Montag, 20. Juli 2015

Unregelmäßiges Blogging

Liebe Leserinnen und Leser,

Ihr/Eurer ergebenster MediaWatch-Redakteur wird sich in den nächsten Wochen in Tansania aufhalten. Tiere ("Safari") stehen nicht auf dem Programm und auch keine Besteigung des Kilimanjaro. Dagegen wird Dar es Salaam eines genaueren Blickes gewürdigt, und die Reisen im Land werden vor allem den Großen Seen gelten.

Schaut/schauen Sie aber dennoch hin und wieder rein und lasst Euch/lassen Sie sich überraschen. Es könnte sein, dass plötzlich Fotos erscheinen. Bis das Blogging im üblichen Umfang wieder losgeht, sollte die Abbildung unten - und die MediaWatch Nachrichtenseite - reichen, um Euch und Ihnen einen gangbaren Pfad durch den Nachrichtendschungel zu weisen. Regelmäßige LeserInnen von MediaWatch kennen die Dame unten bereits. Am besten, man/frau spricht den Schwur der sympathischen jungen Frau gleich (noch) einmal nach:
* Ich werde meine Nachrichten prüfen.
* Ich akzeptiere keine Angstmache.

Copyright Armchair Patriots.
Mit herzlichen Grüßen,
Euer/Ihr Uwe Kerkow

Es folgen ein paar Fundstücke, die sich vor der Abreise noch angesammelt haben:

Dienstag, 14. Juli 2015

"Substanzielle Reduzierung illegaler Finanzströme" erst 2030

Die Industrieländer wollen lieber die Deutungshoheit über das sensible Thema Steuern - und deren Vermeidung und Hinterziehung -  behalten. Entsprechend haben sie sich auf der Dritten Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung (Financing for Development, FFD) in Addis Abeba (Äthiopien) positioniert

Nach ihrem Willen soll der Gegenstand künftig in der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) verhandelt werden. EurAktiv hält das Thema sogar für den wichtigsten Aspekt der Konferenz, schreibt dann aber etwas kryptisch:

Freitag, 3. Juli 2015

Unwirtschaftlich und unwirksam

Chris Blattman wendet sich sehr deutlich gegen Ausbildungsprogramme für arbeitssuchende Erwachsene in der Entwicklungszusammenarbeit. Sie seien vor allem sehr teuer (1.000 - 2.000 US-Dollar pro Rezipient) und damit unwirtschaftlich. Von 2002 - 2012 habe allein die Weltbank neun Mrd. US-Dollar (!) für 93 Programme ausgegeben. Diese brächten aber meist gar nix, und das Geld fehle in Sektoren mit wesentlich besserer Wirkung (z. B. für Gesundheitsfürsorge, cash-transfers oder den Bau von Brunnen). "Dear governments and aid agencies: Please stop hurting poor people with your skills training programs".

Möglichen Einwänden begegnet Blattman mit folgendem Gedanken:
I know what some are thinking: skills program just have to be more market-driven, or on-the-job, or linked to firms, or targeted to the right people.
Maybe. And these might pass a cost-benefit test if you can make them cost much less. But I want you to ask yourself: do you want to run programs that are hard to get right, or hard to get wrong?

Montag, 29. Juni 2015

Fundstücke CCIX

Ecuador will eine (nicht besonders hohe) Erbschaftssteuer einführen, die Einnahmen aber direkt umverteilen und nicht der Staatskasse zukommen lassen: "Putting Piketty Into Practice".

Honduras: Fünf deutschsprachige Blätter berichten laut G-News über die Massendemonstrationen gegen die Regierung in Honduras, 250 über eine U20-WM-Niederlage der honduranischen Junioren-Fußballmannschaft.

Mongolei. Die JIB-Collective hat eine interessante und klasse gemachte Reportage über den Uranabbau in dem zentralasiatischen Land abgeliefert. Hat tip Uwe aus Berlin.

Afghanistan: Telepolis führt uns noch ein Mal in aller gebotenen Deutlichkeit vor Augen, was es heißt, weit über 1000 Milliarden US-Dollar für einen (verlorenen) Krieg zu verschleudern. MediaWatch prognostiziert, dass dieser Einsatz trotzdem noch sehr lange dauern wird - auch für deutsche Soldaten. Von den Kosten werden wir bei gegebener Zeit auch wieder sprechen.

