Mittwoch, 22. Februar 2017

Dkaika – ein Dorf am Ende der Welt

Ein Gastbeitrag von Ina Zeuch
aus dem Hügelland südlich von Hebron (South Hebron Hills).


Dkaika liegt im äußersten Süden des Westjordanlands, ganz am Rande der South Hebron Hills in Area C, die unter vollständiger israelischer Kontrolle steht. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Grüne Linie, die Waffenstillstandsgrenze von 1949, die heute international als Grenze zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten anerkannt wird. Die Trennbarriere wurde hier noch nicht gebaut, an vielen anderen Stellen der Westbank schneidet sie als Mauer oder Zaun tief in palästinensisches Gebiet ein. Und auch die geplante Grenzbefestigung nahe Dkaika würde nicht der Grünen Linie folgen (siehe Karte). Obwohl das Dorf nur ungefähr 30 km von unserer Basis in Yatta entfernt liegt, benötigen wir mit unserem Fahrer mehr als 40 Minuten dorthin, das letzte Stück ist Piste und das allerletzte Stück gehen wir zu Fuß.

Samstag, 11. Februar 2017

America First

Wie schon unter George W. Bush weigert sich auch die republikanische Administration unter Donald Trump, Organisationen der öffentlichen Gesundheit und Bevölkerungspolitik zu unterstützen, die Frauen sichere Abtreibungen anbieten, über das Thema informieren, oder solche Angebote sonstwie unterstützen ("gag rule") (DSW).
Die Niederlande ziehen die richtige Konsequenz und ersetzen den betroffenen Organisationen die Einnahmeausfälle (SPON). So etwas fiele den schwarzen Nullen hierzulande natürlich nicht Mal im Traum ein.

Und wie wird sie sonst so, die Entwicklungspolitik der Trumpministration? Leider haben die Weltsichten eindeutig den falschen Gastautor gewählt, um die LeserInnen darüber zu informieren, was diesbezüglich nun alles anders werden könnte. Die beschriebene "gag rule" wird überhaupt nicht erwähnt, obwohl es im Text heißt:
Trump hat viel Zuspruch auch von der Gruppe der gläubigen Protestanten und Katholiken erhalten. Sie gaben ihm mehr Stimmen als vielen anderen republikanischen Kandidaten vorher – mehr sogar als dem evangelikalen Christen George W. Bush.
In einem Zwischentitel des Berichts heißt es zu allem Überfluss dann auch noch: "(...) Gesundheitsprojekte laufen weiter". Und es wird behauptet:
Trump dürfte außerdem interessiert daran sein, die Ursachen der weltweiten Flüchtlingskrise zu bewältigen(...)

Donnerstag, 9. Februar 2017

Ländersache Nachhaltigkeit

Seit Mitte Oktober hat sich Euer/Ihr ergebenster MediaWatch-Redakteur mit der Frage auseinandergesetzt, was die Bundesländer im Hinblick auf die Neuen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen tun und was sie tun könnten und sollten. Denn in vielen Bereichen verfügen die Länder über Kompetenzen, die für eine nachhaltige (Weiter-)Entwicklung Deutschlands wesentlich sind und machen zudem auch Entwicklungspolitik.

Warum auch die Länder was tun müssen? Nun, das Neuartige der SDGs besteht darin, dass sie universell gültig sind. Sie betonen die Notwendigkeit der Veränderungen vor Ort, verlieren aber gleichzeitig die internationale Verantwortung der reichen Länder nicht aus den Augen, insbesondere bei der Bekämpfung von Armut und Hunger aber auch bei der Beseitigung all der Hindernisse, die eine nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise hierzulande erschweren.

