Mittwoch, 17. September 2014

Unendliche Weiten.....

Die NASA versucht, vergessen zu machen, dass schlechte Politik ihre Möglichkeiten stark eingeschränkt hat, Menschen in's All zu befördern.... Nun sollen es Privatfirmen bis 2017 richten - das ist sehr wenig Zeit. Bleibt zu hoffen, dass das neue System zuverlässiger arbeitet als das Space Shuttle, bei dem 14 Tote auf 135 Starts zu beklagen waren.

Mittlerweile ist die indische Marsmission MOM oder auch Mangalyaan (MediaWatch berichtete) klammheimlich am Ziel ankommen und wird dieser Tage in die Umlaufbahn um den Roten Planeten einschwenken. Die Hindustan Times hat alle News. Der unten angehängte Clip zum Thema Mars Orbiter Mission ist recht charmant.

Freitag, 12. September 2014

Mal eben einen Krieg führen

Die Ukraine und ISIS machen es möglich: Der Parlamentsvorbehalt zu Auslandsmilitäreinsätzen wird wohl fallen. Das hat der ehemalige Bundesverteidigungsminister Volker Rühe (CDU) in einem Interview mit dem Deutschlandfunk angekündigt (hat tip Nachdenkseiten).

Auch international fallen jetzt die letzten Schamgrenzen: Noch bei der Bombardierung Libyens hat man im Westen dafür gesorgt, sich eine irgendwie geartete Legitimation durch die UN zu beschaffen. Damit ist jetzt offensichtlich Schluss, wie Gregor Gysi, der Fraktionschef der Linken im Bundestag treffend anmerkt:
Zuständig ist der Sicherheitsrat der Organisation der Vereinten Nationen. Warum wird der nicht angerufen? Warum verabschiedet der keine Resolution? Warum läuft das Ganze nicht auf der Grundlage der Charta der Vereinten Nationen, sondern die USA entscheiden? (...) Das ist so eine Anmaßung, die ich überhaupt nicht akzeptieren kann, und ich frage mich die ganze Zeit, warum das Völkerrecht negiert wird. Ich glaube, das liegt an dem schlechten Verhältnis USA-Russland, und da sieht man, dass sich auch dort etwas verändern muss.
Auch beim Freitag hat man aufgepasst und stellt ganz ähnliche Fragen. Die zu den jetzt in Planung befindlichen Luftangriffen maßgeschneiderte Bodenoffensive soll ausgerechnet von den Saudis organisiert werden und dabei das ungeliebte Assad-Regime gleich mit hinwegfegen (G-News dt.).

MediaWatch erlaubt sich in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass nicht nur Russland sondern auch Syrien vor unilateralen Luftschlägen auf  syrischem Staatsgebiet gewarnt haben. Wir dürfen gespannt sein, ob Damaskus es wagt, seine Flugabwehr gegen US-Kampfbomber oder Drohen einzusetzen. MediaWatch hält die NATO für dämlich genug, in solch einem Fall ganz Syrien in die Steinzeit zurückzubomben - ähnlich wie den Irak - und damit das Machtvakuum in der Region noch auszuweiten.

Mittwoch, 10. September 2014

Fundstücke CXCIV

Die USA haben eine zweite Drohnenbasis im Niger eröffnet (Press-TV, G-News). Außer von der Hauptstadt Niamey werden die unbemannten Flugwaffen nun auch von Agadez aus starten können.

Journalismus, wie er eigentlich sein sollte: "Eine Todesschwadron aus Bangladesch will Überwachungstechnologie von einer Zürcher Firma kaufen. (...) Die Behörden verschärfen aufgrund von Nachforschungen der WOZ die Exportkontrollen."

Indien: Was mit (geringfügig) versalzenem Grundwasser geschehen könnte, um es für Menschen angenehm trinkbar und wohlschmeckend zu machen, diskutiert e!science: "Sun powered desalination".

Während sich Georgien Richtung Westen orientiert, schaut Armenien in die engegengesetzte Richtung meint openDemocracy. Doch auch Eriwan nimmt gerne Hilfe von der EU - 140  bis 170 Mio. Euro in den nächsten drei Jahren.

