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Mittwoch, 22. Dezember 2021
Montag, 19. April 2021
Keine absolute Armut mehr in China
Im Reich der Mitte hat ein welthistorisches Ereignis stattgefunden, das im Westen kaum Beachtung fand. Eine Bestandsaufnahme
Auch in Medien wie Telepolis, in denen die China-Berichterstattung differenziert und qualitativ hochwertig ist, wurde die wohl bedeutendste Errungenschaft der 1,4 Milliarden Menschen und der regierenden Kommunistischen Partei des fernöstlichen Landes in diesem Jahr nur gestreift: ihr Sieg gegen die absolute Armut. Es ist nicht übertrieben, von einem welthistorisch bedeutenden Moment zu sprechen. Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist es gelungen, über 700 Millionen Menschen aus bitterster Armut zu befreien – und das in nur 40 Jahren.
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Donnerstag, 28. September 2017
Sklaverei - Arbeit - Künstliche Intelligenz
Derzeit müssen etwa 40 Millionen Menschen als ZwangsarbeiterInnen schuften müssen - die meisten davon sind Frauen und Mädchen (G-News).Südwind ist skeptisch, ob die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) einen guten Job macht. „Mission gescheitert? Die Internationale Arbeitsorganisation und ihr Einsatz für menschenwürdige Arbeit“ (PDF) heißt eine kürzlich von dem Institut herausgegebene Studie.
Bei FP2P macht man sich Gedanken darüber, was künstliche Intelligenz und weitere (bio)technologische Fortschritte für Entwicklungsländer bedeuten könnten:
But what really worried me was the economic impact of the new technologies. In particular, their impact on the way countries have historically moved from poverty to prosperity. An excellent paper by Shahid Yusuf of CGD and George Washington University sets out a gory prognosis that AI will kick away the ladder of development...Die Ungleichzeitigkeit der Entwicklungen nimmt einem den Atem ...
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Freitag, 26. Mai 2017
Der Neoliberalismus hat fertig
Und diesmal reden wir (ausnahmsweise) nicht über die Peripherie sondern über die Vorzeigeländer USA und Großbritannien:
"More than a million people in the UK are so poor they cannot afford to eat properly... " Guardian
"Over 2 million people in the UK are estimated to be malnourished, and 3 million are at risk of becoming so... " Oxfam
"The estimated percentage of U.S. households that were food insecure declined significantly in 2015 to 12.7 percent of U.S. households... " Hunger Notes (Hervorhebung: Die Red.)
"Some 10 million elders are threatened by hunger—but the president’s budget would slash desperately needed funding for food programs... " (The Nation)
"More than a million people in the UK are so poor they cannot afford to eat properly... " Guardian
"Over 2 million people in the UK are estimated to be malnourished, and 3 million are at risk of becoming so... " Oxfam
"The estimated percentage of U.S. households that were food insecure declined significantly in 2015 to 12.7 percent of U.S. households... " Hunger Notes (Hervorhebung: Die Red.)
"Some 10 million elders are threatened by hunger—but the president’s budget would slash desperately needed funding for food programs... " (The Nation)
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Montag, 18. April 2016
2,5 Millionen Umsiedlungen in einem Jahr
China will allein dieses Jahr mehr 2,49 Millionen arme Menschen umsiedeln - und gibt dafür umgerechnet etwa 2,5 Milliarden US-Dollar aus. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua und beschreibt dieses Vorgehen als Teil der Bemühungen, bis 2020 alle Chinesen von Armut
befreit zu haben. Denn immer noch lebten 2015 über 70 Mio. Menschen - davon 55 Mio. auf dem Land - unter der nationalen Armutsgrenze von 2.300 Yuan (etwa 360 US-Dollar) im Monat.Als Beispiel nennt Xinhua in einem andren Beitrag die Provinz Gansu, die im Nordwesten nahe der mongolischen Grenze liegt. Die Gegend hat außer dem Gelben Fluss eigentlich nur Wüste, trockenen Steppenboden und unzugängliches Bergland zu bieten. Xinhua schreibt:
(...) many provincial-level regions are proposing to relocate residents from barren, physically disadvantaged areas to start new lives elsewhere.
One province that has already had success with such a strategy is Gansu, (...)
