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Montag, 7. September 2026

Kriege, Dünger und El Niño: Warum Lebensmittel weltweit teurer werden

Blockierte Handelsrouten, Düngemittelknappheit und ein extrem starker El Niño: Die Vereinten Nationen rechnen 2027 mit 45 Millionen zusätzlichen Hungernden.

Die Welt steht vor einer neuen Nahrungsmittelkrise – und wieder kommen mehrere Bedrohungen zusammen. Seit Anfang 2026 ist die Straße von Hormus weitgehend blockiert, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Gleichzeitig entwickelt sich ein außergewöhnlich starker El-Niño.

Die Folge: Lebensmittelpreise steigen weltweit rasant und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen rechnet damit, dass in der Folge zusätzlich 45 Millionen Menschen von akutem Hunger bedroht sein werden.

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Montag, 23. März 2026

Iran-Krieg: Ernten weltweit gefährdet

Die Blockade der Straße von Hormus lässt nicht nur die Energie- sondern auch die Düngemittelpreise explodieren. Ein Drittel des Düngemitttel-Welthandels ist derzeit blockiert. 

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schlägt Alarm: Der Konflikt im Nahen Osten löst gerade eine globale Düngemittelkrise aus, die sich direkt auf Lebensmittelpreise und Ernährungssicherheit auswirkt. Die FAO warnte in einem Podcast am Dienstag vor "erheblich ernsteren" Folgen, sollte der Konflikt länger als drei Monate andauern. 

Der Chefvolkswirt der Organisation, Maximo Torero, betonte die Dringlichkeit: "Deshalb ist es so wichtig, nicht zuzulassen, dass dies über einen längeren Zeitraum eskaliert." In Europa kostet importierter Harnstoff mittlerweile bis zu 700 Euro pro Tonne – ein Anstieg um 66 Prozent seit Mitte Februar, wie die Fachzeitschrift agrarheute berichtet. 

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Donnerstag, 5. Juni 2025

Landgrabbing: Wenn Konzerne halbe Länder schlucken

 

Von Benetton bis Shell: Transnationaler Landbesitz nimmt rasant zu und damit die Bedrohungen für Ernährung und Menschenrechte weltweit. Welche Forderungen erheben NGOs und Betroffene? 

Eine neue Studie zeigt, welche Ausmaße die Aneignung riesiger Landflächen durch eine kleine Gruppe globaler Landbesitzer mittlerweile angenommen hat: FIAN und Focus on the Global South stellten kürzlich ihren Bericht „Lords of the Land: Transnational Landowners, Inequality and the Case for Redistribution“ vor. 

Die Autoren der Studie analysieren die Rolle der zehn größten privaten Landbesitzer weltweit. Diese kontrollieren zusammen eine Fläche von 404.457 km², was in etwa der Größe Japans, Simbabwes oder Paraguays entspricht. 

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Dienstag, 16. April 2024

Der Food Security Standard in Theorie und Praxis

Ihr/Euer MediaWatchBlog-Redakteur hatte vor einiger Zeit das Vergnügen, eine Broschüre zu Theorie und Praxis des Food Security Standards (FSS) der Welthungerhilfe für AgrarproduzentInnen und -unternehmen zusammenstellen zu können.

Erfreulicherweise sind die Kriterien des FSS für die WHH kein sorgfältig gehütetes Geschäftsgeheimnis. JedeR Interessierte kann einen Blick hinter die Kulissen werfen. Etwa 70 Prozent der inzwischen wieder weit über 800 Millionen Hungernden weltweit lebt auf dem Land. Das macht ein Menschenrechtstool für ländliche Lieferketten so bedeutsam. Ein Interview mit Rafaël Schneider, dem Projektverantwortlichen bei der Welthungerhilfe hat Ihr/Euer MediaWatchBlog-Redakteur früher schon gemacht.

Mittwoch, 10. April 2024

Klimawandel und Inflation

Der Klimawandel und insbesondere die steigenden Temperaturen könnten die Lebensmittelpreise um 0,9 bis 3,2 Prozent pro Jahr steigen lassen, so eine neue Studie von Forschern in Deutschland.