Ein weiteres der U-Boote, die Deutschland Israel schenkt, wird dieser Tage ausgeliefert (MEM). MediaWatch hat bereits mehrfach über diesen Vorgang berichtet.

IRIN macht sich Sorgen, weil die Weltbank plant, ihre Standards in Bezug auf die Sicherheitsmaßnahmen für Indigene bei ihrer Projektplanung zurückzufahren.

Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut (SIPRI) hat seinen Bericht zu den Trends im internationalen Waffenhandel 2013 herausgegeben (PDF). Und wie immer, wenn es um den Export geht, gehört die Bundesrepublik zu den absoluten Spitzenreitern.

MediaWatch prophezeit, dass der Versuch, Russland aus der G20 auszuschließen, ebenso absurd wie aussichtslos ist. Die Schwellenländer - mit denem die G7 ja schließlich in diesem Gremium zusammenarbeiten wollen - werden dem keinesfalls zustimmen.

Nachdem alle Versuche scheitern, ein Insolvenzverfahren für Staaten einzuführen, will die G77 jetzt für ein faires Entschuldungsverfahren sorgen. Ein entsprechender Antrag liegt den UN vor, berichten die Baustellen der Globalisierung.

Der indische Ökonom und Nobelpreisträger Amartya Sen hält Umweltschutz für dringend geboten,  hat aber wichtige Fragen zu seiner Ökonomie (hat tip FP2P):
Despite the ubiquity and the reach of environmental dangers, a general normative framework for the evaluation of these dangers has yet to emerge.
The second is a much more specific problem: the failure to develop a framework for assessing the comparative costs of different sources of energy (from fossil fuels and nuclear power to solar and renewable energy)....
Wichtige, kaum jemals kommunizierte Fakten zu Sklaverei findet man bei Chris Blatman.

Die Ukraine will die Staatsgrenze zu Russland als eine "Mauer" (Phoenix/Youtube) ausbauen. Saudi Arabien gräbt sich gegen Unvorhergesehenes aus dem Irak und dem Jemen ein (telepolis). Dieser Artikel von Florian Rötzer zu Gated Nations (auch USA, EU, Israel) ist unbedingt lesenswert.

Deutschland: Der VW Konzern hat in den 80er Jahren offensichtlich Lula ausspioniert (G-News) und die Informationen über den damals als Gewerkschaftzer tätigen, späteren Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva an die Militärdiktatur Brasiliens weitergegeben. BrasilNews schreibt:
Insgesamt 19 in- und ausländische Unternehmen hätten laut der Dokumente regelmäßig an Treffen mit Militär- und Polizeieinheiten der Region teilgenommen. (...) Demzufolge tauschten sich Unternehmen und Sicherheitsorgane über die Planung von Streiks durch die Gewerkschaften sowie Entlassungen und Maßnahmen der Verfolgung aus. Volkswagen habe als einziges Unternehmen die Berichte mit Namenslisten schriftlich verfasst und überreicht. Einige der namentlich genannten Aktivisten tauchten später auf so genannten schwarzen Listen der Sicherheitsorgane auf.

Dienstag, 9. September 2014

Hochrangige Unterstützer

Femi Falana, ein bekannter Menschenrechtsanwalt in Nigeria schildert seine Erkenntnisse zur Entstehung von Boko Haram. Am 5. Sept. hat er Goodluck Jonathan, den nigerianischen Präsidenten, aufgefordert, Ermittlungen gegen Modu Ali Sheriff zu veranlassen. Falana hält den ehemaligen Gouverneur des Bundesstaates Bornu für einen der hochrangigen Unterstützer von Boko Haram.

