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Montag, 15. Juni 2020

Black-Lives-Matter als Reflexion von Kolonialismus?

In Europa hat die Black Lives Matter eine antikoloniale Stoßrichtung bekommen - zumindest in Großbritannien.

Dass die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston im Hafenbecken von Bristol versenkt wurde, ist um die ganze Welt gegangen. Aber nun müssen die Bobbys auch vor dem Oriel College in Oxford Wache schieben. Denn an dem Gebäude wacht eine Statue von Cecil Rhodes, dem Gründer des De Beers Bergbaukonzerns, nach dem Rhodesien (heute Simbabwe) benannt wurde.

Montag, 3. Februar 2020

Eindämmung mit globalem Nutzen

Rassimus verbreitet sich mit dem Corona-Virus (DLF). Obwohl die Weltgesundheitsorganisation die chinesischen Maßnahmen lobt, schwanken die hiesigen Berichte meist zwischen Panikmache und vor allem Diskreditierung der chinesischen Maßnahmen.

Besonders erbittert die Chinesinnen die Reaktionen aus Washington und das Einreiseverbot der USA für Menschen, die kürzlich in China gewesen sind obwohl die WHO dies ausdrücklich nicht empfiehlt (Global Times).

Man weist auch auf die H1N1 Pandemie vor zehn Jahren hin, der nachgewiesenermaßen über 15.000 Menschen zum Opfer fielen (wikipedia/WHO). "However, the US failed to adopt effective control measures, causing a worldwide spread of the virus", heißt es in der Global Times. (Die volle Zahl der Todesfälle ist übrigens nie bekannt geworden, weil die Erkrankungen schlichtweg nicht überall systematisch erfasst worden sind.)

Nach dem zu urteilen, was an glaubwürdigen Nachrichten zu uns dringt, ist zweifelsohne anzuerkennen, dass die ChinesInnen entschlossen und tapfer gegen eine pandemische Ausbreitung des Virus ankämpfen (Global Times Timeline) und damit nicht nur den Menschen in China sondern uns allen einen unschätzbaren Dienst erweisen.


Und man kann schon ganz schön sauer werden, wenn man so etwas lesen muss (Stern):
US-Handelsminister Wilbur Ross hat mit der Aussage für Empörung gesorgt, das Coronavirus könne zu einer Rückkehr von Jobs aus China nach Nordamerika führen. Ross sagte am Donnerstag im US-Sender Fox Business, das Coronavirus sei ein "Risikofaktor" für Unternehmen, die in China Geschäfte machen wollten.
Deshalb ist es verständlich, wenn die Global Times in dem oben verlinkten Beitrag fragt:
Is this the only way for the world's only superpower to revive its manufacturing industry and make itself great again?

Donnerstag, 8. November 2018

Onkel Toms Hütte 2: Christen und Heiden

Ein Gastbeitrag von Ina Zeuch

Die Geschichte von 'Onkel' Tom

Mit der Konversation zwischen dem Farmer Shelby und dem Sklavenhändler Haley beginnt der Einstieg in die Geschichte. Shelby ist verschuldet und braucht dringend Geld. Schweren Herzens will er deshalb seinen bestausgebildetsten Sklaven Tom an Haley verkaufen. Haleys Geschäft besteht darin, in finanzielle Bedrängnis geratenen Farmern Sklaven zum Schnäppchenpreis abzupressen und diese dann gewinnbringend weiter zu verkaufen. Denn die Nachfrage nach Sklaven konnte teilweise durch die inzwischen vorhandene Nachkommenschaft durch die Sklaven selbst - darunter viele durch Vergewaltigungen gezeugte Mischlinge - sowie durch die Pleiten oder Besitzauflösungen von Farmern 'gedeckt' werden.

Tom ist ausserdem zum Christentum konvertiert, ein Fakt, der immer eine enorme Rolle bei der Sklavenfrage gepielt hat. Sie entzündete sich daran, ob Christen Christen versklaven dürfen und bezog daraus ihre moralische Schlagkraft. Viele Sklaven sind genau aus diesem Grund  konvertiert, weil sie sich dadurch bessere Chancen auf ihre Freiheit  versprachen, was auch bei den Prinzen von Calabar eine erhebliche Rolle spielte. Beide Prinzen, selbst Sklavenhändler, konvertierten zum Christentum, um sich der Unterstützung der Methodisten für ihre Rückkehr sicher zu sein, um dort wieder als Sklavenhändler tätig zu werden. Weder für die weißen noch für die schwarzen Sklavenhändler hatte das Christentum irgendeine moralische Bedeutung. Das wollte die Abolitionisten-Bewegung ändern. Für sie war das Christentum eine Verpflichtung zur Menschlichkeit gegenüber Christen, die ihre Versklavung verbietet. 

