Montag, 27. April 2015

Splitter - Theorieausgabe

Finanzen: Schafft ein, zwei, viele Griechenland?! Wie oft Staaten in der Vergangenheit schon pleite gegangen sind, ist in sehr aufschlussreichen wikipedia-Tabellen belegt (1), (2). Bei Katapult hat man eine ganz wunderbare Karte aus den Daten gebaut. Hat tip NDS.
Übrigens zeigt Paul Krugman in nur zwei leicht verständlichen Grafiken, welche wahrhaft titanischen Anstrengungen Griechenland schon vollzogen hat, um den Forderungen der Gläubiger nachzukommen: 20 Prozent des Bruttonationaleinkommens wurden in Sparleistungen gesteckt und die Löhne im Vergleich zum EU-Durchschnitt um 30 Prozent gekürzt.
Und unser Lieblingsökonom weist darauf hin, wie Wachstumsschätzungen ex post mittels Algorhythmen manipuliert werden ("Überhitzung"), um ökonomische Krisen zu "erklären". Das ist wichtig, weil derartige Rechenmethoden automatisch auf scheinbare finanzpolitische Unverantwortlichkeit zu verweisen scheinen!

Geschichte I: Heiner Flassbeck fasst die Entwicklung der wirtschaftspolitischen Diskurse in verschiedenen Schlüsselbereichen zusammen und berichtet auch von seinen Erfahrungen bei der UN Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD). Lesenswert!

Geschichte II: Die Welt legt in ihrer Print-Ausgabe dar, dass Deutschland die atomare Bewaffnung Israels "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" mit etwa zwei Milliarden D-Mark finanziert hat: "Aktion Geschäftsfreund". (Die Kaufkraft entspräche heute knapp 17 Mrd. Euro; allerdings ist die deutsche Wirtschaftskraft im Vergleich viel größer als 1960.) Zuständig war Konrad Adenauer, das Know-how kam offensichtlich aus Frankreich. Das Ganze lief als "Förderung von Entwicklungsländern" und wurde über die KfW abgewickelt. Die Mittelverwendung wurde selbstverständlich nie geprüft.

Freitag, 24. April 2015

"Photographs of Rural India"
- eine Ausstellung von Jyoti Bhatt in Mumbai

Der Fotograf Jyoti Bhatt (2), (3) ist zweifellos ein Meister seines Fachs. Seine Fotos  zum ländlichen Indien der 1970er bis Mitte der 1990er Jahre waren in der Stiftung Tasveer in Mumbai zu sehen, die die Hälfte ihrer Räumlichkeiten der Ausstellung den Fotografien Bhatts widmete und diesen temporären Kunstraum Artisans  nannte.
Jyoti Bhatt: "A woman drawing a manadana design", Rajasthan, 1980
Alle Fotos sind in schwarz-weiß. So hat Jyoti Bhatt unter anderem die kontrastreichen und kunstvollen Kolams fotografiert, Ornamente, die in großen Teilen Indiens mit weißem Pulver auf dem Boden gestreut werden. In Gujarat und Rajasthan, wo Bhatt Zugang zu den Innenhöfen der Häuser und ihrer Bewohner bekam, gab es offensichtlich eine ausgedehnte Kultur dieser Ornamentik auch als Wandmalerei. Diese kunstvolle Ausgestaltung des Alltags und der teils sehr karg wirkenden Behausungen war und ist bis heute den Frauen vorbehalten, und sie sind wahre Künstlerinnen darin.

Mittwoch, 22. April 2015

Menschenleben rettet man nur, indem man Menschenleben rettet

Was ist das für eine schreckliche Denke, die unsere PolitikerInnen angesichts der humanitären Katastrophe im Mittelmeer da an den Tag legen?  DPA meldet:
Nach den jüngsten Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer müssen Schleuserbanden mit harten Konsequenzen rechnen. Die EU-Kommission machte heute deutlich, dass sie vom Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs grünes Licht für Pläne zur gezielten Zerstörung leerer Schleuserschiffe erwartet. In Italien wurden nach dem Unglück vom Wochenende mit vermutlich 800 Toten der Kapitän und ein Besatzungsmitglied festgenommen. Bei einer Verurteilung in Italien müssen sie sich auf lange Haftstrafen einstellen.
"Schleuser" sollen bitte gerne bestraft werden und auch die Halunken, die sich von ihnen anheuern lassen. Ihr Arbeitsgerät zu zerstören, ist auch ok - schließlich werden sichergestellte Drogen auch vernichtet.

Nur muss klar sein: Diese Aktivitäten werden nichts "nützen". Sie werden die Flüchtlinge nicht aufhalten sondern nur die Preise und die Profite für die Passage in die Höhe treiben. Gleichzeitig wird das steigende Risiko wohl zur Verwendung noch armseligerer Boote und noch feigerer "Seeleute" führen - mehr, nicht weniger Tote sind also vorprogrammiert.

Freitag, 17. April 2015

Fundstücke CCVI

Argentinien: So einfach, wie es sich die Presse (hier FAZ) gemacht hat, scheint der Fall des ermordeten argentinischen Staatsanwalts Alberto Nisman doch nicht zu liegen. Amerika21 berichtet von alten und neuen Erkenntnissen, die Nisman in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen und ihn erheblich belasten. Lesenswert.

