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Montag, 18. April 2016

2,5 Millionen Umsiedlungen in einem Jahr

China will allein dieses Jahr mehr 2,49 Millionen arme Menschen umsiedeln - und gibt dafür umgerechnet etwa 2,5 Milliarden US-Dollar aus. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua und beschreibt dieses Vorgehen als Teil der Bemühungen, bis 2020 alle Chinesen von Armut
befreit zu haben. Denn immer noch lebten 2015 über 70 Mio. Menschen - davon 55 Mio. auf dem Land - unter der nationalen Armutsgrenze von 2.300 Yuan (etwa 360 US-Dollar) im Monat.

Als Beispiel nennt Xinhua in einem andren Beitrag die Provinz Gansu, die im Nordwesten nahe der mongolischen Grenze liegt. Die Gegend hat außer dem Gelben Fluss eigentlich nur Wüste, trockenen Steppenboden und unzugängliches Bergland zu bieten. Xinhua schreibt:
(...) many provincial-level regions are proposing to relocate residents from barren, physically disadvantaged areas to start new lives elsewhere.
One province that has already had success with such a strategy is Gansu, (...)
Stanlake Samkange of the World Food Programme (WFP) was there to see a remarkable change of fortunes for people in Jingtai County since it was besieged by the Tengger Desert in the late 1980s. Jingtai was divided into two parts: inaccessible, arid mountains and sparsely vegetated wasteland.
China and the WFP came up with a plan to resettle more than 400,000 people from the mountains and turn the wasteland into farmland.
The government built new homes and facilities pumping in irrigation water from the Yellow River.
Kou Zongjun was one of 115,500 mountain dwellers who then labored to get 24,700 hectares of land ready to farm under a WFP scheme that gave them food aid in return for their toil. (...)
The settlers have become better off on thriving water-saving agriculture and animal husbandry. (...)
The per capita net income of the WFP program beneficiaries was 7,626 yuan last year, 120 times the sum before the program was carried out.
Gansu's Gulang County is now looking to follow suit, with a similar relocation of another 40,000 mountain residents.
Stanlake Samkange said the WFP will continue to support China's fight to eliminate poverty.


Interessanterweise verläuft die Suche nach diesem Projekt beim Welternährungsprogramm (WFP) der Vereinten Nationen im Sand. China wird überhaupt nicht in der Projektländerliste des WFP geführt. Stanlake Samkange existiert allerdings und ist laut eines Eintrags von 2014 Direktor für Politikprogramme und Innovation beim WFP.

Bleibt zu hoffen, dass die Menschen tatsächlich gerne in ihre neue Heimat ziehen, dass sie das nicht gegen ihren Willen tun müssen und dass es ihnen nach dem Umzug tatsächlich besser geht.

Montag, 25. März 2013

Ein Bauernopfer?

Bestimmt gibt's beim MediaWatchBlog einige engagierte LeserInnen, die dafür interessieren, dass sich der Warlord Bosco Ntaganda dem Internationalen Strafgerichtshof gestellt hat und die außerdem selber einmal erleben möchten, wie schwierig es ist, sich von aktuellen Geschehnissen ein vernünftiges Bild zu machen. Alle diese LeserInnen können ja mal einen Blick in die Quellen  riskieren, die Ihr / Euer ergebenster MediaWatch Redakteur ausgesucht hat: taz, Nachrichten Heute, wikipedia, BBC und (etwa ein Jahr alt) das Afro-American Network.

Anlass zu der Recherche war die Frage, warum eigentlich dieser Ntaganda nach all den Jahren plötzlich aufgibt und sich dem IStGH ausgerechnet auf dem Umweg über die US-Botschaft in Kigali stellt. (Schließlich haben die USA den Vertrag zum Internationalen Strafgerichtshof noch nicht ratifiziert und Ruanda hat noch nicht einmal unterzeichnet.) Eine wirklich überzeugende Antwort auf diese Frage war nicht zu finden - Tipps werden aber jederzeit gerne entgegengenommen.

Sonntag, 24. Juli 2011

Das Kreuz mit der 'Unabhängigkeit'

18 Tote und 275 Verhaftungen (Standard) - das ist die vorläufige Bilanz der jüngsten Unruhen im südafrikanischen Malawi. Spannend an der Geschichte ist, wie die Proteste ausgelöst wurden:
In einer britischen Botschaftsdepesche die durch wikileaks an die Öffentlichkeit gelangt war, war Präsident Bingu wa Mutharika als autokratisch beschrieben worden. Beleidigt wies der Ökonom den britischen Hochkommissar im April 2011 aus (Nation). Dort reagierte man mit der Suspendierung der Entwicklungszusammenarbeit (MediaWatch hatte berichtet), die laut ARD 550 Millionen US-Dollar beträgt.

