Montag, 23. März 2015

It's the economy...

Da wächst argumentativ zusammen, was zusammengehört (Project Syndicate):
Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz erklärt am Beispiel Griechenland noch einmal, warum Austerität Wirtschaftskrisen verstärkt. Im gleichen Beitrag erinnert er an die gescheiterten IWF-Programme in Lateinamerika und Asien und mahnt ein internationales Insolvenzverfahren für Staaten an.
Lesenswert ist der Beitrag auch, weil hier eine Idee von staatlichen Schuldverschreibung angerissen wird, deren Verzinsung an die wirtschaftliche Entwicklung des Schuldnerlandes gekoppelt ist (GDP-linked bonds). Unbedingt lesen!

Dani Rodrick hat seine Hypothese vom "Fluch der vorzeitigen Deindustrialisierung der Entwicklungsländer" (MediaWatch berichtete) mit neuen Untersuchungen untermauert. Wer die Probleme nachholender Entwicklung besser verstehen will, sollte auch diesen Blogeintrag dringendst lesen.

Freitag, 20. März 2015

“Fairer People = Beautiful People = Powerful People“

Eine Ausstellung zum indischen Rassimus von heute

Ein hochinteressantes Porträtprojekt initiierte der Künstler Arpan Mukherjee (CV), Kunstprofessor an der Visva Bharati Universität in Santineketan, das noch bis zum 26. März im Foyer des Navy and Army Building in Mumbai zu sehen ist. Die Ausstellung entstand zusammen mit der Kala Ghoda Association zum FOCUS-Photography Festival. Mukherjee lud junge Inder zwischen 20 und 30 Jahren mit sehr dunkler Hautfarbe ein, sich von ihm in der alten Technik der Porträtfotografie ablichten zu lassen.

Porträtfoto von Arpak Mukherjee

Donnerstag, 19. März 2015

Ideen wie Blähungen

Ein Rauschen und Raunen geht durch den deutschen Blätterwald - gemeint sind extraterritoriale Asyleinrichtungen der Europäischen Union in Nord.- und Westafrika ( 1, 2, 3, 4, alle Links G-News dt.). Karl Kopp, Europareferent bei Pro Asyl meint beim Domradio absolut treffend zu diesem Plan:
Der Ansatz mit den Asylzentren ist eine Nebelkerze. Und es wird diskutiert zu seiner Zeit, in der Europa die Seenotrettung zurückgefahren hat. Da war auch Deutschland maßgeblich beteiligt.

Montag, 16. März 2015

Fundstücke CCIV

Indien will bis Ende des Jahrzehnts 70 Prozent seiner Rüstungsgüter selber herstellen. Zunächst werden also erst ein Mal umgerechnet acht Milliarden US-Dollar für Entwicklung und Bau eines hauseigenen Schlachtschiffs bereitgestellt (DAWN). Bei neuen Kampfflugzeugen wird eng mit Russland zusammengearbeitet (Asia Times).

Arvind Kejriwal, der Wahlgewinner im Stadtbezirk Delhi, will einen partizipativen Haushalt in der Hauptstadt einführen (Hindustan Times).

China: Der Yuan/Renminbi ist unter den fünf wichtigsten Währungen der Welt angekommen (Reuters). Der australische und kanadische Dollar sind damit auf die Plätze verwiesen. 2,17 Prozent aller Zahlungen weltweit werden jetzt in der chinesischen Währung abgewickelt; beim auf Platz 4 liegenden, japanischen Yen sind es 2,69 Prozent. Höhere Umsätze erreichen nur noch das britische Pfund und natürlich Euro und US-Dollar.

Saudi-Arabien: Die "Rechtsprechung" in diesem Land spottet jeglicher Beschreibung. (Und nein, wir reden nicht von dem Blogger und auch nicht von den 38 Todesurteilen, die Riad in 2015 schon vollstreckt hat. Es wäre allerdings interessant zu erfahren, warum die Zahl der Todesurteile in Saudi Arabien derzeit so rapide ansteigt. Wahrscheinlich hat man Angst.)

Burkina Faso: 28 Jahre nach seinem Tod  ist die Leiche des ermordeten Thomas Sankara, dem ehemaligen charismatischen Präsidenten exhumiert worden um etwaige Verbrechen in Zusammenhang mit seinem Tod zu ermitteln. Im deutschen Sprachraum scheint das allerdings kaum jemanden zu interessieren (G-News dt.).

Nigeria: Einen Überblick über ausgewählte aktuelle und teilweise wohl auch wichtige Filme Nollywoods bietet der Vanguard.

Großbritannien: Der Faire Handel auf der Insel muss zum ersten Mal seit 20 Jahren Umsatzeinbußen hinnehmen. Die Umsätze gingen um 3,7 Prozent zurück (Guardian).

Zur Dialektik von Märkten und ihrer (notwendigen) Regulierung gibt es einen wirklich aufschlussreichen Beitrag bei Chris Blattman zu lesen.

