Donnerstag, 1. Dezember 2022

Spendenidee 2022


 

Auch dieses Jahr gilt das Motto, dass der aktuelle Tipp auf eine Region oder ein Problem abzielen soll, wo großer Bedarf herrscht. Und nachdem die Covid-19 Pandemie nun leider eher sehr schlecht als Recht durchgestanden ist, macht es Sinn an dieser Stelle einmal ausdrücklich auf die BUKO Pharmakampagne hinzuweisen: 

Die Leute von der Kampagne machen seit Jahrzehnten aktuelle, kritische, kompetente und leider viel zu unauffällige Arbeit. Dabei sind die Einlassungen der Pharmakampagne wissenschaftlich immer gut begründet. Derzeit arbeitet die Kampagne vornehmlich zu Antibiotika-Resistenzen, Zugang zu Krebsmedikamenten, Mutter-Kind-Gesundheit und den weltweiten Folgen von Covid19. 

Wer spenden möchte, kann dies Online tun oder  auf dem gewohntem Wege an den gemeinnützigen Trägerverein der Pharma-Kampagne in Form einer Überweisung:

„Gesundheit – global und gerecht e.V.“, Sparkasse Bielefeld
IBAN: DE97 4805 0161 0000 1056 27; BIC: SPBIDE3BXXX

Bitte vergessen Sie nicht, der Kampagne Ihren Namen und Ihre Adresse mitzuteilen, denn sie sendet Ihnen nach Jahresende automatisch eine Spendenbescheinigung für das Finanzamt zu.
-----------

Seit 2015 erscheint die Rubrik Spendenidee einmal jährlich Anfang Dezember - also sozusagen pünktlich zu Weihnachten.
Bisher lagen die Schwerpunkte der veröffentlichten Tipps und Aufrufe bei Migration, (2), Westasien (Israel/Palästina, Jemen) bzw. Frieden (2) im Allgemeinen. Um Unterstützung für KlimaaktivistInnen hat MediaWatchBlog ebenfalls schon gebeten.  

Mittwoch, 23. November 2022

Shir Hever zu den jüngsten Wahlen in Israel:
"Netanjahu 'droht' nicht mit Frieden"

Ein Interview von Ina Zeuch

Dr. Shir Hever ist 1978 in Jerusalem geboren und aufgewachsen. Er hat in Jerusalem und Tel Aviv Wirtschaftswissenschaften und humanistische Fächer sowie in Berlin Politikwissenschaft studiert. In Berlin promovierte er über die Privatisierung der israelischen Sicherheit. Sein erstes Buch, „The Political Economy of Israels Occupation“, erschien 2010. Sein zweites Buch, „The Privatization of Israeli Security“, wurde 2017 veröffentlicht. 
Hever ist Mitglied der „Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V.“ und arbeitet als Journalist, Wissenschaftler und Geschäftsführer des Vereins „Bündnis für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinenser e.V.“ (BIP)

>> Israel hat das Wahlbündnis von Benjamin Netanjahu gewählt. Einige von Netanyahus Koalitionspartnern werden von maßgeblichen Medien in Deutschland – etwa von der ARD – als rechtsradikal bezeichnet. Das Auswärtige Amt hat den Begriff dagegen zurückgewiesen. Wie ist Ihre Einschätzung dazu? 
Shir Hever: Nicht Israel hat gewählt, sondern nur Menschen mit der israelischen Staatsbürgerschaft haben gewählt. Fünf Millionen Menschen, die unter der israelischen Besatzung leben, durften nicht wählen - das sind die Menschen im Westjordanland, in Gaza und auf den Golanhöhen - das sind 40 Prozent der Bevölkerung.

Zum Begriff rechtsradikal: Das betrifft eine ganz bestimmte Partei, die Religiös-Zionistische Partei von Bezalel Smotrich und Itamar Ben-Gvir, und das ist tatsächlich eine rechtsradikale Partei. Ben-Gvir wurde zum Beispiel nicht zur Armee zugelassen, weil er Mitglied in einer von Israel des Terrors beschuldigten Vereinigung namens Kach gewesen ist. Gvir bedroht Palästineser:innen mit dem Tod und er ruft zur Deportation von afrikanischen Flüchtlingen auf. Er ist ein rechtsextremer Rassist. 
 

