Donnerstag, 24. April 2014

Nachholende Entwicklung in den Zeiten der Globalisierung

Dani Rodrik hat weiter am Problem der nachholenden Entwicklung in den Zeiten der Globalisierung gearbeitet (MediaWatch berichtete). Er bietet eine interessante Erklärung für das Phänomen, warum die Niveaus von Einkommen und Industrialisierung in Entwicklungsländern auf den niedrigeren Niveaus verharren als angenommen. Rodrik macht folgende Bierdeckelrechnung auf:
Divide the world into two countries, one poor and the other rich. Let the rich country have a per-capita income level that is 10 times higher. Suppose that consumers in the poor country spend 20 percent of their income on manufactured goods, while the corresponding ratio in the rich country is 10 percent. So in the rich country, the demand shift away from manufactures has already gone quite some way. (...)
Now in autarky the poor country has to produce all the manufactures that the home consumers want. This means manufactures output amounts to 20 percent of poor country income. 

Consider what happens when this country integrates with the rich country, and there is a single world market for manufactures. Suppose that the poor country holds 70% of the world’s population. And to rule out trade imbalances, suppose each country supplies a share of the world demand for manufactures that is equal to its share of global income.
It can be checked that this requires the share of manufacturing output in the poor country to fall to 11.9 percent – far below the 20 percent it could sustain in autarky. The rich country can sustain an identical level of industry (11.9 percent), up somewhat from its 10 percent.

Mittwoch, 16. April 2014

Ärgerlich bis wolkig

Die Deutsche Entwicklungsgesellschaft (DEG) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) fördern mit zusammen genommen mindestens 35 Mio. Euro "Entwicklungshilfe"-Krediten Agro-Business (z.B. Zambeef) in Sambia. Das meldet Entwicklungspolitik Online unter Berufung auf eine entsprechende Studie von FIAN. Auch private Investoren aus Deutschland spielen in Sambia offenbar eine bedeutende Rolle. Die DEG nennt ihren Kredit übrigens die "Produktion von Grundnahrungsmitteln" fördern.

Im  BMZ gibt es mal wieder Ärger um die Posten. Gerd Müller befördert offenbar beschleunigt Leute mit CDU/CSU Parteibuch. Zudem soll ein Vertreter der protestantischen Kirchen ausgerechnet künftig das Referat leiten, das die Zusammenarbeit zwischen den Kirchen und dem BMZ regelt. Der Stern hat einen längeren Bericht.

Die Deutsche Bank hat sich mit VertreterInnen verschiedener Entwicklungsorganisationen getroffen - darunter Foodwatch, Misereor, Oxfam und Welthungerhilfe. Die Deutsche Welle meldet, dass das Treffen ergebnislos verlaufen sei. Über die Begenung berichten eine ganze Menge Medien (G-News dt.).

Dienstag, 15. April 2014

Reformverschleppung

Der US-Kongress verschleppt die 2010 beschlossene Reform des IWF. Damals war entschieden worden, die Einlagen des Fonds auf rund 737 Mrd. US-Dollar (derzeitiger Wechselkurs) zu verdoppeln und die Stimmrechtsanteile einiger Schwellenländer - insbesondere der BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) gleichzeitig auszuweiten.

Im Einzelnen sind folgende Maßnahmen vorgesehen (IWF Factsheet):
- shift more than 6 percent of quota shares from over-represented to under-represented member countries,
- shift more than 6 percent of quota shares to dynamic emerging market and developing countries,
- significantly realign quota shares. China will become the 3rd largest member country in the IMF, and there will be (...) Brazil, China, India, and Russia among the 10 largest shareholders in the Fund,
- preserve the quota and voting share of the poorest member countries.
Die Verzögerungen durch den US-Kongress sind umso ärgerlicher, als die USA bei allen IWF-Entscheidungen de facto über ein Veto verfügen. Deshalb haben die Finanzminster bei ihrem G20-Treffen die USA jetzt ultimativ aufgefordert, die Reform bis Endes des Jahres zu beschließen (Reuters). Sonst werde man Wege suchen müssen, wie der Fonds auch ohne das Plazet der Amerikaner weiterarbeiten könne (NZZ).