Da die Klimaüberhitzung weiter zunimmt, wird diese Preisinflation dazu führen, dass immer mehr Menschen auf der Welt sich nicht abwechslungsreich und gesund ernähren können oder einfach nicht genug zu essen haben.

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Mittwoch, 18. Oktober 2023

Nachtrag Bauernproteste Indien

Einen wichtigen Erfolg haben die Bauern erzielt (MediaWatch berichtete, zwei Mal). Nach über einem Jahr Demonstrationen, bei denen 750(!) Menschen umgekommen sind (und viele weitere sitzen immer noch im Knast), konnten die neoliberalen Landwirtschaftsgesetze verhindert werden. Manova schreibt:

Die Landwirtschaftsgesetze werden zum ersten Mal Verkäufe an Unternehmen zulassen, die Begrenzung der Lagerkapazitäten für Verarbeiter beenden, die Vertragslandwirtschaft von Unternehmen rechtlich anerkennen und steuerfreie, private Mandis (Marktplätze von Unternehmen) für indische Bauern einführen.

Manova hat einen wichtigen Zweiteiler zu den Geschehnissen veröffentlicht (1, 2). Bei allen deutschen Nichtregierungsorganisationen herrschte (mit löblichen Ausnahmen) im Bezug auf diese wichtige Auseinandersetzung übrigens peinliches Schweigen vor - im Medienmainstream sowieso. 


 

Mittwoch, 2. November 2022

Hunger 10

Der unlängst erschienene Welthungerindex 2022 (WHI) verdeutlicht die Auswirkungen von Covid-19, Klimakatastrophe und Kriegsfolgen (ohne Ukraine). Schätzungsweise bis zu 828 Millionen Menschen waren letztes Jahr fehl-, mangel- oder unterernährt. Die Fortschritte der letzten zehn Jahre sind Geschichte.
Die Hungerzahlen fallen umso drastischer aus, als sie rechnerisch nicht mehr durch chinesische Entwicklungserfolge gemindert werden. Denn China hat die absolute Armut mittlerweile weitestgehend besiegt. 

Der WHI wird maßgeblich von der Welthungerhilfe erstellt und weltweit wahrgenommen und auch kolportiert:
In Indien ist die Lage weiterhin sehr schwierig: Auf dem Subkontinent herrscht mehr Hunger als in den Nachbarländern Pakistan und Bangladesh (Outlook). Im Ranking liegt das Land auf nur Rang 107 (von 121).
Nigeria: Auf Rang 103 ist die Lage für die über 210 Mio. WestafrikanerInnen nicht wirklich besser als für die 1,4 Mrd. InderInnen. In der größten Volkswirtschaft Afrikas hungern 12,7 Prozent der EinwohnerInnen - über 25 Mio. Menschen (Premium Times via allafrica).

Lateinamerika und die Karibik bilden die einzige Weltregion mit einem im Vergleich zu [...] 2014 gestiegenen WHI-Wert 2022. Obwohl das Hungerniveau immer noch als niedrig gilt, ist der Anstieg des WHI-Werts von 8,0 auf 8,8 ein beunruhigender Trend. Der Grund dafür liegt in der von 5,3 Prozent im Jahr 2014 auf 8,6 Prozent im Jahr 2021 gestiegenen Unterernährungsquote in der Region,
konstatiert der WHI.

Dienstag, 16. August 2022

Hunger 08

Deutschland: Ein Kilo Weizenmehl kostet im Supermarkt jetzt wieder 45 Eurocent. War da was? Nachdem die neue Rapsernte eingebracht ist, liegen die Preise für einen Liter Rapsöl beim Discounter jetzt bei 2 Euro. Das sind immer noch etwa 70 Eurocent mehr als letztes Jahr, aber deutlich weniger als die Fantasiesummen, die weiterhin für Sonnenblumenöl gefragt werden (alle Preise für konventionell erzeugte Ware).

