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Montag, 17. August 2026

Erdgas aus Nigeria? Welche Risiken die neue Mega-Pipeline birgt

Gas aus Nigeria auch für Europa: Trotz ECOWAS-Zustimmung ist die Finanzierung der Pipeline unklar. Gas fließt frühestens 2031. 

Westafrikas Staats- und Regierungschefs haben im Mai 2026 in Freetown eines der ambitioniertesten Infrastrukturprojekte des Kontinents offiziell abgesegnet: Die Nigeria-Marokko-Atlantik-Gaspipeline soll künftig 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr von Nigeria entlang der Atlantikküste bis nach Marokko transportieren und von dort nach Europa weiterleiten. 

Doch ob das Gas tatsächlich jemals fließen wird, ist höchst ungewiss. Die Kosten werden auf 25 Milliarden US-Dollar geschätzt, die Bauzeit soll mehr als 20 Jahre betragen, und die Finanzierung ist nicht gesichert. 

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Dienstag, 19. Mai 2026

Kleine Kredite erhalten die Freundschaft

Pünktlich zum Beginn der nigerianischen LNG-Lieferungen haben Berlin und Abuja ihre Wirtschaftskooperation ausgeweitet. Es gibt Kredite und Entwicklungshilfe.

Nigeria und Deutschland haben in Abuja ein Entwicklungs- und Investitionsabkommen im Wert von 365 Millionen Euro unterzeichnet. Das teilte das nigerianische Ministerium für Haushalt und Wirtschaftsplanung mit.

Die Vereinbarung umfasst 65 Millionen Euro für finanzielle und technische Zusammenarbeit sowie einen Rahmen für Exportkreditgarantien in Höhe von 300 Millionen Euro.

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Montag, 13. Mai 2024

Krypto in Nigeria

Foto: Binance, CC-BY-4.0

Binance, die weltweit größte Handelsplattform für Kryptowährungen, wurde in den letzten Jahren von Aufsichtsbehörden in den USA, Europa und Asien wegen Compliance- und Datenproblemen sanktioniert.

Im November letzten Jahres wurde das Unternehmen in den USA mit einer Strafe von 4,3 Milliarden US-Dollar belegt, weil es viele Tausende Transaktionen ermöglicht hatte, die mit organisierter Kriminalität, gewalttätigem Extremismus, sanktionierten Ländern und Personen sowie Pädophilenringen in Verbindung standen. Changpang Zhao, der ehemalige CEO wurde in den USA zu einer viermonatigen Haftstrafe verurteilt.

Zhao hatte Binance im Jahr 2017 gegründet. Ein Firmensitz ist nicht bekannt, das Untrernehmen auch sonst nur schwer greifbar. Nun gerät das Unternehmen in Nigeria zunehmend unter Druck. Denn jetzt steht Zhaos Nachfolger, Richard Teng, der aktuelle CEO von Binance, vor einem Rechtsstreit mit der nigerianischen Regierung.

Wie Africa Confidential berichtet, behaupten Beamte in Abuja, dass Binance die drittgrößte Wirtschaft Afrikas fast zerstört hätte, indem es Geldwäsche in großem Stil ermöglicht hat.

Der Handel mit Milliarden von nigerianischen Naira über die Binance-Plattform habe die Instabilität der Währung in kritischen Phasen Ende 2023 und Anfang dieses Jahres verschlimmert.

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Mittwoch, 9. August 2023

Einwurf: Das wird teuer

Radio France International behauptet, die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischen Staaten ECOWAS (resp. Nigeria) sei bereit 25.000 Soldaten auszuheben, um den Militärputsch im Niger mit Gewalt zurückzurollen. Das klingt gut, reicht aber bei weitem nicht, verfügt Niamey doch ebenfalls über 25.000 Mann. Und spätestens seit dem Ukraine-Krieg gehört es zum Allgemeingut, dass man für eine erfolgreiche Intervention möglichst die dreifache Menge an Soldaten (und Material) aufbringen sollte, wie der Verteidiger. Ein Erfolg einer ECOWAS Intervention ist also keineswegs sicher - auch wenn Frankreich (und vielleicht auch die - ebenfalls mit Truppen im Niger vertretenen - USA?) aktiv auf Seiten der Angreifer mitmischen sollte.