Christine Lagarde, die IWF Chefin sprach von einem "Plan B", der beschritten werden müsse, wenn die USA nicht einlenken (Washington Times). Sehr enttäuscht zeigten sich die Schwellenländer. Brasilien hatte sich ohnehin gewünscht, nicht mehr auf die us-amerikanischen Beschlüsse zu warten. Auch der indische Finanzminister hatte gewarnt, dass nicht mehr viel Zeit sei (Hindustan Times). Die Saudis zeigen sich ebenfalls vergrätzt (Asharq Al-Awsat), und die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua wird deutlich wie selten:
(...) the reform has become a bargaining chip for the Republicans and Democrats in a political game
(...) the reform package, which is key to promote democracy in global economic governance, is hijacked by U.S. domestic partisan maneuver. It is the emerging economies that will pay the price of U.S. domestic politics. (...)
Emerging economies should not tolerate the U.S. abuse of its veto (...)

Sonntag, 13. April 2014

Wie kann man feststellen, ob eine Quelle "seriös" ist?

Liebe LeserInnen,

das Widget "WIR UND DIE ANDEREN" (siehe rechte Spalte) wurde erweitert und umgestellt. Die Servicelemente wurden prominenter platziert: Der Text zu den Empfehlungen für den Umgang mit Nachrichten wurde aus dem Text zum Selbstverständnis von MediaWatch herausgelöst und als eigene Seite online gestellt. Neu sind einige Tipps zu der Frage, wie man feststellen kann, ob eine Quelle "seriös" ist.

Der (regelmäßig aktualisierte) Lebenslauf (mit englischsprachigem Pendant) bleibt ebenso erhalten, wie die Rubriken "in eigener Sache" und "Gastbeiträge". Auch die Arbeiten von Mor Faye "Murf" werden weiterhin diesen Blog zieren.

Herzlich,
Ihr / Euer ergebenster
MediaWatch-Redakteur

Mittwoch, 9. April 2014

Fundstücke CLXXXV

Eine Untersuchung der von Baby Doc, Ex-Diktator von Haiti, verantworteten Verbrechen scheint tatsächlich möglich (Wronging Rights). Eine Berufungsinstanz in Port au Prince hat den Weg dafür freigemacht. Jean Claude Duvalier wird die Folterung und Ermordung von Tausenden sowie die Veruntreuung von Hunderten Millionen US-Dollar zur Last gelegt.

Mini TTIP: Die EU verhandelt jetzt auch ein Investitionsschutzabkommen mit Myanmar. Hat tip Forum Umwelt und Entwicklung.

100 Jahre Kino in Indien: Der sehr sehenswerte Film zum letztjährigen Jubiläum heißt Bombay Talkies und Ina Zeuch hat eine interessante Besprechung geschrieben.

Für ein Linsengericht (spendiert von Saudi Arabien) verkauft Pakistan seine energiepolitischen Interessen - zumindest auf absehbare Zeit (Asia Times). Washington wird's freuen. Darüber hinaus lässt sich die jüngste Entente Riad-Islamabad auch als (versuchter) Befreiungsschlag der saudischen Diplomatie deuten.

Mit Kunstaktionen versuchen die Menschen in Pakistan darauf aufmerksam zu machen, dass amerikanische Drohnen-Piloten "beim Töten per Knopfdruck jedes Maß verloren haben" (SZ).

Entwicklungspolitik Online hat Malalai Joya aus Afghanistan getroffen. Herausgekommen ist ein spannender Bericht.

Die Gewinner eines möglichen neuen Kalten Krieges werden China und Indien sein, prophezeit die Asia Times. Ein (erfreulicherweise übersetzter) Beitragvon Zero Hedge, der in eine ähnliche Richtung weist, findet sich hier (PDF).

