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Mittwoch, 23. März 2016

Chinas Wasserpolitik

MediaWatch hat schon vor Jahren auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die die chinesischen Stauseen am Oberlauf des Mekong den flussabwärts gelegenen Anrainerstaaten (Burma Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam) bereiten dürften. Eine lang anhaltende Dürre in Indochina hat Peking nun veranlasst, mehr Wasser als sonst aus diesen Stauseen abzulassen, um die Schäden zu begrenzen (Nationmultimedia; hat tip Asia Times). Xinhua bietet eine Fotostrecke zu dem Thema.

Der Schritt steht sicherlich auch in Zusammenhang mit einer Konferenz zwischen China und den Mekong-Anrainerstaaten, die jetzt, kurz nach dem wasserpolitischen Schritt Pekings stattfindet. Xinhua meldet:
China will offer concessional loans of 10 billion yuan (1.54 billion U.S. dollars) and credit lines of up to 10 billion U.S. dollars to fund infrastructure and improve connectivity in Cambodia, Laos, Myanmar, Thailand, Vietnam and China (...)
Five billion U.S. dollars in loans will be specifically dedicated to industrial production capacity cooperation between China at the upper reach of the Mekong (known as Lancang in the Chinese stretch) and the five Southeast Asian countries at the lower reaches. (...)
China and Thailand launched an 845-km railway project linking the Thai capital Bangkok with the northeastern city of Nong Khai near Laos, part of a Pan-Asia railway network, in late 2015.
The China-Laos railway from Mohan-Boten to Vientiane will be the first overseas route that connects Laos with the vast railway system in China, using Chinese technology, equipment and investment.

Samstag, 5. April 2014

Und nun: das Wetter

Brasilien wird von einem außergewöhnlichen Dürreereignis getroffen (G-News dt. - alle anderen Links in englischer Sprache). In den Trockengebieten des Landes ist es so schlimm wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Daran, dass den Staudämmen im Zentrum des Landes Wasser zur Stromerzeugung fehlt, ändern auch die Überschwemmungen im Amazonas-Gebiet nichts.

Es ist die vierte Dürre in Brasilien in dichter Folge: Die Redaktion von MediaWatch kann sich an entsprechende Meldungen aus vergangenen Jahren erinnern - der WWF z.B. hat über extreme Trockenheiten in 2005, 2009 und 2010 berichtet.

In Bolivien wütet die schlimmste Trockenheit seit 30 Jahren und - derzeit brennt die Landschaft dort an mindestens 47.000 Stellen.

Auch im Süden Kolumbiens gibt es Probleme mit Wassermangel. Die Gegend ist für die Landwirtschaft wichtig.

In Haiti verdorren die Feldfrüchte ebenfalls. In Honduras wurde wegen der Trockenheit der Notstand ausgerufen.

P.S.: Auch in den USA fällt derzeit viel zu wenig Regen.

Mittwoch, 7. März 2012

Der Fortschritt ist eine Schnecke...

aber es gibt ihn:
Der Economist berichtet, dass die Zahl der Armen 2005 bis 2008 praktisch überall zurückgegangen sei: "For the first time ever, the number of poor people is declining everywhere". China und Afrika werden besonders hervorgehoben. Wichtig: Der Economist macht dies sowohl für die Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag als auch für die 2-Dollar-Grenze geltend. Erfreulich ist, dass das Wirtschaftsmagazin die expansionäre (keynesianische) Finanz- und Wirtschaftspolitik Chinas lobt.

Sonntag, 18. September 2011

Es wird enger am Nil

Ägypten und Äthiopien haben ein technisches Team zusammengestellt, das die Auswirkungen eines  Staudammprojektes prüfen soll. Das meldet Reuters. Das 4,8 Milliarden US-Dollar schwere Bauvorhaben soll am Blauen Nil kurz vor der Grenze zum Sudan verwirklicht werden. Die Kommission soll noch um Experten aus dem Sudan erweitert werden. Die Turbinen und weitere technische Ausrüstung im Wert von 1,8 Mrd. US-Dollar wird von chinesischen Banken finanziert. Die verbleibenden drei Mrd. sind aber doch ein ganz ordentlicher Bocken: Die Weltbank gibt das äthiopische BNE für 2009 (in Kaufkraftparitäten) mit rund 77 Mrd. US-Dollar an.

Dieser Entwicklung war letztes Jahr ein Vertrag zwischen sechs der neun Nil-Anrainerstaaten vorausgegangen, der eine koloniale Regelung außer Kraft setzen soll (Mediawatch berichtete): England hatte 1959 dafür gesorgt, dass eine ehemaligen Kolonien (Ägypten und Sudan) 90 Prozent des Nilwassers nutzen dürfen. Vor allem Ägypten fürchtet nun, dass die Nilpegel künftig  zumindest in trockenen Jahren sinken könnten. Auf der Website "Grand Millennium Dam" wird zwar betont, dass dieses Abkommen von Äthiopien nicht ratifiziert wird, bis eine neue ägyptische Regierung an den Verhandlungen teilnehmen kann. Dennoch ist es höchste Zeit für Gespräche, denn der Bau des Beton-Stauwerkes hat bereits begonnen. In rund drei Jahren soll der erste Strom produziert werden.

