Montag, 1. September 2014

Fundstücke CXCIII

In Uganda macht die gerade begonnene Ölförderung gehörig Dreck, und die Behörden haben Schwierigkeiten, damit fertig zu werden (East African). Die Ölvorkommen liegen in einem ökologisch wertvollen Gebiet.

Die Grüne Große Mauer in China würde die Wälder der Erde um etwa 10 Prozent vergrößern, könnte sie 2050 fertig gestellt werden. Das Projekt wurde 1978 begonnen, doch derzeit breiten sich die Wüsten in Ostasien noch schneller aus als der Forst (Economist).

Die Hindustan Times hat ein Special im Angebot "Freedom from Dowry", dass sich auf die Schilderung von Mitgiftmorden konzentriert. Welche Verwerfungen überhöhte Mitgiftzahlungen und die Bevorzugung männlicher Nachkommen in der Gesellschaft Indiens darüber hinaus noch anrichten, kann man bei epo.de in einer Miniserie nachlesen (1), (2).

Wenn Entwicklung giftig ist: Allein in Indien leben 300.000 Menschen von der Asbestindustrie. Weltweit sterben nach Schätzungen der ILO jährlich allein etwa 100.000 ArbeiterInnen, die mit der Herstellung des krebserregenden Materials ihren Lebensunterhalt bestreiten.
Dazu passt ein killer fact der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO): Durch Arbeitsunfälle sterben (weltweit) mehr Menschen als durch Kriege....

Man darf gespannt sein, wie lange es noch dauert, bis sich in deutschen Mainstream-Medien im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Krieg das Wort 'Niederlage' durchsetzt. MediaWatch ist überzeugt, dass das noch dauern wird.

Einen verdienstvollen mit umfänglichen Recherchen unterfütterten Artikel über das stückweise Zerbröseln der EU und US- Sanktionen gegen Russland bietet telepolis. Ob Bundeskanzlerin Angela Merkel aus Einsicht in die Zwecklosigkeit dieses Unterfangens beim Sommerinterview in Bezug auf dei Ukraine zurückgerudert ist (NDS)? Die Querschüsse stellten bereits am 24. August fest (Hervorhebung die Red.):
Die deutschen Exporte von Waren und Gütern nach Russland sind (...) im Juni 2014 um -19,7% zum Vorjahresmonat eingebrochen. In den ersten sechs Monaten 2014 sank der Export nach Russland um -15,5% bzw. um -2,808 Mrd. Euro zum Vorjahreszeitraum, auf noch 15,261 Mrd. Euro und die letzte beschlossene Sanktionsstufe der EU zündete erst Ende Juli, ein weit stärkerer Exporteinbruch ist also noch möglich.
Deutschland: In der CDU/CSU werden Stimmen laut, Dschihadisten die deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen. Das sei "dummes Dahergerede" findet die Süddeutsche. In Großbritannien ist es bereits Praxis, Menschen de facto für vogelfrei zu erklären (TBIJ), und das ist eine erhebliche Menschenrechtsverletzung.

Das Letzte: Früher hieß es "Streitest Du mit Deinem Nachbarn um eine Kuh, verlierst Du Haus und Hof". Heutzutage können Gerichte in Indien mittels moderner Gentests feststellen lassen, wem ein bestimmtes Hornvieh gehört.

Freitag, 29. August 2014

Gerd Müller und ISIS

Das Auswärtige Amt hat sich ganz offiziell in Katar für eine Äußerung von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) entschuldigt (Middle East Monitor). Müller hatte vor einigen Tagen im ZDF angedeutet, dass Katar die ISIS-Leute finanziert (G-News dt.). Sachlich ist der Vorwurf durchaus richtig, und die Erkenntnis, dass Geld für das ISIS-Experiment aus den Golfstaaten (wenn auch nicht unbedingt aus staatlichen Quellen) kommt - oder zumindest kam -, ist keinesfalls neu (1), (2).

Müller hätte sich seinen seinen Hinweis dennoch sparen können, denn mittlerweile wird ISIS solche Gelder kaum noch benötigen:

Donnerstag, 28. August 2014

"Grundlegend verändern"

Die Bedingungen, unter denen Israel den Menschen im Gaza-Streifen erlaubt, wieder zu einer Art von Normalität zurückzukehren, werden im Middle East Monitor näher analysiert. Welche Punkte noch verhandelt werden müssen, kann man bei der NWZ nachlesen. Was die EU zu tun bereit ist, um ihren Forderungen nach einer grundlegenden Veränderung der Situation im Gazastreifen Nachdruck zu verleihen, wird MediaWatch beobachten. Nachrichten.at zitiert die Forderungen der Gemeinschaft wie folgt:
(...) Wiederaufnahme des Friedensprozesses zwischen Israel und den Palästinensern, um zu einer Zweistaatenlösung zu finden. Dafür müssten die Palästinenser (...) von allen Drohungen gegen Israel absehen. Zugleich sollten die Blockade des Gazastreifens aufgehoben und die Lebensbedingungen der Menschen dort verbessert werden, erklärte die EU.
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hat zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder Zugang über den Grenzübergang Rafah (zwischen Ägypten und Gaza) erhalten, meldet Entwicklungspolitik Online. Auch humanitäre Lieferungen aus der Türkei und dem Sudan haben die Ägypter durchgelassen (MEM).