Die ägyptische Al Ahram weekly hat sich den Herausforderungen einer solchen Operation einmal angenähert und die Ergebnisse machen skeptisch. Da ein Angriff aus Mali oder Burkina Faso nicht in Frage kommt, bleibt nur der Weg über die etwa 1.600 Kilometer lange extrem durchlässige Grenze vom Norden Nigeria zum Süden Nigers. Al Ahram weiter: 

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Mittwoch, 17. Mai 2023

Zwischenruf: Eine über 800 Jahre alte Dynastie

Dass die Benin-Bronzen nach nigerianischer Auffassung dem Oba von Benin gehören, war offensichtlich niemandem hierzulande so recht bewusst - trotz einer ganzen Reihe von Kontakten. 

Mit diesem Unwissen ist eine weitere Eselei verknüpft - nämlich die, König Ewuare II, den Abkömmling einer über 800 Jahre alten Dynastie für einen "Privatmann" zu halten. König Charles ist das auch nicht (und dass er seine geklauten Diamanten vor den Augen der Weltöffentlichkeit tragen darf, ist der Beweis). 

Und wer über die unzähligen politisch-ökonomisch-kulturellen Mehrfachstrukturen (traditionelle Herrscher, religiöse Machtstrukturen, staatliche Organe) in Afrika weiß, weiß auch, dass die Objekte sicher nicht in irgendeinem Keller verschwinden werden. 

Denn sie mehren das Ansehen des nigerianischen Königshauses ungemein. Das können sie aber nur dann tun, wenn der Oba der Öffentlichkeit auch Zugang gewährt, damit und die Bewunderung für das Geschlecht und die Werke manifest werden kann:

 Das britische Empire macht es letztlich genauso. Von staatlichen Museen kann keine Rede sein.....

Donnerstag, 8. August 2019

Islamischer Staat, Westafrikanische Provinz

Wer sich ernsthaft für die Entwicklung von Boko Haram interessiert, sollte unbedingt die beachtenswerte Analyse im New Humanitarian (vormals IRIN) lesen. Darin wird die Abspaltung eines IS-Zweiges von Boko Haram dargelegt und geschildert, wie die jetzt ISWAP (Islamic State West Africa Province) genannte Gruppe vorgeht, um ein veritables Staatswesen am Tschadsee zu begründen.
Whereas orthodox Boko Haram (...) is an exclusivist movement that regards everyone living outside its zone of control a legitimate target (...) ISWAP sees the political value in not slaughtering potential future citizens of the more inclusive state they are trying to build, based on sharia law, in the Lake Chad region.
Selbstverständlich liefert auch ISWAP den Sicherheitskräften erbitterte Gefechte. Es scheint aber, als habe ISWAP die Tugenden der früheren Guerilla-Bewegungen wiederentdeckt. Sie versuchen der Bevölkerung mittels einer rudimentären Wirtschafts- und Sozialpolitik eine Alternative zu bieten:
ISWAP levies taxes on fishermen and farmers and in return digs wells, provides security, rudimentary healthcare, price caps on basic food items and trader-friendly policies to encourage the flow of goods. Until mid-last year, life was hard on the islands [im Tschad-See, die Red.], but ISWAP’s success in clearing military bases along a corridor to the Niger border has boosted business.

Bedenkt man den ziemlich erbärmlichen Zustand, in dem sich die Anrainerstaaten des Tschadsees (vor allem betroffen: Nigeria, aber auch Kamerun und Niger; das östlich gelegene Tschad ist weniger berührt) aus verschiedensten Gründen allesamt befinden, stellt die neue politische Ausrichtung der Islamisten wohl eine viel größere Herausforderung dar, als die lediglich militärische durch Boko Haram:
Out of the eight people in total from Baga that I interviewed in Maiduguri, none supported jihadist violence. They all wanted this war to be over, had suffered too much in the name of religion, and enthusiastically hated Shekau [den Anführer von Boko Haram, die Red.]. But when asked if they would support ISWAP if it was a political party that renounced violence but retained support for sharia law, there were near unanimous nods of agreement.
It is the inability of successive Nigerian governments to care for its citizens fairly and justly that was regarded as the foremost problem.