Der auch als "Grand Ethiopian Renaissance Dam" bezeichnete Staudamm soll 5250 MW Strom liefern (so viel wie vier, fünf große Kraftwerke oder 5000 große Windräder). Dafür wird der entstehende Stausee ein Volumen von 63 Milliarden Kubikmeter Wasser erreichen und damit einer der größten Afrikas sein. Zum Vergleich: Der gesamte Nilfluss transportiert jährlich etwa 84 Mrd. Kubikmeter Süßwasser in's Mittelmeer.

Und Äthiopien will schon in den nächsten zehn Jahren zwei weitere Dämme bauen. Zusammen genommen sollen dann 20.000 MW Strom erzeugt werden. Weitere Infos gibt es bei auch bei wikipedia (engl.). Das ostafrikanische Land bietet günstige Voraussetzungen für derartige Projekte, weil es nicht nur über relativ viel Wasser verfügt, sondern dieses auch aus großen Höhen durch enge Täler und Schluchten abfließt. Das macht den Staudammbau für die Energiegewinnung interessant.

Donnerstag, 25. August 2011

Für Regen beten

"Schlechtes Wetter verursacht Bürgerkriege", meint Spiegel Online und greift damit eine Diskussion auf, die im angelsächsischen Raum schon länger geführt wird. Das Gefährliche an dieser Denke ist, dass Hungerkatastrophen so zu etwas Unabänderlichen werden. Von da ist es gedanklich nur noch ein Katzensprung, bis man anfängt für Regen zu beten, wie es der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Rick Perry von seinen WählerInnen möchte.

Derartige Überlegungen lassen sich denn auch relativ leicht widerlegen. Bei SPON heißt es zum Beispiel: "Im Sudan brachen in den El-Niño-Jahren 1963, 1976 und 1983 bewaffnete Konflikte zwischen dem Norden und dem Süden des Landes los". Doch wäre daran wirklich die Dürre (El Nino) schuld gewesen, hätte der gesamte Sahel in den 70er und 80 Jahren in Bürgerkriegen versinken müssen. Dass gerade im Sudan Gewalt aufflammte, muss also andere Gründe gehabt haben. (Ganz grundsätzlich sollte überdies klar sein, dass an einem Krieg immer die schuld sind, die zur Waffe greifen und nicht irgendwelche Begleitumstände.)

Andererseits ist es extrem aufwändig, im Einzelfall zu belegen, dass das Wetter nur einer von vielen bedeutenden Faktoren ist, die Kriege und Hunger auslösen. Und doch hat sich jemand im großen Umfang dieser Mühe unterzogen und gezeigt, dass sie nicht von El Nino "gemacht" werden. Sie werden durch Ernteausfälle ausgelöst, verursacht werden sie aber vor allem durch menschliches Handeln.

"Die Geburt der Dritten Welt: Hungerkatastrophen und Massenvernichtung im imperialistischen Zeitalter", heißt das Buch des Soziologen Mike Davis, der detailliert und in Dutzenden von Einzelfällen belegt, dass nicht das Wetter, sondern imperiale Machtgelüste und die Durchsetzung der libertären Marktordnung an den Hungerkatastrophen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts schuld waren. 30 bis 60 Millionen Menschen sind dabei umgekommen. Das 460 Seiten umfassende Werk gehört in jeden ordentlichen Haushalt.

Donnerstag, 20. Januar 2011

Zensur macht Geld

Auf Betreiben des Konzerns Veolia wird jetzt in Frankreich und Deutschland gegen den Film "Water makes money" wegen "Verleumdung" ermittelt. Arte plant (noch) eine Ausstrahlung für den 22.3.2011.

Die ARD ist in vorauseilendem Gehorsam vor dem Konzern schon eingeknickt und hat zugesichert, den Film "Wasser unterm Hammer" über die Privatisierung der Berliner Wasserbetriebe nicht mehr auszustrahlen. "Und das, obwohl der Dokumentation kein einziger inhaltlicher Fehler nachgewiesen werden konnte," wie es auf der Website der Filmmacher heißt. H/t Nachdenkseiten. Ansonsten ist in deutschsprachigen Medien nur noch ein Hinweis bei telepolis zu finden.

