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Sonntag, 21. Juni 2026

Strahlendes Afrika: Uran für die Welt

Afrikanische Länder wollen Atomkraft künftig verstärkt nutzen. Und auch als Uran-Lieferanten spielen einige eine bedeutende Rolle. 

Etwa 14 Prozent der weltweiten Uranproduktion stammen aus afrikanischen Ländern, vor allem aus Namibia, Niger und Südafrika. Diese Länder spielen eine bedeutende Rolle in der globalen Lieferkette und streben – wie Namibia und Südafrika – eigene Anlagen zur Herstellung von U3O8 (Yellow Cake) an.

Doch die interessantesten Entwicklungen bezüglich des Uranbergbaus in Afrika entfalten sich derzeit in Niger.

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Montag, 15. Juni 2026

Afrika: Atomstrom auf dem Vormarsch

Noch ist die Liste der Atomkraftwerke in Afrika ziemlich übersichtlich. Doch das dürfte sich bald ändern. Eine neue Technik spielt dabei eine besondere Rolle. Derzeit betreibt Südafrika das einzige in Betrieb befindliche Atomkraftwerk in Koeberg bei Kapstadt mit zwei Reaktorblöcken, die 1.854 MW leisten. 

Die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) zählt jedoch mittlerweile 16 weitere afrikanische Länder auf, die Atomkraftwerke bauen oder bauen wollen: Ägypten, Algerien, Äthiopien, Burkina Faso, Ghana, Kenia, Marokko, Niger, Nigeria, Ruanda, Senegal, Sudan, Tansania, Tunesien, Uganda und Sambia. 

Und diese Liste ist nicht einmal vollständig. Denn inzwischen verfolgen auch Mali und Namibia solche Pläne. Allerdings sind die meisten dieser Vorhaben bloße Absichtserklärungen und haben derzeit das Stadium konkreter Planungen noch nicht erreicht.

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Dienstag, 19. Mai 2026

Kleine Kredite erhalten die Freundschaft

Pünktlich zum Beginn der nigerianischen LNG-Lieferungen haben Berlin und Abuja ihre Wirtschaftskooperation ausgeweitet. Es gibt Kredite und Entwicklungshilfe.

Nigeria und Deutschland haben in Abuja ein Entwicklungs- und Investitionsabkommen im Wert von 365 Millionen Euro unterzeichnet. Das teilte das nigerianische Ministerium für Haushalt und Wirtschaftsplanung mit.

Die Vereinbarung umfasst 65 Millionen Euro für finanzielle und technische Zusammenarbeit sowie einen Rahmen für Exportkreditgarantien in Höhe von 300 Millionen Euro.

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Montag, 3. November 2025

Mosambiks LNG-Milliardenprojekte: Kosten, Verzögerungen, Zweifel und Gewalt

Nach vier Jahren Unterbrechung will ein französischer Ölmulti sein Gasprojekt im Norden von Mosambik wieder aufnehmen. Doch die Kosten steigen und manche Geldgeber würden gerne abspringen.

Der französische Energiekonzern TotalEnergies will eines der größten Energieprojekte Afrikas nach vierjähriger Zwangspause wieder aufnehmen. Das Unternehmen teilte am Samstag mit, die höhere Gewalt (force majeure) für das 20-Milliarden-Dollar-Projekt zur Gasverflüssigung in Mosambik aufzuheben.

Das als MozambiqueLNG bekannte Vorhaben war 2021 gestoppt worden, nachdem islamistische Milizen in der Provinz Cabo Delgado, in der das Projekt gebaut wird, einen tödlichen Terroranschlag verübt hatten.

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Dienstag, 22. Oktober 2024

Eine afrikanische "Energiebank"

Angesichts des zunehmenden Drucks westlicher Finanzinstitute, die Erschließung von Öl- und Gasvorkommen aufzugeben, planen afrikanische Länder die Gründung einer eigenen Finanzierungseinrichtung für solche Projekte. Laut einem Bericht der Financial Times haben die 18 Mitgliedsstaaten der "African Petroleum Producers Organization" (APPO) vereinbart, jeweils 83 Millionen US-Dollar, insgesamt 1,5 Milliarden Dollar dafür bereitzustellen.