Die Nahrungsmittelexporte aus der Ukraine werden beschleunigt. Am 9. August waren zwölf Schiffe in See gestochen - eines davon nach Südkorea (Reuters). Andere Frachter hatten nach China, in die Türkei und nach Italien abgelegt (Euronews). (Vgl. auch "Kein Schiff wird kommen" bei Overton.)
Von der Bekämpfung des Welthungers ist denn auch keine Rede mehr obwohl ein Schiff mit Weizen für das Welternährungsprogramm dabei war.
Die Ukraine erhofft sich Einnahmen von insgesamt etwa zehn Mrd. US-Dollar.
Das meiste Getreide, das noch in der Ukraine lagert, sei als Tierfutter deklariert, betont AP.

Aber:

Mittwoch, 1. Juni 2022

Krieg Sanktionen und Klimawandel => Hunger 05

Russland hat 25 Mio. Exporte Tonnen für August bis Dezember 2022 angekündigt (TASS). Das ist einiges mehr als voriges Jahr (23 Mio. t) aber weniger als in den Jahren davor (S&P Global). Zwischen Juni und Dezember 2022 sollen außerdem 22 Mio. Tonnen Dünger exportiert werden. Ägypten hat seine Weizenbestellungen in Russland schon aufgestockt (Al Ahram weekly).
Und wenn Russland fordert, Sanktionen anzupassen, die den Export russischer Düngemittel und Getreidelieferungen behindern, ist dies keine politische Forderung im engeren Sinn, wie etwa n-tv es darzustellen sucht. Vielmehr ist ein Export sonst überhaupt nicht möglich, weil "internationale Transportunternehmen sich weigern, die Häfen Russlands anzulaufen" (RT deutsch). Dafür haben sie gute Gründe.

Es braucht also ein klares Signal, dass Nahrungs- und Düngemittel aus russischer Produktion ok sind, also keine extraterritorialen Strafaktionen nach sich ziehen und (rein technisch gesehen) auch bezahlt werden können. Solche Stimmen kommen schon länger auch aus der Wissenschaft.

Währenddessen exportiert die Ukraine nach wie vor Getreide; wegen der von Kiew verminten ukrainischen Häfen jetzt vor allem über rumänische Schwarzmeerhäfen. Verschiedene Quellen lassen auf insgesamt etwa 4,5 Mio. Tonnen in März, April und Mai schließen - ein durchaus bedeutender Anteil an den im Land noch vorhandenen mindestens 20 Mio. Tonnen Getreide (und Ölsaaten) (Agrar Heute, DW, Reuters (2)).

Samstag, 19. März 2022

Krieg <=> Hunger

Eine erste Einschätzung (rapid assesment), welche weltweiten Auswirkungen der Krieg in der Ukraine auf den Welthandel und Entwicklung zeitigen dürfte, hat UNCTAD, die UN Organisation für Handel und Entwicklung am 16. März herausgegeben.

Aus Ägypten gibt es bereits eine Reportage (The New Arab). Das Land mit über 100 Millionen Einwohnerinnen dürfte vielleicht am schwersten von allen getroffen werden (allafrica.com).

Auch in Südafrika wird man nervös (2) und aus Ruanda kommen ebenfalls erste Warnsignale (allafrica.com).

Dass China eine der schlechtesten Weizenernten seiner Geschichte droht (Reuters), macht die Sache nicht besser.

Dienstag, 25. Mai 2021

In China kennt ihn jedes Kind

Vereinzelt las man im Westen über den Tod von Yuan Jongping, den "Vaters des Hybrid-Reises". In China kennt ihn jedes Kind. Zu Recht, wie sein Vermächtnis zeigt.

Viele Fortschritte in der Geschichte der Menschheit haben sich im Stillen vollzogen. Das gilt – von Entwicklungen wie dem Internet oder den heftig beworbenen Ereignissen in der Raumfahrt vielleicht einmal abgesehen – auch für viele wissenschaftlich-technische Fortschritte.

Das liegt zum einen daran, dass sie oft langweilig scheinen und zum anderen daran, dass sie sinnlich schwer fassbar sind. Mal ehrlich: Wer interessiert sich schon für die Frage, welche Fortschritte die Wissenschaft dem Biolandbau tatsächlich ermöglicht - obwohl wir doch alle gesund essen wollen?