Stanlake Samkange of the World Food Programme (WFP) was there to see a remarkable change of fortunes for people in Jingtai County since it was besieged by the Tengger Desert in the late 1980s. Jingtai was divided into two parts: inaccessible, arid mountains and sparsely vegetated wasteland.
China and the WFP came up with a plan to resettle more than 400,000 people from the mountains and turn the wasteland into farmland.
The government built new homes and facilities pumping in irrigation water from the Yellow River.
Kou Zongjun was one of 115,500 mountain dwellers who then labored to get 24,700 hectares of land ready to farm under a WFP scheme that gave them food aid in return for their toil. (...)
The settlers have become better off on thriving water-saving agriculture and animal husbandry. (...)
The per capita net income of the WFP program beneficiaries was 7,626 yuan last year, 120 times the sum before the program was carried out.
Gansu's Gulang County is now looking to follow suit, with a similar relocation of another 40,000 mountain residents.
Stanlake Samkange said the WFP will continue to support China's fight to eliminate poverty.
Interessanterweise verläuft die Suche nach diesem Projekt beim Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen im Sand. China wird überhaupt nicht in der Projektländerliste des WFP geführt. Stanlake Samkange existiert allerdings und ist laut eines Eintrags von 2014 Direktor für Politikprogramme und Innovation beim WFP.
Bleibt zu hoffen, dass die Menschen tatsächlich gerne in ihre neue Heimat ziehen, dass sie das nicht gegen ihren Willen tun müssen und dass es ihnen nach dem Umzug tatsächlich besser geht.
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Donnerstag, 17. März 2016
Der "Palma Index" für Ungleichheit
Oxfam Kollegen schlagen in FP2P eine neue Methode der Messung wirtschaftlicher Ungleichheit vor: den "Palma Index" (1), (2). Der Vorschlag der Briten ist interessant. Denn der Gini-Koeffizient ist eine komplexe, letztlich geometrische Berechnung, und die schlussendlich errechnete Zahl drückt die Abweichung einer Vermögensverteilung von einer vollkommenen Gleichverteilung aus. Das Problem: Ungleichgewichte werden unabhängig von ihren Konsequenzen dargestellt. Dabei es ist ein Unterschied, ob die Ungleichverteilung zwischen den Reichen und der Mittelklasse besteht oder ob besonders viele besonders arme Menschen in einem Land leben. (Vgl. auch "der Freitag" und Center for Global Development)
Der Palma-Index (benannt nach dem chilenischen Ökonomen Gabriel Palma) ignoriert die Mittelklasse schlichtweg und setzt nur die Einkommen der obersten 10 Prozent mit denen der untersten 40 Prozent in Beziehung - und zwar durch schlichte Division: Die Einkommen der reichsten 10% werden einfach durch die der ärmsten 40% dividiert. Ein Palma-Index von 4 bedeutet also, dass das oberste Dezil vier Mal so viel verdient, wie die ärmsten zwei Fünftel der Bevölkerung zusammen genommen (jedeR einzelne Reiche verdient dann im Durchschnitt natürlich 16 Mal so viel wie jedeR Arme).
Das verstehen alle, und dennoch scheint der Aussagewert dieses so simplen Indikators sehr hoch zu sein. Eine Erklärung könnte sein, dass die Mittelklasse (fünftes bis neuntes Einkommensdezil) fast immer etwa die Hälfte aller Einkommen erzielt - in Entwicklungs, Schwellen- und Industrieländern (Wonkblog).
In einem Briefing des Dänischen Instituts für internationale Studien (DIIS) zu diesem Thema, dem auch die nebenstehende Liste entnommen ist, hat man noch eine Überaschung parat:
Der Palma-Index (benannt nach dem chilenischen Ökonomen Gabriel Palma) ignoriert die Mittelklasse schlichtweg und setzt nur die Einkommen der obersten 10 Prozent mit denen der untersten 40 Prozent in Beziehung - und zwar durch schlichte Division: Die Einkommen der reichsten 10% werden einfach durch die der ärmsten 40% dividiert. Ein Palma-Index von 4 bedeutet also, dass das oberste Dezil vier Mal so viel verdient, wie die ärmsten zwei Fünftel der Bevölkerung zusammen genommen (jedeR einzelne Reiche verdient dann im Durchschnitt natürlich 16 Mal so viel wie jedeR Arme).Das verstehen alle, und dennoch scheint der Aussagewert dieses so simplen Indikators sehr hoch zu sein. Eine Erklärung könnte sein, dass die Mittelklasse (fünftes bis neuntes Einkommensdezil) fast immer etwa die Hälfte aller Einkommen erzielt - in Entwicklungs, Schwellen- und Industrieländern (Wonkblog).
