Montag, 19. April 2021

Keine absolute Armut mehr in China

Im Reich der Mitte hat ein welthistorisches Ereignis stattgefunden, das im Westen kaum Beachtung fand. Eine Bestandsaufnahme

Auch in Medien wie Telepolis, in denen die China-Berichterstattung differenziert und qualitativ hochwertig ist, wurde die wohl bedeutendste Errungenschaft der 1,4 Milliarden Menschen und der regierenden Kommunistischen Partei des fernöstlichen Landes in diesem Jahr nur gestreift: ihr Sieg gegen die absolute Armut. Es ist nicht übertrieben, von einem welthistorisch bedeutenden Moment zu sprechen. Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist es gelungen, über 700 Millionen Menschen aus bitterster Armut zu befreien – und das in nur 40 Jahren.

Bitte weiterlesen bei Telepolis...

Dienstag, 13. April 2021

Fundstücke CCXCIV

Lateinamerika: Über die Wahlgänge in Ecuador und Peru (amerika21) berichtet wie immer engagiert und kenntnisreich Frederico Füllgraf für die Nachdenkseiten.

Palästina: Aufschlussreiche Details über die israelische Politik im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen in Palästina (Westbank und Gaza) bietet der Blog des Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern.

Syrien: Michael Lüders räumt im Freitag mit der Vorstellung auf, im Westen ginge es irgendwie um die Überlebenden in Syrien. Den hiesigen Eliten geht es - nach wie vor - lediglich um einen Regimewechsel in Damaskus. Dafür ist man sich auch nicht zu schade, humanitäre Hilfe brutalstmöglich zu instrumentalisieren. Der Titel des Stückes ist ebenso mutig wie angemessen: "Dann hungert mal". Die Dschihadisten wissen solche und anderweitige Zuarbeit sicher sehr zu schätzen. Unbedingt lesen.

Tansania: Wahrscheinlich haben wesentlich mehr Menschen vom Tod des tansanischen Präsidenten John Magufuli gehört, als davon, dass ihm jetzt mit Samia Suluhu Hassan eine Frau im Amt folgt. Die bisherige Vizepräsidentin stammt von der halbautonomen Insel Sansibar. Sie hat u.a. in Manchester Wirtschaft studiert. Hier der Link zu einem Hintergrund im East African in dem einige der Herausforderungen gelistet sind, denen sich "Mama Samia" gegenüber sieht. Die ARD interessiert sich in diesem Zusammenhang leider nur für Covid-19. 

Westsahara: Wer erinnert sich noch an die Anerkennung der marokkanischen Souveränität durch die US-Regierung als "Belohnung" für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Rabat und Westjerusalem?
Jetzt erntet der Marokko die blutigen Früchte - mit frisch importierten, israelischen Drohnen (TP)...

Corporate Accountability: Die Nachdenkseiten haben einen kurzen aber wichtigen Beitrag zur Frage veröffentlicht, warum der US-Bundesstaat Delaware als Unternehmenssitz weltweit solch eine herausgehobene Bedeutung hat obwohl es sich um keinen Schattenfinanzplatz (vulgo "Steueroase") im klassischen Sinn handelt.

Deutschland: Wer sich über den aktuellen Stand der Auslandseinsätze der Bundeswehr informieren möchte, sollte derzeit bei "Augen geradeaus!" nachlesen. Einige Hinweise zu den verschiedenen rechtlichen Grundlagen der Interventionen sind wichtig und den meisten wahrscheinlich unbekannt.
Dieser Beitrag ist ein erneuter Beweis dafür, dass qualitativ hochwertige Informationen oft nicht aus dem Mainstream kommen ... Welche Zeitung hätte Platz für einen solchen Beitrag? Wer würde in solch einer "redaktionellen Umgebung" Werbung schalten wollen? Und im Falle eines Online-Beitrags: Was wäre mit Suchmaschinen-Optimierung von Texten, Klick-Statistik und sonstigem Werbe- und Vermarktungsgedöns?
Der - sehr ermutigende - Umkehrschluss lautet: Es gibt (noch immer) jede Menge hochwertige Informationen kostenlos (oder gegen Spende) für alle, die sie wirklich lesen wollen. Man darf sie sich nur nicht mundgerecht servieren oder von Algorithmen vorzensieren lassen.

Großbritannien: Das volle Ausmaß der Kürzungen des britischen Etats für Entwicklungszusammenarbeit wird immer sichtbarer (openDemocracy).
Übrigens - für die, denen es nicht auffällt: Bis auf Nigeria sind (oder waren bis vor kurzem) alle in der Grafik genannten Regionen Kriegsgebiete und Schauplätze westlicher Interventionen. Von daher ist man vor allem in Damaskus (siehe Meldung oben), vielleicht aber auch in Juba, Mogadischu und Tripolis gar nicht so unglücklich über das Ausbleiben der "Hilfe". Und im "Sahel" und in der DR Kongo geben sowieso die Franzosen den Ton an...

