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Dienstag, 21. August 2018

Willkürlich statt kompetent

Im Homeoffice des MediaWatch-Blogs gibt es keinen Fernseher. Deshalb hält sich die Redaktion mit TV-Kommentaren auch zurück....

Aber die Tage ist das ZDF doch recht unangenehm mit der Weltkarte aufgefallen, die im Hintergrund der heute-Nachrichten eingespielt wird:

Hier ist die Welt in vier großmächtige Blöcke unterteilt: Die EU, die USA, Russland und China. Neben der Frage, was das soll - denn 1. sind die vier kaum miteinander vergleichbar und 2. besteht die Welt aus etwa 200 Nationalstaaten - führt es auch zu witzigen und schrägen optischen Fehlleistungen.

Samstag, 26. Mai 2018

"Auntie Mer, welcome to China! Again!"

MediaWatch will seinen geschätzten LeserInnen keinesfalls die Möglichkeit vorenthalten, Kanzlerin Angela Merkel aus einer ganz neuen und doch erstaunlich vertrauten Perspektive kennenzulernen.

Wer das Filmchen lächerlich findet, könnte vielleicht noch genauer darüber nachdenken, warum das chinesische Staatsfernsehen so etwas produziert ob das wirklich so himmelweit weg ist von dem was etwa die ARD letztes Jahr gesendet hat und was eigentlich alles Propaganda sein kann.

Und nun viel Spaß mit "Auntie Mer, welcome to China! Again!".....


Mittwoch, 24. Juli 2013

Drei Splitter aus Indien


Eine TV-Serie, die eine Kreuzung aus "Monitor", "Wetten, dass?" und einer Spendengala ist und von einem echten Superstar-Schauspieler-Produzenten gemacht und präsentiert wird, kann es nicht geben? Oh doch; Satymayev Jayate, von Aamir Khan produziert, ist genau so etwas. Ein Blick auf die Website lohnt, weil jedes Thema auch mit englischsprachigen Teasern und weiterführenden Hinweisen versehen ist. Hat tip Ina Zeuch.

Einen guten Artikel über einen neuen Vorstoß der indischen Regierung alle Menschen auf dem Subkontinent satt zu kriegen, hat das Neue Deutschland im Angebot: "Nahrungsmittelhilfe für 800 Millionen". Das System der Fair Price Shops oder Ration Shops wird damit bedeutend ausgeweitet. Künftig sollen zwei Drittel aller InderInnen bezugsberechtigt sein, was den Staat jährlich umgerechnet 72 Mrd. US-Dollar kosten dürfte. Vergleich dazu auch: "China and India are building welfare states at a scale and speed unprecedented in human history" in FP2P.

Auch Indien betreibt mittlerweile einen Flugzeugträger - ein altes sowjetisches Modell wie der chinesische. Die ersten Testläufe auf offener See beginnen gerade (Hindustan Times). Xinhua bringt eine Fotoserie.

Dienstag, 19. Juni 2012

Deutsche Bierbauchträger als Frauenjäger

Da langt man sich in's Hirn: Nachdem  bundesrepublikanische Bauernhöfe wohl nicht mehr exotisch und sexy genug sind, lässt SAT.1 jetzt deutsche Bierbauchträger auf Frauenjagd in Entwicklungs- und Schwellenländern gehen.

Was bisher nur als entwürdigend rüber kam, wird jetzt allerdings zur schamlosen, neokolonial organisierten Ausbeutung: Die Frauen werden als Trophäen für diejenigen präsentiert, die es wagen, nach ihnen zu greifen. Motto: "Schüchtern und doch abenteuerlustig". Der Wunsch der Frauen auf ein besseres Leben wird instrumentalisiert, um für wenig Kohle einen TV-kompatiblen Quickie zusammenzimmern zu können. Selbstverständlich werden nur die deutschen Typen vorgestellt (und dabei runtergemacht). Ob etwa die philippinischen Frauen vor der Sendung auch ein Leben gehabt haben, ist völlig egal. Mann lernt "zufällig" gleich drei von ihnen kennen.

Freitag, 24. Februar 2012

Wir feiern uns selbst

 - mit ein paar Auserwählten:
Die Verleihung der„Amazing Indians Awards

Ein Gastbeitrag aus Kolkata von Ina Zeuch

Der Nachrichtensender Times Now wartete kürzlich mit einer neuen, sensationell aufgemachten Show auf, den von ihm initiierten „Amazing Indians Awards“. Dazu wurden elf Kategorien, unter anderem "grassroot soldiers", "urban crusaders", "eco saviours" oder "educators of India" sowie eine Kategorie für herausragende Einzelleistungen unter "unstoppable Indians" kreiert.