Freitag, 16. April 2010

Crosscheck Terrorismus, im April 2010

Eine sensationelle Analyse des "Sebstmordattentates" auf das US-Konsulat im pakistanischen Peshawar am 5. April  hat die Asia Times vorgelegt. Hier wird das Kalkül der Täter deutlich, ihre überaus sorgfältige Planung illustriert und vor allem aufgezeigt, dass alles und wie alles schief ging. Denn offensichtlich war ursprünglich wohl eine Entführung(!) geplant.

Wenn man das mit dem müden Quark vergleicht, der hierzulande von (wahrscheinlich) gut bezahlten KollegInnen als investigativ gereicht wird, verliert man schon etwas die Lust zu Lesen.

Doch auch in Deutschland wird ernsthaft über derlei Dinge berichtet. Wer daran interessiert ist, näheres darüber zu erfahren, wie die bundesrepublikanische Justiz ihren Job im Krieg gegen den Terror erledigt, ist bei den Sauerländischen Erzählungen allemal besser aufgehoben, als bei Spiegel Online.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Crosscheck Pakistan, Dez. 2009

Wir hören kein Wort mehr von den immer noch über 100.000 Flüchtlingen in den North-Western-Frontier-Provinces (NWFP) (Provinz Nr. 2 auf der Karte) in Pakistan, die auf Hilfe vom UNHCR angewiesen sind, um über den Winter zu kommen.

Denn die pakistanische Armee hat den Krieg schon längst in die sogenannten Stammesgebiete, nach Südwasiristan getragen (Provinz Nr.6) wo derzeit die Operation "Pfad der Erlösung" vergleichsweise erfolgreich verläuft. Das zumindest meint Hassan Abbas, der in einem Project-Syndicate Beitrag  dem gebeutelten südasiatischen Land (und den NATO-Truppen in Afghanistan) die nächsten Hausaufgaben in's Heft diktiert:

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Crosscheck: Honduras, Okt. 2009

"100 days of resistance" in Honduras resümiert Al Jazeera in einem rund 20-minütigen, zweiteiligem Videobeitrag. Und zum Vergleich: So hört sich der letzte unter dem Stichwort "Honduras" bei der ARD-Nachrichtensparte zu findende Kommentar (DLF) (4:33 Min.) an. Mediawatchblog verspricht, dass der direkte Vergleich sich lohnt und rät denen, die die Zeit aufbringen wollen, den ARD-Kommentar sowohl vorher als auch hinterher noch einmal zu hören.

Mittwoch, 20. Mai 2009

Crosscheck Tschad-Sudan; Mai 2009: Khartoum meldet?

Wie kleine sprachliche Verschiebungen in einer scheinbar neutral und nachrichtlich verfassten Meldung parteilich wirken können, sei exemplarisch an den derzeitigen Konflikten an der Grenze zwischen Tschad und Sudan illustriert. Fast noch größeren Schaden richtet die Selektion des Nachrichtenmaterials an. In deutschen Medien wird gemeldet:
"Nur indirekt bestätigt"? 'Na klar', denkt da der informierte Zeitgenosse: 'Khartoum lügt wahrscheinlich sowieso, die decken ja auch Kriegsverbrecher.' Und geht zur Tagesordnung über.

Dass der tschadische Verteidigungsminister mittlerweile auf einer Pressekonferenz eine Bodenoffensive auf sudanesischem Territorium angekündigt hat, wird (bislang, Mittwoch 20. Mai 2009, 16:00 Uhr) von den deutschen Medien ignoriert. Für solche Informationen muss man bei ausländischen Nachrichtenanbietern suchen. Aljazeera meldet:
"This new situation will prompt us in the coming hours to pass across the border to deal with these pockets of mercenaries," [Adoum] Younousmi [der tschadische Verteidigungsminister] said in a statement. "We have asked our troops to deploy and those units which are due to intervene are in the process of gathering around these sites ... The Chadian government will use its right of pursuit."
Ist das keine Nachricht mehr wert, nachdem die Luftangriffe noch Thema waren? Und ist es nicht erstaunlich, wie sicher sich Younousmi zu fühlen scheint? Fragen über Fragen, die einen außenpolitisch interessierten Journalisten dazu nötigen, die eigenen KollegInnen täglich einem Crosscheck - unter anderem bei Aljazeera - zu unterwerfen. Leider.

Immerhin gibt es deutschsprachige Blätter, die eine etwas differenziertere Version des Geschehens abdrucken - sie erscheinen in Österreich. Dazu gehört der (wie fast immer vergleichsweise gute) Standard aus Wien ("Tschad beendete Luftangriffe gegen Rebellen" (15. Mai; Quellen: dpa, AFP, APA, AP/DER STANDARD) und die Kleine Zeitung aus der Steiermark (16. Mai; Quelle: APA).
Wer sich die Mühe macht, diese Veröffentlichungen mit den bundesrepublikanischen zu vergleichen, wird übrigens feststellen, dass es wohl schon bei den Agenturenmeldungen ganz erheblich Unterschiede zwischen dpa und APA gab.