Zehn Empfehlungen für den Umgang mit Nachrichten

    Ich verspreche:
    "Ich werde meine Nachrichten überprüfen.
    Ich akzeptiere keine Angstmache."

    Copyright Oathsmellers, Armchair Patriots.
  1. Zweifeln, nicht glauben.
    Es reicht nicht aus, sich auf JournalistInnen "zu verlassen". Informationen sind keine Sache des Glaubens oder Vertrauens. Oft sind Zweifel angebracht und fast immer führen diese zu einem konstruktiveren und kreativeren Umgang mit Themen.
  2. Dem Verstand folgen, nicht dem Gefühl.
    Neid, Ärger, Mitleid, aber auch Gleichgültigkeit ("Die da oben machen ja doch was sie wollen.") helfen bei der Beurteilung komplexer Sachverhalte nicht weiter. Zudem können JournalistInnen bestimmte Probleme gar nicht konkret darstellen. Das aber bedeutet, dass man sich die Mühe machen muss, abstrakte Zusammenhänge selber zu durchdringen. Nicht alles passt in eine griffige "Story". Wer immer etwas "zum Anfassen" erwartet, kriegt nur die vorverdauten Info-Happen, die die Industrie dafür maßschneidert.
    Wer diesen Hinweis beherzigt, wird feststellen, wie wichtig gerade auch hochabstrakte Inhalte für das eigene Leben sind.
  3. Keine Panik.
    Die Sorge um die eigene Zukunft oder Sicherheit nimmt die innere Gelassenheit, Dinge so unvoreingenommen wie möglich zu betrachten und etwa eine realistische Risikoeinschätzung vorzunehmen. (Angst ist ein schlechter Ratgeber.)
  4. Auf Wesentliches beschränken.
    Wie ist das denn nun mit "Nachrichten", zum Beispiel mit einem relativ großes Ereignis, wie ein Flugzeugabsturz? So ein Unfall ist tragisch (siehe unter 2., 3.) aber unbedeutend. Unfälle werden immer passieren. Wenn man wirklich etwas dazulernen will, muss man warten, bis die Untersuchungsergebnisse über die Unfallursache veröffentlicht sind. Werden sie das nicht oder weisen Sie Ungereimtheiten auf, wird die Sache erst wirklich zu einer Nachricht.
    Bei anderen Vorgängen wiederum sind die Zusammenhänge bekannt: Gegen Massenkarambolagen auf Autobahnen helfen Tempolimits. Wenn in solchen Fällen Betroffenheit geschürt wird, relevante Zusammenhänge jedoch unterschlagen werden, fehlt die aufklärende Absicht. Das macht derartige Berichte praktisch wertlos.
  5. Widersprüche sind nützlich.
    Widersprüche in einem oder zwischen mehreren Berichten geben Hinweise auf unterschiedliche Interessen. Unter Umständen kann man so "zwischen den Zeilen" zusätzliche Infos über einen Sachverhalt bekommen. Zumindest belegen Widersprüche, dass es mehr als eine Lesart der Geschehnisse gibt.
  6. Wiederholungen sind verdächtig.
    Werden bestimmte Aspekte einer Story häufig wiederholt, ist Vorsicht angesagt. Hier möchte jemand, das wir die Story auch bestimmt schlucken. In der Praxis kristallisieren sich dagegen bei immer genaueren Recherchen immer kompliziertere Sachverhalte heraus. Wenn dann trotzdem diesselben Aussagen ständig variiert werden, war jemand entweder schlecht bezahlt, faul oder - noch schlimmer - nicht Willens, neue Erkenntnisse weiter zu verbreiten.
    Auch Wertungen sollte man grundsätzlich skeptisch gegenüber stehen, wenn sie nicht ausdrücklich als Kommentar gekennzeichnet sind.
  7. Es ist wichtiger, was jemand tut, als was jemand sagt.
    Äußerungen von PolitikerInnen und Wirtschaftsbossen sind fast immer genauestens kalkuliert. Sie dienen verschiedensten Zwecken, in aller Regel aber sollen sie den Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad der Sprechenden steigern. Manchmal (Krieg "gegen den Terror", Kriegsdrohungen, Warnungen von Entlassungen) sollen sie auch Angst machen.
    Aussagen wichtiger Personen können erhebliche Bedeutung haben; das ist aber nur ausnahmsweise der Fall.
  8. Verschiedene Quellen nutzen.
    Bequemlichkeit im Umgang mit Medien ist problematisch. Routine kann auf längere Sicht dazu führen, dass man das Gelesene aus Gewohnheit für bare Münze nimmt. Bei wichtigen Fragen lohnt es sich unbedingt, eine zweite Meinung einzuholen.
  9. Selber recherchieren wenn nötig.
    Es wird der Abschluss eines Riester Vertrages erwogen? Im Betrieb stehen Entlassungen an? Nun muss man persönlich nachhaken - da führt kein Weg dran vorbei: Die persönlichen Erfahrungen der Redaktion laufen darauf hinaus, dass Betroffene in vielen Fällen oft entsetzt über die schlechte Qualität (und auch geringe Quantität) der Berichterstattung in vielen Fragen sind, die die Lebenswirklichkeit eines Großteils der Bundesbürger berühren.
  10. Wissenswertes und Kritik einbringen.
    Wer etwas Substantielles (heraus)gefunden oder Kritik hat, ist es seinen Mitmenschen ein Stück weit schuldig, die Infos weiter zu verbreiten. Dazu stehen die Chancen heute besser als jemals zuvor. Und keine Sorge: Handelt es sich um wesentliche Informationen, werden das auch andere merken und sie weiter verbreiten.

Journalismus heißt, etwas drucken,
was jemand anders nicht gedruckt sehen will.
Alles andere ist Werbung.

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