Bei watermakesmoney.com hat man sich auf eine juristische Schlacht eingerichtet und alles von Anwälten prüfen lassen. Wohl nicht ganz zu Unrecht befürchtet die Crew: "Dennoch wird sicherlich nicht allein auf juristischem Feld entschieden, ob es Veolia mit seiner Klage gelingt, dass der Film aus den Kinos und von den Bildschirmen verschwindet."
Wer das Anliegen unterstützen möchte, kann helfen, den Film und die dazu gehörigen Infos möglichst zu weit verbreiten.

Dazu passt: "Unsichtbare Politik. Wie Geheimverträge zwischen Staat und Wirtschaft die Demokratie unterwandern" eine Sendung von Deutschlandradio Kultur.

Donnerstag, 4. November 2010

Das Ende des fruchtbaren Halbmonds

Von einer Dürre in Syrien und Teilen des Iraks von "biblischem Ausmaß" spricht die New York Times in einer unlängst erschienenen Analyse.

Zwischen 2002 und 2008 seien die Wasservorräte Syriens auf die Hälfte geschrumpft, die Grundwasserspiegel dramatisch gefallen. Zudem leide das Land schon vier Jahre unter einer Dürre. Mittlerweile seien zwei bis drei Millionen Menschen in die absolute Armut zurückgefallen, Hunderttausende seien beireits geflohen - allein 50.000 Familien in diesem Jahr. Syrien müsse mittlerweile Weizen importieren - eine weitere wirtschaftliche Belastung für ein Land, dessen Ölreserven zu Neige gehen.

Schuld an dem Dilemma seien neben der anhalten Trockenheit auch Wasserverschwendung, fehlerhafte Bewässerungssysteme, illegale Wasserentnahme, Korruption und "Übernutzung".

Doch fehlt dem Text in der NYT auch nicht der Hinweis auf  die türkischen Staudämme am Oberlauf des Euphrat (siehe auch Karte oben) die die Lage sicher noch verschärfen. Von der Türkei erhofft sich die syrische Regierung denn auch Unterstützung. Was noch gerettet werden kann, ist derzeit allerdings nicht abzusehen. Denn es ist keineswegs sicher, dass die Menschen bereit sind, wieder zurückzugehen und noch einmal neu anzufangen.

Donnerstag, 1. April 2010

Staudämme - Abholzung - Klimawandel

Mediawatchblog hatte die Austrocknung des unteren Mekong aufgrund der vielen Staudämme kürzlich schon einmal aufgegriffen. Von den größeren deutschen Zeitungsredaktionen haben (lt. G-News) bisher FR online die Badische Zeitung, die Berliner Morgenpost und aus der Schweiz der NZZ-Blog aus Südostasien das Thema aufgegriffen.

Für die meisten Autoren ist klar, dass die die ökologischen Krisen (Flut in 2008; Dürre in 2010) hauptsächlich durch die chinesischen Staudämme am Oberlauf des etwa 4500 km langen Flusses verursacht werden. Unbestritten ist, dass der Klimawandel zu den Problemen beiträgt. Im NZZ-Südasienblog ist davon die Rede, dass die Temperaturen in der Region derzeit 7 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel liegen.

Der Vollständigkeit halber hier noch der Link zur Mekong River Commission, wo alle wichtigen Vereinbarungen über die Nutzung des Flusssystems aber auch viele ökologische und klimabezogene Publikationen zu finden sind. Auch Abschätzungen zur Folge des verstärkten Staudammbaus sind zu finden.

Für diejenigen LeserInnen, die wissen wollen, wie die Betroffenen vor Ort die Lage wahrnehmen, hat Klaus Schilder, Referent für Entwicklungspolitik bei terre des hommes dankenswerterweise zwei Studien von thailändischen NGOs zur Verfügung gestellt. (terre des hommes unterhält traditionell gute Kontakte in den südostasiatischen Raum.) Aus diesen Studien stammen auch die Bilder in diesem Posting - sie stehen aber leider nicht im Netz zur Verfügung. Aus einer der beiden soll im Folgenden zitiert werden:

Freitag, 15. Januar 2010

Den heiligen Strom sanieren

Delhi will mit Hilfe der Weltbank den Ganges, den größten Fluss Indiens sanieren, berichtet Spiegel Online. Dort gruselt man die LeserInnen mit Leichenteilen, hat jedoch nur einen einzigen Satz fütr Industrieabwässer übrig. Die junge welt bettet die Nachricht in eine gelungene Reportage ein - unterschlägt aber, dass die Weltbank nicht nur drei Mio. US-Dollar für die Vorbereitungen sondern auch eine Mrd. Dollar für die Durchführung des Projekts vorschießt. Aus Delhi kommen weitere 2,2 Mrd. Bis 2020 soll der Fluss wieder sauber sein.
Hier noch der Link zu indischen Umwelt-Aktivisten, die sich für einen sauberen Ganges einsetzen und sogar Untersuchungen zur Wasserqualität durchführen.