Paul Krugman vermutet, dass ein drakonisches Regime für geistiges Eigentum der wahre Grund ist, warum die US-Handelskammer die Transpazifische Partnerschaft (TPP) auf Platz 1 seiner Agenda platziert hat.
You might try to argue that there is a US interest in enhancing IP protection (...), because in many cases it’s US corporations with the property rights. But are they really US firms in any meaningful sense? If pharma gets to charge more for drugs in developing countries, do the benefits flow back to US workers? Probably not so much.
Etwaig noch mögliche Freihandelseffekte hält Krugman dagegen für vernachlässigbar (PDF). Ebenfalls sehr lesenswert ist sein Posting über die Frage warum und in welchem Maße Europa seine Nachfrageschwäche mittels eines schwachen Euros in andere Länder "exportieren" wird.

Ina Zeuch hat nicht nur bei MediaWatch gerade eine tolle Besprechung einer Ausstellung in Mumbai ("Der Gott des Cricket") veröffentlicht, sondern auch in ihrem eigenen Blog Lesenswertes zu bieten: "Reflektionen über Zeit und Geschichte".

Deutschland: Die FR wünscht sich eine Stiftung zur deutschen Kolonialpolitik. Das hält MediaWatch im Prinzip für eine gute Idee.

Die Bundesregierung drückt sich und will das ECOWAS-EPA dem Bundestag nicht zur Ratifizierung vorlegen. Uwe Kekeritz (Grüne) meint, Schwarz-Rot fürchte die erneute Debatte.

Freitag, 13. März 2015

Ratten sind Helden

Landminen räumen ist Stoff für Kriegsfilme, Sport für englische Gentlemen und wird mit schwerem Gerät versucht. Das alles ist teuer und/oder gefährlich. Jetzt stellt sich heraus: Ratten können viel besser Landminen räumen und viel billiger. Ihre Nasen sind so gut, dass offensichtlich noch keine einzige Ratte beim Minensuchen umgekommen ist. Auf die Idee gekommen ist die belgische NGO Apopo, das Video kommt vom Guardian.

Dienstag, 10. März 2015

Wird der starke Dollar zum Problem für Afrika?

Die niedrigen Zinsen in den Entwicklungsgeldern machen Staatsanleihen afrikanischer Länder für Investoren attraktiv. Doch der wiedererstarkte Dollar erinnert an die Probleme, die eine hohe Auslandsverschuldung und eine exportbasierte Entwicklungsstrategie nach sich ziehen: Ghana muss zum vierten Mal in 30 Jahren ein Programm des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen.
Den von Ebola betroffenen Ländern wurden zwar Schulden erlassen, dennoch steigt ihre Verschuldung insgesamt an.


Sollte der Wert des US-Dollar weiter steigen, könnte es einigen afrikanischen Ländern künftig deutlich schwerer fallen, ihre in US-Dollar ausgegebenen Staatsanleihen zu bedienen. Darauf weist das britische Overseas Development Institute (ODI) in einer Studie hin. Judith Tyson, die Autorin der Untersuchung, fühlt sich an die Finanzkrise Asiens in den 1990er Jahren erinnert: Die hohen Zinsen, die afrikanische Staaten für ihre Anleihen zu zahlen bereit sind, seien in Zeiten negativer Realzinsen in vielen Industrieländer ein gefundenes Fressen für die Investoren. Deshalb werde nicht viel nach finanzielle Stabilität und Nachhaltigkeit im subsaharischen Afrika gefragt, sondern unbesehen gekauft.

Samstag, 7. März 2015

Handlangerin der lokalen Eliten

Da wollte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim wohl den Enthüllungen einer international aufgestellten Gruppe von Journalisten zuvorkommen. Jetzt hat er eingeräumt, dass die Weltbank in den letzten Jahren Millionen Menschen unter menschenrechtlich äußerst fragwürdigen Voraussetzungen und Bedingungen  umgesiedelt hat (ARD). Man wolle sich bessern, versprach Kim (Pressemitteilung der Bank).

Die Bank hat einen Aktionsplan zu ihrer Umsiedlungspolitik aufgelegt. Dessen Schwerpunkt sieht allerdings nicht die Vermeidung künftiger Umsiedlungen gegen den Willen der Betroffenen (involuntary resettlement) vor. Statt dessen konzentriert man sich
on improving preparation, supervision and implementation of resettlement, given the disruptive impact it can have on the lives of the people.
In einem Factsheet zu dem Thema liegt der Schwerpunkt (etwa die Hälfte des Textes) denn auch darauf, Verständnis zu erheischen: "Understanding the Context of Involuntary Resettlement". In dem Papier ist keine Rede davon, welche Kriterien den Umsiedlungsaktionen zugrunde liegen und vor allem nicht davon, wie man mit allfälligen Demokratiedefiziten vor Ort umgeht.