 Die Peitsche überlebt. Foto von 1863, Louisiana. Wikimedia

Montag, 5. November 2018

Onkel Toms Hütte 1: Die Hintergründe

Ein Gastbeitrag von Ina Zeuch

Der transatlantische Sklavenhandel wurde zur größten Zwangsumsiedlung der Menschheit, bei der schätzungsweise elf Millionen Menschen zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert  in die Neue Welt und nach Europa verschleppt wurden. Dieses immense Ausmaß konnte von den Opfern naturgemäß kaum dokumentiert werden. Dennoch gibt es einige wenig bekannte, spärliche Zeugnisse von Betroffenen.
Fußfessel für Sklaven, Musée de la civilisation.celtique / Bibracte, Frankreich.Foto: wikimedia, Quelle Urban
In einer mehrteiligen Serie zum Sklavenhandel und ihren unterschiedlichen Folgen habe ich bereits  einige dieser Zeugnisse vorgestellt - so die Die Prinzen von Calabar des Historikers Randy J. Spark, der den spannenden Briefwechsel zweier irrtümlich in die Sklaverei verschleppter nigerianischer Sklavenhändler in historische Zusammenhänge bringt oder die Aufzeichnungen Jan Stedmans, der fünf Jahre in Surinam Sklavenaufstände im Namen der britischen Krone niederschlug. In ihnen wird dieses belastende Thema weg von der bloßen Aufzählung geschichtlicher Fakten hin zu anschaulichen Geschichten von Einzelschicksalen verlagert, die trotz ihrer Einzigartigkeit und ihrer unterschiedlichen Perspektiven erhebliche Teile des blutigen Geschäfts beleuchten.

1852 erschien der Roman "Uncle Toms Cabin" von Harriet Beecher Stowe in Boston und ist also nicht wie die anderen Beiträge zur Sklaverei historisches Dokument, sondern Fiktion. Aber Beecher Stowe, eine glühende Kämpferin für die Abschaffung der Sklaverei, hat als Aktivistin in der Abolitionisten-Bewegung zahlreiche Dokumente von Sklavenschicksalen gesammelt und kam nicht zuletzt selber mit befreiten Sklaven in Kontakt, die sie zu einer fiktiven Geschichte mit einer Reihe von Einzelschicksalen zusammengeschmolzen hat. Sie bezeichnet "Uncle Toms Cabin" in der europäischen Ausgabe von 1856 deshalb als

Montag, 15. Januar 2018

Diskriminieren und Rechte beschneiden

Die Elektronische Intifada macht auf ein vergleichweise neues deutsches (und österreichisches) Phänomen aufmerksam: Die laut herausposaunte Israelliebe der neuen Rechten.
Like their neo-Nazi counterparts who just joined the government of neighboring Austria, AfD has been cozying up to Israel – a philosemitic stance that aims to rebrand the anti-Semitic far-right as defenders of Jews against a supposed Muslim threat.
Their embrace has been reciprocated by politicians in Israel’s ruling Likud party.
(...)

[Beatrix von Storch] has been very explicit not only about her party’s support for Israel, but also that hatred of Muslims is one of the values she shares with its Zionist ideology.
Und dann kommt noch ein Knaller, der in den hiesigen Medien selbstverständlich nicht kolportiert wurde. Die Electronic Intifada zitiert die AfD Frontfrau von Storch mit den Worten “Israel could be a role model for Germany” as a country that “makes efforts to preserve its unique culture and traditions.” (Quelle: Jerusalem Post; letzter Absatz) Damit beweist von Storch, dass sie den rassistischen und islamfeindlichen Charakter der israelischen Palästinapolitik genau kennt, ihn goutiert und eine ähnliche Apartheidspolitik auch hierzulande nur allzu gerne einziehen und vor allem MuslimInnen diskriminieren und in ihren Rechten beschneiden würde.