Joseph Stiglitz rät der Führung Chinas, in bestimmten Bereichen mehr Staat zu wagen und klug zu regulieren. Das Project Syndicate bietet eine deutsche Übersetzung des Stückes.

Nach einer Neubewertung der wirtschaftlichen Aktivitäten durch die staatliche Statistikbehörde ist Nigeria nun - mit einem BNP von fast 510. Mrd. US-Dollar - zur größten Wirtschaft Afrikas aufgestiegen (BBC). Südafrika erreicht ein BNE von rund 370 Mrd., hat aber nur ein Drittel der Einwohner des mittlerweile 170 Millionen Menschen beherbergenden, westafrikanischen Landes.


Die Vereinten Nationen machen sich Sorgen um die rasante Zunahme der illegalen Verbreitung von (Klein)Waffen in Afrika (East African). Als besonders problematisch gilt die Entwicklung in Nigeria, Somalia, der DR Kongo und in der Zentralafrikanischen Republik.

"Day Traders of Charity": Project Syndicate kritisiert eine neue Form der internetbasierten Wohltätigkeit. Dabei geht es darum, einzelnen Menschen zu ermöglichen, andere, einzelne Menschen direkt zu unterstützen, die man sich aus einer Art Online-Angebot aussuchen kann.

Die New York Review of Books bietet eine von den Reportagen über die moderne Industriegesellschaft, von denen es eigentlich deutlich zu wenige gibt: "A Passage from Hongkong" - auf einem wirklich großen Containerschiff.

Erfreuliches gibt es auch aus der deutschen entwicklungspolitischen Medienlandschaft zu Berichten: In einem Pro & Kontra nehmen sich die Weltsichten der Debatte um den Boykott israelischer Waren wegen der völkerrechtswidrigen Besatzungspolitik in Palästina an.>

Samstag, 5. April 2014

Und nun: das Wetter

Brasilien wird von einem außergewöhnlichen Dürreereignis getroffen (G-News dt. - alle anderen Links in englischer Sprache). In den Trockengebieten des Landes ist es so schlimm wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Daran, dass den Staudämmen im Zentrum des Landes Wasser zur Stromerzeugung fehlt, ändern auch die Überschwemmungen im Amazonas-Gebiet nichts.

Es ist die vierte Dürre in Brasilien in dichter Folge: Die Redaktion von MediaWatch kann sich an entsprechende Meldungen aus vergangenen Jahren erinnern - der WWF z.B. hat über extreme Trockenheiten in 2005, 2009 und 2010 berichtet.

In Bolivien wütet die schlimmste Trockenheit seit 30 Jahren und - derzeit brennt die Landschaft dort an mindestens 47.000 Stellen.

Auch im Süden Kolumbiens gibt es Probleme mit Wassermangel. Die Gegend ist für die Landwirtschaft wichtig.

In Haiti verdorren die Feldfrüchte ebenfalls. In Honduras wurde wegen der Trockenheit der Notstand ausgerufen.

P.S.: Auch in den USA fällt derzeit viel zu wenig Regen.

Dienstag, 1. April 2014

100 Tage und ein paar Gequetschte

Sehr hübsch ist der hier verlinkte Eintrag von altermannblog: "Steinmeier warnt". Dass das nicht so übertrieben ist, wie es scheint, zeigt eine Google Suche unter "Steinmeier warnt": 186.000 Treffer und eine extra G-News Rubrik sind nicht schlecht nach gerade mal 100 Tagen im Amt.

Es ist allerdings zu befürchten, dass sich der deutsche Außenminister mit seiner ersten lobenswerten Positionierung nicht (mehr) durchsetzen wird. Das kommt davon, wenn man die falschen Leute hofiert. Wer zu früh ist, den bestraft das Leben auch - zurückrudern hilft dann meist nicht mehr...