Montag, 23. Januar 2012

Ein wichtiges Dokument

politischer Aufklärung darüber, wie Kriege ermöglicht werden:

 

Es ist davon auszugehen, dass die politische Praxis der propagandistischen Vorbereitung und Absicherung von Kriegseinsätzen nicht geändert wird. Schade nur, dass solche Vorgänge meistens erst an's Tageslicht kommen, wenn die Verantwortlichen längst keine mehr sind. Hat tip Carlos aus Berlin.

Montag, 6. Juni 2011

Picture or no Picture

MediaWatch möchte noch einmal daran erinnern, dass praktisch alle Bilder gestellt sind, die uns Kriegshandlungen zeigen. Vor ein paar Wochen hat einmal wieder ein Kollege den Mumm gehabt, dies öffentlich auszusprechen: "Das ist eine banale Weisheit, denn jedem ist klar, dass ein Kameramann keine Kampfhandlungen aus der Nähe filmen kann, es sei denn, er ist lebensmüde." Hat tip Nachdenkseiten. Robert Capa wird wohl eine Ausnahme bleiben. Tote Kolleginnen sind dennoch mit unschöner Regelmäßigkeit zu betrauern.

Was den Fotografen recht ist, kann den Soldaten (und/oder irregulären Kämpfern) nur billig sein.  Auch sie werden ihr Leben selbst für gute Bilder nicht riskieren. Ein berühmtes Beispiel ist die Sowjetfahne über dem Reichstag. Derlei Bilder als "Fälschung" zu denunzieren hieße aber, das Kind mit dem Bade auszuschütten - die Situation war für den Darsteller auch ohne Nazi-Feuer noch riskant genug.

Dass das Thema wahrlich nicht neu ist, beweist auf humorvolle aber keineswegs weniger eindringliche Weise auch der Scan eines 1944 von kanadischen Einheiten in Rom gedruckten Comics ("This Army von Bing Coughlin"): "Foto oder nicht, da lauf ich nicht noch einmal durch!"

Dienstag, 5. April 2011

"Ich will Al Jazeera"

verlangen immer mehr US-AmerikanerInnen und Naomi Wolf schreibt im Project Syndicate drüber.
Denn im Land der Freien kann Aljazeera nur über das Internet, aber fast gar nicht im Fernsehen empfangen werden. Der Sender hat eine Kampagne gestartet, um das zu ändern: "Demand Aljazeera in the USA". Wolf schreibt dazu:

Samstag, 26. Februar 2011

Warum malt jemand Fernsehen?

Warum macht sich jemand die Mühe, irgend eine mäßig funktionierende Flimmerkiste in einem indischen Hotel auf Leinwand zu verewigen? Gedanken zu einer Werkreihe von Ina Zeuch.

Ina Zeuch: Dharma news
dharma (Sanskrit "große Ordnung", "Manifestationen der Wirklichkeit")
wird das Gesetz und Ergebnis der karmisch bedingten Wiedergeburt genannt.
Die Antwort ist eigentlich vergleichsweise einfach, und sie besteht aus zwei Teilen. Erstens:
Die Ästhetik ist cool


Das Flimmern, Rauschen, Knarzen und Flackern von Bild und Ton aus der Kiste hat großen ästhetischen Reiz, und das ist auch schon seit 50 Jahren Thema moderner Kunst. Allerdings gerät diese Tatsache hierzulande angesichts der tischgroßen, flimmerfreien, hochauflösenden Plasmabildschirme mit 5.2 Dolby Surround Sound nach und nach in Vergessenheit.

Mittwoch, 2. Februar 2011

Ballacks Knöchel

Es gibt berechtigte, harsche Kritik am Sendeverhalten von ARD und ZDF während der Aufstände in Tunesien und und vor allem in Ägypten (1), (2). Den Öffentlich-Rechtlichen war Ballacks Knöchel und der ungestörte Sendeplan wichtiger. Aber auch die privaten Nachrichtensender (n-tv und N24) kriegen ihr Fett ab (1), (2). Dass die pivaten Vollprogramme (Pro /, RTL, Sat 1 etc.) diesbezüglich nix Seriöses bieten, scheint ohnehin niemand mehr zu erwarten. Ein schöner Rundumschlag ist unter dem Titel "Stell Dir vor es ist Revolution und keiner berichtet darüber" erschienen.