Dienstag, 13. November 2018

Mit Gewalt in den Klimawandel

Immer wieder töten bewaffnete Viehhirten weit mehr Menschen Nigeria als etwa die gefürchtete Terrorgruppe Boko Haram. Allein in diesem Jahr sind mehr als 1.300 Menschen bei Auseinandersetzungen mit den Viehzüchtern zu Tode gekommen. Die Zahl der Vertriebenen wird auf etwa 300.000 veranschlagt.

Seit 30 Jahren brechen derartige Konflikte in dem westafrikanischen Land aus - mit zunehmender Tendenz. Dieses Jahr sind die Auseinandersetzungen eskaliert. Das Problem ist so gravierend, dass Literatur Nobelpreisträger Wole Soyinka sich darüber beklagt, dass „ganze Dorfgemeinschaften von der Landkarte verschwunden“ sind. „Tausende Familien trauern und die Überlebenden sind traumatisiert und für immer gezeichnet.“

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Ein Kessel Buntes aus Westafrika

Liberia: Nach 15 Jahren und zwei vergeblichen Versuchen, scheint es nun, als werde der Ex-Fußballer George Weah es im dritten Anlauf schließlich schaffen und der nächste Präsident Liberias werden. Ellen Johnson-Sirleaf, die amtierende Präsidentin konnte nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren. Weah werden gute Verbindungen zu Charles Taylor nachgesagt, dem bekannten Warlord aus dem liberianischen Bürgerkrieg und Präsidenten, der heute wegen Kriegsverbrechen eine 50-jährige Haftstrafe verbüßt. Africa Confidential hat viele spannende Details.

Togo: Die Unruhen in dem kleinen, gut mit Deutschland vernetzten, westafrikanischen Land dauern nun schon Monate an. Grad gab es wieder Tote (1), (domradio.de mit Hintergrund).

Nigeria: In der Stadt Kainji hat am 16. Oktober ein Prozess gegen 1.600 Menschen begonnen, denen Beziehungen zu Boko Haram vorgeworfen werden. Das Verfahren findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt (Reuters). 

Kamerun: Die Krise im anglophonen Westteil des frankophonen Landes an der Grenze zwischen West- und Zentralafrika spitzt sich in einem Maße zu, dass mittlerweile auch die Crisis Group mit Sorge reagiert. Wie immer bei der ICG gibt's einen guten Hintergrundbericht und konkrete Politikempfehlungen.

Montag, 11. April 2016

Geschichten aus der Sklaverei (2)

Ein Gastbeitrag von Ina Zeuch 

Der transatlantische Sklavenhandel wurde zur größten Zwangsumsiedlung der Menschheit, bei der zwischen im 17.und 18. Jahrhundert schätzungsweise elf Millionen Menschen in die Neue Welt und nach Europa verschleppt wurden. Dieses immense Ausmaß konnte von den Opfern naturgemäß kaum dokumentiert werden. Dennoch gibt es einige wenig bekannte, spärliche Zeugnisse von Betroffenen. In einer mehrteiligen Serie zum Sklavenhandel und ihren unterschiedlichen Folgen möchte ich einige dieser Zeugnisse vorstellen. In ihnen wird dieses belastende Thema weg von der bloßen Aufzählung geschichtlicher Fakten hin zu anschaulichen Geschichten von Einzelschicksalen verlagert, die trotz ihrer Einzigartigkeit und ihrer unterschiedlichen Perspektiven erhebliche Teile des blutigen Geschäfts beleuchten. Nicht zuletzt begreift man über sie die tiefgreifenden und verstörenden Veränderungen, die sich in den westafrikanischen Königreichen durch Sklavenhandel vollzog.

Die Prinzen von Calabar - Teil 2

Wir hatten Ephraim und Ancona Robin-John an dem vielleicht entscheidensten Punkt ihres Lebens verlasssen - ihrer Gefangenahme und Versklavung in Folge eines Komplotts von Sklavenhändlern bei dem es um Handelsrechte und Preise ging.