Libyen: Wer sich wirklich dafür interessiert, welche Interessengruppen sich auf dem Gebiet befehden, das einst Libyen gewesen ist, wird mit diesem Artikel aus der aktuellen Le Monde Diplomatique hervorragend bedient.

Iran: Sehr anschaulich erklärt die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua, wie weit die Positionen im sogenannten "Atomstreit" zwischen Iran und den USA noch auseinander liegen.

Russland: Trotz weiterhin niedriger Ölpreise und einer angeblich schwächelnden Wirtschaft erholt sich der Rubel zusehends.... Die Marktanteile, die die EU in Russland verloren hat, dürften sich dagegen nicht so leicht wiederherstellen lassen. Die Konkurrenz grinst wahrscheinlich.

China will den Mount Everest untertunneln und eine Eisenbahnverbindung nach Nepal bauen. Indien ist entgeistert (Asia Times). Interessant: China hat seine Entwicklungshilfe für Nepal auf 124 Mio. US-Dollar jährlich aufgestockt. Zum Vergleich: Die EU gibt zwischen 2014 und 2020 jährlich rund 51,5 Mio. Euro, Deutschland 2012/2013 insgesamt 37,5 Mio. Wie viel von all den Geldern Kredite sind, kann hier allerdings nicht auf die Schnelle recherchiert werden....
Vielleicht noch wichtiger ist aber ein kürzlich von Peking verabschiedetes Gesetz, nach dem die chinesischen BürgerInnen künftig den Staat verklagen dürfen (Asia Times). Ein Fall, in dem ein Privatunternehmen eine Behörde wegen Monopolmissbrauchs verklagt und Recht bekommen hatte, hat bereits Schlagzeilen gemacht.

Tourismus wird oft als der größte Industriezweig der Welt bezeichnet und trägt nach manchen Schätzungen 9,5 Prozent zum Welt-Sozialprodukt bei. EineR von elf Menschen arbeitet demnach in dem Sektor und 83 Prozent aller Entwicklungs- und Schwellenländer sehen Tourismus als erstrangige Einnahmequelle. Allerdings kommen nur fünf Prozent der touristischen Ausgaben den Gastländern tatsächlich zugute (Guardian).

Die Post-2015-Agenda sollte niemanden auslassen - vor allem nicht die Reichen. Deshalb haben acht deutsche und internationale Nichtregierungsorganisationen jetzt "Ziele für die Reichen" ("Goals for the Rich", PDF) vorgelegt, die ihrer Meinung nach in den neuen Entwicklungszielen berücksichtigt werden sollten.

Entwicklungszusammenarbeit: Die Hilfe fließt unvermindert weiter, aber die ärmsten Länder kriegen weniger (epo).

"Deutsche Waffen und deutsches Geld morden mit in aller Welt", hat die Friedensbewegung früher skandiert. Heutzutage können wir dabei sogar fast schon zugucken (German Foreign Policy).

Ina Zeuch wird in ihrem Blog jetzt eine fünfteilige Serie mit Ausstellungsbesprechungen aus Mumbai veröffentlichen. Teil 1 liegt schon vor.

Deutschland: Urgewald hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unter die Lupe genommen (Entwicklungspolitik Online, Report als PDF).

Montag, 13. April 2015

"I am Shiva. I live in Mumbai"

Laien fotografieren ihre Familien. Eine Ausstellung in Mumbai
Gastbeitrag von Ina Zeuch

Familie ist ein großes Thema in der indischen Gesellschaft, und zur Zeit entsteht gerade die Kleinfamilie in der rasant wachsenden urbanen Mittelklasse Indiens. In der Rampart-Gallery wurden im März 2015 Fotos von Laien gezeigt, die ihre Familie abgelichtet haben. Zwischen Goethe-Institut und der Jehangir Art Gallery kampiert die Rampart Gallery mit nur ein paar Stellwänden auf der Flaniermeile der Dubash Marg. Die Location kann man von der Kala Goda Association anmieten.


Freitag, 10. April 2015

Klüger als Washington

Niemand wird den Krieg im Jemen gewinnen können (International Crisis Group/Al Jazeera). Stattdessen könnte die Instabilität durchaus nach Saudi-Arabien hineinwirken (hat tip Angry Arab, MediaWatch) und aus dem immer schon fragilen Jemen ein weiteres zerstörtes Staatsgebilde hervorgehen.

Aber der Konflikt wirkt weit über die Arabische Halbinsel hinaus - und damit ist nicht das geheimdienstliche und logistische Engagement der US-Amerikaner in diesem Krieg gemeint. Saudi-Arabien versucht nämlich Pakistan in den Krieg hineinzuziehen (DAWN, vgl. auch NZZ und  Angry Arab). Die pakistanische DAWN zweifelt bereits, ob Pakistan noch die Wahl hat, sich gegen eine Teilnahme an der Intervention im Jemen zu entscheiden und verweist auf den erheblichen Einfluss der Saudis in dem südasiatischen Land:

Dienstag, 7. April 2015

Eine "einigermaßen wohlhabende Gesellschaft"

Wie sich die Chinesische Kommunistische Partei die wirtschaftliche Zukunft des Landes vorstellt, wird in dieser Infografik recht anschaulich erläutert: