Montag, 28. Juli 2014

Elektrisch beleuchtete Barbaren

Statt weit hergeholte Vergleiche zu bemühen, um die Aktualität des genau vor 100 Jahren begonnenen Gemetzels zu belegen, geht MediaWatch den umgekehrten Weg. Es soll ein Zeitzeuge zu Wort kommen, dessen Einlassungen zum Ersten Weltkrieg eine bestürzende Aktualität besitzen. Zudem könnte die Tatsache, dass er seine Schlussfolgerungen marsianischen Aliens in den Mund legt, auch heutige Nerds durchaus zufriedenstellen:
(...)
Eine Stimme von oben:
Zu eurem unendlichen Schädelspalten
haben wir bis zum Endsieg durchgehalten.
Nun aber wißt, in der vorigen Wochen
hat der Mars die Beziehungen abgebrochen.

Freitag, 25. Juli 2014

Fußnote "Protective Edge"

Wie schon 2008/2009 verwendet die Armee Israels auch bei ihrem aktuellen Feldzug "Protective Edge" in Gaza wieder Bomben, die weißen Phosphor enthalten (G-news engl.). Auf Deutsch ist bisher kein Wort darüber zu lesen gewesen. Und davon wird man hierzulande auch dann nichts hören, wenn die gerade vom UN Menschenrechtsrat eingesetzte Untersuchungskommission irgendwann ihren Bericht vorlegt. Das wird auch durch die Tatsache nicht besser, dass Israel und die USA die Vereinbarung nicht unterzeichnet haben, nach der keine Phosphorbomben gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden dürfen (wikipedia). Wer sich traut, kann hier ein Foto der langsam abheilenden Verletzungen eines Opfers von 2009 betrachten.

Wer spenden möchte, dem empfiehlt MediaWatch die Palästina-Aktion von Islamic Relief Deutschland. Auch medico international sammelt Geld für Nothilfe im Gaza-Streifen und hat schon sehr viel Erfahrung vor Ort sammeln müssen.

Donnerstag, 24. Juli 2014

Das Problem mit 'Guter Regierungsführung'

Immer wieder fordern westliche Entwicklungsexperten das Ende von Korruption und Gute Regierungsführung, damit Entwicklung im Süden bessere Chancen bekommt. Chris Blatmann hat zu diesem Thema unlängst ein verdienstvolles Posting veröffentlicht, dass wichtige Fakten zusammenfasst.

Freitag, 18. Juli 2014

Von Serval zu Barkhane

Die Nachricht zu beginnenden Friedensverhandlungen zwischen den Tuareg-Rebellen und der Regierung Malis ist scheinbar völlig an den deutschen KollegInnen vorbeigegangen - gemeldet haben (laut G-News dt.) lediglich die Deutsche Welle, (2), die Welt und die Zeit etwas dazu. Aber erst bei der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua findet man den ausdrücklichen Hinweis, dass der die Verhandlungen vorbereitende Gefangenenaustausch ebenfalls in Algiers, der Hauptstadt Algeriens vorbereitet worden ist.

Donnerstag, 17. Juli 2014

Konkurrenz oder Alternative?

Über die jetzt neu gegründete BRICS-Bank hatte MediaWatch schon im Vorfeld berichtet. Sitz des Instituts ist tatsächlich Shanghai geworden und bei der Einlage von zehn Mrd. US-Dollar pro Land ist es auch geblieben. Zusätzlich wurde aber auch noch ein Währungsfonds gegründet, der 100 Mrd. US-Dollar Startkapital bekommt. Der Vorsitz über die Institutionen soll rotieren, so dass jedes der fünf beteiligten Länder (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) zeitweise die Federführung übernehmen wird.

Zum Vergleich: Die Weltbank verfügt seit April 2010 über ein Kapital von über 275 Mrd. US-Dollar und das Kapital des IWF wurde nach der Finanzkrise im April 2009 auf 500 Mrd. US-Dollar erhöht und soll sogar auf bis zu 750 Mrd. aufgestockt werden. Die Weltbank wird traditionell mit einem/r US-BürgerIn besetzt, und dem IWF steht immer eine französische Fachkraft vor.

Freitag, 11. Juli 2014

Fundstücke CXC

Der Monsun in Indien hatte den schwächsten Start der letzten fünf Jahre und könnte - so dieser Trend anhält - zu einer Dürre im Westen des Subkontinents führen und zur Verteuerung von Lebensmitteln beitragen (Hindustan Times).

Welche Auswirkungen die militärischen Erfolge von ISIS in Südasien zeitigen, wird kenntnisreich in der Asia Times dargelegt.

Einen langen Krieg gegen die Al Shabaab-Milizen aus Somalia befürchtet die Crisis Group. Der East African berichtet über negative Auswirkungen des Konflikts auf die Wirtschaft Kenias.

Es gibt Berichte nach denen die Nationalmannschaft Algeriens ihr gesamtes, bei der WM verdientes Honorar von 9 Mio. US-Dollar an die Palästinenser im Gaza-Streifen spendet. Hat tip Uli.
Dazu passt: Die Entführung und Ermordung von drei israelischen Jugendlichen (G-News dt.), wird den body count im Krieg zwischen Israelis und Palästinensern nicht wesentlich beeinflussen (Middle East Monitor).

