Präfekturen und der Region verteilt", erklärt Dr. Jim Bennett, freier Politikberater und Seminarleiter des DEL-Workshops in Labé. "Zudem gehen die Informationen dem nationalen Finanzministerium zu und werden an alle Geberorganisationen verteilt, die in der Region Labé tätig sind. Über die Webseite des Permanenten Sekretariats für die Strategie der Armutsminderung werden diese Informationen auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht."

Über die Wirkungen der DEL-Maßnahmen äußert sich Bennett zurückhaltend: "Dazu liegen bislang nur fragmentarische Informationen vor. Diese deuten aber darauf hin, dass sich die Teilnehmer trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sehr engagieren, die in den Workshops gemeinsam erarbeiteten und abgestimmten Aktionspläne wirksam umzusetzen"

BRENNPUNKTE VON UNTERENTWICKLUNG IN ARMUTSKARTEN
Um die geforderte Armutsanalyse leisten zu können, wurde eine erste modellhafte Datenerhebung für ländliche Regionen in Labé durchgeführt. Denn wer Armut erfolgreich bekämpfen will, muss wissen, wer wo arm ist. "303 ländliche Gemeinden wurden monatelang von 40 staatlichen und nicht-staatlichen Fachleuten bereist" berichtet Peter Hillen, Leiter des ASRP-Projekts. Sie befragten die Menschen zum Stand der Entwicklung - oder besser gesagt dem eklatanten Stand der Unterentwicklung der Regionen: Über den Zustand der Straßen, ob es überhaupt welche gibt und ob sie auch in der Regenzeit befahrbar sind, über ihren Zugang zu Wasser, Gesundheitsdiensten und Schulen. Dabei ist jedoch noch nichts darüber gesagt, wie die vorhandene Infrastruktur tatsächlich von der Bevölkerung genutzt wird und in welchem Zustand sie sich befindet.

Mit diesen Daten wurde bereits eine erste Armutskarte zur Region Labé erstellt. Denn mit solchen Karten, die die Brennpunkte der Unterentwicklung nicht nur regional, sondern für ganz Guinea aufzeigen würden, "könnten die Geber viel gezielter diejenigen Regionen fördern, die es am dringendsten benötigen", erläutert Peter Hillen weiter. "Denn solche Karten machen auf einen Schlag sichtbar, welcher Bereich in einer Region am stärksten unterentwickelt ist und damit die meiste Unterstützung braucht." Ehrgeiziges Ziel dieses Projekts ist es, in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Planung einen Armutsatlas zu erstellen, der auch die HIPC-Länder Niger und Tschad mit einbeziehen soll.

DIE MILLENIUMS-ENTWICKLUNGSZIELE FÜR GUINEA
Wird die guineische Armutsbekämpfungsstrategie, also das DSRP von IWF und Weltbank akzeptiert, könnte das Land den dringend notwendigen Schuldenerlass erhalten. Damit könnte die Umsetzung für das auf Guinea zugeschnittene Programm zur Armutsminderung (Programme pour la Réduction de la Pauvreté, PSRP) in die Wege geleitet werden. Das hofft auch Mamadou Alpha Diallo, technischer Assistent der GTZ im DSRP-Projekt in Conakry: "Das gemeinsame Vorhaben von IWF und Weltbank soll die neue Basis für die Aufnahme Guineas in den Schuldenerlass der HIPC-Initiative bilden, mit dem dann ein PSRP aufgelegt werden kann".

Die konkreten Zielsetzungen sind an die Millenniums-Entwicklungsziele angelehnt. Für Guinea würde das bedeuten, dass
  • die Kindersterblichkeit bis 2010 um 50 Prozent auf 70 Todesfälle unter 1000 Kindern unter fünf Jahren gesenkt,
  • die Müttersterblichkeit von 300 Todesfällen je 100.000 Lebendgeburten im Jahr 2005 bis 2010 auf 200 reduziert werden soll und100 Prozent statt wie bisher nur 80 Prozent der Bevölkerung in 2010 Zugang zu sauberen Trinkwasser bekommen soll.
  • Außerdem soll die finanzielle Armut in den ländlichen Regionen von 40 Prozent in 1995 auf 30 Prozent im Jahr 2010 vermindert werden.
Auch die Einschulungsrate und die Abschlussquoten für die Grundschule sollen erheblich verbessert werden. Doch der Weg bis zur Erreichung dieser Ziele ist noch weit, denn good governance ist bei weitem keine Selbstverständlichkeit in Guinea. Die Willkür des Präsidenten Lansana Conté empörte die guineische Bevölkerung so sehr, dass sie im Februar 2007 durch einen mehrwöchigen Generalstreik eine Regierungsumbildung erzwang, bei der alle Ministerposten neu besetzt wurden. Der ungeliebte Präsident allerdings blieb. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass die konstruktive Zusammenarbeit des guineischen Staates mit dem PSRP dazu beiträgt, die Beseitigung der Armut endlich in großem Stil in Angriff nehmen zu können.

Der Beitrag ist zunächst bei Entwicklungspolitik Online erschienen.