Dienstag, 16. Juli 2024

Pacific Rim auf chinesisch

Der Hafen von Chancay
Der Hafen von Chancay, Grafik: La Republica, CC BY-SA 4.0

Peru bekommt einen großen Tiefseehafen. Gebaut und betrieben wird das Terminal von einer chinesischen Firma. EU und USA reagieren verschnupft, wähnt man Lima doch eigentlich fest im westlichen Orbit.

Peru ist im Begriff, ein wichtiger globaler Schifffahrtsknotenpunkt zu werden: In den letzten fünf Jahren hat der chinesische Gigant Cosco Shipping Ports zusammen mit dem peruanischen Bergbauunternehmen Volcan 3,6 Milliarden Dollar in den Ausbau eines natürlichen Tiefwasserhafens in Chancay investiert - nur 75 km nördlich von Lima.

Der erste Teil des Projekts, der sich jetzt in der Endphase befindet, soll im November eingeweiht werden, wenn der chinesische Staatschef Xi Jinping am APEC-Gipfel in Peru teilnehmen wird. Peru ist nach Brasilien das zweitgrößte Zielland für chinesische Investitionen in Lateinamerika.

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Montag, 8. Juli 2024

Wohin mit Nigers Erdöl?

Ministerium für Energie, Niamey, Niger. Foto: Barke11, CC BY-SA 4.0

Die Bundeswehr räumt bis zum 31. August ihren Luftwaffenstützpunkt im Niger weil Niamey nicht bereit ist, den deutschen Soldaten Immunität für ihr Verhalten in dem westafrikanischen Sahelland zu gewähren.

Zudem ist letztes Wochenende offiziell ein Militärbündnis zwischen Burkina Faso, Mali und Niger geschlossen worden, die Allianz der Sahelstaaten (AES). Die Militärmachthaber der drei Länder haben sich extra in Niamey getroffen, um dieser Absage an die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas) diplomatisch Nachdruck zu verleihen.

Es war das erste Treffen der drei Staatsoberhäupter Abdourahmane Tchiani aus Niger, Ibrahim Traore aus Burkina Faso und Assimi Goita aus Mali. Traore ließ sich bei dieser Gelegenheit so zitieren:

Die Westener sind der Meinung, dass wir ihnen gehören und dass unser Reichtum auch ihnen gehört. Sie denken, dass sie diejenigen sind, die uns auch in Zukunft sagen müssen, was gut für unsere Staaten ist.
Solche Nachrichten wirken, als liefe alles nach Plan der Militärs. Doch die Regierung in Niamey plagen derzeit gravierende Sorgen. 

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Montag, 1. Juli 2024

Von Nairobi nach Port-au-Prince (und zurück)

Religion in Haiti, Foto: Guerinault L, CC BY-SA 4.0

Der US-Kongress hat jetzt 109 Mio. US-Dollar für die kenianische Polizeimission in Haiti eingestellt (MediaWatchBlog berichtete.) Das erste Kontingent von 400 PolizistInnen ist denn mittlerweile auch auf dem Weg nach Port-au-Prince. Insgesamt ist nur noch eine Personalstärke von insgesamt 1.000 Kräften vorgesehen.

Brillant ist der Einwurf eines Kenianers, der sich vorab schon einmal für die zu erwartenden Menschenrechtsverletzungen der Truppe entschuldigt (New Humanitarian). Denn es muss schwer bezweifelt werden, dass diese PolizistInnen bessere Ergebnisse erzielt, als die US- und UN-Einheiten vor ihnen.

Und offensichtlich würden die 1.000 Polizisten ganz dringend in Nairobi gebraucht. Den mit weitem Abstand besten Beitrag in deutscher Sprache zum jüngsten Blutbad in dem ostafrikanischen Land findet man bei Telepolis. In allen Berichten, die links von der Mitte einzuordnen sind, wird der Zwang zur Austerität durch den Internationalen Währungsfonds mitverantwortlich (epo.de) für die Misere gemacht.

Der MediaWatchBlog geht davon aus, dass die Regierung die Unruhen "erfolgreich" niederschlagen wird. Doch die - zumindest politisch - fest gefügte Westorientierung Kenias auch unter Präsident William Ruto wird nicht nur von den Demonstrantinnen infrage gestellt. 

P.S.: Was die Steuererhöhungen angeht, die der Auslöser für die Unruhen waren, ist Ruto (zunächst) zurückgerudert.

Dienstag, 25. Juni 2024

Migration der Millionäre

Die Reichtumsuhr für Deutschland am 29.09.2012. Foto: Bernd Schwabe in Hannover, CC BY-SA 3.0

Viele Millionäre verlassen ihre Heimat, obwohl sie dort reich geworden sind. Wo kommen sie her, was sind ihre Motive und wo gehen sie hin? Und hat das Konsequenzen für Herkunfts- und Aufnahmeländer?

Kapitalflucht ist ein altbekanntes Problem der Weltwirtschaft. Weniger bekannt ist dagegen, dass auch viele Kapitaleigner, vulgo Millionäre, ihre Heimat verlassen, obwohl sie dort ihr Glück gemacht haben.

Der Henley Private Wealth Migration Report 2024 zeigt, dass in diesem Jahr voraussichtlich weltweit 128.000 Millionäre ihr Heimatland verlassen werden. Damit wird der bisherige Rekord aus dem letzten Jahr von 120.000 Reichen deutlich übertroffen.

Diese wachsende Migration von vermögenden Privatpersonen (high-net-worth individuals, HNWI) spiegelt einen Trend der breiteren Wohlstandsmigration, die durch geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheit und soziale Umwälzungen angetrieben wird.