Foreign Policy bringt eine bemerkenswerte Reportage über die Westsahara (mit tollen Fotos), die einen wichtigen Hinweis enthält: Kosmos Energy aus Dallas, Texas hat von Marokko eine Lizenz erworben, um vor der Küste des umstrittenen Gebiets nach Öl zu suchen. Hat tip Wronging Rights.

28,5 Mrd. US-Dollar hat die Partnerschaft für Globale Bildung auf ihrer Geberkonferenz Ende Juni in Brüssel eingesammelt. Diese Rekordsumme geht vor allem auf substanzielle Erhöhungen der Bildungsetats von 27 Entwicklungsländern zurück. Die Geber haben von den versprochenen 3,5 erst 2,1 Mrd. Dollar zusammenbekommen (Entwicklungspolitik Online).

Das kommt davon, wenn Ökonomen sich etwas ausdenken, anstatt Fakten zu analysieren. Wer glaubt, unerwünschter Migration mit Entwicklungszusammenarbeit beikommen zu können, sollte sich an den empirischen Resultaten neu orientieren: Die Migrationsquote steigt mit zunehmendem Wohlstand in einem Land mindestens so lange, bis das betreffende Land ein höheres mittleres Einkommen erreicht hat. Hat tip Chris Blatman.

Zwar hat der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen mit klarer Mehrheit beschlossen, eine Arbeitsgruppe einzurichten, die "ein rechtlich bindendes Instrument schaffen soll, um die Aktivitäten von Unternehmen menschenrechtlich zu regulieren" (Entwicklungspolitik Online). Doch Mehrheiten werden von den USA und der EU nur dann be- und geachtet, wenn sie ihren Zwecken dienlich sind. Wie Inter Press Service meldet, haben jetzt beide Blöcke gedroht, nicht mit der Arbeitsgruppe zusammenarbeiten zu wollen.
Dazu passt: Das Global Policy Forum hat eine neue Website zur Einflussnahme von Seiten multinationaler Konzerne auf die Arbeit der UN am Start. Denn auch hier kann sich - wie in Berlin und Brüssel - Lobbyarbeit für die Interessen der Wirtschaft offensichtlich lohnen.

Wronging Rights analysiert den Umgang der Mainstream-Medien mit Fotos und Videos von schwersten Menschenrechtsverletzungen. Das können die von ISIS zu Werbezwecken dokumentierten Verbrechen sein, aber auch Berichte über Vergewaltigungen oder weibliche Genitalverstümmelungen, in denen die Opfer namentlich erwähnt werden. Besonders schwer wiegt die Tatsache, dass die Opfer oft identifizierbar sind. MediaWatch ist ebenfalls der festen Überzeugung, dass der Opferschutz Vorrang vor der Schlagzeile hat.

Bei der Medienakademie der Deutschen Welle ist eine Publikation über die verschiedenen Rankings zur Pressefreiheit erschienen (PDF, leider auf Englisch). Untersucht werden die Indizes von Freedom House, Reporters without Borders, der Friedrich-Ebert-Stiftung und der UNESCO.

Deutschland: Außenminister Frank Walter Steinmeier und der Premierminister von Moldawien, (Moldau), Iurie Leanca, haben ein Abkommen über Entwicklungszusammenarbeit unterzeichnet. Die deutschen Medien berichten über den Besuch von Leanca meist im Zusammenhang mit der neuen Ost-West Konfrontation (G-News dt.). Damit ist abzusehen, dass der Transnistrien-Konflikt die europäische Politik künftig stärker beschäftigen wird.

Donnerstag, 10. Juli 2014

Ein zentraler Aspekt

Wenn die Post-2015 Entwicklungsziele keine Vorgabe in Bezug auf Einkommens- und Besitz-Ungleichheiten beinhalten, wird ihnen ein zentraler Aspekt fehlen, und sie werden unvollständig bleiben (Poverty Matters). Auch die "Acht Kernpunkte für eine Post-2015-Agenda", ein Positionspapier wichtiger deutscher Nichtregierungsorganisationen beinhaltet diese Forderung. Gleich unter Punkt 1, "Überwindung extremer Armut und Bekämpfung der Ungleichheit" heißt es:
Die ansteigende soziale, politische und ökonomische Ungleichheit erschwert den Kampf gegen Armut. Derzeit besitzt ein Prozent der Weltbevölkerung fast die Hälfte des Weltvermögens. Mit der neuen Agenda muss somit auch die Bekämpfung der Ungleichheit und die Verankerung menschenwürdiger Arbeit prioritär verfolgt werden. (...)
Die Bundesregierung wird aufgefordert, dass sie
die Bekämpfung der Ungleichheit, innerhalb und zwischen den Staaten, als zentrales Ziel verankert und die Einführung progressiver Steuersysteme sowie die Erhöhung der Transparenz prioritär verfolgt wird.