Wer sich für das Thema näher interessiert, sollte diese Außenansicht einmal durchgehen. Der Beitrag ist natürlich einseitig aber mit vielen Links auf glaubwürdige Quellen gut belegt. Dass sich die (regierende) israelischen Rechte bei westlichen Rechtsextremisten anbiedert, bereitet übrigens auch besorgten israelischen BürgerInnen heftige Kopfschmerzen.

Dienstag, 2. Januar 2018

Zwei weitere hässliche Kratzer

"barbaric, Muslim, gang-raping hordes of men" lautet die Übersetzung des rassistischen Tweets der führenden AfD-Funktionärin Beatrix von Storch beim staatlichen iranischen Sender Press TV. Auch die Reaktion des AfD-Chefs Alexander Gauland wird genau registriert:
AfD chief Alexander Gauland took aim at the new rules, saying in remarks carried by national news agency DPA that the regulations are "Stasi methods that remind me of communist East Germany".
Gauland, who is not active on social media, encouraged users of such websites to "keep publishing" the erased comments from von Storch.
Das Ansehen der Republik erhält so einen weiteren hässlichen Kratzer.

Die Darstellung aus Teheran ist sachlich gehalten, präzise und auch für Menschen verständlich, die keine tieferen Einblicke in die deutsche Innenpolitik haben. Nebenbei wird noch die aktuelle deutsche Gesetzeslage im Social-Media-Bereich erläutert. Das kommt dann aber so rüber, als sei Zensur gang und gäbe in Deutschland.

Das Ansehen der Republik erhält so einen weiteren hässlichen Kratzer.

Freitag, 20. März 2015

“Fairer People = Beautiful People = Powerful People“

Eine Ausstellung zum indischen Rassimus von heute

Ein hochinteressantes Porträtprojekt initiierte der Künstler Arpan Mukherjee (CV), Kunstprofessor an der Visva Bharati Universität in Santineketan, das noch bis zum 26. März im Foyer des Navy and Army Building in Mumbai zu sehen ist. Die Ausstellung entstand zusammen mit der Kala Ghoda Association zum FOCUS-Photography Festival. Mukherjee lud junge Inder zwischen 20 und 30 Jahren mit sehr dunkler Hautfarbe ein, sich von ihm in der alten Technik der Porträtfotografie ablichten zu lassen.

Porträtfoto von Arpak Mukherjee

Montag, 15. Dezember 2014

Ponte City: Urbane Träume aus Johannesburg

Wie der Eiffelturm das Wahrzeichen von Paris, so ist Ponte City - ein Hochhaus mit 56 Stockwerken und 255 Appartments - das Wahrzeichen von Johannesburg. Die Geschichte des Ponte spiegelt auch eine Teil der Geschichte Südafrikas: 1975 als Appartmenthochhaus für die weiße Mittelschicht erbaut, wurde es nach der Apartheid von afrikanischen Migranten genutzt. Der anschließende Niedergang des Gebäudes aufgrund von Drogenmissbrauch, Prostitution und organisiertem Verbrechen und schließlich der Neubeginn - gaben Anlass zu zahlreichen Etikettierungen und bildeten eine Basis der von vielen Weißen bereits liebgewonnenen Vorstellungen über ein kriminelles Südafrika nach der Apartheid.

Portätfotos von Mietern des Ponte von Mikhael Subotzky/Patrick Waterhouse
"Zimmer frei in der Hölle" (Süddeutschen Zeitung) oder "Im  bösesten Hochhaus der Welt" (Die Welt), aber auch der Wandel und Neubeginn von Ponte nimmt immer Bezug auf die kriminelle Phase seiner Geschichte. Erstaunlich, wie sehr Verbrechen thematisiert werden, wenn sie nur fassbar in einem einzigen Gebäude versammelt sind, während die Verbrechen einer ganzen Ära wie der Apartheid weit weniger medienträchtig zu sein scheinen.

Dienstag, 12. März 2013

Sieben Tote

Sieben Tote hat der Zwischenfall vom 13. September 2012 gefordert, der von einer automatischen Überwachungskamera gefilmt und jetzt von der führenden spanischen Tageszeitung El Pais veröffentlicht wurde. Im Film sind ein Patrouillenboot der Guardia Civil und ein Boot mit Flüchtlingen vor Lanzarote zu erkennen. Wer Spanisch kann, kann die Kommentare direkt im Video nachlesen. Alles anderen können sich über den genauen Ablauf des Geschehens bei uhupardo informieren: "Bilder eines angeblichen Unfalls: Polizeischiff rammt Flüchtlingsboot".