Um das Vorhaben zu starten, benötigt die Staatengruppe jedoch insgesamt fünf Milliarden Dollar. Die African Export-Import Bank (Afrexim Bank) wird die 1,5 Mrd. US-Dollar verdoppeln, sodass eine Lücke von noch zwei Milliarden Dollar verbleibt, die von externen Institutionen wie Staatsfonds, privaten Fonds und anderen Banken gefüllt werden muss.

Während Afrika der Kontinent mit dem geringsten CO2-Fußabdruck ist, verfügt er gleichzeitig über große, noch unerschlossene Öl- und Gasvorkommen. Unter dem Druck westlicher Regierungen, die den Übergang zu erneuerbaren Energien vorantreiben, haben internationale Kreditgeber wie die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank (ADB) aufgehört, Gelder für solche Energieprojekte bereitzustellen. 

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Dienstag, 3. September 2024

Libyen taumelt erneut

Zwischen Tripolis und Tobruk ist der Streit um die Öleinnahmen erneut entbrannt. Es kommt zu Lieferstopps. Wird sich der zerstörte und besetzte Staat je wieder erholen?

Wie Reuters meldet, fällt seit Ende August mehr als die Hälfte der libyschen Ölförderung aus. Das sind etwa 700.000 Barrel pro Tag. Auch wurden die Exporte aus mehreren Häfen gestoppt. Das ist immerhin knapp ein Prozent des täglichen Weltverbrauchs von rund 97 Millionen Barrel.

Ein Patt zwischen rivalisierenden politischen Fraktionen über die Kontrolle der libyschen Zentralbank und die Verteilung der Öleinnahmen droht eine jetzt vier Jahre andauernde Periode relativen Friedens zu beenden. Und es geht praktisch um alles, denn die Öleinnahmen machen 68 Prozent des Bruttonationaleinkommens und 95 Prozent der Staatseinnahmen aus.

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Donnerstag, 10. August 2023

Völkerrechtswidrige Besetzung und Plünderung

Fünf Großbaustellen muss Damaskus derzeit bearbeiten - und keine davon hat die syrische Politik zu verantworten:
- die Folgen des Erdbebens im Februar 2023 und der Dürren der letzten 20 Jahre (2015, 2021);
- die vom Westen gestützte, jihadistische Exklave im Nordwesten des Landes (Idlib)
- türkische Truppen im Norden des Staatsgebietes und Wasserdiebstahl,
- US-Truppen im Norden und Osten des Staatsgebietes,
- und last not least schwere internationale Sanktionen.
Die von Israel besetzten Golanhöhen seien hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Dienstag, 2. Mai 2023

Lithium-OPEC voraus?

Alle reden von der Entdollarisierung, dabei sind die physischen und politischen Aspekte der Rohstoffmärkte mindestens ebenso ausschlaggebend für die wirtschaftliche Zukunft der Menschheit. Welche Voraussetzungen bieten die Lithiummärkte für das Gelingen der viel beschworenen Energiewende?

Ohne bezahlbare Speichertechnologien wird die Energiewende scheitern, und der wichtigste Rohstoff für leistungsfähige Batterien ist das Leichtmetall Lithium. Nach zwischenzeitlich stark gesunkenen Preisen steigt derzeit eine regelrechte Lithium Rally: Im März 2022 kostete Lithiumkarbonat 75.400 bis 77.500 US-Dollar pro Tonne und Lithiumhydroxid erzielte 64.000 – 73.300 US-Dollar pro Tonne. So kann es nicht verwundern, dass die Presse Bundeskanzler Olaf Scholz anlässlich seiner Lateinamerikareise Ende Januar aufforderte, eine Aufholjagd bei der Beschaffung der strategischen Ressource zu starten. 

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Samstag, 7. Mai 2022

Zwischenruf Schweinswale

Respekt vor der Deutschen Umwelthilfe, die es wagt, in dieser Zeit gegen den vorzeitigen Bau eines Flüssiggasterminals Einspruch zu erheben obwohl Bundesumwelt- und Energieminister Robert Habeck ausdrücklich davor "gewarnt" hatte (RND).

Ganz nonchalant geht die taz mit dem Umstand um, dass der Bestand seltener Schweinswale in der Nordsee durch diese Investition zusätzlich gefährdet werden könnte:

Ja, sorry auch - denn die meisten Zweibeiner verstehen eben nicht, dass sowohl der Schutz ihrer Umwelt und ihrer Mitgeschöpfe als auch die Vermeidung/Beendigung von Kriegen untereinander zwei Seiten derselben Medaille sind. Und absoluten Vorrang haben. Denn sie verstehen nicht, dass nur die Fähigkeit, beides in den Griff zu bekommen, ihr Überleben überhaupt erst ermöglichen wird. 