MediaWatchBlog verlangt keinen Live-Stream im deutschen Fernsehen. Das kann Aljazeera sowieso besser und vor allem glaubwürdiger. Aber die ein oder andere Sondersendung - ausführlich und mit Hintergründen - wäre ob der Bedeutung des Themas schon nett gewesen. Hat die Blogosphäre Recht, und es gibt zu wenig Leute vor Ort, die kompetent berichten können? Oder gehen die KollegInnen in den Sendeanstalten gar davon aus, dass alle die Englisch können, sich eh woanders informieren und es auf den Rest nicht so wirklich ankommt?

Samstag, 1. Mai 2010

Haiti in Bild und Ton

Aljazeera berichtet in einem kurzen Video über wütende HaitianerInnen, die nicht verstehen können, dass die Hilfe sie so spät erreicht.



Ästhetik und Inhalte dieses Videos unterscheiden sich ziemlich von dem Material, was unsere TV-Nachrichtenmagazine so anbieten. Die arabischen KollegInnen kommen glaubwürdiger rüber- unter anderem weil sie (etwas) weniger an ihrem Material rumschnibbeln und nicht aus dem Englischen übersetzen (müssen).

Hier ein gutes schlechtes Beispiel: http://www.tagesschau.de/multimedia/video/sendungsbeitrag43844.html
(Das ARD-Material ist fast einen Monat älter als die AJE-Einspielung. Aber um Aktualität im engeren Sinne geht es nicht.)

Die KollegInnen hierzulande könnten ja mal darüber nachdenken, ihre takes zu untertiteln, anstatt sie zu übersetzen. (Übersetzungen im Zweikanalton anbieten?) Und sie könnten sich öfter unters Volk mischen statt nur westliche Experten oder ihre eigenen Korrespondenten zu befragen (oder es menscheln zu lassen).

Einbinden kann man den ARD-Clip übrigens leider auch nicht. Wie wär's denn mal mit einem Youtube-Kanal? Oder ist das angesicht des unlängst geänderten Rundfunk-Staatvertrages naiv?

Dienstag, 23. März 2010

Das erste was im Krieg stirbt

Will die Regierung in Afghanistan nur Terrorismus bekämpfen oder doch unliebsame Tatsachen über den Krieg unterdrücken? "Afghan censors to target taliban", informiert Aljazeera. Konkret geht es hier um Uranmunition. (Auch ein Blick in den englschen Wiki-Eintrag lohnt sich.)

Dass es auch subtiler geht, zeitgt der Fall von Frieder Wagner. Das Z-Net bietet ein Interview mit
dem Macher des preisgekrönten Dokumentarfilms 'Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra'. Der zweifache Grimme-Preisträger hat diesen Film über das unbequeme Thema 'Uranmunition' (...) gedreht, gewann dafür den Europäischen Fernsehpreis und bekam -wie durch ein Wunder- danach keine Aufträge mehr.
Und das geht schon länger so, wie ein Blick in das Archiv des Project Censored beweist: Dort war der Einsatz von Uranmunition im Irak schon 1997 unter den Top 10 der zensierten Stories.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Geteilte Macht - besserer Wettbewerb

Das neue Mediengesetz in Argentinien ist "umstritten". Warum eigentlich, denn das, was dann im Detail zu lesen ist, klingt doch ganz vernünftig: Wenn man den Privaten nur noch ein Drittel der Frequenzen für Radio und TV zugesteht, ein Drittel dem Staat vorbehält und ein Drittel an "soziale Gruppen wie die Kirchen, Gewerkschaften, Universitäten oder Stiftungen" geht, ist das kein Maulkorb.

Außerdem: "Argentinische Journalistengewerkschaften und der UNO-Sonderberichterstatter zum Schutz der freien Meinungsäußerung, Frank La Rue, hatten das Vorhaben dagegen begrüßt". Mehr dazu im Standard, aus dem auch die obigen Zitate stammen.

In deutscher Sprache fand darüber hinaus (bisher) nur das Bieler Tageblatt, die Meldung sei einen Kurzbericht wert. Hier die G-News-Auswahl der (ebenfalls mageren) englischsprachigen Berichterstattung.

An dieser Stelle sei der Hinweis gestattet, dass 'freie Presse' nicht dasselbe ist, wie 'privatwirtschaftlich organiserte Medien'. Man muss den Markt ja nicht gleich abgrundtief verabscheuen: "Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein." Karl Marx, Rheinische Zeitung vom 19.Mai 1842. Und weiter heißt es da: "Dem Schriftsteller, der sie zum materiellen Mittel herabsetzt, (...) ist schon seine Existenz seine Strafe." Hat tip geht an Ware: Lüge.

