Montag, 22. Juli 2019

Ein Traum von Freiheit

Ein Gastbeitrag von Ina Zeuch

Freetown heißt die Hauptstadt von Sierra Leone – ein Name, der Hoffnung und Sehnsucht nach Freiheit verrät, vom Aufbruch befreiter Sklaven kündet, die nach Afrika zurückkehrten in die langersehnte Selbstbestimmung. Aber wie war es wirklich?

Wie immer gibt es davon wenig Selbstzeugnisse - weder von den persönlichen Schicksalen der circa 11 Millionen verschleppten Afrikaner und noch weniger über ihr Leben als befreite Sklaven, das sie durch harte niedere Arbeiten in unterprivilegierter Stellung fristeten.


In seinem Roman "Der Nubier" verfolgt Syl Cheney-Coker die Geschichte des fiktiven Orts Malagueta über knapp 200 Jahre. Cheney-Coker beschreibt das Leben der Rückkehrer, die mit einem selbst finanzierten Schiff von Kanada ins ‚gelobte Land‘ übersetzen und dort siedeln. Der Roman mit dem weit weniger klischeehaften Titel "The Last Harmattan of Alusine Dunbar" erschien 1990 in deutscher Sprache.

Malagueta steht unverkennbar für Freetown, die Hauptstadt Sierra Leones. Coker stammt selbst aus Sierra Leone und so wie der Roman "Roots" des Afro-Amerikaners Alex Haley die Geschichte seiner Vorfahren recherchierte und zum Stoff für seinen Roman machte, so arbeitet Coker die Geschichte der ersten Siedler ehemaliger Sklaven in seinem Land auf.

Mittwoch, 17. Juli 2019

Technologiekrieg

Eine spannende Erklärung für die us-amerikanischen Versuche, dem chinesischen Mobilfunkkonzern Huawei zu schaden, bietet die Asia Times. Es gehe nicht um mögliche Hintertüren, die die Chinesen zu Überwachungszwecken einbauen könnten, sondern vielmehr um Quantenkommunikation, eine Technologie, in der China führe. Diese mache das Abhören entsprechend verschlüsselter Kommunikation technisch unmöglich.
China['s] (...) wants to dominate the construction and future upgrades of the world’s communications infrastructure, linking it to Chinese commercialization (...), Chinese industrial technology (through the Internet of Things), Chinese finance and Chinese logistics. (...)
I continue to believe that the United States cannot effectively restrict the spread of a technology (...) without offering a superior product of its own.
Chinesische Kommentatoren sehen das natürlich ganz ähnlich: "Western countries should learn to adapt to Chinese standards" wird etwa in der Global Times gefordert:
Some Western countries, especially the US, are upset that China may have a bigger say in standards-setting in key technological areas. What they are concerned with are their own interests rather than global technological development. (...)
Shouldn't whoever has the cutting-edge technology have a bigger say in setting the standards for the 5G world
(...)? Trying to obstruct the process is nothing but an attempt to strangle technological progress and common development (...),
heißt es da unter anderem.

Montag, 15. Juli 2019

Menschenrechte? Fehlanzeige.

So sympatisch Carola Rackete, die Kapitänin der Sea-Watch 3 ist - etwas sehr Grundlegendes hat sie (und haben viele andere) nicht verstanden (oder wollen es nicht verstehen): Die Bundesregierung ist nicht "untätig", ganz im Gegenteil. Berlin tut eine Menge dafür, das Migrationsregime so zu gestalten, dass die Lasten die Mittelmeeranrainer treffen nicht aber Deutschland.

Diese Politik wird nicht nur gegenüber Italien und Griechenland durchgesetzt, sondern auch gegenüber nicht-EU-Ländern wie Libyen und der Türkei betrieben. Einen Überblick bietet Pro Asyl.

Bei der Aufregung um Frau Rackete geht es denn wohl auch vor allem darum, den Ruf der rechtsradikalen Fraktion "Populisten" in der italienischen Regierung zu beschädigen, weil sich dem Berlin/Brüsseler Austeritätsdiktat widersetzen. Das zeigt auch die Zuspitzung der Berichterstattung auf die Person von Italiens Innenminister Matteo Salvini. Dröhnend schweigen die deutschen Mainstream-Medien dagegen zu der von einem spanischen Gericht verhängten 901.000-Euro-Strafe (!) wegen Seenotrettung (nur telepolis berichtet).