Das Spendenkonto der Umwelthilfe ist übrigens unter diesem Link zu erreichen:
https://www.duh.de/spenden/spende/

Mittwoch, 1. April 2020

Öl oder Sanktionen?

Von der Öffentlichkeit wegen der Covid-Krise kaum beachtet, spielt sich derzeit ein ebenso spannender wie rücksichtsloser Kampf um die weltweiten Ölmärkte ab.

Hierzulande werden die Ereignisse als Preiskampf zwischen Russland und Saudi-Arabien dargestellt. Dabei handelt es sich wohl eher um Tauziehen um künftige Märkte, bei dem sowohl Moskau als auch Riad darauf setzen, dass den Ölproduzenten in den USA als ersten die Luft wegbleibt. Darauf lassen vor allem die jüngsten Nachrichten (Reuters) schließen, denen zufolge Saudi-Arabien sich weigert, an den OPEC+ Verhandlungstisch zurückzukehren.

Das kommt in den USA gar nicht gut an, wo mittlerweile von einem "Wirtschaftskrieg" die Rede ist. Yahoo-Reuters berichtet:
A group of six U.S. senators wrote a letter to Secretary of State Mike Pompeo this week saying Saudi Arabia and Russia "have embarked upon economic warfare against the United States" and were threatening U.S. "energy dominance".
Die US-Frackingindustrie ist hochverschuldet und benötigt Barrelpreise von 40 bis 50 US-Dollar um zu überleben. Insgesamt steht man mit 86 Mrd. US-Dollar in der Kreide, von denen 22 Mrd. noch dieses Jahr fällig werden. Und aktuell pendelt der Ölpreis (Brent) zwischen 20 und 25 US-Dollar pro Barrel. Zwei Firmen haben sich schon an die Regierung des Bundesstaates Texas mit der Bitte  gewandt, die Fördermengen in den USA zu regulieren, weil sie ihre geschäftliche Basis schwinden sehen.

Der Preis ist übrigens zusammengebrochen, weil Russland sich geweigert hat, die bestehenden Vereinbarungen zu verlängern. Der Schachzug scheint Teil einer umfassenderen Strategie Moskaus zu sein, seine Ölindustrie auf Kosten der USA zu konsolidieren. Nachdem Moskau sein Engagement in Venezuela neu geordnet hat, um vor künftigen US-Sanktionen sicher zu sein, greift es nun die Fracking-Industrie frontal an. Das hat US-Präsident Donald Trump immerhin veranlasst, in Moskau anzurufen. Ob der "dealmaker" die "Energiedominanz" der USA noch retten kann, ist allerdings ungewiss. MediaWatch empfiehlt eine faszinierende Analyse von M.K. Bhadrakumar. Dafür wird Washington (zumindest für eine ganze Weile) auf einseitige Sanktionen (wie etwa gegen North Stream 2) verzichten müssen.

Mittwoch, 13. Juni 2018

Jetzt ist auf einmal Jakarta schuld

Indonesien hat gedroht, Airbus-Geschäfte platzen zu lassen, wenn die Europäische Union die Einfuhren von Palmöl im großen Stil runterfährt, weil die Biosprit-Subventionen auslaufen. (Das hat zumindest das Europäische Parlament beschlossen.)

Da hyperventilieren die Grünen in Brüssel aber heftigst. Das sei
der unverschämte Versuch, die EU zu erpressen. Es ist zugleich der Versuch, von dem schier unfassbaren Raubbau an der Natur abzulenken, der gerade in Indonesien, dem weltweit größten Palmöl-Exporteur, angerichtet wurde und weiter angerichtet wird. 
Aha. Jetzt ist also auf einmal Jakarta schuld. Unterschlagen wird, dass das erste Gesetz zur Förderung von Biokraftstoffen 2003 von der EU erlassen wurde. Und die Geschichte des Palmölanbaus zeigt deutlich, dass die Anbauflächen genau zu diesem Zeitpunkt (2003) begannen, exponientiell zu wachsen (vgl. Grafik). Genau zu diesem Zeitpunkt explodierten weltweit übrigens auch die Rohstoffpreise, und die Grünen in Brüssel und Berlin waren für Biosprit.

