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Montag, 8. August 2022

Eine Geschichte von zwei Planstädten

Ibu Kota Negara Nusantara heißt die neue Hauptstadt Indonesiens, deren Errichtung an der Ostküste Kalimantans (dem indonesischen Teil von Borneo) gerade startet. „Nusantara“ ist einerseits ein geopolitischer. Begriff: Ursprünglich stand er für die das Königreich Majapahit, des letzten hinduistischen Großreichs in der Region, das zur Zeit seiner größten Ausdehnung im 14. Jahrhundert dem Staatsgebiet des modernen Indonesien bereits verblüffend ähnelte. Andererseits ist Nusantara ein kultureller Begriff, mit dem die malaiische Kultursphäre bezeichnet wird. 

Damit ist der programmatische Charakter der Stadtgründung umrissen: Nusantara soll die offiziell multiethnische und multireligiöse Tradition des modernen Indonesiens (Pancasila) symbolträchtig fortsetzen. Dafür steht auch der von dem in Bandung lebenden Künstler und Architekten Nyoman Nuarta entworfene Präsidentenpalast. Dessen Form ist an die des Garuda entlehnt, den mythischen Riesenvogel und Wappentier Indonesiens. Zudem wird die neue Hauptstadt weit näher am geographischen Zentrum der Inselgruppe liegen als die heutige Hauptstadt Jakarta.

Über Nusantara und die New Administrative Capital Ägyptens bitte weiterlesen bei telepolis.

Mittwoch, 13. Juni 2018

Jetzt ist auf einmal Jakarta schuld

Indonesien hat gedroht, Airbus-Geschäfte platzen zu lassen, wenn die Europäische Union die Einfuhren von Palmöl im großen Stil runterfährt, weil die Biosprit-Subventionen auslaufen. (Das hat zumindest das Europäische Parlament beschlossen.)

Da hyperventilieren die Grünen in Brüssel aber heftigst. Das sei
der unverschämte Versuch, die EU zu erpressen. Es ist zugleich der Versuch, von dem schier unfassbaren Raubbau an der Natur abzulenken, der gerade in Indonesien, dem weltweit größten Palmöl-Exporteur, angerichtet wurde und weiter angerichtet wird. 
Aha. Jetzt ist also auf einmal Jakarta schuld. Unterschlagen wird, dass das erste Gesetz zur Förderung von Biokraftstoffen 2003 von der EU erlassen wurde. Und die Geschichte des Palmölanbaus zeigt deutlich, dass die Anbauflächen genau zu diesem Zeitpunkt (2003) begannen, exponientiell zu wachsen (vgl. Grafik). Genau zu diesem Zeitpunkt explodierten weltweit übrigens auch die Rohstoffpreise, und die Grünen in Brüssel und Berlin waren für Biosprit.

Mittwoch, 29. November 2017

Autonomie nur auf dem Papier

1,8 Mio. Unterschriften hat die "Free West Papua Campaign" gesammelt und schon  im Oktober an die Vereinten Nationen übergeben (Westpapua Netzwerk, New Internationalist). Darin werden die UN aufgefordert, gegen Menschenrechtsverletzungen in Westpapua aktiv zu werden und das Recht indigener Papuas auf Selbstbestimmung zu unterstützen.

Das Ganze wurde zwar in Großbritannien gestartet, ist aber dennoch bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass in der Provinz insgesamt nur etwa 4,5 Mio. Menschen wohnen. Unterzeichnet haben auch knapp 100.000 nicht-indigene IndonesierInnen, die knapp die Hälfte der Bevölkerung stellen.


MediaWatch steht allen nachkolonialen Unabhängigkeitsbewegungen skeptisch gegenüber. So muss etwa gefragt werden, ob es nicht vor allem der Rohstoffreichtum in dieser Ecke der Welt ist, der britische Parlamentarier veranlasst, sich für die Unabhängigkeit von West Papua stark zu machen.

Doch kann nicht bestritten werden, dass Indonesien auch in Westpapua gröbste Menschenrechtsverletzungen (2) beging und teilweise noch begeht. Mehr Autonomie wäre absolut angemessen für diese beiden östlichsten indonesischen Provinzen. Warum soll Papua verwehrt werden, was Aceh ganz im Westen erlaubt ist?

Zwar gibt es auf dem Papier seit 2001 einen speziellen Autonomiestatus, aber dessen Implementierung gilt als Fehlschlag.

Montag, 18. September 2017

Geht doch....

... mit den Religionen - zumindest in Indonesien; wenn auch hier natürlich nicht immer reibungslos:







Mittwoch, 9. August 2017

Literarische Vorbereitungen, zweiter Teil

Im Zuge der Reisevorbereitungen für Java, Indonesien, gilt es auch, literarische Werke von indonesischen AutorInnen zu lesen. Dabei - und bei den folgenden Synopsen - geht es allerdings nicht um literarische Qualität sondern um den Versuch, etwas über Land und Leute zu erfahren. Wer den ersten Teil der literarischen Reisevorbereitungen nachholen möchte, klicke bitte hier.