In einem Briefing des Dänischen Instituts für internationale Studien (DIIS) zu diesem Thema, dem auch die nebenstehende Liste entnommen ist, hat man noch eine Überaschung parat:
The biggest challenge exists at the global level. One analysis suggests that the global Palma ratio is approximately 32. The political instruments for reducing income inequality between the richest 10 per cent and the poorest 40 per cent of the world’s population do not exist.Jeder der rund 700 Bestverdienenden auf dem Planeten verdient also 128 Mal so viel wie jemand aus den untersten 40 Prozent - denn die Rede ist von Einkommen nicht von Vermögen....
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Sonntag, 20. September 2015
Rice and Beans
In Tansania wurde Ihr/Euer ergebenster MediaWatch-Redakteur wieder öfter daran erinnert, wovon die Armen leben: von Reis und Bohnen. Hier ein typisches Beispiel für ein solches Gericht, das (je nach Menge und Qualität) ab umgerechnet etwa 40 Eurocent zu bekommen ist:
Wenn man bereit (und in der Lage) ist das Doppelte anzulegen gibt's auch ein paar Fischchen dazu:
Dabei gilt es zu bedenken, dass 2011 immer noch 14,5 Prozent aller Menschen (das ist jeder siebte; insgesamt etwa eine Milliarde Menschen) in etwa damit (1,25 US-Dollar) den lieben langen Tag auskommen mussten. Unter solchen Umständen muss man natürlich auf Fischchen verzichten - auch wenn man selber kocht ...
Wenn man bereit (und in der Lage) ist das Doppelte anzulegen gibt's auch ein paar Fischchen dazu:
Dabei gilt es zu bedenken, dass 2011 immer noch 14,5 Prozent aller Menschen (das ist jeder siebte; insgesamt etwa eine Milliarde Menschen) in etwa damit (1,25 US-Dollar) den lieben langen Tag auskommen mussten. Unter solchen Umständen muss man natürlich auf Fischchen verzichten - auch wenn man selber kocht ...
Montag, 30. März 2015
Mädchen und Frauen weit unten
Drei Fotoausstellungen in Mumbai
mit Hinweisen von Ina Zeuch
Die Kinder von Dharavi – Little Cameras Project
Das Viertel Dharavi im Norden von Mumbai ist der größte Slum Asiens. Aber Vidu Chandan, selbst Photograph, der das Little Cameras Project initiierte, hat eine andere Sicht der Dinge: Er bezeichnet Dharavi als “Asia’s largest small-scale-industry“. Damit entgeht er der üblichen Viktimisierung und gibt den Bewohnern von Dharavi eine produktive Rolle. Und auch wenn es zynisch klingt angesichts der Bilder von den Elendshütten: Die hier leben haben noch so etwas wie eine Wohnung, allerdings immer am Rand des Abgrunds.
mit Hinweisen von Ina Zeuch
Die Kinder von Dharavi – Little Cameras Project
Das Viertel Dharavi im Norden von Mumbai ist der größte Slum Asiens. Aber Vidu Chandan, selbst Photograph, der das Little Cameras Project initiierte, hat eine andere Sicht der Dinge: Er bezeichnet Dharavi als “Asia’s largest small-scale-industry“. Damit entgeht er der üblichen Viktimisierung und gibt den Bewohnern von Dharavi eine produktive Rolle. Und auch wenn es zynisch klingt angesichts der Bilder von den Elendshütten: Die hier leben haben noch so etwas wie eine Wohnung, allerdings immer am Rand des Abgrunds.
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Donnerstag, 19. März 2015
Ideen wie Blähungen
Ein Rauschen und Raunen geht durch den deutschen Blätterwald - gemeint sind extraterritoriale Asyleinrichtungen der Europäischen Union in Nord.- und Westafrika ( 1, 2, 3, 4, alle Links G-News dt.). Karl Kopp, Europareferent bei Pro Asyl meint beim Domradio absolut treffend zu diesem Plan:
Der Ansatz mit den Asylzentren ist eine Nebelkerze. Und es wird diskutiert zu seiner Zeit, in der Europa die Seenotrettung zurückgefahren hat. Da war auch Deutschland maßgeblich beteiligt.