Ganz generell hat es schon oft Vorwürfe insbesondere von Hilfsorganisationen gegeben, die den Polizeibooten und vor allem den Frontex-Einheiten Misshandlungen von Immigranten, illegale Zurückschiebungen und Menschenrechtsverletzungen aller Art vorgeworfen haben. Das war nur nie wirklich zu beweisen, auch wenn in vielen Fällen kaum jemand am Wahrheitsgehalt zweifeln mochte.
Diesem Kommentar von uhupardo ist nur hinzuzufügen, dass Frontex selbstverständlich auch von deutschen Steuergeldern mitfinanziert wird. Man wagt sich gar nicht auszumalen, was es bedeutet, wenn ein derartiges Verhalten dem Korpsgeist bei den "Sicherheits"kräften entsprechen sollte, die die Außengrenzen der EU überwachen.

Donnerstag, 23. August 2012

We R No Race

Während der nächsten Olympischen Spiele in Rio will Brasilien ein unübersehbares Signal gegen Rassismus setzen. Die ersten Projekte zu dem Thema werden schon gestartet: We R No Race "Wir sind keine Rasse(n)" will Beweisen, dass das Konzept von Rasse naturwissenschaftlich unhaltbar ist. Eine rassische Zughörigkeit lässt sich nicht an genetischen Merkmalen festhalten und die genetischen Unterschiede von Nachbarn und sogar innerhalb von Familienverbänden sind meist größer, als die zwischen Menschen, die auf unterschiedlichen Kontinenten leben:



Hat tip Freitag, der den Text aus dem Guardian übernommen hat.

Montag, 30. April 2012

Vier junge Afrikaner und Hollywood

Weil alle grade Kony jagen, ist es Zeit ein bisschen was dagegen zu halten. Dabei hilft dieses wirklich nette Video über vier junge Afrikaner und Hollywood ungemein (engl.).



Gefunden bei Chris Blatman.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Britisch bis zum Erbrechen oder vom
"Leben für den industriellen Gebrauch"


Ein Gastbeitrag von Ina Zeuch

"Die Wandlungen des Pran Nath" dekliniert brilliant alle Spielarten des Rassismus anhand des Helden in Hari Kunzru's gleichnamigen Roman. Pran Nath wächst als Anglo-Inder im einem reichen vermutlich brahmanischen Haushalt in Agra auf - ein verwöhntes Söhnchen, dessen ungeklärte Vaterschaft nur seiner Mutter und der Dienerschaft bekannt ist. Sein Vater Pandit Razdan ist ein berühmter Strafverteidiger, pedantisch und reaktionär, mit einem Hang zum Rassismus - nur dass dieser sich diffus gegen die eigenen Leute wendet, gekleidet in eine allgemeine Weltverachtung, die oft in asketischen Ekel umschlägt. Trotz aller Reinlichkeitsrituale und Kontaktverweigerung wird er von der Spanischen Grippe dahingerafft. Noch in derselben Nacht wird Pran Nath - das schikanierte, verhasste Bastardgezücht - an die Luft gesetzt.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Rätsel

Man braucht nicht nach Arizona zu schauen: "Anschlagserie gibt Rätsel auf" schreibt die taz (- wer sonst noch?). Innerhalb weniger Monate sind in Berlin sieben Anschläge auf Moscheen verübt worden. MediaWatchBlog rätselt nicht sondern stellt einen engen Zusammenhang zu der so genannten Integrationsdebatte her, die (ihrem Namen zum Trotz) der Aus- und Abgrenzung dient. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen (mit Analyse)... H/t Nachdenkseiten.

Sonntag, 13. Dezember 2009

"Spot the antisemite"

"Spot the antisemite: The German paper Der Spiegel confuses between "Jewish" and "settler": http://bit.ly/7B1xmd" twittert "Jews sans frontieres". (Aber auch der Focus online macht es leider nicht besser. Zusätzlich verwirrt hier die BU.) Einwandfrei dagegen die Formulierung "London lässt Produkte israelischer Siedler kennzeichnen". Und hier der Link zum letzten Jews sans frontieres "Boycott Israel Update".