Ankunft in Roseau, Domenica und Flucht nach Bristol
Auch auf den Sklavenschiffen gab es im Übrigen eine Arbeitsteilung: Die umgänglichsten Sklaven wurden als Quartiersmeister eingesetzt, um die Essenszuteilung zu überwachen und aufkommende Rebellionen zu melden. Vermutlich hatten die Prinzen eine solche Stellung inne und konnten deshalb Privilegien erwerben. Ein solches Privileg war, beim Anlegen des ersten Hafens in Domenicas Hauptstadt Roseau direkt auf dem Schiff verkauft zu werden, wo die ersten Käufer, meistens Mitglieder von Behörden, an Bord gingen und auf Empfehlung des Kapitäns ein Vorverkaufsrecht genossen, um die beste ‘Ware‘ abzugreifen. Nur so konnte man – wenn man guten Kontakt zum Kapitän hatte – erwirken, dass Familien oder Paare zusammen verkauft wurden. 
Umgebautes Sklavenschiff. Unbekannter Autor / wikimedia

Montag, 4. April 2016

Geschichten aus der Sklaverei (1)

Ein Gastbeitrag von Ina Zeuch 

Der transatlantische Sklavenhandel wurde zur größten Zwangsumsiedlung der Menschheit, bei der schätzungsweise elf Millionen Menschen zwischen dem 17.und 18. Jahrhundert in die Neue Welt und nach Europa verschleppt wurden. Dieses immense Ausmaß konnte von den Opfern naturgemäß kaum dokumentiert werden. Dennoch gibt es einige wenig bekannte, spärliche Zeugnisse von Betroffenen.

In einer mehrteiligen Serie zum Sklavenhandel und ihren unterschiedlichen Folgen möchte ich einige dieser Zeugnisse vorstellen. In ihnen wird dieses belastende Thema weg von der bloßen Aufzählung geschichtlicher Fakten hin zu anschaulichen Geschichten von Einzelschicksalen verlagert, die trotz ihrer Einzigartigkeit und ihrer unterschiedlichen Perspektiven erhebliche Teile des blutigen Geschäfts beleuchten. Nicht zuletzt begreift man über sie die tiefgreifenden und verstörenden Veränderungen, die sich in den westafrikanischen Königreichen durch Sklavenhandel vollzog.

Wer eine Einführung in das Thema wünscht, sei auf diesen sehr aufschlussreichen Animationsfilm von Anthony Hazard verwiesen:

Die Prinzen von Calabar - Teil 1

“Die Prinzen von Calabar“ heißt das Buch des Historikers Randy J. Sparks aus New Orleans. In ihm beschreibt er seinen zufälligen Fund eines Briefwechsels von zwei versehentlich verschleppten afrikanischen Sklavenhändlern bei ihrem verzweifelten Kampf um ihre Befreiung. Sparks hat diesen Briefwechsel historisch aufgearbeitet und kommt dabei zu atemberaubenden Schlüssen. Sie beleuchten nicht nur das transatlantische Geflecht des afrikanisch-europäischen Sklavenhandles, sondern auch die beginnende Antisklaverei-Bewegung in Bristol. Dort beginnt der Briefwechsel zwischen den beiden Prinzen und den Brüdern Charles und John Wesley. Die Wesley-Brüder gehörten der Methodistenkirche in Bristol an, die zusammen mit der Quäkerbewegung die Sklaverei als verbrecherische Sünde ablehnten und sich für die Befreiung der beiden Prinzen einsetzten. In seinem Buch rekonstruiert er anhand der Briefe die Geschichte der Verschleppung und Befreiung der beiden afrikanischen Sklavenhändler Ephraim und Ancona Robin Robin-John.

Montag, 21. Dezember 2015

Etappensieg für Umwelt und Menschen

Friends of the Earth Niederlande und vier Bauern aus Nigeria haben einen wichtigen Etappensieg errungen: Die Berufungsinstanz des Gerichtshofs in Den Haag hat entschieden, dass Shell Niederlande - also der Mutterkonzern - wegen der Verwüstungen, die die Erdölförderung in Nigeria angerichtet hat (und übrigens noch anrichtet), in den Niederlanden verklagt werden darf. Das Gericht stellte fest, dass nicht im voraus festgestellt werden könne, dass das Mutterunternehmen nicht für mögliche Verschmutzungen durch seine Tochterfirma verantwortlich sei.

Bisher hatte der Konzern immer darauf verwiesen, dass das Tochterunternehmen Shell Nigeria verantwortlich sei. Shell Nigeria seinerseits hatte die Ölverschmutzungen auf Sabotage zurückgeführt, weil das nach nigerianischem Recht Schadensersatzzahlungen ausschließt.

Samstag, 29. November 2014

Grüße aus der Hölle

Eine Ausstellung zum Desaster der Erdölförderung im Nigerdelta - besprochen von Ina Zeuch

Nicht wir leben in der Hölle, sondern die anderen. Aber was wir damit zu tun haben, zeigt eine Freiburger Ausstellung noch bis zum 25. Januar 2015: "Letzte Ölung Nigerdelta" ist der befremdliche Titel im Freiburger Museum Natur und Mensch, die vom Staatlichen Museum für Völkerkunde München ausgerichtet und nun von den Freiburgern übernommen wurde.

Noch befremdlicher ist das Ausstellungsplakat. Im strahlend rotblau-gemusterten Kaftan  steht ein Mann im Mittelgrund des Bildes mit einer ebenso strahlend kobaltblauen Plastikschüssel mit Wasser darin. In einer theatralisch wirkenden Geste wäscht er sich das Gesicht, die Tropfen hängen eingefroren wie kostbare Perlen in der Luft. Hinter ihm eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Landschaft mit Resten von Zivilisation - es könnte die Inszenierung eines zeitgenössischen Theaterstücks über den Weltuntergang sein. "Das Drama der Erdölförderung in zeitgenössischen Fotografien" heißt die Ausstellung im Untertitel und das Foto auf dem Plakat ist von Akintune Akinleye, Mitkurator der Ausstellung. Es ist am Tag nach einer Pipeline-Explosion am 26. Dezember 2006 entstanden, bei dem in einem Vorort von Lagos mindestens 269 Menschen verbrannten. Der Mann hatte beim Löschen des Feuers geholfen und wäscht sich nun den Ruß vom Gesicht.

Dienstag, 9. September 2014

Hochrangige Unterstützer

Femi Falana, ein bekannter Menschenrechtsanwalt in Nigeria schildert seine Erkenntnisse zur Entstehung von Boko Haram. Am 5. Sept. hat er Goodluck Jonathan, den nigerianischen Präsidenten, aufgefordert, Ermittlungen gegen Modu Ali Sheriff zu veranlassen. Falana hält den ehemaligen Gouverneur des Bundesstaates Bornu für einen der hochrangigen Unterstützer von Boko Haram.

Auch der australische Vermittler zwischen Boko Haram und der Regierung, Stephen Davis, hat gegenüber den Sahara-Reportern seine diesbezüglichen Anschuldigungen gegenüber Sheriff sowie weiteren Amtsträgern und gegen den ehemaligen Armeechef, General Azubuike Ihejirika, bekäftigt. Seine Erkenntnisse habe er aus den Aussagen seiner Verhandlungpartner gewonnen. Sahara Reporter weiter:
Boko Haram runs about six major camps in the northeast and neighboring countries, adding that 700 fighters inhabited each camp. In addition there are a range of smaller camps within Borno State, which are often temporary and to which kidnapped girls are taken to be used by the insurgents. (...)
Boko Haram was a loose coalition of three Islamist militant groups that worked with one another, claiming that, since four months ago, the sects had merged into one single entity, become more cohesive, strategically effective and powerful.
“(...) If these political sponsors think they can turn these groups off after the 2015 elections they are going to be surprised to find it is out of their control.”
Nach sieben Tagen ist die Stadt Bama übrigens von der nigerianischen Armee wieder zurückerobert worden. Doch auch im benachbarten Bundesstaat Adamawa gibt es Probleme (Vanguard).

Samstag, 17. Mai 2014

Nordnigeria

Mittlerweile pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Die nigerianische Zentralregierung in Abuja kümmert sich scheinbar einen Sch*** um die Entführung der 230 Schülerinnen im Nordosten des Landes. Die Geschichten, von den Eltern, die auf eigene Faust in den Busch gehen, um ihre Töchter wiederzufinden (Vanguard), die von Boko Haram zeitlich perfekt platzierte Drohung, man wolle die Mädchen verkaufen (G-News dt.) sowie die Art und Weise, wie die Gruppe ihren weltweiten Propagandaerfolg noch vertieft (2!), illustrieren die Hilflosigkeit sehr anschaulich. Amerikaner und Briten sind mittlerweile vor Ort, Frankreich und China haben ebenfalls Hilfe angeboten (Vanguard). Wenn die Miliz dagegen auszieht, um Hunderte von Menschen zu massakrieren, ist die Reaktion im Westen weit weniger ausgeprägt.

Leider geht bei der Berichterstattung einiges drunter und drüber. Die Behauptung etwa, Boko Haram wolle Scharia, ist so nicht haltbar, denn die islamische Rechtsprechung ist im Norden Nigerias längst Alltag. Meist wurde sie schon vor rund zehn Jahren eingeführt.

Abgesehen von der besch*** Wortwahl "Heilige Krieger" schreibt die Frankfurter Rundschau ziemlich vernünftig (wenn auch erst im drittletzten Absatz):
Die große Mehrheit der [in Nordnigeria] beheimateten Muslime ist mit den Methoden der Heiligen Krieger nicht einverstanden – doch deren Unzufriedenheit mit dem Status quo teilen sie. Während der erdölreiche Süden Nigerias boomt und die Wirtschaftsmetropole Lagos immer neue Investoren anzieht, fällt der Norden mehr und mehr zurück. Dort sind die Menschen inzwischen ärmer als bei der Unabhängigkeit vor über einem halben Jahrhundert.

Dienstag, 30. August 2011

Neuordnung des Ölsektors?

Die Schwierigkeiten ein neues Gesetz zur Regulierung des Ölsektors in Nigeria zu verabschieden beschreibt Next. Die jetzigen Regelungen stammen aus dem Jahr 1969. Laut Schätzungen gehen dem Land in den Verträgen mit Shell, Exxon und Chevron derzeit etwa 300 Mio. US-Dollar monatlich verloren. Auch Umweltgesichtspunkte spielen eine Rolle. Sogar eine Strafsteuer für das Abfackeln von Erdgas soll es geben:
The companies are concerned about the introduction of new taxes, including the Nigerian Hydrocarbon Tax (NHT), Company Income Tax (CIT), Niger Delta Development Commission levy, rent on assigned acreages, education tax and penalty for flared gas from where government hopes to earn an average of $10 million daily at the current average oil production capacity of about 2.3 million barrels per day (bpd).
Auch die Nigerian Extractive Industries Initiatve (NEITI) hat sich zu Wort gemeldet. In ihrem Statement warnen die Aktivisten davor, hinter internationale Standards zurückzufallen. Drei Milliarden US-Dollar Einnahmen würden dem Land jährlich entgehen, wenn die derzeitige Fassung des Gesetzes verabschiedet und auf eine Besteuerung im international üblichen Maßstab verzichtet werde:
Sadly, the House of Representatives Report establishes fiscal terms with a government share of oil revenues below internationally competitive levels and with a structure that will result in a rapid erosion of government petroleum revenues during the next 5 years. Current rates of Nigerian Government share of Revenues are: PSC 48% JV 82%. International rates of Government share of Oil revenue are: Minimum of 56% and Max of 90%.

Donnerstag, 10. Juni 2010

Korruption Made in Germany

In Nigeria kocht grad ein Skandal auf, der maßgeblich auf das Konto von Daimler-Benz geht (im wahrsten Sinne des Wortes): Next berichtet, dass der Autokonzern 2,3 Mrd. Naira (rd. 12,5 Mio. Euro) zwischen 1998 und 2005 an Bestechungsgeldern in großzügigen Tranchen an verschiedenste Abnehmer verteilt hat, um Freundschaften zu erhalten.

Erst vor drei Wochen hatte Siemens angesichts neuer Ermittlungen seine Bereitschaft zugesichert, eine Strafe zu zahlen, sollte der Konzern von einem Gericht im bevölkerungsreichsten Landes in Afrika dazu verurteilt werden. Diese Nachricht (und die Tatsache, dass das überhaupt eine Nachricht und keine Selbstverständlichkeit ist) verrät viel über das offensichtlich immer noch vorhandene Gefühl der Unantastbarkeit im Management westlicher Konzerne.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Hoffentlich war Yar' Aduas Tod nicht umsonst

Der endgültige Übergang der Macht von dem am Donnerstag, den 6. Mai 2010 verstorbenen nigerianischen Präsident Umaru Yar' Adua auf seinen Vize Goodluck Jonathan stellt einen besonderen Vorgang in der Geschichte Nigerias dar:

Ohne Blutvergießen (denn die Massaker in Jos von Anfang des Jahres haben nichts damit zu tun) und vor allem ohne das Eingreifen des Militärs geht die Macht im instabilen und bevölkerungsreichsten Land Afrikas auf den verfassungsgemäßen Nachfolger über, der auch schon in den letzten Monaten die Amtsgeschäfte geführt hat.

Samstag, 23. Januar 2010

Und wieder Jos

Bei der Berichterstattung über die Kämpfe in Jos, der Hauptstadt des nigerianischen Bundesstaates Plateau, hat sich das Gros der deutschen Medien wieder einmal zu einfach gemacht: Religiöse Unruhen sind das; es ist ein "Hetzen, Jagen, Töten".
Das passt zwar in's Bild, verschleiert aber die tatsächlichen Ursachen. Denn auch in Afrika werden gewaltförmige Konflikte von interessierten Kreisen geschürt und folgen definierten - wenn auch meist nicht formulierten - Interessen.
Hier nun einige der wenigen nachdenklichen und informierteren Pressestimmen zu dem Massaker. Typisch für diese Beiträge ist, dass die Kollegen Kontakt zu Fachleuten oder gut informierten Betroffenen aufgenommen haben. Agenturmeldungen abschreiben, reicht nicht.
Und auf die miesen wirtschaftlichen Bedingungen zu verweisen oder nach dem Staat rufen, reicht auch nicht. Diese Konflikte sind nicht mit wirtschaftlichen oder polizeilichen Mitteln zu lösen. Hier müssen Interessen öffentlich formuliert, diskutiert, vermittelt und dann zu politischen Kompromissen verdichtet werden, die für alle Seiten akzeptabel sind. Nur so ist zu verhindern, dass die Menschen wieder aufeinander gehetzt werden.

Samstag, 16. Januar 2010

Verfassungskrise?

Erst verschwand er wochenlang von der Bildfläche, galt gar als tot - nun hat sich herausgestellt, dass Umaru Yar'Adua, der Präsident Nigerias, schwere Hirnschäden erlitten hat. Im Bezug auf die Frage, wer nun die Regierungsgeschäfte übernehmen soll, scheinen Demokratieaktivisten zu fürchten, dass sich das Militär einschaltet. Eigentlich ist alles ganz einfach, denn in Artikel 146 (1) der nigerianischen Verfassung heißt es:
The Vice-President shall hold the office of President if the office of President becomes vacant by reason of death or resignation, impeachment, permanent incapacity or the removal of the President from office for any other reason in accordance with section 143 of this Constitution.
Eine Ärztekommission muss feststellen, dass der Präsident sein Amt nicht mehr ausüben kann.
Leider  ist die Sache in Wirklichkeit wohl wesentlich komplizierter und es wird sicherlich Versuche geben, Goodluck Jonathan, der aus dem Nigerdelta stammt, an der Ausübung der Regierungsgeschäfte zu hindern. Der Christian Science Monitor berichtet darüber hinaus, dass die Friedensverhandlungen mit MEND bereits ins Stocken geraten sind.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Neue Probleme für Abuja

Nachdem sich die Nebel etwas gelichtet haben, kann man tatsächlich davon ausgehen, dass die Regierung in Abuja, Nigeria es ab sofort mit einem neuen, offensichtlich vergleichsweise gut organisierten und militanten Gegner im Norden des Landes zu tun hat.

Dass Militär und Polizei so hart gegen die Aufständischen vorgegangen sind, ist insofern eine bedeutsame Tatsache, als dass die Sicherheitskräfte in Nigeria traditionell von Muslimen und Offizieren aus dem Norden des Landes dominiert werden. Hier spielt sicher eine Rolle, dass die Islamisten Polizeistationen angegriffen haben.

Der nigerianische Präsident, Umaru Yar'adua, gab sich indessen als Herr der Lage und reiste wie geplant zu einem Staatsbesuch nach Brasilien ab. NEXT legt das in einer Analyse als Führungsschwäche aus. Viele wichtige Details finden sich in den Berichten des Daily Trust.