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Donnerstag, 12. Februar 2015
Zum Vorbild taugen koloniale Entwicklungsmuster nicht
Armut: Über die weltweite Entwicklung der absoluten Armut macht sich Chris Blattman Gedanken. Auch die Original-Quelle (Martin Ravallion, Center for Global Development, von dem auch die Grafik stammt), lohnt einen kritischen Blick.
Allerdings fragt man sich, warum es nötig ist, die geschichtliche Armut des vorletzten Jahrhunderts in der westlichen Welt so herauszustreichen. Wollen die Autoren, ihre Leserschaft weiterbilden?
Mit Staunen lesen wir dann bei Ravallion den Satz: "(...) understanding the past success of today’s rich world against extreme poverty should be high on the list of research issues for development economics" (den Blattman übrigens nicht zitiert). Doch als polit-ökonomisches Vorbild taugen die Entwicklungsmuster von ehedem nicht mehr. Die Entwicklungspfade die die Industrieländer zwischen 1850 und 1950 beschritten haben, sind nationalen Ökonomien in der globalisierten Welt von heute mit fast 7,3 Milliarden EinwohnerInnen ein für alle Mal verschlossen. Wenn Entwicklungs- und Schwellenländer heute erfolgreich Armut mindern, so tun sie das ganz anders als die Kolonialmächte früher. (Vgl. dazu auch den Eintrag "Eine Geschichte von zwei Globalisierungen" in diesem Blog.)
So unterschiedlich die wirtschaftlichen Entwicklungspfade auch sein mögen, die Gemeinsamkeit von erfolgreicher Armutsbekämpfung einst und jetzt liegt vielleicht ganz woanders: MediaWatch meint, dass letztendlich nur eine vernünftige Lohn- und Sozialpolitik nachhaltig armutsmindernd wirken kann.
Allerdings fragt man sich, warum es nötig ist, die geschichtliche Armut des vorletzten Jahrhunderts in der westlichen Welt so herauszustreichen. Wollen die Autoren, ihre Leserschaft weiterbilden?
Mit Staunen lesen wir dann bei Ravallion den Satz: "(...) understanding the past success of today’s rich world against extreme poverty should be high on the list of research issues for development economics" (den Blattman übrigens nicht zitiert). Doch als polit-ökonomisches Vorbild taugen die Entwicklungsmuster von ehedem nicht mehr. Die Entwicklungspfade die die Industrieländer zwischen 1850 und 1950 beschritten haben, sind nationalen Ökonomien in der globalisierten Welt von heute mit fast 7,3 Milliarden EinwohnerInnen ein für alle Mal verschlossen. Wenn Entwicklungs- und Schwellenländer heute erfolgreich Armut mindern, so tun sie das ganz anders als die Kolonialmächte früher. (Vgl. dazu auch den Eintrag "Eine Geschichte von zwei Globalisierungen" in diesem Blog.)
So unterschiedlich die wirtschaftlichen Entwicklungspfade auch sein mögen, die Gemeinsamkeit von erfolgreicher Armutsbekämpfung einst und jetzt liegt vielleicht ganz woanders: MediaWatch meint, dass letztendlich nur eine vernünftige Lohn- und Sozialpolitik nachhaltig armutsmindernd wirken kann.
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Donnerstag, 10. Juli 2014
Ein zentraler Aspekt
Wenn die Post-2015 Entwicklungsziele keine Vorgabe in Bezug auf
Einkommens- und Besitz-Ungleichheiten beinhalten, wird ihnen ein
zentraler Aspekt fehlen, und sie werden unvollständig bleiben (Poverty Matters).
Auch die "Acht Kernpunkte für eine Post-2015-Agenda", ein Positionspapier wichtiger deutscher
Nichtregierungsorganisationen beinhaltet diese Forderung. Gleich unter
Punkt 1, "Überwindung extremer Armut und Bekämpfung der Ungleichheit" heißt es:
Die ansteigende soziale, politische und ökonomische Ungleichheit erschwert den Kampf gegen Armut. Derzeit besitzt ein Prozent der Weltbevölkerung fast die Hälfte des Weltvermögens. Mit der neuen Agenda muss somit auch die Bekämpfung der Ungleichheit und die Verankerung menschenwürdiger Arbeit prioritär verfolgt werden. (...)Die Bundesregierung wird aufgefordert, dass sie
die Bekämpfung der Ungleichheit, innerhalb und zwischen den Staaten, als zentrales Ziel verankert und die Einführung progressiver Steuersysteme sowie die Erhöhung der Transparenz prioritär verfolgt wird.
