Freitag, 27. Januar 2012

Das Hungern geht weiter

Im Niger hat die Hälfte der Bevölkerung nicht genug zu essen (IRIN). SPON hat es auch gemerkt. UNICEF warnt, dass eine Million Kinder im Sahel gefährdet sind (Reuters). Im Widerspruch dazu* zitiert Entwicklungspolitik Online die Hilfsorganisation CARE mit der Warnung, dass insgesamt zehn Millionen Menschen in Westafrika Hunger droht. Verwunderlich ist, warum niemand schon im Oktober (oder spätestens November) Alarm geschlagen hat - denn da war die jährliche Regenzeit im westafrikanischen Sahelbereits unwideruflich zuende. So wurde schon jetzt fast ein Vierteljahr verschwendet.

In "From Poverty to Power" wird versucht, die Frage zu klären, warum die internationale Gemeinschaft letztes Jahr so viele Menschen in Ostafrika verhungern ließ ("warum die Hilfe so spät kam"). Es zeigt sich, dass die Frühwarnungen praktisch ignoriert worden sind. Leider fehlt dem Posting die politische Dimension, die Erklärungen für dieses Versagen liefern könnte.

* Mali und Niger haben Bevölkerungs-Wachstumsraten von über drei Prozent. Das bedeutet, dass mindestens ein Viertel der Bevölkerung jünger als 15 Jahre ist. Eine Million sind aber "nur" zehn Prozent von zehn Millionen. Die Differenz beträgt immerhin 1,5 Mio. hungernde Kinder - vorausgesetzt, es hungern anteilig an der Gesamtbevölkerung ebenso viele Kinder wie Erwachsene.

Donnerstag, 26. Januar 2012

MediaWatch jetzt auch per Email

Liebe Leserinnen,
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Herzlich Ihr / Euer Uwe Kerkow

Ein Drittel der Weltmeere geschädigt

Der WWF hat eine Studie durchführen lassen, die die gesamten, durch Überfischung verursachten Schäden an maritimen Ökosystemen zu quantifizieren sucht (Multimedia-Version). Bei Entwicklungspolitik Online heißt es zu der Studie:
"100 Millionen Quadratkilometer werden so intensiv befischt, dass die Ökosysteme bereits stark geschädigt sind. Das entspricht einem Drittel der Oberfläche des gesamten Weltmeeres."
Der WWF fordert die EU deshalb dringend auf Reformen einzuleiten. denn nach Auskunft der Umweltschützer arbeitet die Union derzeit an neuen Gesetzen, die ab 2013 in Kraft treten und dann zehn Jahre gelten werden. Dort fehlt allerdings leider ein wichtiger Hinweis, der nur bei epo zu finden ist: Subventionierter Sprit macht die weltweiten Fischzüge der EU-Fangflotten erst richtig attraktiv.

Aus einem Konferenzreader ("The Hidden Harvest") der Weltbank stammt die nebenstehende Grafik, nach der fast 120 Mio. Menschen mit dem Fangen von Fischen ihren Lebensunterhalt verdienen.

Auch das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen hat sich dem Thema Weltmeere gewidmet und Wege aufgezeigt, wie sich wirtschaftliche Nutzung un Umweltschutz verbinden lassen: "Green Economy in a Blue World" (Kurzfassung, hat tip SPON).

Mittwoch, 25. Januar 2012

Eliten, die sich verweigern

Ist es Angst, die unsere Eliten dazu verführt, die Ursachen und Chancen der derzeit stattfindenden Krisen zu negieren? Ist es Panik, die dazu führt, das die Oberen Zehntausend die Menschen und ihre berechtigten Anliegen diskreditieren?

Foreign Policy in Focus (FPiF) beschäftigt sich mit mehreren neueren Risikoanalysen verschiedener Provenienz: "From Davos to Dystopia". Zunächst wird auf den Global Risks Report 2012 des Weltwirtschaftsforums verwiesen:
[It] highlights the increasing importance of marginalization as a security issue over the coming decades. It describes the “seeds of dystopia” threatening both social and political stability across the world.

Montag, 23. Januar 2012

Ein wichtiges Dokument

politischer Aufklärung darüber, wie Kriege ermöglicht werden:

 

Es ist davon auszugehen, dass die politische Praxis der propagandistischen Vorbereitung und Absicherung von Kriegseinsätzen nicht geändert wird. Schade nur, dass solche Vorgänge meistens erst an's Tageslicht kommen, wenn die Verantwortlichen längst keine mehr sind. Hat tip Carlos aus Berlin.