Mittwoch, 27. August 2014

Verantwortungsvoller Konsum

MediaWatch hat sich schon aus politökonomischer Sicht dafür ausgesprochen, gesellschaftliche Probleme nicht allein den KonsumentInnen aufzubürden, sondern besser ordnungspolitisch zu regeln. Nun zeigen Untersuchungen von Markus Giesler und Ela Veresiu (Uni York), dass der Versuch von KäuferInnen, verantwortungsbewusst zu konsumieren, Unternehmen mehr nützt als der Gesellschaft insgesamt (e!science, Journal of Consumer Research):
When businesses convince politicians to encourage responsible consumption instead of implementing policy changes to solve environmental and social problems, business earns the license to create new markets while all of the pressure to solve the problem at hand falls on the individual consumer. (...)
First, economic elites redefine the nature of the problem from political to one of individual consumption (for example, global warming stems from consumers failing to cultivate a sustainable lifestyle). Next, economic elites promote the idea that the only viable solution is for consumers to change their behavior. Third, new markets are created in order to turn this solution into a material reality
(eco-friendly light bulbs, hybrid automobiles, energy efficient appliances). Finally, consumers must adopt this new ethical self-understanding.

Montag, 25. August 2014

Nicht ohne Not opfern

"Die Kurden werden bald ihren eigenen Staat haben", prophezeit Welt Online. Und IP bringt eine Argumentationshilfe "Warum die Energiemacht Kurdistan nicht an den IS fallen darf". Kurdistan sei "noch" stabil meint IP und die Welt sieht in der ethnisch lose verbundenen Volksgruppe einen "verlässlichen Partner des Westens in der Region" und IP sogar einen "guten Hegemon". Wie solche Ideen wohl in Ankara goutiert werden?

MediaWatch möchte die um das Schicksal der Kohlenwasserstoffreserven der Kurden so besorgten Kollegen darauf aufmerksam machen, dass Waffenlieferungen - und vor allem die Lieferungen schwerer Waffen - das mit Abstand sicherste Mittel sind, den Krieg in immer neue Regionen im Nahen und Mittleren Osten zu tragen.

Dienstag, 19. August 2014

Neue deutsche Außenpolitik - fünf Klischees

Scheint's sticht sie wieder der Hafer. Selbst zum 100-jährigen Jubiläum des Ersten Weltkriegs entblödet sich ausgerechnet der Chef des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge nicht, die EU zu mahnen, dass sie sich "bei Konflikten deutlicher zu Wort zu melden" habe. Die Deutsche Welle berichtet:
Im französischen Metz-Chambière fand ein Gedenkakt des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge statt. Verbandspräsident Markus Meckel rief in einer Rede die Europäische Union dazu auf, sich bei Konflikten deutlicher zu Wort zu melden. Noch stärker als bisher müsse es auf das gemeinsame Handeln der EU ankommen, hinter dem nationale Einzelinteressen zurückzustehen hätten. "In der Ukraine, in Syrien und im Nahen Osten sterben Menschen wie hier vor einhundert Jahren", so Meckel. Es sei vollkommen inakzeptabel, wenn Russland die Krim okkupiere und ein ziviles Flugzeug abgeschossen werde. "Wir erleben einen nicht erklärten Krieg in der Ostukraine - und sind wie gelähmt."

Mittwoch, 13. August 2014

3 Mal R2P

1 - Das Theater, dass um die russische Hilfslieferung in die Ukraine gemacht wird, zeigt, wie politisch das Thema ist - und schon immer war. 'Helfen' tun nur 'wir', die Feinde machen Politik. Die Süddeutsche hat erkannt, dass man den Russen einen solchen medialen Erfolg keinesfalls gönnen darf, weshalb der russischen Regierung denn auch Zynismus unterstellt wird: "Wie Putin mit den Opfern spielt".
Der Kreml schickt auf eigene Faust einen Hilfskonvoi zu den belagerten Menschen in der Ostukraine. Wenn Kiew ihn stoppt, zieht das die Wut vieler Menschen auf sich. Und genau das bezweckt Präsident Putin.
2 - Der größere Propagandaerfolg im Bezug auf die Schutzverantwortung (Responsibility to Protect, R2P) ist aber sicherlich bei der Wahrnehmung des ISIS-Kalifats erzielt worden: Während die Lieferung von Waffen und der Abwurf von Hilfsgütern im Irak abgefeiert wird, ist es scheints ganz ok, dass ISIS-Einheiten in Syrien weiter vorrücken, plündern und die EinwohnerInnen massakrieren. Vox hat die taktischen Unterschiede aus US-amerikanischer Sicht analysiert.

3 - Der Body-Count der westlichen Medien im aktuellen Gaza-Krieg ist erfreulich genau. Dass im Laufe von "Protective Edge" bis vorgestern (11. August)  1917 Menschen im Gaza-Streifen getötet worden sind, ist daher allgemein bekannt.
Die Mainstream Medien schlüsseln diese Zahl jedoch aus gutem Grund nicht auf: Denn unter den Opfern sind "mindestens 447 Kinder, 243 Frauen und 79 ältere Menschen" - zusammen genommen über 40 Prozent aller Todesopfer (Gaza Strip NGO Safety Office); hat tip Uli. Und darüber zu berichten, dass auch in Gaza während der Kriegshandlungen geholfen werden muss und geholfen wird, blieb dem fachlich spezialisierten Nachrichtenportal Entwicklungspolitik Online vorbehalten.