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Donnerstag, 24. April 2014
Nachholende Entwicklung in den Zeiten der Globalisierung
Dani Rodrik hat weiter am Problem der nachholenden Entwicklung in den Zeiten der Globalisierung gearbeitet (MediaWatch berichtete). Er bietet eine interessante Erklärung für das Phänomen, warum
die Niveaus von Einkommen und Industrialisierung in Entwicklungsländern
auf den niedrigeren Niveaus verharren als angenommen. Rodrik macht folgende Bierdeckelrechnung auf:
Divide the world into two countries, one poor and the other rich. Let the rich country have a per-capita income level that is 10 times higher. Suppose that consumers in the poor country spend 20 percent of their income on manufactured goods, while the corresponding ratio in the rich country is 10 percent. So in the rich country, the demand shift away from manufactures has already gone quite some way. (...)
Now in autarky the poor country has to produce all the manufactures that the home consumers want. This means manufactures output amounts to 20 percent of poor country income.
Consider what happens when this country integrates with the rich country, and there is a single world market for manufactures. Suppose that the poor country holds 70% of the world’s population. And to rule out trade imbalances, suppose each country supplies a share of the world demand for manufactures that is equal to its share of global income.
It can be checked that this requires the share of manufacturing output in the poor country to fall to 11.9 percent – far below the 20 percent it could sustain in autarky. The rich country can sustain an identical level of industry (11.9 percent), up somewhat from its 10 percent.
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Sonntag, 1. September 2013
Wahlkampf 2013
Der lahmste Wahlkampf aller Zeiten? Kann schon sein, aber das öffnet vielleicht Möglichkeiten für Themen, die sonst bei der Entscheidung der BürgerInnen kaum eine Rolle spielen: globale Gerechtigkeit und Entwicklung, Nachhaltigkeit sowie die Pflichten und die Möglichkeiten, die Deutschland hat, diese Herausforderungen in internationaler Zusammenarbeit anzugehen.
Deine Stimme gegen Armut hat alle KandidatInnen für die Bundestagswahl aufgerufen zu zentralen Forderungen des Bündnisses Stellung zu beziehen. Dazu gehört interessanter- und erfreulicherweise auch das Postulat nach einem "gesetzlichen existenzsichernden" Mindestlohn in Deutschland. Bis Ende August waren 158 Antworten eingetroffen. Das sind rund 3,5 Prozent der insgesamt 4451 KandidatInnen. Die Welthungerhilfe hat ergänzend dazu - und mit den gleichen Forderungen - die E-Mail Petition "Ich geb alles" gestartet. Die Auffassung, die Armutsprobleme in Nord und Süd zueinander in Beziehung zu setzen, begrüßt MediaWatch als einen sehr treffenden Ansatz. Deshalb empfiehlt die Redaktion eine Beteiligung an dieser Email-Aktion.
Deine Stimme gegen Armut hat alle KandidatInnen für die Bundestagswahl aufgerufen zu zentralen Forderungen des Bündnisses Stellung zu beziehen. Dazu gehört interessanter- und erfreulicherweise auch das Postulat nach einem "gesetzlichen existenzsichernden" Mindestlohn in Deutschland. Bis Ende August waren 158 Antworten eingetroffen. Das sind rund 3,5 Prozent der insgesamt 4451 KandidatInnen. Die Welthungerhilfe hat ergänzend dazu - und mit den gleichen Forderungen - die E-Mail Petition "Ich geb alles" gestartet. Die Auffassung, die Armutsprobleme in Nord und Süd zueinander in Beziehung zu setzen, begrüßt MediaWatch als einen sehr treffenden Ansatz. Deshalb empfiehlt die Redaktion eine Beteiligung an dieser Email-Aktion.
