Donnerstag, 28. Juli 2016

Fundstücke CCXXIX

Israel/Afrika: Kürzlich hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Afrika besucht. Ein Vergleich zwischen den Analysen der ägyptischen Al Ahram und der Deutschen Welle lohnt sich.

Bangladesch: Eine ganz gute Übersicht über Formen und Inhalte des Terrors in dem südasiatischen Land bietet die NYRB. Ab dem achten Absatz kommen die politisch relevanten Informationen.

Indien/Investitionsschutz: Eine schottische Ölfima "nutzt" das britisch-indische Investitionsabkommen dazu, Delhi zur Zahlung von 5,6 Milliarden US-Dollar zu verklagen. Die indische Regierung hatte versucht, eine Steuerhinterziehung des Unternehmens zu unterbinden (Corpwatch).

Indigene/Wälder: Im Guardian rät ein Autor den indischen Behörden, bei der Waldbewirtschaftung dem Beispiel Chinas zu folgen. Dort seien hohe Investitionen (50 Mrd. US-Dollar!) mit kollektivem Besitz und einer progressiven Gesetzgebung kombiniert worden, was den Menschen vor Ort steigende Einkommen beschert habe. Sehr lesenswert.

Gesundheit: Es könnte weltweit 100 Millionen Menschen mehr geben, die an Diabetes des Typs 2 erkrankt sind als bisher angenommen (Science Daily). Die meisten davon leben wohl in Entwicklungs- und Schwellenländern, weil hier die Erhebung entsprechender Daten am wenigsten funktioniert. Für Diabetes Typ 2 werden derzeit weltweit etwa zwölf Prozent der Gesundheitsausgaben aufgewandt - viel Geld, wenn man bedenkt, dass die Erkrankung oft ein Resultat von Fehlernährung bzw. Übergewicht ist und damit vermeidbar wäre.

Desertifikation: Der Oxfam-Blog From Poverty to Power bietet einen interessanten und sehr kritischen Beitrag zu dem Problembereich.

IFIs: Die Weltbank bekommt Paul Romer als neuen Chefökonomen. Den besten Überblick über das bisherige Schaffen des - gelinde gesagt umstrittenen - Ökonomen bietet Norbert Häring als Kurzfassung im Handelsblatt und länger und besser in Makronom.

Zivilgesellschaft: Über Konzernspenden an große angelsächsische NGOs  berichtet der Deutschlandfunk. Die Konsequenz, die KollegInnen (und auch Spendende) ziehen könnten, ist klar: Es gilt, sich mehr an den kleinen Fach-NGOs zu orientieren. In Bezug auf Steuergerechtigkeit könnte dies etwa das Tax Justice Network oder die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) sein, in Bezug auf Ernährungssouveränität zum Beispiel Foodwatch oder FIAN.

Rohstoffe: Es gibt Entwicklungsländer, die durch falsche Rechnungslegung zwei Drittel ihrer Einnahmen aus Rohstoffexporten verlieren. Das geht aus einer Untersuchung der UNCTAD hervor. Hat tip Entwicklungspolitik Online.

Partizipation/NRO: Ein differenzierter Beitrag zu der Frage, wie weit und warum Regierungen die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Gruppen durch ausländische Regierungen und nichtstaatliche Akteure einschränken sollten, findet sich in der FR. Dennoch findet MediaWatch entsprechende Gesetze einer (angeblich) modernen Gesellschaft unwürdig.

Deutsche Außenpolitik wird in der aktuellen Ausgabe von APuZ diskutiert, wobei es maßgeblich auch um deren Militarisierung geht.

Das Letzte zum Schluss: Welches  Land bekommt am meisten Entwicklungshilfe von Deutschland? - Richtig: Deutschland (hat tip Guardian). ONE schrieb Mitte April:
Many countries, including Germany and the Netherlands, are now officially the single biggest recipients of their own aid and five countries spend more than 20% of their aid budgets at home.

Montag, 25. Juli 2016

Die Karten sind neu verteilt


Wer sich ein paar weiter reichende Gedanken über den Putschversuch bei dem NATO-Partner Türkei machen will, sei auf den oben verlinktzen Text von MK Bhadrakumar in der Asia Times verwiesen. Aus den Darlegungen geht auch hervor, warum Washington Fetullah Gülen selbstverständlich nicht ausliefern wird.

Interessante Details über die zu erwartende Entwicklung in Bezug auf Syrien bietet ebenfalls MK Bhadrakumar, ebenfalls in der Asia Times. Der Text schließt an das Resümee über den Putschversuch an.

Wer die diesbezüglichen Vorgänge der nächsten Monate verstehen will, sollte beide Texte unbedingt lesen. Ein Analytiker wie MK Bhadrakumar fehlt in deutscher Sprache leider völlig.
 