Auch der australische Vermittler zwischen Boko Haram und der Regierung, Stephen Davis, hat gegenüber den Sahara-Reportern seine diesbezüglichen Anschuldigungen gegenüber Sheriff sowie weiteren Amtsträgern und gegen den ehemaligen Armeechef, General Azubuike Ihejirika, bekäftigt. Seine Erkenntnisse habe er aus den Aussagen seiner Verhandlungpartner gewonnen. Sahara Reporter weiter:
Boko Haram runs about six major camps in the northeast and neighboring countries, adding that 700 fighters inhabited each camp. In addition there are a range of smaller camps within Borno State, which are often temporary and to which kidnapped girls are taken to be used by the insurgents. (...)
Boko Haram was a loose coalition of three Islamist militant groups that worked with one another, claiming that, since four months ago, the sects had merged into one single entity, become more cohesive, strategically effective and powerful.
“(...) If these political sponsors think they can turn these groups off after the 2015 elections they are going to be surprised to find it is out of their control.”
Nach sieben Tagen ist die Stadt Bama übrigens von der nigerianischen Armee wieder zurückerobert worden. Doch auch im benachbarten Bundesstaat Adamawa gibt es Probleme (Vanguard).

Montag, 8. September 2014

Ebola: Der Kampf wird dauern

Die Netzfrauen leisten fast immer gute Arbeit und sind eine wichtige kritische Stimme. Doch mit ihrem Blogbeitrag zu Ebola sind sie über das Ziel hinausgeschossen. Zu Recht weisen sie zwar darauf hin, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag, den 2.9.2014 noch keine tausend Ebola Todesfälle registriert hatte. Doch dann kommt ein faustdicker Denkfehler:
Dies sind natürlich 788 Todesfälle zu viel, aber trotzdem sollten wir sie mit den 1,2 Millionen Todesfällen, die jährlich durch Malaria verursacht werden, vergleichen oder aber mit den 2.000 Todesfällen die jährlich in Frankreich durch die saisonbedingte Grippe auftreten.

Samstag, 6. September 2014

Proteste im Regen

Über die anhaltenden Proteste in Pakistan gehen die Meinungen weit auseinander: Hierzulande herrscht die Vorstellung vor, dass ein Militärputsch die Konsequenz sein könnte (1), (2), (3), (4).

Der von MediaWatch favorisierte Beitrag von M.K. Bhadrakumar beschreibt die - teils militant geführten - Auseinandersetzungen dagegen lediglich als Bauchschmerzen einer fortschreitenden Demokratisierung. Die Öffentlichkeit in Pakistan müsse sich daran gewöhnen, dass eine Regierung eine Legislaturperiode durchregieren darf - auch wenn ihr die Popularität abgeht.

Ein Gastautor in der Asia Times glaubt dagegen, dass der pakistanischen Geheimdienst ISI seine Finger im Spiel hat: "The script behind Pakistan's sit-in". MediaWatch hält die Therorie für überzogen, empfiehlt die Lektüre aber wegen der politischen Details über die Parteien- und Medienlandschaft des südasiatischen Landes.

Ansonsten versinkt Pakistan derzeit im Regen. "Is Pakistan ready for a monsoon catastrophe?", fragt DAWN

Donnerstag, 4. September 2014

Bundesrepublikanische Splitter

- und leider keine wirklich erfreulichen Nachrichten dabei:

Um 1,84 Mio. Euro soll der Haushalt des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit im kommenden Haushaltsjahr steigen. Dieser Anstieg um nominal knapp 0,03 Prozent bedeutet - selbst angesichts der niedrigen Inflation von 0,8 in Deutschland - dass der Etat real berechnet  sinken wird. Und dabei ist dies nur der Haushaltsentwurf; da ist durchaus noch Spiel nach unten drin.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat sich aus Ecuador zurückgezogen (2) - begonnen hatte die Zusammenarbeit bereits während der Militädiktatur 1979 (amerika21). Scheinbar will man künftig gegenüber der Regierung in Quito keine Rechenschaft ablegen müssen. Auf der KAS-Website wird keine Begründung dafür angegeben. 

"Heribert Prantl ist ein wesentlicher Grund, die SZ zu lesen", meinen die Nachdenkseiten (ganz zu Recht) und setzten dieses Lob in in Beziehung zu einer Kritik Prantls an der Rede des deutschen Bundespräsidenten am 1. September 2014 (!) in Polen. Und die Deutsche Welle merkt treffend an, dass diese Rede "auch nicht dadurch zu entschuldigen [sei], dass Gaucks Putin-Attacke vielen Polen aus dem tiefsten Herzen gesprochen haben dürfte". Wer sich das Manuskript noch im Wortlaut zu Gemüte führen möchte, kann dies ebenfalls bei der Süddeutschen tun.