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Dienstag, 2. Juli 2013
Fünf Ankündigungen und eine Leerstelle
Oxfam zieht eine positive Bilanz des ersten Amtsjahres von Jim Yong Kim, dem neuen Weltbankpräsidenten. Auf der Haben-Seite des US-Mediziners und Anthropologen mit koreanischen Wurzeln (wiki, dt.) verbuchen die britischen Aktivisten:
- eine politische Vision für die Bank, um die weltweite extreme Armut (1,25 US-Dollar/Tag) bis 2030 auf unter drei Prozent drücken zu helfen, (das wären dann noch etwa 250 Millionen absolut arme Menschen; 2008 waren es noch über 1,5 Mrd.)
- deutliche Signale auf der Jahrestagung der Weltgesundheitsorganisation (z.B. direkte Zahlungen von Armen ("out of the pocket") für Gesundheitsdienstleistungen obsolet machen zu wollen),
- ein Bekenntnis der Bank, mehr gegen den Klimawandel unternehmen zu wollen (der entsprechende Bericht kam übrigens vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung),
- eine neue - laut Oxfam vielversprechende - Energie-Strategie der Bank und
- ein Versprechen Jim Yong Kims, dass sich die Weltbankgruppe künftig stärker dafür einsetzt, die Landbesitzrechte von Kleinbauern und -bäuerinnen zu sichern.
(...) land eight times the size of the UK was sold off globally in the last decade, enough to grow food for a billion people. More than two-thirds of foreign investments in farmland between 2000 and 2010 were in developing countries with serious hunger problems – with investors planning to export everything they produce on the land. The bank’s investments in agriculture have increased by 200 per cent over the last decade, and it is in a unique position as both an investor in land and an adviser to developing countries, so we’ve been pushing the bank to introduce more robust policies to stop land-grabs.MediaWatch bleibt skeptisch und schließt mit Oxfam: Ergebnisse zählen und diesbezüglich hat der Neue noch nicht allzuviel vorzuweisen.
Donnerstag, 1. November 2012
Der "Arabische Frühling" frisst seine Kinder
Syrien ist längst in ein blutiges Chaos versunken, in dem Regierung, bewaffenete Opposition, ethnisch motivierte Gruppen und Islamisten ("Al Kaida") darum wetteifern, wer die jeweiligen Gegner am grausamsten und rücksichtslosesten mordet (G-News dt.).
In Tunesien (Ausnahmezustand, G-News dt.), Marokko (NYRB, wikipedia) und Libyen (SPON), das immer instabiler wird (2), lässt sich bestenfalls Stillstand bei der Demokratisierung feststellen.
Die Regierung des Jemen lässt Islamisten von US-amerikanischen Drohnen umbringen (BIJ).
Das Verständnis der Muslimbrüder in Ägypten von Gewerkschaftsrechten ist nicht dazu geeignet, eine nachhaltige Entwicklung des Landes zu ermöglichen (Al Akhbar). Zudem sieht es so aus, als würden die Muslimbrüder die nächste Verfassung des Landes alleine schreiben (2) (Al Ahram).
Auf Kuwait hatten wir schon in den letzten Fundstücken hingewiesen; hier noch einmal der entsprechende Absatz mit Links zu Texten von Mona Kareem: "Kuwait: Shotgun Used Against Stateless Protesters", "The Myth of Kuwaiti Democracy", "Kuwait: The Country's Biggest Protest?" und "A Roadmap to Kuwait’s Dignity March".
Nur in Bahrain will der "Arabische Frühling" einfach nicht zuende gehen. Deshalb hat das Regime in Manama kurzerhand beschlossen, sämtliche Demonstrationen zu verbieten (Independent).
In Tunesien (Ausnahmezustand, G-News dt.), Marokko (NYRB, wikipedia) und Libyen (SPON), das immer instabiler wird (2), lässt sich bestenfalls Stillstand bei der Demokratisierung feststellen.
Die Regierung des Jemen lässt Islamisten von US-amerikanischen Drohnen umbringen (BIJ).
Das Verständnis der Muslimbrüder in Ägypten von Gewerkschaftsrechten ist nicht dazu geeignet, eine nachhaltige Entwicklung des Landes zu ermöglichen (Al Akhbar). Zudem sieht es so aus, als würden die Muslimbrüder die nächste Verfassung des Landes alleine schreiben (2) (Al Ahram).
Auf Kuwait hatten wir schon in den letzten Fundstücken hingewiesen; hier noch einmal der entsprechende Absatz mit Links zu Texten von Mona Kareem: "Kuwait: Shotgun Used Against Stateless Protesters", "The Myth of Kuwaiti Democracy", "Kuwait: The Country's Biggest Protest?" und "A Roadmap to Kuwait’s Dignity March".