Montag, 14. November 2022

Wir sind acht Milliarden

Gerade erst elf Jahre ist es her, dass die Weltbevölkerung die Sieben-Milliarden-Grenze überschritten hat. Und irgendwann in diesem November gibt es bereits acht Milliarden und mehr von uns. Dieses Wachstum wirkt rasant und stimmt bedenklich. Dennoch ist es keineswegs gewagt, zu prognostizieren, dass dieses Wachstum noch in diesem Jahrhundert sein Ende findet. 

Denn wuchs die Weltbevölkerung 2011 noch um etwa 80 Millionen Menschen pro Jahr, ist dieses Wachstum nun auf knapp 66 Mio. p.a. zurückgegangen. Entsprechend wurden die Prognosen nach unten korrigiert.

Galt es nach Einschätzung des Weltbevölkerungsfonds vor fünf Jahren noch als wahrscheinlich, dass die Menschheit bis zum Jahr 2100 auf über elf Milliarden anwachsen werde, ("Mittlere Prognose") geht das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung nun davon aus, dass der Höhepunkt mit rund 10,4 Milliarden Menschen in den 2080er Jahren erreicht werden wird.

Bitte weiterlesen bei Telepolis

Freitag, 11. November 2022

Fundstücke CCCXVI

Philippinen: Einem Drahtseilakt gleicht der Versuch von Ferdinand Marcos Junior, die Beziehungen der Inselrepublik zu China und den USA auszubalancieren (Asia Times). "Geld aus Peking, Muskeln aus Washington" lautet die Formel von AT.
MediaWatch prognostiziert, dass die USA Manila früher oder später dazu zwingen werden, sich auf ihre Seite zu schlagen. Danach dürfte nur noch wenig Spielraum für die ehemalige US-Kolonie übrig sein.

Indien will sieben neue Staudämme in Kaschmir bauen. The Diplomat macht sich Sorgen um die Auswirkungen auf die Umwelt - nicht aber um eventuelle Konsequenzen für den nach wie vor in der Region schwelenden Konflikt.

Schaffen wir ein, zwei, viele Ayodhyas scheinen sich die Hindu-Nationalisten in Indien zu denken. Aufgrund des Streit um die heilige Stätte gab es etwa 2000 Todesopfer in ganz Indien. Nun geht es u.a. um eine Moschee in Varanasi, die angeblich auf dem Gelände eines alten Hindu-Tempels gestanden haben soll. Jetzt wird erst einmal prozessiert, obwohl 1991 eigens ein Gesetz erlassen wurde, das verhindern soll, dass heilige Stätten umgewidmet werden (wie in Ayodhya geschehen, wo auf dem Gelände der Moschee ein Hindu-Tempel errichtet wurde). Der Guardian befürchtet einen Trend, der durch die hindu-nationalistische Regierung in Delhi begünstigt wird. Solche religiös-historischen Dispute bergen erhebliche Risiken von Gewaltanwendung.

Jemen: Der Waffenstillstand ist vorbei, der Krieg geht weiter (Abdel Bari Atwan). Deutschland liefert Waffen (Tagesschau) an die mit Saudi Arabien verbündeten Agressoren in diesem (ebenfalls) völkerrechtswidrigen Angriffskrieg.

Armenien/Aserbaidschan: Moskau ist um Streitschlichtung bemüht (TASS) und hat eine etwa 2.000 Mann starke Friedenstruppe vor Ort stationiert. Die Verhandlungen sind allerdings schwierig, denn es müssen Interessen so unterschiedlicher Akteure wie Iran, Türkei und sogar Indien, Pakistan und China berücksichtigt werden. Die EU würde gerne Gas aus Aserbaidschan beziehen und versucht sich ebenfalls in Konfliktbeilegung (ARD). Naked capitalism bietet einen mit Infos üppig gespickten aber dennoch nicht zu langen Hintergrund.

Afrika: Ein klasse Hintergrundbericht über die militärischen Aktivitäten der USA auf dem Kontinent und gleichzeitig ein - leider äußerst realistisches - Porträt der Arbeitsbedingungen, denen investigative KollegInnen trotzen (naked capitalism). Unbedingt lesen!  

Nigerias Versuch eine digitale Währung einzuführen ist - zumindest bisher - gefloppt. Zu groß ist das Misstrauen gegenüber staatlichen Einrichtungen in der größten Volkswirtschaft Afrikas (Kryptoszene).