Ein Überblick über die Themen, die die Bundesländer im Kontext der SDGs bearbeiten können oder müssen, zeigt die Bandbreite der Aufgaben:
Klimaschutz und Energiewende, Nachhaltiges Wirtschaften, Schutz natürlicher Ressourcen (Biodiversität, Wald, Wasser, Flächen/Boden, Luft), Umwelt und Gesundheit, Bildung und Wissenschaft, Demografischer Wandel, Sozialer Zusammenhalt und gesellschaftliche Teilhabe, Gute Arbeit – faire Arbeit,  Integration, Nachhaltige Finanzpolitik, Nachhaltige Stadt- und Quartiersentwicklung, Nachhaltige Mobilität, Nachhaltiger Konsum und Lebensstil, Landbewirtschaftung, Gesundheit, Eine-Welt-Politik und die europäische und internationale Dimension, Geschlechtergerechtigkeit, Barrierefreiheit und Inklusion, Nachhaltigkeit in den Kommunen (Lokale Agenda), Bürgerschaftliches Engagement und Teilhabe.

Auftraggeber für diese Untersuchung ist das Global Policy Forum - ja, genau die, die die SDG-Bibel verfasst haben. Wer keine 50 Seiten lesen mag, kann gerne auch auf eine (allerdings nicht von mir geschriebene) Kurzfassung zurückgreifen.

Mittwoch, 8. Februar 2017

Hans Rosling ist gestorben

MediaWatch wird diesen Meister der Visualisierung von globalen Fakten und Trends vermissen.

Sonntag, 22. Januar 2017

Fundstücke CCXXXVIII

Kolumbien hat einen bedeutenden Waffenstillstand geschafft. Bis zu einer friedlichen Gesellschaft ist es aber noch ein weiter Weg (2, 3).

Brasilien: Die Nachdenkseiten warten mit ziemlich ungeheuerlichen Fakten zu Morden an (vorwiegend afroamerkanischen) Brasilianerinnen auf.

Indien: Der Oberste Gerichtshof hat entschieden, dass Parteien bei Wahlkämpfen weder Religion noch Kastenzugehörigkeit instrumentalisieren dürfen (Asia Times). Das ist wichtig, weil bald in fünf indischen Bundesstaaten gewählt wird und die (in Delhi regierende) Bharatiya Janata Partei (BJP) versprochen hatte, einen Rama-Tempel in Ayodhya (im Bundesstaat Uttar Pradesh) zu bauen.

Irak: ..."zentrale Pläne und Qualitätsvorgaben, arbeitsteilige Produktion (...) sowie eine Kontrollinstanz, die den Produktionsprozess überwacht: die Central Organisation for Standardisation and Quality Control"... Dies ist keine Darstellung aus einem Projektantrag für den Wiederaufbau des zerstörten Landes, sondern die Beschreibung der Waffenproduktion von IS/Daesh in Mossul (Telepolis). Herkunftsland der benötigten Rohmaterialien ist - oder war zumindest - die Türkei.

Libyen: Fluchtursachen  in den Herkunftsländern bekämpfen? In Libyen werden nach Erkenntnissen von Monitor stattdessen Flüchtlinge mit Unterstützung von Verbrechern (aka "libysche Küstenwache")  bekämpft. Dazu passt der Hinweis, dass es um die Stabilität in dem nordafrikanischen Land nach wie vor nicht gut bestellt ist (telepolis, NeoPresse).

Mali: Ein guter Bericht von Telepolis, wie sich der Westen - und diesmal vor allem Frankreich - es erneut schafft, sich unbeliebt zu machen, weil die Interessen vor Ort konsequent ignoriert werden.

DR Kongo: Einen Hintergrundbericht über wichtige Vorgänge in Kinshasa bietet die aktuelle Le Monde Diplomatiqe in bekannt hoher Qualität.

Afrika/Energie: Einen umfassenden Überblick über Chancen und Hindernisse für die Elektrifizierung Afrikas hat der Kollege Peter Dörrie für Perspective Daily zusammengestellt und MediaWatch zum Teilen geschenkt. Dazu passt: Solaranlagen werden immer günstiger (Telepolis).

Krieg: Das Bureau of Investigative Journalism widmet einen Schwerpunkt seiner Arbeit der Privatisierung von Kriegsführung. (Auf eine der Stories hatte MediaWatch bereits hingewiesen.) Wenn wichtige neue Erkenntnisse vom TBIJ kommen, werden wir darauf gesondert eingehen.

