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Donnerstag, 18. Mai 2017

Medienkritik bleibt Thema

"Flüchtlingskrise": Dass es keine Krise der Flüchtlinge gibt, sondern ausschließlich eine unserer Werte und Solidarität, stellt Open Democracy klar.

Saudi Arabiens PR-Strategie wird von westlichen Medien mal wieder willfährig umgesetzt. Telepolis hat einen ausgezeichneten Hintergrund dazu im Angebot.

Jemen: Die derzeit größte humanitäre Katastrophe auf dem Planeten kommt in der deutschsprachigen Berichterstattung als solche praktisch nicht vor. Es wird lediglich unzusammenhängend über einzelne Aspekte berichtet wie den Choleraausbruch oder die kaum beachtete Hilfszusage von Bundesentwicklungsminister Gerhard Müller. Bei der ARD gingen deswegen auch schon Programmbeschwerden ein (2), (u.v.m.). Und so unsympathisch RT-Deutsch auch immer sein mag: Der Zusammenhang zwischen Krieg, Hunger und Seuchen (2) lässt sich nun mal nicht wegredigieren.

Venezuela: Eine qualitativ hochwertige und nachhaltige Berichterstattung zur Situation in dem lateinamerikanischen Land findet sich in deutscher Sprache eigentlich nur bei amerika21.

Israel/Palästina: Die Besuche von Außenminister Sigmar Gabriel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hätten einen vorzüglichen Anlass geboten, einmal grundsätzlich über die schlimme Situation in Israel/Palästina zu berichten. Da ist uns dann aber das Hemd doch allemal näher als die Jacke...

Sonntag, 27. September 2009

Bringt mir den Kopf von Hugo Chavez

Es kann ein Wunschtraum kolumbianischer Paramilitärs sein - viel wahrscheinlicher aber ist, dass wir die folgende Meldung sehr ernst nehmen müssen:
Der venezolanische Oppositionsführer hat offensichtlich ein Kopfgeld in Höhe von 25 Mio. US-Dollar auf Hugo Chavez ausgesetzt. Mit dieser Meldung wartet Telepolis auf.

Die Meldung geht auf eine Story von Al Jazeera zurück: Die Kollegen hatten kolumbianische Kopfgeldjäger zu dem Thema interviewt.

Hier noch die Google-Nachrichtenlage in deutscher und englischer Sprache. Es ist immer wieder erschreckend zu sehen, wie sich vor allem US-amerikanische Printmedien nicht scheuen, mit Unwahrheiten und Verunglimpfungen zu manipulieren.

Dienstag, 2. Juni 2009

Hallo um den Präsidenten


»Aló Presidente«, ("Hallo Präsident"), heißt die allsonntäglich ausgestrahlte Fernseh- und Radiosendung von und mit Hugo Chavez, dem Präsidenten Venezuelas. Wie wenigen gelingt es ihm, die konservativen und marktliberalen Kräfte im Westen gegen sich aufzubringen. Denn anders als bei den kubanischen Castro-Brüdern muss man seine Wirtschaftspolitik wegen der Bodenschätze von Venezuela ernst nehmen. Und anders als im Falle von Nordkoreas Kim Jong Il kann man ihn nicht einfach als irren Steinzeitdiktator abtun. Immerhin hat Chavez einen Putsch und ein Referendum überstanden und wurde 2006 in einer von EU-Beobachtern als regelgemäß bezeichneten Wahl zum dritten Mal der Präsident Venezuelas.

Nun also hatte »Aló Presidente« zehnjähriges Jubiläum und die Berichterstattung dazu bietet einen willkommenen Anlass, einige deutschsprachige Medienreaktionen gegenüberzustellen."Der große Präsident als kleiner Feigling" höhnt die Frankfurter Allgemeine Zeitung und spielt damit auf die Tatsache an, dass Chavez sich an einer von ihm selbst angeregten Fernsehdebatte schließlich doch entzog. Eigentlich hatte er mit dem konservativen, weltbekannten peruanischen Schriftsteller Mario Vargas Llosa in »Aló Presidente« diskutieren wollen. Die FAZ erwähnt jedoch nicht, dass das Vargas Llosa und die anderen geladenen Gäste ebenfalls Schwierigkeiten mit dem Termin hatten. Unter der Überschrift "Opposition kneift" meldet amerika21.de:
Obwohl es zunächst hieß, die Opposition wolle den Schriftsteller Mario Vargas Llosa in eine Debatte mit Chávez schicken, verstrich der vorgeschlagene Termin, ohne dass der peruanische Wirtschaftsliberale oder irgendein Teilnehmer der rechten Konferenz ihr Erscheinen zusagten.
Am nächsten der Wahrheit kommt - vielleicht - die taz, der die Vorgänge ein Kommentar ("Ein Armutszeugnis") wert waren:
Doch nach einer ersten Zusage bestanden die Ultraliberalen auf einer Zweierdebatte zwischen Chávez und dem peruanischen Schriftsteller (...) Ein Duell mit dem scharfzüngigen Vargas Llosa wiederum war dem sozialistischen Volkstribun offenbar nicht geheuer. Er wolle nur "mitdiskutieren", sagte Chávez (...)
Schwerwiegender als der Hohn ist eine - naja Ungenauigkeit - , die sich im FAZ-Artikel findet: Sie wirft Chavez vor, »Aló Presidente« "Zwangsweise über alle Kanäle [zu] übertragen". Präziser hätte es heißen müssen 'zwangsweise über alle staatlichen Kanäle zu übertragen'. Bedeutend glaubwürdiger ist da die Darstellung in der jungen welt:

Einer jüngsten Umfrage des Instituts Observatorio Público zufolge sehen oder hören 61 Prozent der Venezolanerinnen und Venezolaner »Aló, Presidente«. 83 Prozent von ihnen verfolgen die Sendung im Fernsehen, während die übrigen 17 Prozent die Radioübertragung hören. Das sind hohe Werte für einen Beitrag, der eben nicht – wie oft fälschlich behauptet wird – von allen Sendern übernommen wird, sondern sich durchaus gegen die Konkurrenz der kommerziellen Kanäle behaupten muß.
In dem angenehm differenzierten und insgesamt lesenswerten Wikipedia-Artikel zum Thema Chavez wird im Abschnitt Medienpoltik auf die "cadena" hingewiesen:
Hugo Chávez wendet sich häufig mit Fernsehansprachen direkt an die venezolanische Öffentlichkeit. In diesem Fall sind alle Fernsehsender verpflichtet, eine Cadena (dt.: Kette) zu bilden und die Ansprache landesweit gleichzeitig und in voller Länge auszustrahlen. Im Jahr 2001 wurden 7018 Minuten lang cadenas mit Ansprachen Chavez’ gesendet, im Jahr 2002 4407 Minuten.
Des Weiteren muss nach dem Mediengesetz von 2005 jeder Kanal 70 Minuten Sendezeit wöchentlich (maximal 15 Minuten täglich) zur Verfügung stellen, in welcher der Staat über seine Projekte und Ziele informieren kann. (...)
Seit 1999 hat Präsident Chávez auch seine eigene Fernsehshow, »Aló Presidente«. Sie wird an den meisten Sonntagen ab elf Uhr vormittags von wechselnden Orten, häufig von Kooperativen im Landesinnern, gesendet und von den staatlichen Fernsehsendern ViVe und VTV sowie der Radiostation RNV ausgestrahlt.
Ein Hinweis auf eine zwangsweise Ausstrahlung von »Aló Presidente« findet sich auch nicht in den anderen Beiträgen, die die Google-News-Suche zu dem Thema liefert:
Und die taz bringt noch den wichtigen Hinweis, dass die Veranstaltung in Venezuela, auf der Vargas Llosa sprach, von der Friedrich-Naumann-Stiftung mitfinanziert gewesen ist, lotet die Bedeutung dieses Engagements aber nicht aus.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Hugo Chávez droht mit Schließung von Globovisión

"Hugo Chávez Threatens to Take Venezuela's Last Major Opposition-run TV Station Off Air | Journalism in the Americas", berichtet das Knight Center vor Journalism in the Americas in seinem News Blog. Venezuelas Präsident wirft dem Sender vor, im Zusammenhang mit einem Erdbeben in der vergangenen Woche Panik verbreitet zu haben. Globovisión-Manager Alberto Ravell wies die Vorwürfe zurück und kritisierte die Regierung, zu spät Informationen über das Beben mittlerer Stärke an die Öffentlichkeit gegeben zu haben. (Klaus Boldt)