Extraktionswirtschaft: Mit Koffern voller Bargeld sind Glencore-Leute nach Westafrika geflogen, um dort Beziehungen zu pflegen (Bloomberg, hat tip Zero Hedge). Bestechungsgelder seien nach Nigeria, Kamerun, in die Elfenbeinküste, nach Äquatorialguinea und in die Republik Kongo gegangen. Das wirft die britische Staatsanwaltschaft dem Schweizer Bergbaukonzern vor. 

Energie: Während das deutsche Publikum mit Geschichten über iranische Waffenexporte nach Russland vollauf beschäftigt ist, wird die viel wichtigere Story mal wieder unterschlagen: Es gibt Hinweise darauf, dass Russland und Iran ein Erdgas-Kartell vorbereiten (naked capitalism). Zusammen kontrollieren die Länder etwa die Hälfte der aktuellen Produktion.

BRICS haben eine Menge Zulauf. Neben Argentinien und Saudi Arabien streben auch Iran, Türkei, Algerien und Ägypten in den Klub (infobrics.org).

Globale Migration summarisch 2017 bis 2021 in einer Grafik. Wer würde denken, dass Syrien, die Westsahara, Somalia, Nepal oder Papua Neuguinea in diesem vier Jahren Zuwanderungsländer waren. (Hat tip Zerohedge).

Montag, 7. November 2022

Unsere Währung - euer Problem

„Der Dollar ist unsere Währung, aber Euer Problem", hatte einst John Conally, Finanzminister der US-Regierung unter Präsident Nixon, erklärt, als Washington zu Beginn der siebziger Jahre das System der festen Wechselkurse sprengte. Grund dafür war der Vietnamkrieg, für den die USA immer mehr Geld drucken ließen, um ihn weiter finanzieren zu können. Doch seit die Wechselkurse freigegeben sind, hat die Geldpolitik der USA weltweite Auswirkungen, weil der US-Dollar weltweit als Leitwährung fungiert - bis heute.
Auch momentan zeitigt die US-Finanzpolitik einmal mehr weltweite Konsequenzen: Die rasche Anhebung der Zinssätze in den USA (womit die Inflation bekämpft werden soll) hat vor allem für Entwicklungs- und Schwellenländer bittere Folgen. Das wird in den USA auch durchaus wahrgenommen. Die angesehene US-amerikanische Zeitung für internationale Politik Foreign Affairs etwa konstatiert:
„Der Anstieg des Dollars zieht fürchterliche Probleme für die Schuldentragfähigkeit zahlreicher Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen nach sich. Ein Großteil der Schulden dieser Länder befindet sich in den Händen ausländischer Investoren und ist in Dollar denominiert. Sie zu bedienen und zurückzuzahlen wird teurer, wenn der Dollar stark ist.“
Bitte weiterlesen bei Telepolis.

Donnerstag, 3. November 2022

(Latein)amerikanische Fundstücke

Brasilien: Telepolis bringt die Rede des neu- bzw. wiedergewählten brasilianischen Präsidenten "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit in unserem Land".
"Wir wollen einen faireren internationalen Handel. Wir sind nicht an Handelsabkommen interessiert, die unser Land zur ewigen Rolle des Exporteurs von Waren und Rohstoffen verdammen", zitiert Telepolis Lula. Das hat man bei der ARD jedoch geflissentlich überhört: "Mehr Investitionen in das rohstoffreiche Land führen möglicherweise dazu, Abhängigkeiten von China zu verringern", wünschen sich die Hamburger RedakteurInnen (nur hat Brasilien natürlich nicht den nachfragestarken Binnenmarkt Chinas).
Tatsächlich ist es so, dass Lula wesentlich zur Gründung der BRICS beigetragen hat und den Prozess der Ausweitung und Vertiefung dieses Staatenverbundes auch sicher weiter aktiv unterstützen wird (Telepolis). In China und in Russland macht man sich jedenfalls Hoffnung auf Lulas Präsidentschaft.