Jemen/Saudi-Arabien: Im den deutschen Medien wird die saudische Agression gegen die de-facto-Regierung des Jemen als ein "moderner" Krieg dargestellt, in dem saudische Kampfpiloten Stellungen der "Rebellen" beschießen. Tatsächlich haben die Auseinandersetzugen aber auch schon saudisches Staatsgebiet erreicht (Press TV). Auch an der Grenze zu Saudi-Arabien verzeichnen die "Rebellen" Geländegewinne (Reuters).

Somalia: Telepolis berichtet über die  Ökonomie der Holzkohleproduktion am Horn von Afrika. Auch MediaWatch hatte schon einmal auf das Problem hingewiesen.

Nigeria: Die Weltbank hat nichts unternommen, um die nigerianische Regierung daran zu hindern, KritikerInnen von Weltbankprojekten zu bedrohen und zu verhaften, zitiert der Vanguard Human Rights Watch.

Elfenbeinküste: Jungle World bringt eine gute Reportage über eine Einrichtung für psychisch Kranke: "Die Kettenmenschen von Bouaké".

Mali: Eine kritische Sichtweise auf das gerade geschlossene Friedensabkommen zwischen der Regierung und den ethnisch organisierten Gruppen im Norden Malis bietet Jungle World. Präziser - aber aus ähnlichen Gründen pessimistisch gestimmt - ist die Analyse von Africa Confidential.

Finnland: Die neue Mitte-Rechts-Regierung (unter Beteiligung der Rechtsausleger "Wahre Finnen")  kürzt die Mittel für die Entwicklungzusammenarbeit um satte 43 Prozent (EurAktiv). Es geht um etwa 375 Mio. Euro. Bisher hatte der entsprechende Etat zwar auch schon unter dem 0,7-Prozent-Ziel gelegen aber mit mit etwa 0,55 Prozent des BNE noch deutlich über den mageren 0,38 Prozent, die die Bundesrepublik derzeit gibt (respektive verleiht).

Deutschland: Mit Unternehmen zu reden, ist Silber, Kampagnen gegen sie zu starten, ist Gold? Das SÜDWIND Institut hat eine Studie (PDF) zu Unternehmensdialogen deutscher Nichtregierungsorganisationen herausgegeben. Was sind Erfolgsfaktoren für "Stakeholder-Dialoge" und wie können Erfolge gemessen werden? Was kann dazu führen, dass Gespräche vorzeitig abgebrochen werden? Welche Grenzen haben Unternehmensgespräche und welche Möglichkeiten bieten sie?

Donnerstag, 18. Juni 2015

Wenn Schönheit weh tut

Das Zentrum für politische Schönheit greift eine Tradition auf, die schon in Liberia Ausdruck des Volkszorns war: In Monrovia hatten die Menschen Leichen von verstümmelten Opfern des Krieges aus Protest vor den Toren der US-amerikanischen Botschaft abgelegt.
Nun will das ZPS aus dem Mittelmeer geborgene Leichen von Migrantinnen vor dem Bundeskanzleramt bestatten. Am Sonntag soll es losgehen.
MediaWatch zeigt den Film des ZPS zum Thema, weil wir die Bemühungen unterstützen wollen, die in den Massenmedien fehlenden Bilder des vieltausendfachen Leids zu ersetzen:


"Wir müssen die Toten sehen"

Montag, 15. Juni 2015

Resterampe?

"Millionen Touristen kommen jetzt nach Kuba. Es ist die letzte Chance, die Museumsinsel der Castros noch zu erleben. Besuch im schönsten Flagshipstore des Kommunismus."
Es ist die Süddeutsche Zeitung, die Kuba hier als sozialistischen Themenpark verramschen will und für derlei groben Unfug sogar Geld von den Internet-NutzerInnen möchte. Vergleiche dazu auch die WAZ und Zeit-Online (im Hinblick auf US-BürgerInnen).

Dienstag, 9. Juni 2015

Fundstücke CCVIII

Peru: Eher dürftig ist die deutschsprachige Berichterstattung in Bezug auf die Auseinandersetzung um eine Kupfermine im Süden des Landes. Dabei sind schon mehrere Menschen Opfer von Polizeigewalt geworden und die Provinz Islay hat den Ausnahmezustand verhängt (1, 2, 3, G-News dt.; amerika21).

Brasilien: Erst rund einViertel aller BrasilianerInnen verfügt über eine Krankenversicherung (BrasilNews).