Nur in Bahrain will der "Arabische Frühling" einfach nicht zuende gehen. Deshalb hat das Regime in Manama kurzerhand beschlossen, sämtliche Demonstrationen zu verbieten (Independent).
Montag, 11. Juni 2012
Höchstens jedeR Vierte bekommt Hilfe
Ein Thema, das im entwicklungspolitischen Kontext nicht sehr oft zur Sprache kommt, ist psychische Gesundheit. Der New Internationalist macht auf das globale Ausmaß des Problems aufmerksam "Mental health: the facts" und fragt nach der kulturellen Grundlage von psychischen Störungen: "When Western therapies fail". Auch die aktuellen welt-sichten bieten einen Beitrag zum Thema: "Der Kampf gegen die Stimmen im Kopf".
Die WHO hat auf der unlängst zu Ende gegangenen 65. World Health Assembly eine Resolution zu dem Thema verabschiedet. Darin heißt es (Hervorhebungen durch die Redaktion):
Die WHO hat auf der unlängst zu Ende gegangenen 65. World Health Assembly eine Resolution zu dem Thema verabschiedet. Darin heißt es (Hervorhebungen durch die Redaktion):
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Donnerstag, 7. Juni 2012
Das Zusammenwirken von Landwirtschaft, Gesellschaft und Wirtschaft für eine nachhaltige Ernährungssicherung stärken
Positionspapier Ländliche Entwicklung der Welthungerhilfe
MediaWatch erlaubt sich heute, ein Papier der Welthungerhilfe vorzustellen, an dessen Entstehen die Redaktion tatkräftig mitgewirkt hat. Das Papier zeigt auf, was die Welthungerhilfe unter Förderung der Landwirtschaft und ländlicher Entwicklung versteht und wie entwicklungspolitische Förderung in der Praxis aussehen kann. Das Positionspapier ist in einem konsultativen Verfahren entstanden, bei dem viele MitarbeiterInnen der Welthungerhilfe aus dem In- und Ausland sowie externe ExpertInnen, einbezogen wurden. Übersetzungen ins Englische, Französische und Spanische liegen ebenfalls vor.
Weltweit hungern 925 Millionen Menschen (2010), die große Mehrheit davon in Entwicklungsländern. Zwar steigt die Anzahl der städtischen Armen und Hungernden in vielen Teilen der Welt, doch die Mehrheit der Betroffenen lebt heute auf dem Land und damit ausgerechnet dort, wo Nahrung erzeugt wird.Die meisten dieser Menschen leben in kleinbäuerlichen Familien oder sind Landlose, die hauptsächlich in der Landwirtschaft und den ihr vor- oder nachgelagerte Bereichen Beschäftigung finden. Sie können sich von dem, was sie anbauen, ernten, verkaufen und als Lohn erhalten nicht ausreichend ernähren.
Sonntag, 25. März 2012
Weiter führende Hinweise wären schön gewesen
"Indien versagt bei der Armutsbekämpfung", findet Zeit Online. Noch immer verhungern auf dem Subkontinent jedes Jahr 1,7 Mio. Kinder. Die Kolleginnen enthalten uns jedoch den Link zur Anlass gebenden Pressemitteilung der indischen Planungskommission und den fast noch wichtigeren Anmerkungen dazu vor. Da steht nämlich nix von hungernden Kindern drin. Die Zahl stammt offensichtlich aus einem ganz anderen Kontext, der jedoch leider nicht nachzuvollziehen ist. Das ist schade, weil die entwicklungspolitische Berichterstattung in der Zeit meist ganz gut ist.
Interessant ist der Zeit-Artikel vor allem deshalb, weil er sich kritisch mit der nationalen Armutsgrenze in Indien auseinandersetzt:
Leider gibt's bei Zeit Online praktisch keine externen Links - und das gilt derzeit für fast alle Internetauftritte von Mainstream Medien. Ein weiteres Beispiel dafür, wie ökonomische Interessen einen angemessenen Umgang mit dem Netz verhindern. Auf lange Sicht werden die Medien, die das nicht begreifen, jedoch das Qualitätspublikum verlieren. Wie so etwas richtig geht, macht Telepolis seit Jahren vor.
