Die Angst, die viele Politikerinnen auf einmal vor dem Druck der Straße haben,
wenn es um eine mögliche Ausstrahlung des Films "
Innocent Muslims" in
Deutschland, erstaunt. Die Begründung, dass ein Verbot erwogen werde, um
die öffentliche Sicherheit nicht zu gefährden, macht diese nervösen Zuckungen erst
richtig gefährlich. Da muss man dem
Tagesspiegel leider Recht geben:
"Je aggressiver sich jene aufführen, die sich durch Wort, Ton, Bild oder
Schrift beleidigt fühlen, desto eher können sie ein Verbot (...) bewirken. Gewalt wird belohnt."
Und
auch darin muss man der Zeitung aus Berlin zustimmen,
dass sich Merkel im Falle der Mohamed-Karikaturen schon als Wächterin der Meinungsfreiheit aufgespielt hat - natürlich erst,
nachdem die Aufregung sich längst gelegt hatte und es nichts mehr kostete, am rechten Rand nach Wählerstimmen zu fischen.
Selbstverständlich hegt MediaWatch auch keinerlei Sympathie für
islamfeindlichen Schmutz a la "Die Unschuld der Muslime". Und der Missbrauch der Meinungsfreiheit durch xenophobe Spinner wie "Pro Deutschland", um eine bedeutende bundesrepublikanische Bevölkerungsgruppe zu provozieren, geht eigentlich gar nicht.
Aber es sollte doch möglich sein, zusammen mit unseren muslimischen
MitbürgerInnen friedlich gegen derartige rechtsradikale Provokationen zu demonstrieren (
vgl. auch Tagesspiegel). Es hat schon mehr als einmal geklappt, Neonazi-Aktionen mit friedlichen Mitteln zu verhindern. Die Zeit macht sich die Mühe,
ein etwaiges Szenario ein wenig genauer zu beschreiben.
Die Meinungsfreiheit ist zu wichtig, um sie Neonazis und verängstigten PolitikerInnen zu opfern. Und auch, wenn die Gefahr diesmal eindeutig von Rechts droht: Es könnte - siehe das
Gezerre um Salman Rushdie - durchaus auch wieder Fälle geben, in denen das Recht auf freie Meinungsäußerung unbedingt auch gegen religiöse Eiferer verteidigt werden muss.