Soviel könnte aber angesichts weltweiter riesiger Medienkonzerne trotzdem durchaus Konsens sein: Information ist (ähnlich wie etwa Gesundheit) ein zu kostbares Gut, um es allein dem Markt zu überlassen. Das gilt für Lateinamerika, aber auch für Deutschland.

Dienstag, 18. August 2009

Tagesschau: Bilanz der Entwicklungsministerin

wieczorek_zeul_100tagesschau.de thematisiert im Rahmen der Berichterstattung zur Bundestagswahl die Bilanz der dienstältesten amtierenden Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul. "Mehr Geld - aber weniger als geplant" hat das Entwicklungsministerium zur Verfügung - das EU-Ziel, die Entwicklungshilfe 2010 auf 0,51 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern, wird verfehlt werden.

Der Bericht macht sich die Pauschalkritik der FDP an der Budgethilfe zu eigen, die die Mär verbreitet, Hilfe, die direkt in die Staatskasse fließt, sei nicht an Bedingungen geknüpft. Zurecht in der Kritik steht auch bei der Tagesschau die Entwicklungshilfe für Äthiopien, dessen Regime nicht für gute Regierungsführung und die Beachtung der Menschenrechte steht. Doch hier spielen geostrategische Interessen eine Rolle, gilt Äthiopien doch als Bollwerk gegen islamistische Tendenzen am Horn von Afrika.

Ein Kurzschluss ist die Behauptung, es fehle an der Kontrolle der vergebenen Gelder, weil nur 0,03 Prozent des BMZ-Budgets in die Wirkungsprüfung fließen. Zwar fehlt für Evaluierungen in der Entwicklungszusammenarbeit ein für alle Durchführungsorganisationen und Mittelempfänger verbindliches Instrumentarium, doch im Vergleich zu anderen Ministerien liegt das BMZ bei der Wirkungsanalyse an der Spitze. Die OECD hält allerdings ein bis drei Prozent für angemessen.

Wieczorek-Zeul werde "permanent das Wasser abgegraben", beklagt tagesschau.de. "Längst engagieren sich fast alle Ministerien im Feld der Entwicklungspolitik, ob im Bereich Umwelt, Landwirtschaft, Forschung oder Bildung. Die Strategie wird kaum abgestimmt. Zudem birgt der Konkurrenzdruck die Gefahr, dass eher auf kurzfristige Projekte gesetzt wird." Als Kronzeuge muss Günter Nooke, der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, herhalten.

"Gefangen in diesem Dilemma, scheint Wieczorek-Zeul eines ihrer zentralen Ziele des Koalitionsvertrages aus den Augen verloren zu haben: eine bessere Verzahnung mit Außen- und Außenwirtschaftspolitik", kritsiert Tagesschau-Autor Stefan Keilmann. Als Beispiel nennt er die Förderung von Kleinbauern in Westafrika, die ihre Erträge aufgrund von Handelsbarrieren nicht in die EU exportieren könnten, und die Aufbauhilfen des Auswärtigen Amtes und des Verteidigungsministeriums in Afghanistan.

Die Kritik könnte greifen, wenn Entwicklungshilfe in Ländern wie Äthiopien oder Afghanistan tatsächlich als Beitrag zu einer nachhaltigen, selbsstragenden Entwicklung geplant und umgesetzt würde. Doch hier wird Entwicklungshilfe im Rahmen politischer und geostrategischer Interessen instrumentalisiert. (Klaus Boldt)

Dienstag, 2. Juni 2009

Hallo um den Präsidenten


»Aló Presidente«, ("Hallo Präsident"), heißt die allsonntäglich ausgestrahlte Fernseh- und Radiosendung von und mit Hugo Chavez, dem Präsidenten Venezuelas. Wie wenigen gelingt es ihm, die konservativen und marktliberalen Kräfte im Westen gegen sich aufzubringen. Denn anders als bei den kubanischen Castro-Brüdern muss man seine Wirtschaftspolitik wegen der Bodenschätze von Venezuela ernst nehmen. Und anders als im Falle von Nordkoreas Kim Jong Il kann man ihn nicht einfach als irren Steinzeitdiktator abtun. Immerhin hat Chavez einen Putsch und ein Referendum überstanden und wurde 2006 in einer von EU-Beobachtern als regelgemäß bezeichneten Wahl zum dritten Mal der Präsident Venezuelas.