Beim Boykott gegen Produkte aus Südafrika zu Zeiten des Apartheidregimes ging es auch keineswegs darum, Schwarze zu diskriminieren...

Dienstag, 21. April 2009

Dilemma einer Minderheit

"Westen boykottiert UN-Konferenz". So oder so ähnlich formulieren deutsche Blätter derzeit die Weigerung einiger westlicher Länder, sich an der Anti-Rassismus Konferenz in Genf zu beteiligen und sich auf UN-Ebene mit einer Reihe von Entwicklungs- und Schwellenländern auseinanderzusetzen. Diese nutzen die Konferenz als Plattform um all jene Vorwürfe an Israel zu richten, die sonst offenbar ungehört verhallen. Dass dabei erneut anti-semitische - also wiederum rassistische - Töne angeschlagen werden, zeigt, wie gut mit diesem Instrument derzeit offensichtlich Poltik zu machen ist.

Acht Staaten, Australien, Deutschland, Israel, Italien, Neuseeland, die Niederlande, Polen und die USA hatten bereits im Vorfeld abgesagt. Die EU fand in der Sache keine einheitliche Position, denn Frankreich und Grossbritannien sagten zu. Die Vertreter dieser und vieler weiterer EU-Länder verließen demonstrativ den Saal, als der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad Israel in seiner Eröffnungsrede als das "grausamste und repressivste rassistische Regime" bezeichnete.

Andere werden aus der Boykott und walkout sicher nur die Bemühungen des Westens herauslesen, seine Interessen - zu denen nun einmal ein starker israelischer Staat zählt - mit allen Mitteln zu verteidigen. An diese Auffassung knüpfte auch Ahmadinejad an: "The Iraqi people have suffered enormous losses ... wasn't the military action against Iraq planned by the Zionists ... in the US administration, in complicity with the arms manufacturing companies?" Und viele Delegierte gaben ihm recht. In dem hier zitierten Beitrag von Al Jazeera wird auch darauf verwiesen, dass "many delegates who remained in the hall applauded Ahmadinejad's comments".

Nicht, dass man diese Auffassung teilen müsste. Dennoch wird der Westen durch seine Verweigerung eines Dialogs immer mehr Politikbereiche vor allem innerhalb der UN verlieren, denn hier herrscht Demokratie nach dem Schlüssel 'Ein Land, eine Stimme'. Die Menschenrechtspolitik ist ein weiteres aktuelles Beispiel.


Wenn der Westen innerhalb der UN weiterhin auf den Boykott aller politischen Umtriebe setzt, die ihm nicht genehm sind, werden die Vereinten Nationen als Ebene der Moderation unbrauchbar werden. Damit würde der internationalen Politik ein Instrument von unschätzbarem Wert verloren gehen. Denn anders als die moralische Autorität der meisten westlichen Regierungen ist diejenige der UN in vielen Ländern noch über weite Strecken anerkannt. Doch auch das kann sich ändern. Noch einmal Ahmadinejad: "The UN security council has stabilised this occupation regime [Israel] and supported it in the last 60 years giving them a free hand to continue their crimes."

Hier noch einige moderate Stimmen, die sich wohltuend vom medialen Mainstream abheben: (1), (2), (3), (4). Eine kluge Analyse der Intentionen Ahmadinejads ist allerdings nirgendwo zu finden. Das ist bedauerlich, denn sie böte eine Chance auf die Ent-Dämonisierung des iranischen Präsidenten und darauf, das machtpolitische Kalkül zu konterkarieren, das hinter dem gezielt in Szene gesetzten Eklat steht.

Die Weltpresse und Ahmadinejad

«Diese Peinlichkeit, dieses Fiasko» - Schweiz: Standard - tagesanzeiger.ch

Die Weltpresse hat Schaum vorm Mund: Der Auftritt des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad bei der UN-Anti-Rassismuskonferenz ist ein gefundenes Fressen für die Mainstream-Medien. Der Schweizer Tagesanzeiger bringt einen Überblick über die Kommentare. Die Badische Zeitung dokumentierte die Rede in einer Übersetzung der staatlichen Rundfunkgesellschaft des Iran.