Menschenrechte? Fehlanzeige.

Migration wird aber systematisch gefördert, wenn Ausbildungskosten gespart und billige doch schon qualifizierte Arbeitskräfte angeworben werden können.

Dienstag, 9. Juli 2019

Keineswegs zufällig

Wie es zum Sturz von Omar Hassan al Bashir gekommen ist, hat Reuters dankenswerterweise en detail aufgearbeitet. Denn die ökonomischen Probleme, die unter anderem zur Erhöhung des Brotpreises im Dezember 2018 führten, entstanden keineswegs zufällig. Der Bericht macht deutlich, welche Kräfte hinter dem - vom Internationalen Strafgerichtshof steckbrieflich gesuchten - Regierungschef standen und dass dieselben Leute ihn fallen ließen. Und nun?

Das Geld fließt wieder und 14.000 sudanesische Söldner kämpfen nach wie vor für die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi Arabien im Jemen. Hat tip Angry Arab.

Man darf gespannt sein, ob der Kompromiss wirklich trägt, der jetzt zwischen Militärrat und Opposition ausgehandelt worden ist.

Dass nicht nur die Scheichs, sondern auch die EU bei der Migrations"kontrolle" auf Hamdan Dagolo, den neuen starken Mann im Sudan setzt, belegt Telepolis.


Samstag, 6. Juli 2019

Bestimmt nicht die einzigen

Der Hautevolee wird es in der Schweiz zu teuer. Das Weltwirtschaftsforum könnte auch woanders tagen als in Davos, meint dessen Gründer. Die Teilnehmer reagierten «sehr empfindlich, wenn sie das Gefühl haben, ausgebeutet zu werden.» Na, da sind sie bestimmt nicht die einzigen.

MediaWatch schlägt alternativ zu Davos Damaskus, Duala, Donetz, Dhaka oder Dodoma vor. "Mindestens 2800 Hotelzimmer zu akzeptablen Preisen und genügend Unterkünfte für Mitarbeiter" (wieso, schlafen die nicht in Hotels?) sollten sich doch wirklich fast überall finden lassen.

Mittwoch, 3. Juli 2019

Fundstücke CCLXXII


Sudan: Al Jazeera bringt ein interessantes Meinungsstück über die neuen Militärherrscher im Sudan. Beim Lesen muss allerdings beachtet werden, dass der Sender in Katar sitzt, welches seit zwei Jahren mit Saudi-Arabien im Clinch liegt. Die in dem Artikel heftig und zu Recht kritisierten "Rapid Support Forces" werden aber eben (u.a.) von Saudi 0Arabien unterstützt.

Türkei: Weil es sonst niemand sagt, muss es hier gesagt werden. Die Wahlen für das Amt des Bürgermeisters von Istanbul am 23. Juni waren frei, fair und wiesen eine Wahlbeteiligung von 84,43 Prozent auf. Von einer solchen politischen Legitimität können KommunalpolitikerInnen hierzulande nur träumen. Und ob das Wahlergebnis wirklich den Anfang vom politischen Ende des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan markiert, ist noch lange nicht ausgemacht. Der Wahlvorgang wird jedenfalls das Vertrauen der TürkInnen in ihren Präsidenten und das politische System ihres Heimatlandes stärken. Und die nächsten Präsidentschaftswahlen sind erst für 2023 anberaumt. P.S.: Die Zahl der  KurdInnen, die in Istanbul wahlberechtigt sind, wird auf mindestens 2,25 Millionen geschätzt.