USA/Konflikte: Die Nachdenkseiten weisen auf ein interessantes neues Buch über sämtliche US-amerikanische Auslandseinsätze seit der Gründung des Staates hin: "Die Weltbeherrscher". Schon für das 19. Jahrhundert sind darin 150 (!) Operationen verzeichnet.
Eine spannende Story hat Al Jazeera ausgegraben. Der Sender hakt nach, wer eigentlich auf den US-Militärbasen die Drecksarbeit macht - kochen, putzen, fegen und vielleicht auch mal GIs herumfahren. Die Recherche ergab, dass es meist Arbeiter aus Indien und Nepal sind, die i.d.R. über arabische Firmen an die US-Amerikaner ausgeliehen werden. "America's War Workers".

Israel: Die inzwischen fast zehn Jahre alte BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestment, Sanktionen gegen die israelische Besatzungspolitik) macht mehr und mehr Schlagzeilen - nicht zuletzt, weil sie mittlerweile ernst genommen wird..... (1), (2), (3) Sogar SPON hat berichtet, und einen deutschen Ableger hat die Kampagne auch. Die französische Telekomfirma Orange hat allerdings einen Rückzieher gemacht (G-News dt.).....

Handel/Finanzen: Der Freitag macht sich Sorgen, dass ein transatlantisches Handelsabkommen (TTIP) die Entwicklungsländer besonders hart trifft. Gute Übersicht über das Themenspektrum.
Die Probleme, die die von der EU favorisierten Wirtschafts-Partnerschaftsabkommen für die  Länder der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) bringen dürften, schildert der der nigerianische Vanguard aus Süd-Sicht.
Die Schwellenländer Asiens sind 2014 bei direkten Auslandsinvestitionen (FDI) zum größten Player aufgestiegen (Reuters). Zusammengenommen hat die Ländergruppe 440 Mrd. US-Dollar im Ausland investiert, gefolgt von Nordamerika (nicht USA) mit 390 Mrd. und Europa mit lediglich 286 Mrd. US-Dollar.
Über Sex, Drogen und niedrige Zinssätze denkt Paul Krugman nach. Es ist dies ein wesentlicher, in seiner Bedeutung kaum zu unterschätzender Beitrag zur sprichwörtlichen Blödheit der Finanzmärkte. Unbedingt lesen! 

Drogen: Weltweit rauchen eine Milliarde Menschen Tabak, 250 Millionen trinken zu viel Alkohol (Science Daily).

Hunger: Wenn es im derzeitigen Schneckentempo weiter geht, dauert es mindestens noch bis 2060, bis der Hunger auf der Welt besiegt ist, warnt die Welthungerhilfe anlässlich der Vorstellung des neuen Berichts zur Lage der Welternährung (PDF). Die Organisation sieht vor allem die G7 in der Pflicht. Dazu passend ist grad eine Broschüre des Forum Umwelt und Entwicklung neu erschienen: "Konzernmacht grenzenlos: Die G7 und die weltweite Ernährung" (PDF).

Webtipp/Migration: Über die - meist unangenehmen - Überraschungen, die afrikanische MigrantInnen in Europa erleben, berichten sie auf der von Al Jazeera unterstützten Website "Surprising Europe". Hat tip Ina Zeuch:

Entwicklungszusammenarbeit: Am Beispiel Ebola macht die Tagesschau deutlich, mit welchen - zum Teil auch selbstverschuldeten - strukturellen Problemen die EZ zu kämpfen hat.

Deutschland: In einer Kleinen Anfrage erkundigt sich Die Linke nach „Förderung der privaten Sango Wildlife Conservancy in Simbabwe". Die Parlamentarier meinen, dass hier „in auffälligem Maß insbesondere den deutschen Unternehmer Wilfried Pabst" gefördert werde, der zwei "Privat-Conservancy-Parzellen des 600 Quadratkilometer großen Naturschutzparks ‚Save Valley Conservancy‘ in Simbabwe“ bewirtschaftet. Pabst ist zudem auch im Bergbau aktiv.... In einer Meldung des Zimbabwe Independent hatte Pabst bereits 2014 noch von einer die Unterstützung Deutschlands und der EU für den Aufbau eines - zu rund einem Drittel in ausländischem Privatbesitz befindlichem - Nationalparks versprochen.

Fairtrade und Aldi - eine vielversprechende Kombination, meint Welt Online.