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Freitag, 29. Mai 2020

Covid19-Splitter Mai 2020

USA: The New Humanitarian (vormals IRIN) hat unlängst mit einer schrägen Meldung aufgewartet. Demnach hat das Weiße Haus der US-Organisation für Internationale Entwicklung (USAID) untersagt, medizinische Masken und Handschuhe zu kaufen, um sie in der Entwicklungszusammenarbeit einzusetzen. Dazu ist scheints ab sofort eine besondere Genehmigung nötig. Eine ganz neue Variante von "America First" also. In der Meldung heißt es:
the effectiveness of USAID’s COVID-19 funding has been thrown into question. Supplies, which protect health and other frontline workers, for other operations – including Ebola control – could also be disrupted
Die zerstörerische Rolle der US-Regierung in der Weltgesundheitsorganisation (2) ist in der Mainstreampresse leider nicht ausreichend berücksichtigt worden, weil den Hobbystrategen der "Sieg" Chinas bei der diesjährigen Weltgesundheitsversammlung (WHA) (Welt, NZZ) und die Nebelkerzen um eine mögliche Herkunft des Virus wichtiger waren...
Zu Bedenken ist, dass die Ankündigung des chinesischen Präsidenten Xi Jingping vor der WHA, einen etwaigen Impfstoff aus dem Reich der Mitte (Ärzteblatt) allgemein zugänglich machen (Ärzteblatt), den Gewinnerwartungen hiesiger Pharmafirmen wohl im Wege stehen dürfte. MediaWatch prognostiziert denn auch jetzt schon, dass weder die Menschen in der Bundesrepublik - noch die Krankenkassen - in den Genuss eines solchen Impfstoffs kommen würden. 

Völlig verschwiegen wurde deutscher Sprache übrigens, dass die USA die Herausgabe neuer Sonderziehungsrechte (SDR) beim IWF blockieren, die jetzt vor allem für arme Länder wichtig wären (Foreign Policy, Al Jazeera, Telegraph).

Arbeit: Dass nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) weltweit 1,6 Milliarden (meist im informellen Sektor tätige) Menschen durch Covid19 - zumindest für einen gefährlich langen Zeitraum - von Arbeitslosigkeit bedroht sind, kann man bei Telepolis nachlesen. Die Meldung hat erfreulicherweise die Runde gemacht. Es geht vielleicht um jedeR zweite ArbeitnehmerIn auf dem Planeten. Die ILO bietet dazu auch eine Pressemitteilung auf Deutsch.

Hunger: Die Anzeichen mehren sich, dass im Gefolge der Covid19-Krise erheblich mehr Menschen hungern werden als sowieso schon. Das Welternährungsprogramm bittet um Spenden.

Wirtschaft: Dafür, dass die roten und grünen Ideen nach der Covid-19 Krise nicht ins Kraut schießen, werden hervorragend bezahlte Anwaltskanzleien sorgen. Über die Schiedsgerichte für internationale Investitionsabkommen bereiten sie jetzt schon Klagen gegen Staaten vor, die die Interessen der großen Konzerne in der Krise möglicherweise nicht hinreichend bedient haben. Der ORF hat die Story,  Corporate Europe wartet mit der zugrunde liegenden Analyse auf.
Fun Fact: Schon während des "Arabischen Frühlings" hatte es eine ähnliche Prozesswelle gegeben.
MediaWatch schließt sich der Forderung von Corporate Europe an: "Get out of the treaties before it is too late". Es muss irgendwann auch mal Schluss sein mit Freibier für die Oberen Zehntausend....

Montag, 18. Mai 2020

Neues aus der EZ

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit hat ein Konzept "BMZ 2030" vorgelegt. Wichtigste Änderung: Viele Länder werden künftig keine Partner mehr in der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit der BRD sein. Da soll sich lieber die EU drum kümmern. Wer alles rausgeschmissen wird, ist aber noch nicht bekannt. amerika21 kritisiert, dass die Zusammenarbeit mit Kuba beendet wird.