Deal des Jahrhunderts: Die Auftaktkonferenz zum "Deal des Jahrhunderts" ausgerechnet in Bahrain stattfinden zu lassen, wo vor nicht einmal 10 Jahren eine Erhebung der Menschen gegen ihr Regime von Saudi Arabien blutig niedergeschlagen worden ist, hat ein Gschmäckle. Selbst Jahred Kushner, obwohl seinerzeit noch 30 Jahre jung, sollte etwas von den damaligen Vorgängen mitgekriegt haben. Am besten überschreibt Telepolis das Treffen, auf dem es offensichtlich keine konkreten Zusagen gegeben hat als "Irgendwas mit Wirtschaft". Die Crisis Group erklärt, worum es eigentllich ging und  kritisiert den "workshop" noch im gleichen Satz als gescheitert:
If President Donald Trump’s peace team thought they could advance Arab-Israeli rapprochement over the heads of Palestinians through the Bahrain Prosperity to Peace workshop, they were wrong.
Dazu passt der Hinweis auf den gerade erschienenen Humanitären Schnappschuss vom UN-Menschenrechtsbüro UNOCHA, der einen Rückblick auf den April und Mai 2019 in Gaza bietet. MediaWatch begnügt sich an dieser Stelle mit einer Grafik und empfiehlt allen interessierten LeserInnen, die Details bei den Vereinten Nationen nachzuvollziehen.

Handelskrieg: Einen spannenden Artikel über die chinesischen Reaktionen auf die US-Zollerhöhungen bietet das Peterson Institute for International Economics. Dass Peking in dem Konflikt jetzt mit Zollsenkungen gegenüber Drittländern arbeitet, macht die Sache besonders interessant. Das ist kein neues, aber ein probates Mittel, um einen Gegner im Handelskrieg zu treffen, ohne die eigenen KonsumentInnen allzusehr zur Kasse bitten zu müssen.

Ernährungssicherung: Die Welthungerhilfe hat zusammen mit dem Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn und dem WWF Deutschland einen Standard für Ernährungssicherheit (Food Security Standard, FSS) entwickelt. Damit können Unternehmen prüfen, ob für die von ihnen beschäftigten LandarbeiterInnen und Bauern das Menschenrecht auf Nahrung gewährleistet ist. Für die welt-sichten hat Ihr/Euer ergebenster MediaWatch-Redakteur mit Rafaël Schneider, der dieses interessante Projekt verantwortet, ein Interview geführt.
Umfassende Informationen gibt es - in englischer Sprache - bei der Welthungerhilfe.

Globalisierung: Man kann derlei Fakten gar nicht oft genug recherchieren, aufschreiben und nachlesen:
"Between 1989 and 2018, the top one percent increased its total net worth by $21 trillion. The bottom 50 percent actually saw its net worth decrease by $900 billion over the same period."
Common Dreams, hat tip NDS. (Eine angelsächsische billion ist eine deutsche Milliarde; eine trillion sind 1000 Milliarden.)

Whistleblowing: Der Standard aus Wien hat einen "Anonymen Briefkasten" gestartet, in dem man brisante Mitteilungen und Dokumente angeblich ohne Preisgabe der eigenen Identität deponieren kann. MediaWatch fehlen die Fachkenntnisse, um die Sicherheit der Einrichtung zu beurteilen. Außerdem gibt es natürlich keine Garantie für die politische Zuverlässigkeit der Redaktion. Aber die Idee hat etwas und ist sicher nachahmenswert - vielleicht auch für NGOs, die politisch und wirtschaftlich brisante Themen behandeln.

Dienstag, 25. Juni 2019

Wahrscheinlich gehen die Kriegsvorbereitungen jetzt erst los

Und wieder scheint es so zu sein, dass die US-Amerikaner versuchen, die Weltöffentlichkeit an der Nase herumzuführen. Denn schon am 20. Juni zeigten die Iranischen Revolutionsgarden (nur vermeintliche?) Bruchstücke des von ihnen abgeschossenen, unbemannten Fliegers US RQ 4 Global Hawk (Press TV, 2). Eine so fixe Bergung wäre aber sicher kaum möglich, wenn das Wrack nicht in Nähe der iranischen Küste läge und die iranische Aufklärung die Position der Abschussstelle nicht ziemlich genau kennen würde. In internationalen Gewässern hätte die US-Marine die Iraner auch sicher an einer Bergung zu hindern versucht. Wozu ist man schließlich vor Ort.

(Weitere Fotos gibts hier: 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9)