Haiti: Die USA sind mit ihrem Vorschlag, eine schnelle Eingreiftruppe in Haiti zu landen, vor dem UN-Sicherheitsrat gescheitert. Auch eine UN-Friedenstruppe wird es nicht geben. Auf Sanktionen hat man sich jedoch geeinigt. Responsible Statecraft meint, das Letzte, was die Insel brauche sei eine Intervention von außen. Naked capitalism weist darauf hin, dass auch in Haiti massive Bedenken gegen eine US-Interventione bestehen und zitiert schwere Vorwürfe gegen GIs aus vergangenen Einsätzen.
Bei der Stiftung Wissenschaft und Politik zweifelt man an Wirksamkeit dieses Beschlusses. Jimmy Cherizier etwa, "ein einflussreicher Anführer einer Allianz von haitianischen Banden" sei bereits im Dezember 2020 von den USA sanktioniert worden und dennoch zentral an der Blockade des Tanklagers beteiligt. Auch werde die Signalwirkung der neuen Sanktionen schnell verpuffen, wenn keine weiteren Maßnahmen folgen. Leider werde:

die Möglichkeit, Personen oder Gruppen für kriminelle Aktivitäten zu listen, selten genutzt [...]. Das hat wohl auch damit zu tun, dass hier schnell unangenehme Fragen zu den Verbindungen in staatliche beziehungsweise politische Kreise aufkommen.
Ecuador
: Die Assange-Tragödie zieht sich hin. Schon seit 3,5 Jahren sitzt der Kollege in Isolationsfolter - derzeit in Belmarsh, einem der gefürchtetsten Knäste in Großbritannien.
Ungeheuerlich ist aber auch, was Rafael Correa im Zusammenhang mit den Assange-Geschehnissen widerfahren ist: Correa, ehemals der Präsident Ecuadors, hatte Julian Assange jahrelang in der Londoner Botschaft des lateinamerikanischen Landes Asyl gewährt. (Auch wollte er die Verträge für US-Basen in Ecuador nicht verlängern.) Dann wurde er wegen der angeblichen Veruntreuung von 6.000 US-Dollar zu acht Jahren(!) Gefängnis verurteilt und lebt daher nun in politischem Asyl in Brüssel (Consortium News). Unbedingt lesen.
Dazu passt: Inzwischen scheint man sich in den USA damit zu begnügen unliebsame Kolleginnen schlichtweg verschwinden zu lassen (Independent). Das verursacht ja auch deutlich weniger Aufsehen....

Mexiko, Chile, El Salvador, Peru und Kolumbien sind von einem riesigem Hack betroffen, bei dem die antikolonial ausgerichtete Gruppe "Guacamayas" gelandet hat (Telepolis). Unter anderem wurden hunderttausende E-Mails des salvadorianischen und kolumbianischen Militärs erbeutet. Am schwersten betroffen ist jedoch Mexiko. Die mit dem Hack verbundenen politischen Skandale dürften die betroffenen Länder wohl noch über Jahre beschäftigen.

Mittwoch, 2. November 2022

Hunger 10

Der unlängst erschienene Welthungerindex 2022 (WHI) verdeutlicht die Auswirkungen von Covid-19, Klimakatastrophe und Kriegsfolgen (ohne Ukraine). Schätzungsweise bis zu 828 Millionen Menschen waren letztes Jahr fehl-, mangel- oder unterernährt. Die Fortschritte der letzten zehn Jahre sind Geschichte.
Die Hungerzahlen fallen umso drastischer aus, als sie rechnerisch nicht mehr durch chinesische Entwicklungserfolge gemindert werden. Denn China hat die absolute Armut mittlerweile weitestgehend besiegt

Der WHI wird maßgeblich von der Welthungerhilfe erstellt und weltweit wahrgenommen und auch kolportiert:
In Indien ist die Lage weiterhin sehr schwierig: Auf dem Subkontinent herrscht mehr Hunger als in den Nachbarländern Pakistan und Bangladesh (Outlook). Im Ranking liegt das Land auf nur Rang 107 (von 121).
Nigeria: Auf Rang 103 ist die Lage für die über 210 Mio. WestafrikanerInnen nicht wirklich besser als für die 1,4 Mrd. InderInnen. In der größten Volkswirtschaft Afrikas hungern 12,7 Prozent der EinwohnerInnen - über 25 Mio. Menschen (Premium Times via allafrica).

Lateinamerika und die Karibik bilden die einzige Weltregion mit einem im Vergleich zu [...] 2014 gestiegenen WHI-Wert 2022. Obwohl das Hungerniveau immer noch als niedrig gilt, ist der Anstieg des WHI-Werts von 8,0 auf 8,8 ein beunruhigender Trend. Der Grund dafür liegt in der von 5,3 Prozent im Jahr 2014 auf 8,6 Prozent im Jahr 2021 gestiegenen Unterernährungsquote in der Region,
konstatiert der WHI.