Fundstücke CXXXI

Zehn Jahre Krieg des Westens in Afghanistan. Telepolis zieht in einem Mehrteiler die blutige Bilanz:
  1. Verletzte und Verlassene auf den Feldern Afghanistans
  2. Taktische Erfolge der Koalition, aber die Zivilbevölkerung leidet am meisten
  3. (Un-)sicherheitslage und Politik
  4. Die Innenfeinde Afghanistans: Kriminalität, Korruption und bittere Armut
  5. ....
Der vierte und der fünfte Teil stehen noch aus. Wer sich sonst noch zu diesem Jubiläum geäußert oder wenigstens Fotostrecken gebracht hat, zeigt ein Blick in die deutschen G-News.

Der Economist berichtet sich über den Boom, den der Abbau von Bodenschätzen in der Mongolei auslöst. Der MediaWatchBlog hatte im Sommer 2011 einen Eintrag zum Thema.

Die britische Telekomregulierungsbehörde Ofcom hat dem staatlichen Fernsehen des Iran, Press TV, die Lizenz entzogen. In deutscher Sprache gab es dazu nur Meldungen von euronews und Deutschlandradio. Deshalb hier ein Link zu G-News engl.

Ägyptens Revolution wird verkauft: Das Land am Nil bittet den IWF um einen Kredit von mindestens 3,2 Milliarden US-Dollar (Reuters). Die Muslimbrüderschaft bereitet sich auf eine führende Rolle in der nächsten Regierung vor (Reuters),

Libyen und die Praxis der responsibility to protect: “Waren 40.000 Tote die Beseitigung Gaddafis wert?”, fragt die Frankfurter Rundschau.

In Nordsomalia (Pundtland) beginnt die Suche nach Erdöl. Die BBC meint, man hoffe in der Gegend drei bis vier Milliarden Barrel zu finden. In anderen Gegenden des Landes (Garowe und Bosasso) ist die Piraterie wohl die wichtigste Einkommensquelle (East African). Schätzungen für 2009 gehen von Investitionen in Höhe von 20 Mio.US-Dollar aus. Zum Vergleich: Die öffentlichen Ausgaben Pundtlands lagen bei 17,6 Mio. Die Zahl der erfolgreichen Überfälle sei zwar auf fast die Hälfte (24) gesunken. Dafür würden höhere Lösegeldforderungen durchgesetzt.

Was macht eigentlich Charles Taylor? Aljazeera berichtet über "neue" Erkenntnisse über den Kriegsherren und ehemaligenPräsidenten Liberias, der wegen Kriegsverbrechen imNachbarland Sierra Leone in Den Haag angeklagt ist. Doch es ist eigentlich selbstverständlich, dass im Zuge eines solchen Prozesses auch Taylors Zusammenarbeit mir den USA zur Sprache kommt.

Die Finanzkrise bringt Portugiesen dazu, sich geschäftlich in Mosambik zu etablieren, meint der Guardian - übersetzt im Freitag. Das Ganze ist etwas übertrieben als Auswandererstory aufgemacht.

Afrika verliert Milliarden durch Steuerflucht. Diesmal berichtet Aljazeera. In dem Video heißt es: Money taken illegally from the developing world is worth 10 times annual global aid budgets (...). Tax evasions by multinational companies in Africa is so vast that (...) if the money were paid, most of the continent would be "developed" by now.

"Can a protracted slowdown be avoided?" fragt  UN-DESA und empfiehlt eine Ausweitung staatlicher Konjunkturprogramme, die international koordiniert werden sollten.

Der Frage, ob der Zugang zum Internet in den Rang eines Menschenrechts erhoben werden soll, geht die Süddeutsche nach. Das Argument, dass das Internet lediglich eine Technologie sei und deshalb kein Menschrecht sein könne, wirkt aber aufgesetzt. Denn es geht um Zugang zu Informationen, der vielleicht fast so wichtig werden könnte wie etwa der Zugang zu sanitären Anlagen.

Deutschland
sollte die Wirksamkeit internationaler Mechanismen durch eine zügige und wirkungsvolle Umsetzung unterstützen. Dazu zählt in erster Linie die Verschärfung des Straftatbestandes der Abgeordnetenbestechung. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Deutschland endlich die UN-Konvention gegen Korruption (UNCAC) ratifizieren kann.
meint Transparency International in seinem Nationalen Integritätsbericht Deutschland.