Donnerstag, 8. März 2018

Koloniale Geschäfte

Ein Gericht in Südafrika hat entschieden, dass weder Marokko noch die fördernden Unternehmen Eigentumsrechte auf eine Fracht mit Phosphaten aus der Westsahara geltend machen können. Südafrika hält derzeit einen Massengutfrachter mit 55.000 Tonnen des wertvollen Rohstoffs in Port Elisabeth fest.

Derartige juristische Auseinandersetzungen können auch die deutsche HeidelbergCement AG noch treffen, die ein Werk in dem von Marokko besetzten Gebiet betreibt.Auf Anfragen von WSRW hat der Konzern bisher nicht reagiert.

Und die vielgelobten marokkanischen Bemühungen um den Ausbau von erneuerbaren Energien finden zu einem großen Teil ebenfalls in der Westsahara statt. Siemens ist ganz vorne mit dabei.
Alle drei Meldungen stammen von der Western Sahara Resource Watch (WSRW) Website. Zur Frage der Versorgung mit erneuerbarer Energie erschien zur COP22 auch ein Bericht: "Windige Geschäfte". Im englischen Original hat die Studien den treffenden Titel "Powering the Plunder".

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Völlig am Thema vorbei

Makronom wartet mit einer spannenden Darstellung der bisher von der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) erfassten Schiedsgerichtverfahren zwischen Staaten und Investoren auf: "Schiedsgerichte urteilen nicht mehrheitlich zugunsten nternationaler Konzerne". Wer gerne selber bei der UNCTAD nachgucken will, kann das beim Investment Policy Hub tun.

MediaWatch findet die empirischen Ergebnisse höchst verdienstvoll und auch spannend, meint aber, dass die Argumentation bei Makronom völlig am Thema vorbei geht:
Es kann nicht sein, dass die Allgemeinheit Kosten stemmt, die durch unternehmerische Fehlentscheidungen - wie etwa die von Vattenfall - verursacht wurden. Vattenfall Deutschland wurde 2002 gegründet, ganze 16 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe und zu einem Zeitpunkt, als der Atomausstieg gerade beschlossen war. Da darf es niemanden wundern, dass es noch einen Unfall gibt und eine Politikerin wie Angela-"Ich-finde,-an-einem-solchen-Tag-darf-man-nicht-einfach-sagen:-'Unsere-Kernkraftwerke-sind-sicher.'-Sie-sind-sicher."-Merkel umfällt wie eine Schaufensterpuppe bei Erdbeben. Wer eine unternehmerische Wette auf politische Tatbestände abschließt, muss auch mit Verlusten rechnen. Wer das nicht will, sollte sich ein anderes Geschäftsfeld suchen.

Das schwedische Unternehmen ist jedoch vor allem in den deutschen Markt eingestiegen, um stark subventionierte Braunkohle zu verstromen. Die macht drei Viertel der Vattenfall-Stromerzeugung aus. Da gibt es jetzt schon genug Konflikte. Würde Vattenfall auch gegen einen - klimapolitisch dringendst gebotenen - Kohleausstieg im Rahmen der Energiewende klagen? Und wird das politische Entscheidungsprozesse schon im Vorfeld beeinflussen? Das sind die Fragen, die den unbedarften Beobachter angesichts der ungehemmten Tätigkeit internationaler Schiedsgerichte wirklich beschäftigen.

Montag, 8. Dezember 2014

Fracking schon am Ende?

Ein kluger Artikel der Krautreporter analysiert die Lage der Fracking-Firmen in den USA. Der Text legt den Schluss nahe, dass die derzeit recht niedrigen Ölpreise (~70 US-Dollar/Barrel) nicht nur für die armen Förderländer (Nigeria, Venezuela, Angola etc.) sondern auch für die US-Fracking-Industrie sehr schmerzhaft und existenziell bedrohlich sind. Paul Krugman weist darauf hin, dass die USA trotz des Fracking Booms das OECD-Land mit dem höchsten Anteil an Ölimporten gemessen an der Wirtschaftsleistung geblieben sind. (Derzeit liegt diese Rate bei etwa zwei Prozent.)

Und auch, wenn MediaWatch die Dynamik des Fracking-Booms in den USA unterschätzt hatte, brauchen wir uns mit unserer Analyse dieser Fragen vom Januar 2013 nicht zu verstecken. 