Wir sollten uns jedenfalls darauf gefasst machen, in nächster Zeit deutlich mehr über die schlimmen Dinge zu hören, die die Russen in Syrien tun (auch wenn es schon Wochen her und längst nicht mehr aktuell ist) ..... Auch der türkische Präsident wird jetzt wohl endgültig zum Feindbild aufgebaut (2), (3), (4), (5). Spannender dürfte es da schon werden, wie die Spindoktoren die Wiederaufnahme und den Fortgang der Friedensverhandlungen zu Syrien auslegen werden.

Freitag, 22. Juli 2016

Die Lücken schließen sich

Wichtige Lücken in unserem Wissen über die Klimamodellierung werden derzeit geschlossen:

Ein bisher nur theoretisch formulierter Rückkoppelungseffekt des Klimawandels ist nun erstmals durch empirische Untersuchungen von Satellitenbildern bestätigt worden. Die Klimaerwärmung verändernd die Wolkenbildung, was in zusätzlicher Erwärmung der Atmosphäre resultiert.

In einer weiteren groß angelegten Studie konnte die US-Raumfahrtbehörde NASA nun klären, warum die Klimamodelle eine höhere Erwärmung prognostizieren, als sie in den letzten 150 Jahren scheinbar tatsächlich eingetreten ist: Die historischen Messungen sind ungenau und enthalten im Schnitt Fehler von etwa 20 Prozent. (Beide Nachrichten Science Daily.)

Dazu passt: Ein Teil des Rhone-Gletschers wird jetzt mit weißer Plane abgedeckt, damit er langsamer wegschmilzt. (SPON) MediaWatch meint, dass dieses Geld besser für den Klimaschutz verwendet wäre, denn 2100 Jahren soll der ohnehin futsch sein - und mit ihm wohl praktisch alle Gletscher in den Alpen.

Der Rhonegletscher und Furkapass um 1900:

Und eine ähnliche Ansicht (von weiter oben und weiter weg) im Juli 2004:

Donnerstag, 21. Juli 2016

Ideen evaluieren statt Projekte

Wenn es um die Erfolgsbewertung (Evaluierung) von Entwcklungszusammenarbeit (EZ) geht, ist die Frage danach, "was funktioniert" nach Meinung von Chris Blattman meist falsch gestellt. Why “what works?” is the wrong question: Evaluating ideas not programs. Besser wäre es zunächst zu fragen: Funktioniert die Welt tatsächlich so, wie wir annehmen und wie unser Projektdesign das voraussetzt?
What we want is a reasonably accurate model of the world: why people or communities or institutions behave the way they do, and how they will respond to an incentive, or a constraint relieved.
Blattman begründet seine Einsichten mit seinen eigenen Erfahrungen in Liberia, wo es ihm nur unglückliche(?) Umstände ermöglichten, auch die einem Projekt zur Wiedereingliederung von Ex-Kombattanten zugrunde liegenden Annahmen zu testen.

These 1 und 2 wurde bestätigt: Es braucht nicht nur Ausbildung (1) sondern auch Startkapital (2) für ökonomischen Erfolg.
The men who expressed interest in raising vegetables received their seeds and tools. But the men who said they were interested in raising animals waited more than 18 months for their chicks and piglets to arrive. (...) Not surprisingly, the vegetable men had higher farm profits than the men still waiting for their animals to arrive.
Bei These 3 war die Sache komplizierter: Denn Erfolge in dem neuen Leben machen die Wiederaufnahme illegaler Tätigkeiten nicht unbedingt unwahrscheinlicher.
Then something even more tragic and more important happened: a war broke out in neighboring Cote d’Ivoire. Ex-commanders around the country began to hold meetings and recruit. (...)

Dienstag, 19. Juli 2016

Grafik des Tages: Migration

"Die Reichen tun zu wenig", befinden die Baustellen der Globalisierung und verweisen auf eine Studie von Oxfam: "A Poor Welcome from the World’s Wealthy".

Der "Killer-Fakt", der es auch in einige Mainstream-Medien (G-News dt.) geschafft hat, lautet: Die Länder, die zusammen fast die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung auf sich vereinen, nehmen nur neun Prozent aller Flüchtlinge bei sich auf....

Wie das im Detail aussieht, zeigt die unten wiedergegebene Grafik von den Baustellen der Globalisierung, die die Wirtschaftsleistung verschiedener Länder der Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge gegenüberstellt:
Die Konsequenz: Von den 20 Millionen Flüchtlingen, die es in ein anderes Land schaffen (weitere 40 Millionen sind intern Vertriebene), landen die allermeisten in Ländern, die praktisch keine Ressourcen zu ihrer Versorgung bereitstellen können und müssen mit miserablen Lebensumständen zurechtkommen.