Laksmi Pamuntjak zeichnet in "Alle Farben Rot" ein erfreulich detailliertes Bild von den Vorgängen in Indonesien nach der Unabhängigkeit. Ausgehend von der Situation auf der zu den Mollukken gehörenden Gefängnisinsel Buru wird ein weiter Bogen gespannt, in dem auch viele Zwischentöne in der Entwicklung des Vielvölkerstaats anklingen. Hier wird von den Landkonflikten berichtet, die (nicht nur) auf Java bedeutsam waren (und sind). Wir erfahren, dass die Ideale der Linken vielleicht durchaus ihre Berechtigung hatten und dass Indonesien aus einer Vielzahl von Parallelwelten zusammengesetzt ist, auf der sehr unterschiedliche Kulturen existieren. Diese werden nicht nur erwähnt, sondern eine solche exemplarisch auch geschildert. Es wird deutlich, dass an relevanten Stellen Spitzel von Polizei und Militär installiert sind, dass diese durchaus miteinander konkurrieren und dass das die Suche nach einem Dissidenten nicht gerade einfacher macht.
Wer zudem auch etwas über die Grundlagen der javanischen Kultur erfahren will - die Namen der Protagonisten sind der Mahabharata entliehen - und Kulturtipps sucht, wird in Pamuntjaks Werk immer wieder fündig. Nur die Überhöhung der HeldInnen und ihrer Liebe zueinander wird den meisten westlichen LeserInnen vermutlich kitschig vorkommen.


Mittwoch, 26. Juli 2017

Literarische Vorbereitungen

Im Zuge der Reisevorbereitungen für Java, Indonesien, gilt es auch, literarische Werke von indonesischen AutorInnen zu lesen. Dabei - und bei den unten folgenden Einlassungen - geht es nicht um Buchkritik und literarische Qualität sondern um den Versuch, etwas über Land und Leute zu erfahren. Deshalb kamen auch nur Romane auf den Nachttisch, deren UrheberInnen mindestens zum Enstehungszeitpunkt der jeweiligen Arbeit ständig im Land gelebt haben.
Denn die Kritik von ExilantInnen an den Zuständen in ihrer Heimat ist wohlfeil. Wer ein wenig über die jüngere Geschichte Indonesiens weiß, ahnt sicher, dass es nicht einfach ist, offen Stellung zu beziehen, wenn man vor Ort lebt und arbeitet. Bei Wikipedia heißt es dazu (Hervorhebung durch die Red.):
Die Massaker in Indonesien 1965–1966 waren ein Massenmord an Mitgliedern und Sympathisanten der Kommunistischen Partei Indonesiens (PKI) und chinesischstämmigen Bürgern (...)
Die Geschehnisse wurden in der Orde Baru [zu deutsch etwa 'Neue Ordnung'] systematisch verklärt und sind innerhalb der indonesischen Gesellschaft nahezu unaufgearbeitet. Die Diskriminierung der Opfer dauert bis heute an. Seit mehreren Jahren kämpfen Opferverbände um Aufklärung, Rehabilitierung und Entschädigung. 
(Wer wirklich mehr darüber wissen will, sollte die Filme "The Act of Killing" und "The Look of Silence" gucken.)

Freitag, 11. Mai 2012

adidas kurz vor Olympia

adidas weigert sich, 1,8 Mio. US-Dollar Abfindung an indonesische ArbeiterInnen zu zahlen, zu denen das Unternehmen wegen einer Werksschließung verpflichtet ist. Die Kampagne für saubere Kleidung berichtet:
Ein Jahr nach der Schließung der Fabrik PT Kizone in Indonesien, weigert adidas sich immer noch, den indonesischen ArbeiterInnen ihre ausstehenden Abfindungen in Höhe von 1,8 Millionen US-$ zu zahlen. Im Januar 2011 floh der Eigentümer von PT Kizone aus Indonesien. Dies führte zur Schließung der Fabrik im April desselben Jahres und machte 2800 ArbeiterInnen arbeitslos, die dadurch auch nicht die ihnen zustehende Abfindung erhielten. Der Sportartikelhersteller adidas war jahrelang Käufer bei PT Kizone, wo die ArbeiterInnen teilweise nur US-$ 0,60 pro Stunde erhielten.
Damit hinkt Adidas mit extrem schlechten Beispiel hinterher. Bei Inkota heißt es:

Montag, 12. Januar 2009

"Indonesia ready to send troops to Palestine"

sichert die indonesische Nachrichtenagentur Antara zu. Doch machen die Indonesier die mögliche Entsendung von Truppen von einem Waffenstillstandsabkommen abhängig.
"The government`s policy is how to enable humanitarian aid to reach them (Palestinians) and how to make our diplomatic measures effective. A ceasefire is the best solution. The safety of Indonesian people is also important," he [President Susilo Bambang Yudhoyono] said.
(...) "Our goal is to help and show our solidarity in correct ways. So people should choose ways that can be part of the solution and not ways that will create problems," he said in response to the wish of many Indonesians to go to Gaza to help the Palestinians.
Der innenpolitische Druck scheint erheblich zu sein:
Earlier, some Muslim-based organizations, including Hizbut Tharir Indonesia (HTI), urged the Indonesian government not only to condemn Israeli brutality but also to send military troops to Palestine without waiting for an instruction from the United Nations.
(...) HTI spokesman Muhammad Ismail Yusanto said the UN could no longer be expected to take the side of the Muslims who had fallen victim to the Israeli military onslaught.
"The world organization has proven to be weak toward the US and its allies because the UN has so far been an instrument to legitimize the actions and interests of colonialist countries," he said.