Samstag, 29. November 2014

Grüße aus der Hölle

Eine Ausstellung zum Desaster der Erdölförderung im Nigerdelta - besprochen von Ina Zeuch

Nicht wir leben in der Hölle, sondern die anderen. Aber was wir damit zu tun haben, zeigt eine Freiburger Ausstellung noch bis zum 25. Januar 2015: "Letzte Ölung Nigerdelta" ist der befremdliche Titel im Freiburger Museum Natur und Mensch, die vom Staatlichen Museum für Völkerkunde München ausgerichtet und nun von den Freiburgern übernommen wurde.

Noch befremdlicher ist das Ausstellungsplakat. Im strahlend rotblau-gemusterten Kaftan  steht ein Mann im Mittelgrund des Bildes mit einer ebenso strahlend kobaltblauen Plastikschüssel mit Wasser darin. In einer theatralisch wirkenden Geste wäscht er sich das Gesicht, die Tropfen hängen eingefroren wie kostbare Perlen in der Luft. Hinter ihm eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Landschaft mit Resten von Zivilisation - es könnte die Inszenierung eines zeitgenössischen Theaterstücks über den Weltuntergang sein. "Das Drama der Erdölförderung in zeitgenössischen Fotografien" heißt die Ausstellung im Untertitel und das Foto auf dem Plakat ist von Akintune Akinleye, Mitkurator der Ausstellung. Es ist am Tag nach einer Pipeline-Explosion am 26. Dezember 2006 entstanden, bei dem in einem Vorort von Lagos mindestens 269 Menschen verbrannten. Der Mann hatte beim Löschen des Feuers geholfen und wäscht sich nun den Ruß vom Gesicht.

Mittwoch, 27. August 2014

Verantwortungsvoller Konsum

MediaWatch hat sich schon aus politökonomischer Sicht dafür ausgesprochen, gesellschaftliche Probleme nicht allein den KonsumentInnen aufzubürden, sondern besser ordnungspolitisch zu regeln. Nun zeigen Untersuchungen von Markus Giesler und Ela Veresiu (Uni York), dass der Versuch von KäuferInnen, verantwortungsbewusst zu konsumieren, Unternehmen mehr nützt als der Gesellschaft insgesamt (e!science, Journal of Consumer Research):
When businesses convince politicians to encourage responsible consumption instead of implementing policy changes to solve environmental and social problems, business earns the license to create new markets while all of the pressure to solve the problem at hand falls on the individual consumer. (...)
First, economic elites redefine the nature of the problem from political to one of individual consumption (for example, global warming stems from consumers failing to cultivate a sustainable lifestyle). Next, economic elites promote the idea that the only viable solution is for consumers to change their behavior. Third, new markets are created in order to turn this solution into a material reality
(eco-friendly light bulbs, hybrid automobiles, energy efficient appliances). Finally, consumers must adopt this new ethical self-understanding.

Freitag, 8. August 2014

Keiner will die Kohle (derzeit)

Klimaschützer werden jubeln - aber für Mosambik sind es schlechte Nachrichten: Für nur 50 Mio. US-Dollar hat Rio Tinto, einer der größten Bergbaukonzerne der Welt, seine Anteile an Kohleminen Mosambiks an ein indisches Konsortium verkauft. 2011 hatte der Multi fast die 75-fache Summe, satte 3,7 Milliarden US-Dollar, dafür hingeblättert.

Für diese grandiose Fehlinvestiton werden zwei Faktoren verantwortlich gemacht: Der Kohlepreis ist seitdem um fast zwei Drittel gefallen und der Abbau der Vorkommen hat sich als schwieriger erwiesen, als zunächst vermutet. Der hohe Aschegehalt erschwerte die Verarbeitung der Kohle, und eine Verschiffung über den Sambesi erwies sich als undurchführbar (WSJ). Das indische Konsortium muss sich nicht allzu viele Sorgen wegen des Kohlepreises machen, weil es Verträge mit staatlichen Unternehmen in Indien hat, die Garantiemengen abnehmen.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Weltweit fracken

Nachdem MediaWatch gerade einen "beachtlichen Etappensieg" melden konnte, weil eine britische Firma auf die Exploration von mutmaßlichen Erdölvorkommen im Virunga-Nationalpark verzichtet, ist es nun an der Zeit, wieder eine Menge Wasser in den Wein zu gießen:

In einem neuen Report "Heading South" berichten Friend of the Earth (FoE), wie vorwiegend europäische Energieriesen ihre Aktivitäten zu Förderung von Schiefergas ("fracking") in Ländern des Südens ausweiten. Am Beispiel Argentiniens wird gezeigt, wie dabei die Interessen der Betroffenen auf der Strecke bleiben. Die US Energy Information Administration (EIA) hat schon letztes Jahr eine Untersuchung durchgeführt, um eine Übersicht über die Schiefergasvorkommen außerhalb der Vereinigten Staaten zu bekommen (vgl. auch die Karte unten).