Nun also hatte »Aló Presidente« zehnjähriges Jubiläum und die Berichterstattung dazu bietet einen willkommenen Anlass, einige deutschsprachige Medienreaktionen gegenüberzustellen."Der große Präsident als kleiner Feigling" höhnt die Frankfurter Allgemeine Zeitung und spielt damit auf die Tatsache an, dass Chavez sich an einer von ihm selbst angeregten Fernsehdebatte schließlich doch entzog. Eigentlich hatte er mit dem konservativen, weltbekannten peruanischen Schriftsteller Mario Vargas Llosa in »Aló Presidente« diskutieren wollen. Die FAZ erwähnt jedoch nicht, dass das Vargas Llosa und die anderen geladenen Gäste ebenfalls Schwierigkeiten mit dem Termin hatten. Unter der Überschrift "Opposition kneift" meldet amerika21.de:
Obwohl es zunächst hieß, die Opposition wolle den Schriftsteller Mario Vargas Llosa in eine Debatte mit Chávez schicken, verstrich der vorgeschlagene Termin, ohne dass der peruanische Wirtschaftsliberale oder irgendein Teilnehmer der rechten Konferenz ihr Erscheinen zusagten.
Am nächsten der Wahrheit kommt - vielleicht - die taz, der die Vorgänge ein Kommentar ("Ein Armutszeugnis") wert waren:
Doch nach einer ersten Zusage bestanden die Ultraliberalen auf einer Zweierdebatte zwischen Chávez und dem peruanischen Schriftsteller (...) Ein Duell mit dem scharfzüngigen Vargas Llosa wiederum war dem sozialistischen Volkstribun offenbar nicht geheuer. Er wolle nur "mitdiskutieren", sagte Chávez (...)
Schwerwiegender als der Hohn ist eine - naja Ungenauigkeit - , die sich im FAZ-Artikel findet: Sie wirft Chavez vor, »Aló Presidente« "Zwangsweise über alle Kanäle [zu] übertragen". Präziser hätte es heißen müssen 'zwangsweise über alle staatlichen Kanäle zu übertragen'. Bedeutend glaubwürdiger ist da die Darstellung in der jungen welt:

Einer jüngsten Umfrage des Instituts Observatorio Público zufolge sehen oder hören 61 Prozent der Venezolanerinnen und Venezolaner »Aló, Presidente«. 83 Prozent von ihnen verfolgen die Sendung im Fernsehen, während die übrigen 17 Prozent die Radioübertragung hören. Das sind hohe Werte für einen Beitrag, der eben nicht – wie oft fälschlich behauptet wird – von allen Sendern übernommen wird, sondern sich durchaus gegen die Konkurrenz der kommerziellen Kanäle behaupten muß.
In dem angenehm differenzierten und insgesamt lesenswerten Wikipedia-Artikel zum Thema Chavez wird im Abschnitt Medienpoltik auf die "cadena" hingewiesen:
Hugo Chávez wendet sich häufig mit Fernsehansprachen direkt an die venezolanische Öffentlichkeit. In diesem Fall sind alle Fernsehsender verpflichtet, eine Cadena (dt.: Kette) zu bilden und die Ansprache landesweit gleichzeitig und in voller Länge auszustrahlen. Im Jahr 2001 wurden 7018 Minuten lang cadenas mit Ansprachen Chavez’ gesendet, im Jahr 2002 4407 Minuten.
Des Weiteren muss nach dem Mediengesetz von 2005 jeder Kanal 70 Minuten Sendezeit wöchentlich (maximal 15 Minuten täglich) zur Verfügung stellen, in welcher der Staat über seine Projekte und Ziele informieren kann. (...)
Seit 1999 hat Präsident Chávez auch seine eigene Fernsehshow, »Aló Presidente«. Sie wird an den meisten Sonntagen ab elf Uhr vormittags von wechselnden Orten, häufig von Kooperativen im Landesinnern, gesendet und von den staatlichen Fernsehsendern ViVe und VTV sowie der Radiostation RNV ausgestrahlt.
Ein Hinweis auf eine zwangsweise Ausstrahlung von »Aló Presidente« findet sich auch nicht in den anderen Beiträgen, die die Google-News-Suche zu dem Thema liefert:
Und die taz bringt noch den wichtigen Hinweis, dass die Veranstaltung in Venezuela, auf der Vargas Llosa sprach, von der Friedrich-Naumann-Stiftung mitfinanziert gewesen ist, lotet die Bedeutung dieses Engagements aber nicht aus.

Montag, 12. Januar 2009

Anne will nicht

annewillnicht

Unter dem Titel "Feigheit der Politik - Feigheit der Medien" hat Rupert Neudeck einen "humanitären Zwischenruf" zur "Absetzung einer geplanten 'ANNE WILL Sendung'" auf der "Sonnenseite" von Franz Alt erschallen lassen. Lassen wir den Altmeister selbst zu Wort kommen: