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Mittwoch, 11. April 2012

Das Gute an der Formel 1

Soll niemand sagen, dass nicht auch die Formel 1 ihr Gutes hat: Gäbe es nicht das Gezerre um das Rennen in Bahrain (SPON, über 500 Meldungen bei G-News dt.) würden wir in deutscher Sprache praktisch nichts über die Menschen dort hören, die geduldig, unter hohem persönlichen Risiko und seit über einem Jahr friedlich gegen das Regime (eine "Königsfamilie") protestieren (G-News engl.). Eine Zusammenfassung der Ereignisse rund um die inzwischen abgerissene Perle in der Hauptstadt Manama bietet Wikipedia auf Englisch.

Um solche Reaktionen hervorzurufen, müssen die sportlichen Ereignisse allerdings eine gewisse Bedeutung haben. Denn Sport ist politisch nur dann relevant, wenn Sportereignisse so wichtig werden, dass sie über einen rein sportlichen Rahmen hinausweisen. Dann muss eine Vermarktung durch Werbung und/oder die Nutzung durch PolitikerInnen möglich sein. Sind solche Interessen etwa durch Menschenrechtsverletzungen akut gefährdet, kann das zum Umdenken der Verantwortlichen führen.

Triathlon in Larache und auch ein ATP-Tennisturnier in Casablanca (beides Marokko) reichen nicht, um in diesem Zusammenhang Aufmerksamkeit für die Probleme und Proteste (Reuters, G-News engl.) zu erwirken. (Auch in Marokko hier regiert übrigens ein Königshaus - allerdings durch ein Verfassungsreferendum in seiner Machtfülle bestätigt.) Und hier bietet Wikipedia ebenfalls einen Überblick über den bisherigen Verlauf der Proteste (engl.), der allerdings einer Aktualisierung bedarf. Wen es näher interessiert, kann es ja auch mit "The Tale of the February 20 Movement in 20 Videos" bei Global Voices versuchen.

Montag, 11. Juli 2011

Wenn die Saudis wackeln

Angesichts der Ausfuhr deutscher Leopard-Panzer nach Saudi-Arabien ist es sicher eine gute Idee, eine Website www.waffenexporte.org zu eröffnen.

Allerdings fragt man sich, wie manche KollegInnen in den Mainstream-Medien zu solch steilen Behauptungen gelangen wie etwa in der Süddeutschen. Dort beginnt ein Kommentar mit der Aussage:
"Noch nie hat Deutschland an ein Land wie Saudi-Arabien ein Waffensystem geliefert, das zur Niederschlagung von Aufständen benutzt werden kann."
Ok, Helmut Schmidt hat es nicht geschafft, Leos an die Saudis zu verhökern. Er ist am eigenen Kabinett gescheitert. Und die Waffenexporte in's Südafrika unter dem Apartheidsregime - verdrängt oder vergessen? Oder die deutsch/französischen Waffenlieferungen an Gaddafi?

Welt Online hält sich mit solchen feinsinnigen Erwägungen gar nicht erst auf, sondern fährt lieber einen Frontalangriff gegen die KritikerInnen des Deals: "Deutsche Panzer an einem früheren Feind Israels? Unbedingt, denn Saudi-Arabien wird bedroht durch Al Quaida und den Iran. Wenn die Saudis wackeln, wackelt die Welt." Das Bundesinnenministerium scheint ein ähnliches Weltbild zu pflegen: Bahrain? War da was? Ach ja, Infrastruktursicherung durch die Saudis.

Mittwoch, 16. März 2011

SOS Appeal from Bahrain

Der unten stehende Aufruf ist im internationalen Social Watch Sekretariat in Montevideo, Uruguay eingegangen. Die Quelle ist zuverlässig, denn die Organisationen arbeiten schon zehn Jahre mit Social Watch zusammen.

SOS Appeal from Bahrain

The Civil Society Organizations (CSOs) in Bahrain, appeal for help in face of mass systematic murder against the unarmed people of Bahrain, demanding legitimate rights for democratic system which respects its rights.

Montag, 21. Februar 2011

Mediale Selektion

Der Economist demonstriert dieser Tage ganz wunderbar, wie mediale Selektion funktioniert:
Natürlich ist man gegen Gaddafi (Libyen) - also wird getitelt: "Blood in the streets".
Wenn die Chinesen präventiv Polizei in Gebieten mit einem hohen Anteil an muslimischer Bevölkerung zusammenziehen, muss das ebenfalls für einen Aufmacher herhalten "China catches a whiff of Yasmine".

Die Schüsse auf die DemonstrantInnen vom 18. Feb. 2011 in Bahrain verschwinden dagegen hinter der Meldung: "Ein unsicherer Waffenstillstand (An uneasy truce)". In dem Stück vom 20. Feb. ist von 6 Toten die Rede und es wird von der "immense international pressure" geschwafelt "to stop the violence and allow peaceful protests to continue".


Haben die KollegInnen die strategischen Bedeutung des Kleinstaates wirlich übersehen, oder wird diese im Economist gezielt unterschlagen? Bei telepolis heißt es dazu: "Bahrain ist ein wichtiger strategischer Punkt für Washington im Mittleren Osten: es ist nicht nur ein Ölförderland, sondern der Sitz der 5. Flotte der US-Marine - einer Armada mit 92 Schiffen." Darüber hinaus wird eine Zunahme des iranischen Einflusses befürchtet, denn auf der kleinen Insel im Persischen Golf direkt vor der Arabischen Halbinsel wird eine shiitische Mehrheit von einem sunnitischen Königshaus regiert (Al Jazeera).