Nachhaltigkeit. Technischer Fortschritt allein wird nicht ausreichen, um eine Wirtschaftsweise herbeizuführen, die innerhalb der planetarischen Grenzen nachhaltig ist (Science Daily). Zu diesem Schluss kommen WissenschaftlerInnen des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und belegen dies am Beispiel des industriellen Sektors mit dem größten technologischen Fortschritt, der Herstellung von Mikroprozessoren. Der Siliziumverbrauch der Menschheit hat sich nämich trotz des rasanten Fortschrtts auf dem Gebiet in den letzten vierzig Jahren vervielfacht (+345%).

Deutschland: Die Bundesregierung hat mit Beginn des neuen Jahres "eine umfassende Straffreistellung von Regierenden und Soldaten" umgesetzt, "die einen Angriffskrieg auslösen oder sich daran beteiligen". Darauf weist Telepolis in einem wichtigen Beitrag hin.
Dazu passt: Was bedeutet es, wenn sich die Deutschen ein stärkeres internationales Engagement ihrer Regierung wünschen (SZ)? Dass weiterhin eine deutliche Mehrheit gegen Kampfeinsätze ist (NDS), die Menschen aber vor allem keine pauschalen Urteile fällen (Zeit).

Montag, 9. Januar 2017

Israel 2016 und nun?


Israel - eine Bilanz 2016 (Angry Arab) : 
"Israel killed 134 Palestinians, including 35 children. Most were shot at checkpoints--the numbers of checkpoints increased to more than 472 in the West Bank. There were licenses to 37.335 settlement "units". Settlement construction increased by 57 % last year. As for land theft, Israel confiscated more than 12.326 dunes of Palestinian lands in West Bank and Gaza (not counting Palestinian lands of 1948). Israeli occupation destroyed 1023 homes and installation in the West Bank and Jerusalem. Israeli also uprooted more than 6500 olive trees in Jerusalem and West Bank".
Beim immer sehr lesenswerten +972mag kann man sich mittlerweile vorstellen, dass die Annektion zumindest von Teilen der Westbank in nicht mehr allzu ferner Zukunft liegt.
P.S.: +972 ist die internationale Vorwahl für Israel und meist auch für die Palästinensischen Gebiete obwohl deren offizielle Vorwahl +970 lautet. Wikipedia hat Details.

Samstag, 7. Januar 2017

Sind wir die Guten?

Nicht nur die Klage der Herero und Nama auf Entschädigung vor einem US-Gericht sondern auch die deutschen Reaktionen darauf werden auch in Entwicklungsländern sehr genau beobachtet (G-News).

Dazu nur die Anmerkung, dass sich dieses Suchergebnis mit den Erfahrungen deckt, die Euer/Ihr ergebenster MediaWatch-Redakteur unterwegs immer wieder gemacht hat: Man weiß über uns und unsere kleinen und großen Lebenslügen auch im globalen Süden erstaunlich gut Bescheid. Und die Bewunderung für unsere wirtschaftlichen Erfolge geht in aller Regel mit ebenso spürbarer wie kritischer Distanz zu unserem zivilisatorischen Anspruch einher.

Wenn es mir gelang, eine offene Situation zu schaffen, in der meine Bekanntschaften sich - mehr oder weniger - unzensiert zu äußern wagen, wurde solche Kritik manchmal auch benannt. In den letzten Jahren habe ich in Afrika vor allem zu hören bekommen, wie traurig sei, wie wir mit unseren Alten umgehen, weil wir sie einfach in Heime geben. So etwas ist vor allem für AfrikanerInnen (bislang) unvorstellbar.

Es gilt also, was Hagen Rether formuliert hat nicht nur nach innen sondern fast noch mehr nach außen:
Wer Werte verteidigen will, hat sie schon aufgegeben. Man kann Werte nur leben, sodass sie manifest werden und Strahlkraft erlangen.