Ernährung: Der New Internationalist beklagt die Nähe der Welternährungsorganisation (FAO) zur Nahrungsmittelindustrie.

Mittwoch, 7. April 2021

Unreflektierte Sprechblasen

Die Mitschuld am und die - mangelnde - Aufarbeitung der Verwicklung der Grande Nation in den Völkermord in Ruanda greift die taz in einem erfreulich umfassenden Hintergrundbericht auf. Anlass ist natürlich die Veröffentlichung des Bericht einer Historikerkommission mit dem Titel „Frankreich, Ruanda und der Völkermord an den Tutsi (1990–1994)“ (franz.) am 26. März 2021. 

Die ARD schwurbelt was von "Als die Schutzmacht nicht mehr schützte", was völlig unterschlägt, dass Paris in Kigali aus strategischen Gründen ab 1975 ununterbrochen militärisch präsent war und regelmäßig Waffen lieferte - während des Bürgerkrieges ab 1990 auch schweres Gerät. 

Darüber hinaus erinnert das "Schutzmacht"-Gefasel ungut an die Zeit bis zum 1. Weltkrieg, in der solche Begriffe die brutale koloniale Wirklichkeit überdecken sollten. Derlei unreflektierte Sprechblasen lassen befürchten, dass die tollen "Faktenfinder" nicht einmal mehr wissen, dass Ruanda als Teil von "Deutsch Ostafrika" von 1884 bis 1916 zunächst und zuerst deutsches "Schutzgebiet" war (2).....

Montag, 29. März 2021

Wieder eine Farbenrevolution die in einem Bürgerkrieg endet?

Über die Lage in dem Vielvölkerstaat Myanmar berichtet M.K. Bhadrakumar aus Blickwinkeln, die im Westen (und offensichtlich selbst in Indien) kaum bekannt sind oder lieber ignoriert werden.

Eine Balkanisierung des Landes kann nicht völlig ausgeschlossen werden.
Die um ihre Sicherheit besorgten Nachbarländer (vor allem Bangladesch, und Thailand) aber auch Indien, Russland und China werden versuchen, eine derartige Entwicklung zu verhindern.
Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch die Hinweise, die Bhadrakumar auf die Proteste in Thailand gibt.

Das einzige, was derzeit sicher zu sein scheint, ist, dass Myanmar in eine langwierige konfliktreiche Phase taumelt.

Montag, 22. März 2021

Einwurf: Alle zocken oder was?

Washington zockt Monopoly (2) und oft sogar einfach nur Risiko (2).

Ankara würfelt Backgammon (und hofft, dass es dabei nicht eingemauert wird).

Teheran und Moskau spielen Schach

Peking aber spielt Go, und die Konsequenzen, die das für die gesamte Menschheit haben wird, werden erst in Jahrzehnten in vollem Umfang spürbar werden.
[Go ist das japanische Wort für ein uraltes fernöstliches, aus China stammendes Brettspiel. Auf chinesisch heißt es wéiqí 围棋 oder einfach 棋.]

Und Deutschland und der EU fällt nur das alte Rattenrennen ein: Mensch ärgere Dich nicht - und das spielen sie auch noch gegeneinander (2) ...

Als Einwurf bringt in sehr loser Folge Nachdenkliches und/oder Witziges von Eurem/Ihrem MediaWatch-Redakteur - vielleicht nicht immer ganz ausgegoren, denn Originalität ist hier Trumpf.

Mittwoch, 3. März 2021

Gleichgewicht?

Der zuverlässig berichtende Blog "Augen geradeaus" bringt eine sehr sprechende Grafik des International Institute for Strategic Studies (IISS) zu den weltweiten Rüstungsausgaben in diesem Jahr. Irrerweise lautet der Titel der Grafik "Das militärische Gleichgewicht 2021". MediaWatch empfiehlt seinen LeserInnen auch einen Blick auf das rechte Viertel der Darstellung zu werfen, weil Balkendiagramme intuitiv leichter zu verstehen sind als Kreisflächen, die eine entsprechende Zahl wiedergeben:

Teilt man die Ausgaben der namentlich genannten Länder auf Machtblöcke auf, wird der Gegensatz noch krasser....


Montag, 1. März 2021

Fundstücke CCXCIII

Ecuador: Nur amerika21 meldet in deutscher Sprache, dass eine teilweise Neuauszählung der Stimmen in Ecuador läuft. Warum die Deutsche Welle diese Meldung lediglich auf Englisch bringt, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Al Jazeera weist darauf hin, dass die Vereinten Nationen Transparenz in dem Verfahren angemahnt haben.

Afghanistan: Die (US-)Rüstungsindustrie will die Fortsetzung dieses Krieges (Responsible Statecraft).

Türkei: Der starke Mann am Bosporus braucht dringend Ersatzteile für seine zahlreichen, bei Onkel Sam gekauften Waffensysteme. Prompt zeig man sich in Ankara in Bezug auf das unlängst in Russland erworbene Raketenabwehrsystem S-400 verhandlungsbereit (Al Jazeera).

Israels Armee ist Mitte Februar mit Panzern in den Gaza-Streifen eingerückt und hat das Feuer auf palästinensische Bauern eröffnet (MEMo). Dieser Krieg niedriger Intensität hat die Bezeichnung "Nahost-Konflikt" schon lange nicht mehr verdient.

Kenia: Die britische Armee in Kenia muss sich wegen einer Covid-19-Welle in Quarantäne verfügen (Press TV). Das Kontingent der ehemaligen Kolonialmacht ist in dem ostafrikanischen Land - verständlicherweise - sehr unbeliebt. Insgesamt hat London etwa eine Division(!) Infanterie rund 200 km nördlich von Nairobi stationiert. Wikipedia meint, die "trainieren" da nur deswegen, weil das Wetter heißer sei als zu Hause....
Und für die Akte "Pekings Schuldenfalle": Spiegelbildlich zu einer Stundung von 300 Mio. US-Dollar durch den Paris-Club hat auch China dem ostafrikanischen Land Aufschub für Zahlungen in Höhe von 245 Mio. US-Dollar gewährt (SCMP). Hat tip Times of India.

Uganda wird - nach Sambia - vielleicht das nächste ostafrikanische Land werden, das pleite geht (The East African).

Sudan und Äthiopien liefern sich Gefechte in der Grenzregion beider Länder (1), (2). Hintergründe gibt es in deutscher Sprache wieder mal nur bei Telepolis.

Guinea: Der Freitag berichtet über die Durchsetzung deutscher Wirtschaftsinteressen beim Bauxit-Abbau in dem westafrikanischen Land. Probleme wie die Vertreibung von Einheimischen wird man allerdings mit dem neuen Lieferkettengesetz nicht bearbeiten können. Denn die geplante Regelung - sie sollte besser Lieferungengesetz heißen - deckt nur die direkten Zulieferer ab und eben nicht die ganze Kette.


Westsahara: Wie USA und EU an der Okkupation in "Afrikas letzter Kolonie" politisch beteiligt sind und von ihr profitieren, beschreibt Mint Press News.

Armut: "The return of extreme poverty", beklagt der Guardian und schiebt die Schuld auf Covid-19. (Sonst sieht man dieses Thema übrigens so gut wie gar nicht im deutsch/englischen Mainstream.) Ihr/Euer MediaWatch-Redakteur hält dagegen nicht den Virus sondern eine völlig verfehlte Wirtschaftsweise sowie Wirtschafts- und Sozialpolitik in den allermeisten Ländern (und damit sind nicht nur Entwicklungsländer gemeint) für die Ursache der (zunehmenden) Verelendung.   

Menschenrechte: "Utter moral bankruptcy" macht M.K. Bhadrakumar in Bezug auf den Menschenrechtsanspruch der USA und der EU aus. Wer eine Anwort auf die Frage will, "warum hassen sie uns so", sollte diesen Text genauestens studieren...

It is utter moral bankruptcy that the US and its rich allies in the Western world — the so-called “golden billion” on planet earth — walk into the UNHRC and start pontificating about human rights and pursue coercive approaches and unlawful methods of intimidation and pressure with narrow and self-serving geopolitical goals.

Badhrakumar wirbt für einen Menschenrechtsbegriff, der auch soziale Rechte einschließt und dessen Begriff von Redefreiheit nicht vor den Toren irgendwelcher privat betriebener Internetplattformen endet.

Deutschland in den Augen der anderen: Profifußball hat in den Zeiten von Covid-19 einen ziemlich ekligen Beigeschmack bekommen. Umso erfreulicher ist das Video-Feature von Al Jazeera über ... St. Pauli (!) anzusehen, in dem die Fans in den Mittelpunkt gerückt werden. Der arabische Sender schreibt dazu:

Beyond the usual football chants and rock music, we follow the “ultras” of FC St Pauli, a beacon of hope in the midst of Europe’s rising far-right movements. (...) St Pauli supporters are united in empathy, representing the poor and downtrodden – a far cry from violent hooliganism common amongst football “ultras” in other parts of Europe.