Interessant ist der Zeit-Artikel vor allem deshalb, weil er sich kritisch mit der nationalen Armutsgrenze in Indien auseinandersetzt:
Demnach ist ein Inder nicht mehr arm, wenn er im Monat 9,76 Euro verdient. Ein Landbewohner braucht pro Tag sogar nur 33 Cents, ein Stadtbewohner nur 42 Cents (...)Neben einer Quellenangabe wären weiter führende Hinweise schön gewesen. Wer sich für die Diskussion über die Neudefinition der Armutsgrenze in Indien näher interessiert, sei auf die entsprechende Website der Planungskommission verwiesen, die auch Aufschluss über die Arbeit der Tendulkar Kommission gibt.
Leider gibt's bei Zeit Online praktisch keine externen Links - und das gilt derzeit für fast alle Internetauftritte von Mainstream Medien. Ein weiteres Beispiel dafür, wie ökonomische Interessen einen angemessenen Umgang mit dem Netz verhindern. Auf lange Sicht werden die Medien, die das nicht begreifen, jedoch das Qualitätspublikum verlieren. Wie so etwas richtig geht, macht Telepolis seit Jahren vor.
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Mittwoch, 7. März 2012
Der Fortschritt ist eine Schnecke...
aber es gibt ihn:
Der Economist berichtet, dass die Zahl der Armen 2005 bis 2008 praktisch überall zurückgegangen sei: "For the first time ever, the number of poor people is declining everywhere". China und Afrika werden besonders hervorgehoben. Wichtig: Der Economist macht dies sowohl für die Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag als auch für die 2-Dollar-Grenze geltend. Erfreulich ist, dass das Wirtschaftsmagazin die expansionäre (keynesianische) Finanz- und Wirtschaftspolitik Chinas lobt.
Der Economist berichtet, dass die Zahl der Armen 2005 bis 2008 praktisch überall zurückgegangen sei: "For the first time ever, the number of poor people is declining everywhere". China und Afrika werden besonders hervorgehoben. Wichtig: Der Economist macht dies sowohl für die Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag als auch für die 2-Dollar-Grenze geltend. Erfreulich ist, dass das Wirtschaftsmagazin die expansionäre (keynesianische) Finanz- und Wirtschaftspolitik Chinas lobt.
Dienstag, 13. September 2011
Bruttoinlandsglück
"Können wir das Bruttoinlandsglück steigern?" wird beim Project Syndicate gefragt. Und was dort zu lesen ist, erfüllt uns mit tiefer Freude:
Die (nicht völlig) überraschende Antwort auf die Frage nach einem gesteigerten (nota bene: nicht wachsenden) Bruttoinlandsglück lautet denn auch: Ja, es geht. Aber die Antwort steht nicht beim Project Syndicate, sondern ganz woanders. "A more progressive tax system makes people happier" haben Wissenschaftler in einem Vergleich über 54 (!) Länder festgestellt. (Hat tip Nachdenkseiten.) Die Ergebnisse hat Science Daily zusammengefasst. Dort lernen wir, dass sich die Zufriedenheit einer Bevölkerung sogar proportional zur steuerlichen Progression zunimmt:
In Bhutan gibt es eine Kommission für Bruttoinlandsglück unter dem Vorsitz des Premierministers, die alle politischen Vorschläge der Ministerien bewertet. Stimmt eine Maßnahme offensichtlich nicht mit dem Ziel der Förderung des Bruttoinlandsglücks überein, wird sie zur erneuten Überprüfung an das Ministerium zurückgesandt. Ohne die Zustimmung der Kommission kann sie nicht umgesetzt werden.Es besteht also Hoffnung. Diese Vorgehensweise möchten wir nicht nur allen Entwicklungsländern dringendst zur Nachahmung empfehlen.
Die (nicht völlig) überraschende Antwort auf die Frage nach einem gesteigerten (nota bene: nicht wachsenden) Bruttoinlandsglück lautet denn auch: Ja, es geht. Aber die Antwort steht nicht beim Project Syndicate, sondern ganz woanders. "A more progressive tax system makes people happier" haben Wissenschaftler in einem Vergleich über 54 (!) Länder festgestellt. (Hat tip Nachdenkseiten.) Die Ergebnisse hat Science Daily zusammengefasst. Dort lernen wir, dass sich die Zufriedenheit einer Bevölkerung sogar proportional zur steuerlichen Progression zunimmt:
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