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Donnerstag, 13. Juni 2024

Indiens Atomstreitmacht wächst

Skizze des Atom-U-Bootes INS Arihant. Grafik: Ajbura, CC BY-SA 4.0

Indien baut einen Bunker für seine atomar bewaffnete U-Boote, die gegen Pakistan und China gerichtet sind. Die Kräfteverhältnisse in der Region sind im Fluss. Wird Delhi sich behaupten können? 

Kürzlich berichtete der Indian Defense Research Wing, dass Indiens ehrgeiziges Projekt Varsha (zu Deutsch etwa "Regen"), ein weitläufiger, 1.680 Hektar großer Marinestützpunkt, an der Ostküste des Subkontinents bei Rambilli rasch Gestalt annimmt. 

Das Projekt beinhaltet einen strategischen Marinestützpunkt, der eine Flotte von später einmal zwölf Atom-U-Booten beherbergen soll, die mit ballistischen Raketen bewaffnet sind (Ship Submersible Ballistic Nuclear, SSBN). Es handelt sich um einen unterirdischen Komplex, der auch als U-Boot-Bunker dienen wird.

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Montag, 10. Juni 2024

Update Sudan

Der Sudan und Russland sind im Begriff, eine Reihe von militärischen und wirtschaftlichen Abkommen zu unterzeichnen, darunter auch die Einrichtung eines russischen Zentrums für die logistische Unterstützung der Marine am Roten Meer. Das berichtet die Sudan Tribune unter Berufung auf den stellvertretenden Oberbefehlshaber Yasir al Atta. 

Dieser Vorgang ist insofern bemerkenswert, als die bedeutende russische private Sicherheitsfirma Wagner zu Beginn des Bürgerkrieges im Sudan aufseiten der aufständischen Rapid Support Forces (RSF) aufgetreten waren. Nach dem Tod des ehemaligen Wagner-Kommandeurs Pawel Prigoschin übernahmen jedoch staatliche russische Stellen das Management der Beziehungen zu Khartum.

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Montag, 3. Juni 2024

Fundstücke CCCXXXI

Neukaledonien/Frankreich: Ein spannendes Stück zu den jüngsten Unruhen in der französischen Nickelkolonie bietet Cicero. Solche Beiträge dürfte es im deutschen Sprachraum ruhig öfter geben. Der prowestliche Zungenschlag in dem Beitrag tut dessen Qualität nur geringen Abbruch.

Israel: Der Bericht, wie der als "Künstliche Intelligenz" bezeichnete Algorithmus "Lavender" funktioniert, den die israelische Armee als Ausrede nutzt, um PalästinenserInnen abzuschlachten, kommt ursprünglich von +972.
Makroskop untersucht detaillierte Vorschläge, welche Hebel die Europäische Union ansetzen könnte, um Israel zu einer Abkehr von seinem kriegsverbrecherischen Kurs zu bewegen.
Die IPG zeigt weiterhin Mumm bei ihrer Nahost-Berichterstattung: "Regeln für alle. Der Internationale Strafgerichtshof sendet mit dem Antrag auf Haftbefehl gegen Israels Premier Netanjahu und Hamas-Führer Sinwar ein wichtiges Signal."

Foto: US Army, CC0 1.0

Welternährung: Russlands Getreidediplomatie ist ziemlich erfolgreich, muss die Asia Times zähneknirschend zugeben. Erst kürzlich wurde zudem bekannt, dass Moskau eine BRICS-Getreidebörse gründen will, die Chicago Konkurrenz machen soll.

Schulden: Der Schuldenreport 2024 ist erschienen. Misereor und erlassjahr.de beklagen, dass die Staaten des Globalen Südens so viel Schuldendienst wie noch nie leisten müssen. In 45 Staaten flössen mehr als 15 Prozent der Staatseinnahmen an ausländische Gläubiger.  

Frieden: Im Jahr 2023 gab es nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstitutes SIPRI weltweit 63 multilaterale Friedensoperationen in 37 Ländern - eine weniger als im Jahr 2022. Davon wurden 20 von den Vereinten Nationen durchgeführt und weitere 38 wurden von regionalen Organisationen und Bündnissen durchgeführt. Die übrigen 5 liefen auf Initiative von Ad-hoc-Koalitionen von Staaten. Von den 63 Operationen fanden 24 in Afrika südlich der Sahara, 19 in Europa, 14 im Nahen Osten und Nordafrika, aber nur jeweils drei 3 in Asien und Amerika statt.

Umwelt: In Indonesien, Malaysia und Papua-Neuguinea gibt es dreimal so viele Straßen durch die Dschungel wie offiziell ausgewiesen (Science Alert).

Erdüberhitzung: Die aktuelle Hitzewelle in Südostasien ist genauso schlimm wie letztes Jahr. Die Temperaturen übersteigen teils apokalyptische 50 Grad Celsius und werden damit überaus tödlich. Hitzerekord auch in Indien. In der Hauptstadt Delhi werden 52,3 Grad Celsius gemessen.

Grafik: Contains modified Copernicus Sentinel data 2022, Copyright: EU-Verordnungen

Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) investiert nach wie vor über Steueroasen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Dabei geht es wenig transparent zu und den eigentlichen Zielländern werden Steuern vorenthalten. Zu diesem Schluss kommt das Netzwerk Steuergerechtigkeit in einer Studie.

Ernährung: Nestle hat es immer noch nicht begriffen, wie ein Beitrag in der Economic Times belegt.