Diese Änderungen gehen mit einem neuen Strategiepapier einher, nach dem die multilaterale Zusammenarbeit neu ausgerichtet werden soll. Das ist insofern bemerkenswert, als das es historisch bisher so war, dass konservative (oder liberale) Entwicklungsminister eher versucht haben, Geld (und Einfluss) in ihrem Haus zu bündeln. Multilaterale Entwicklungszusammenarbeit war vor allem ein rot(grünes) Markenzeichen. Ein Hauptanliegen der neuen Strategie lautet allerdings "Unsere Schwerpunkte noch stärker multilateral verankern". Wenn es sich dabei nicht nur um Wortgeklingel handelt, kann damit nur gemeint sein, dass die Bundesregierung künftig daran arbeiten sein wird, ihre Interessen auch in multilateralen Entwicklungsorganisationen stärker durchzusetzen.

Wie jedes Jahr ist auch 2020 ein neuer Bericht zur Wirklichkeit der deuschen Entwicklungspolitik erschienen, der von der Welthungerhilfe und terre des hommes herausgegeben wird. Natürlich wird der aktuellen Entwicklung im Zusammenhang mit dem Covid-19 Virus breiter Raum eingeräumt. Doch sind es vor allem die von langer Hand vorbereiteten Inhalte, die überzeugen (siehe z.B. die nebenstehende Grafik). Vor allem der Kommentar der Welthungerhilfe "Wenn Hunger zur Kriegswaffe wird" ist lesenwert.

Last not least bietet die Welthungerhilfe in ihrer Online-Zeitschrift Welternährung momentan einen Schwerpunkt zu Landrechten. Die meisten Texte zu dem Thema sind unter "Wirtschaft und Menschenrechte" rubrifiziert. Doch auch ein Blick auf die aktuellen Zahlen beim Landgrabbing lohnt.

Freitag, 20. September 2019

... und gebar eine Maus

Massensterben: Über die Brände in Lateinamerika sind die fortdauernden, schweren Verwüstungen in Südostasien ein wenig aus dem Blickfeld geraten (Al Jazeera). Der MDR bringt die Meldung gar im "Panorama" ...

Heißzeit: Angesichts des massiven Versagens der GroKo jetzt auch beim sogenannten "Klimapaket" wiederholen wir hier noch einmal die (natürlich schon längst wieder vergessenen) Worte einiger Youtuber vom Mai diesen Jahres:
Die irreversible Zerstörung unseres Planeten ist (...) das berechenbare Ergebnis der aktuellen Politik. Das behaupten nicht wir, sondern das ist (...) Konsens in der Wissenschaft. (…) Wer (...) nicht danach handelt, wie die aktuelle Regierung, hat nichts in der Führung eines aufgeklärten Landes zu suchen.
Es sind eben doch nur schwarze Nullen, die uns da regieren. Auch die Tatsache, dass fast die komplette Medienlandschaft die GroKo-Einigung als "Durchbruch" bezeichnet, ändert nichts daran. Die Grünen werden von diesem Versagen profitieren, es aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht besser machen. Wir werden darauf zurückkommen.

Dienstag, 17. September 2019

Klimawandel macht Hunger

Rechtzeitig zum weltweiten Aktionstag von Fridays for Future am 20. September hat Ihr/Euer ergebenster MediaWatch-Redakteur zusammen mit Michael Kühn einen Brennpunkt "Klimawandel macht Hunger" für die Welthungerhilfe erarbeitet. Darin werden zentrale Klimaforderungen der Welthungerhillfe gelistet und begründet. Schon der Einstieg gibt die Richtung vor:
Die Fridays-for-Future-Bewegung hat die Politik aufgerüttelt. Deutschland diskutiert über die Bepreisung von CO2 und Städte erklären den Klimanotstand. Für die Armen im Globalen Süden
ist das zu wenig. Der Klimawandel hat ihr Leben längst verändert und erweist sich als Hungertreiber. Bei der Anpassung brauchen die Betroffenen unsere Unterstützung. Und wir müssen darüber hinaus politisch umsteuern: in der Energie- und Verkehrspolitik, im Konsumverhalten und in der Land- und Forstwirtschaft.
Wer sich für das vier Seiten kurze Papier interessiert, kann es hier herunterladen. Wichtig ist für Euren/Ihren MediaWatch-Redakteur der Umstand, dass die Welthungerhilfe auch klare Forderungen an die innerdeutsche Politik formuliert: Es muss vor allem eine effektiktive CO2-Bepreisung geben. Ein Klimaschutzgesetz soll noch in diesem Jahr verabschiedet und Nachhaltigkeit als Staatsziel in Grundgesetz aufgenommen werden.