Sonntag, 10. Juli 2016

Westliche Hybris im kritischen Gewand

Einiges Rauschen im Blätterwald hat die Veröffentlichung des Chilcot-Berichts zur britischen Verwicklung in den Irak-Krieg 2003-2004 verursacht.Wem die 6.000 Seiten zu viel Material sind, kann in die ordentlich gemachte Zusammenfassung der BBC (mit Foto von George W. Bush und Tony Blair in Siegerpose) gucken.

Ein besonders schönes Beispiel von Spin liefert der Telegraph: "The wrong lesson from the Chilcot report – that it’s a crime to lead". Und die International Business Times schlägt vor: "Meet the Iraqi Kurds who think George Bush and Tony Blair were saviours - not invaders" - als ob das irgendetwas an den völkerrechtlichen Fakten der Invasion ändern würde. Mit einem enttäuschenden dritten Platz auf unserer Spin-Hitliste muss sich allerdings der Beitrag "Nine things that cost the same as the £10m Chilcot report" zufrieden geben.

Dienstag, 5. Juli 2016

Fundstücke CCXXVIII

Puerto Rico: Von der Troika lernen.... Die US-Republikaner zwingen der zu den USA gehörigen, pleite gegangenen Karibikinsel ein neokoloniales "Oversight-Board" auf, dass jeglicher demokratischen Kontrolle entzogen ist (The Nation).

Mexiko: Nachdem elf Menschen im Verlauf einer Demonstration von Lehrern erschossenenworden sind, weiten sch die Proteste im ganzen Land aus. The Nation bemerkt zurecht, dass das Medienecho im Westen ganz anders ausgefallen wäre, wenn die tödlichen Schüsse auf DemonstrantInnen in Venezuela abgefeuert worden wären. Drei Jahre währen die Auseinandersetzungen schon (amerika21).

China/Zensur/Wirtschaft: Das American Enterprise Institute meint, dass die Internetzensur in China (Great Firewall) ein Fall für die die Schiedsgerichte der Welthandelsorganisation WTO ist, weil westliche IT-Konzerne dadurch benachteiligt werden. Hat tip East Asia Forum.

Indien: Makronom diskutiert das derzeit erfreulich zügige Wachstum der indischen Wirtschaft. Neben den gesunkenen Energiekosten machen die Ökonomen eine steigende Arbeitsproduktivität und eine solide Binnennachfrage als Gründe aus. Dennoch: Wenn man an die denkbar miese physische Infrastruktur auf dem Subkontinent in Betracht zieht, ist dieses Ergebnis eigentlich unfassbar und beweist erneut, wie wichtig eine solide Nachfrage für eine funktionierende Wirtschaft ist.
Der Wassermangel in Zentralindien führt zu immer mehr tätlichen Auseinandersetzungen, die auch Menschenleben kosten (Hindustan Times).

Philippinen: Mit der Amtsübernahme von Rodrigo Duterte steigt die Zahl der Menschen, die von der Polizei im Zusammenhang mit Drogenvergehen erschosssen werden um den Faktor vier auf etwa neun Tote wöchentlich (Economist).

Indonesien/Palmöl: Wichtige Palmölproduzenten haben den "Pakt gegen Entwaldung" in dem südostasiatischen Land verlassen (SCMP).

DR Kongo: Während der Handel mit den Konfliktmineralien Tantal und Tungsten mittlerweile ganz gut reguliert ist, wird Gold immer noch massenhaft nach Dubai geschmuggelt. Die Routen gehen über Uganda, Burundi und Ruanda. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen wird dieser Schmuggel allein für 2015 auf mindestens 175 Mio. US-Dollar geschätzt (Enough Project). Hat tip East African.

Afrika/Peacekeeping: IRIN berichtet über die Schwierigkeiten, Blauhelmmissionen in Afrika zu finanzieren. Grade hat die EU die Ausgaben für die ANISOM in Somalia um 20 Prozent gekürzt. 

Krieg "gegen den Terror"2009 bis 2015 sind von den USA außerhalb Afghanistans bisher angeblich höchstens 116 ZivilistInnen durch Drohnen umgebracht worden (G-News dt.). Das Bureau of Investigative Journalism, dass seit Jahren akribisch Buch über die extralegalen Einsätze führt, schätzt dagegen mindestens 380 und bis zu 800 zivile Opfer (vgl. nebenstehende Grafik).

Gesundheit: Auch gegen den natürlichen Wirkstoff Artemesin wird der Malaria-Erreger nach und nach resistent - und das Mittel damit unwirksam (Science Daily). Betroffene Gebiete liegen derzeit vor allem in Südostasien. Artemesin ist preiswert und ein wichtiger Wirkstoff der Standard-Malaria-Behandlung der Weltgesundheitsorganisation.

Kultur/Pakistan: Einen ausführlichen und toll bebilderten Artikel über Volkskunst am LKW bringt Dawn.

Das Letzte: Menschenrechtliche Sorgfaltspflichten fordert auch die grüne Politikerin Renate Künast - für chinesische Textilunternehmen in Italien..... (FR Online)