Auch die EU hat sich Anfang 2014 des Themas 'unkonventionelle Energiereserven' angenommen und Empfehlungen veröffentlicht, die unter anderem ausdrücklich die Einbringung von Chemikalien in den Boden vorsehen (Punkt 10). (Vgl. auch die Nachdenkseiten.) Bereits im letzten Jahr hatte FoE einen Bericht veröffentlicht, in dem der Stand der Fracking Aktivitäten und der Widerstand dagegen für eine ganze Reihe von Ländern zusammengefasst worden war: "Shale gas: Uncvonventional and unwanted".

Donnerstag, 12. Juni 2014

Beachtlicher Etappensieg

Zum ersten Mal seit Bestehen der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen hat eine Beschwerde zur Einstellung umweltschädlicher Aktivitäten eines Unternehmens geführt. Der WWF hatte sich beim Nationalen Kontaktpunkt Großbritanniens gegen die Erdöl-Explorationstätigkeit  des britischen Konzerns SOCO im Virunga-Nationalpark in der DR Kongo Beschwerde eingelegt.

Ein darauf hin eingeleitetes Mediationsverfahren hat nicht nur dazu geführt, dass das Projekt aufgegeben wurde. Darüber hinaus hat sich SOCO bereit erklärt, überhaupt nicht mehr an Stätten nach Erdöl zu suchen, die zum Weltkulturerbe erklärt wurden. Im Virunga-Nationalpark leben unter anderem die letzten Berggorillas.

OECD Watch bietet eine komplette Dokumentation des Falls. Der Guardian hat bereits berichtet. Die guten Nachrichten kommen von der niederländischen NGO SOMO. MediaWatch gratuliert den AktivistInnen zu diesem beachtlichen Etappensieg. Aber es ist davon auszugehen, dass Länder künftig seltener versuchen werden, schützenswerte Landschaften mit dem Prädikat 'Weltkulturerbe' zu versehen, wenn in dem Gebiet auch Bodenschätze vermutet werden. Zudem sind nur Firmen in OECD-Ländern gehalten, die Leitsätze zu beachten.


Montag, 20. Januar 2014

Europa entscheidet über Klima- und Energiepolitik


Auch die EU könnte ihre CO2 Emissionen "bei moderaten Kosten" bis 2050 um 40 Prozent reduzieren, hat das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) herausgefunden. Die verschiedenen CO2-armen Energielieferanten böten eine ganze Reihe von Optionen - inklusive Atomstrom. In der Pressemitteilung heißt es dann aber:
Die Modelle optimieren aber in ihren Simulationen die Veränderungen des Stromsektors, und die meisten zeigen dabei eine mögliche Zunahme der Energie aus Biomasse um das Dreifache, und bei Windkraft sogar um das Siebenfache. Dies müsste sich in einem möglichen künftigen EU-Ziel für den Ausbau der erneuerbaren Energien widerspiegeln.
Brot für die Welt, der BUND, Germanwatch, Greenpeace, Misereor und der WWF haben jetzt an die EU appelliert, die "Energiewende für Europa [zu] retten". In einem Positionspapier fordern die Organsiationen:
1. Eine in der EU erbrachte Treibhausgas-Emissionsminderung von mindestens 55 Prozent bis 2030 (gegenüber dem Basisjahr 1990).
2. Einen Anteil von 45 Prozent Erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch bis 2030.
3. Eine Senkung des Endenergieverbrauches um 40 Prozent bis 2030 (gegenüber dem Basisjahr 2005).
Die zu erwartende Klimaerwärmung wird übrigens die Häufigkeit extremen El-Nino-Hitzeereignisse verdoppeln (e!science). Ein Entwicklungsland wie Nicaragua bezieht mittlerweile 51 Prozent seiner elektrischen Energie aus erneuerbaren Quellen (amerika21). In fünf Jahren sollen schon es schon 75 Prozent sein, denn Erdöl ist teuer.