In dem Papier stellen Michael Kühn und ich außerdem Projektbeispiele vor. Darüber hinaus hat die Welthungerhilfe ihr Angebot zum Thema Klimawandel und Entwicklungsländer aktualisiert und als Themenseite gebündelt. Dieser Schritt ist nötig, denn die Frage, wie Klimagerechtigkeit international aussehen könte, ist immer noch unterbelichtet.

Sonntag, 3. März 2019

Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft

Globalisierung/Steuern: "Wie lassen sich ortsungebundene multinationale Konzerne besteuern", fragt Joseph Stiglitz und gibt einige Hinweise auf jüngere Initiativen - unter anderem von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenabeit und Entwicklung (OECD) und von der G20.

José Antonio Ocampo meint, die OECD solle sich bei ihren Bemühungen um ein besseres internationales Steuersystem vor allem auf die unternehmensinternen Transferpreise (transfer pricing)  konzentrieren.

Globalisiserung/Investitionen: Eine kurze, interessante Analyse über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Marshall-Plan der USA der 1950er-Jahre und der aktuellen Belt-and-Road-Initiatve Chinas liefert die UN Kommission für Handel und Entwicklung (UNCTAD). Wer Augen hat zu lesen, bemerkt auch die diplomatischen Sprachregelungen, die darauf ausgelegt sind, allen Wohl und niemandem Weh zu tun.....

Indien: Heimarbeit bestimmt zunehmend den Textilsektor in Indien. Wenn das Schule macht, wird es zwar bald mit Skandalen a la Rana Plaza vorbei sein - aber nur deshalb, weil die Produktion unsichtbar im rechtsfreien Raum und zu Niedrigstlöhnen organisiert wird. Darauf macht eine Analyse der Universität Berkeley aufmerksam. Dem Infosperber ist's aufgefallen, und der hat tip geht an die NDS.
Welche Motive indische Bauern haben, gentechnisch veränderte Baumwolle anzupflanzen, hat die Purdue University im US-Bundessstaat Indiana untersucht. Demnach spielen auch soziale Faktoren und der Wunsch, modern zu sein, eine Rolle (Science Daily).



Kritik. Es ist amtlich: attac ist letztinstanzlich die Gemeinnützigkeit entzogen worden. Was Heiner Geissler dazu wohl zu sagen gehabt hätte? "Das Urteil des Bundesfinanzhofes zur Gemeinnützigkeit von Attac droht, das Kräfteverhältnis zwischen Wirtschaftslobbys und kritischer Bürgerschaft weiter zugunsten finanzstarker Konzerne zu verschieben", warnt attac. Das Netzwerk hat eine Kampagne "Jetzt erst recht" gestartet und wirbt weiter um Spenden. Auch eine feste Mitgliedschaft ist natürlich weiterhin möglich.

Dienstag, 13. November 2018

Mit Gewalt in den Klimawandel

Immer wieder töten bewaffnete Viehhirten weit mehr Menschen Nigeria als etwa die gefürchtete Terrorgruppe Boko Haram. Allein in diesem Jahr sind mehr als 1.300 Menschen bei Auseinandersetzungen mit den Viehzüchtern zu Tode gekommen. Die Zahl der Vertriebenen wird auf etwa 300.000 veranschlagt.

Seit 30 Jahren brechen derartige Konflikte in dem westafrikanischen Land aus - mit zunehmender Tendenz. Dieses Jahr sind die Auseinandersetzungen eskaliert. Das Problem ist so gravierend, dass Literatur Nobelpreisträger Wole Soyinka sich darüber beklagt, dass „ganze Dorfgemeinschaften von der Landkarte verschwunden“ sind. „Tausende Familien trauern und die Überlebenden sind traumatisiert und für immer gezeichnet.“

Mittwoch, 13. Juni 2018

Jetzt ist auf einmal Jakarta schuld

Indonesien hat gedroht, Airbus-Geschäfte platzen zu lassen, wenn die Europäische Union die Einfuhren von Palmöl im großen Stil runterfährt, weil die Biosprit-Subventionen auslaufen. (Das hat zumindest das Europäische Parlament beschlossen.)

Da hyperventilieren die Grünen in Brüssel aber heftigst. Das sei
der unverschämte Versuch, die EU zu erpressen. Es ist zugleich der Versuch, von dem schier unfassbaren Raubbau an der Natur abzulenken, der gerade in Indonesien, dem weltweit größten Palmöl-Exporteur, angerichtet wurde und weiter angerichtet wird. 
Aha. Jetzt ist also auf einmal Jakarta schuld. Unterschlagen wird, dass das erste Gesetz zur Förderung von Biokraftstoffen 2003 von der EU erlassen wurde. Und die Geschichte des Palmölanbaus zeigt deutlich, dass die Anbauflächen genau zu diesem Zeitpunkt (2003) begannen, exponientiell zu wachsen (vgl. Grafik). Genau zu diesem Zeitpunkt explodierten weltweit übrigens auch die Rohstoffpreise, und die Grünen in Brüssel und Berlin waren für Biosprit.

Mittwoch, 3. Mai 2017

Umgekehrt wird ein Schuh draus

Einen "Angriff der Saat-Piraten" sieht SPON in dem Schritt der Uni Göttingen die gelb reifende Tomatensorte Sunviva mit einer Open Source Lizenz auszustatten. Die gemeinfreie Lizensierung ermöglicht es, das Saatgut weiter zu vermehren, aber auch für eigene Züchtungen zu nutzen, wenn diese ebenfalls unter die Lizenz gestellt werden.

Der Artikel ist insgsamt ganz ok - nur die Überschrift von SPON findet MediaWatch ziemlich verblödet, gilt die Biodiversität doch als gemeinsames Erbe der Menschheit. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Als Biopiraterie müsste folglich doch wohl die private Aneignung und Patentierung dieses gemeinsamen Erbes gelten. Gleiches gilt für die Selbstverständlichkeit, mit der SPON seinen LeserInnen folgenden Abschnitt serviert:
Sunviva, (...) wird zu diesem Verbrauch [in Deutschland] kaum einen entscheidenden Beitrag leisten. Die Freilandtomate wird nicht in den Gewächshäusern großer Gärtnereien und Agrarbetriebe sprießen, wird nicht die Supermarktauslagen füllen, sondern bestenfalls von Beeten und Blumentöpfen direkt auf die Teller deutscher Hobbygärtner wandern.
MediaWatch ist sicher: Darüber ist noch längst nicht das letzte Wort gesprochen. Es gibt auch schon einen gemeinfreien Sommerweizen. Und gemeinfreie Nutzpflanzen könnten künftig vor allem für arme Bauern in Entwicklungsländern und auch für den Biolandbau eine echte Chance darstellen. Wer will, kann eigene Züchtungen jederzeit bei Open Source Seeds registrieren und lizensieren lassen.

Samstag, 15. April 2017

Klima-Marginalien

Wohlstandsgewinne bei Reichen verursachen übermäßige Steigerungen von CO2-Emissionen (Science Daily). Wie eine Untersuchung verschiedener US-Bundesstaaten ergab, stieg der Kohlendioxidausstoß vor allem dort überproportional an, wo die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung zwischen 1997 und 2012 überdurchschnittlich große Einkommenszuwächse erzielt haben. Ein gestiegener Gini-Koeffizient ist hingegen nicht mit steigenden CO2-Emissionen korreliert.
Es sind also vielleicht gar nicht "die Chinesen", die "unser" Klima ruinieren, weil sie alle Auto fahren wollen?

Das Europäische Parlament will die Verwendung von Palmöl als Biodiesel bis 2020 beendet sehen - wenn dessen Herstellung Entwaldung nach sich zieht (Euractiv). Auch soll es künftig nur noch ein einheitliches Label geben. Die Produzenten (Indonesien, Malaysia) sind sauer (Xinhua). 
Ob die EU-Kommission bei ihren Beratungen etwas von diesem Beschluss übrig lässt?