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Samstag, 23. Januar 2016

"Arbeitskämpfe entlang transnationaler Wertschöpfungsketten"

Bericht über eine Fachtagung der Stiftung Asienhaus und der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Euer/Ihr ergebenster MediaWatch-Redakteur war am 4. Dezember 2015 beim Arbeitskreis Asien zu Gast. Denn in der Alten Feuerwache in Köln fand eine spannende Fachtagung unter dem Titel „Arbeitskämpfe entlang transnationaler Wertschöpfungsketten“ statt. Initiiert hatten die Veranstaltung die Stiftung Asienhaus und die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Teilgenommen haben Vertreter_innen von Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen, Bildungsvereinen sowie Wissenschaftler_innen, Journalist_innen und Studierende.

Im Zentrum der Tagung stand die Fragestellung: Welche Herausforderungen ergeben sich vor dem Hintergrund wachsender globaler Produktionsnetzwerke für die Organisation und Vernetzung von Gewerkschaften und Arbeiter_innen? Die Veranstaltung leiteten und moderierten Uwe Hoering (Stiftung Asienhaus) und Marlies Linke (Rosa-Luxemburg-Stiftung). Michaela Doutch und Tatiana Lopez haben die Veranstaltung in aller gebotenen Kürze dokumentiert:


Eröffnet wurde die Fachtagung mit dem Impulsreferat von Michael Fütterer vom TIE Bildungswerk e.V. in Frankfurt, der über die Arbeit des Projektes TIE ExChains referierte (PDF). Weitere thematische Einführungen folgten im Anschluss durch die Vorträge von Jörg Nowak (Universität Kassel) über Arbeitskämpfe und Anti-Korruptionsbewegungen in der Automobilindustrie in Indien (PDF), von Tandiwe Gross (ILO) über Strategien von Heimarbeiter_innen und Sweatshop-Beschäftigten, ebenfalls in Indien (PDF), sowie von Oliver Pye (Universität Bonn) über transnationale Organisierung von Arbeiter_innen im Palmölsektor in Indonesien und Malaysia.

Bei der anschließenden offenen Diskussionsrunde standen folgende Fragen im Mittelpunkt: Inwiefern sind aufgrund der sich verändernden globalen Produktionsbedingungen veränderte Antworten von Gewerkschaftsseite notwendig? Wie kann Solidarität entlang globaler Wertschöpfungsketten praktiziert werden? Welche Strategien und Netzwerke existieren bereits und in welchen Sektoren müssen (neue) Netzwerke entwickelt werden?

Dienstag, 25. Februar 2014

Dem Unmut Luft machen

From Poverty to Power bietet in zwei Beiträgen (1, 2) interessante Analysen der Aufstände und Proteste der letzten Jahre - und zwar weltweit. Auch die unten stehende Grafik ist dem Blog entlehnt. Wichtig ist, wie viele Proteste in die Kategorie "Ökonomische Gerechtigkeit und Austeritätspolitik" (blaue Linie) gehören. Orange weist auf Demonstrationen gegen mangelnde politische Repräsentanz hin, gelb auf Auseinandersetzungen um globale Problemlagen und grau auf Forderungen einzelner Gruppen (z. B. Frauen, Arbeitnehmer, Indigene, Migranten).


Interessant ist zudem, dass nicht nur die Zahl der Proteste wächst, sondern auch die Zahl der Protestierenden. Laut Schätzungen nahmen an 37 von den insgesamt untersuchten 843 Veranstaltungen eine Million oder mehr Menschen teil. Manche zählten vielleicht unter die größten Demonstrationen in der Geschichte: In Indien fanden sich 2013 zum Beispiel 100 Millionen und in Ägypten 17 Millionen Menschen zusammen, um ihrem Unmut Luft zu machen. Hauptadressaten der Proteste waren (in Reihenfolge der Häufigkeit): Regierungen, das politische/wirtschaftliche "System", Unternehmen/Arbeitgeber, der IWF, die "Eliten", die EU, der Finanzsektor, die Europäische Zentralbank, die Sicherheitsorgane, der Freihandel und weitere.... Analysiert wurden Berichte in den Medien, weshalb die Ergebnisse geografisch nicht besonders repräsentativ sein dürften.

Sonntag, 7. Oktober 2012

Marikana im Investorsprech

22 Prozent mehr Geld erhalten die Kumpels bei Lonmin, nachdem ihr wilder Streik einen so blutigen Verlauf (Mediawatch, wikipedia) genommen hatte. Und klar gibt es Bergleute in anderen Firmen, die jetzt ähnliche Forderungen stellen. Das alles geht natürlich gar nicht. Reuters hat dazu ein längeres Stück im Angebot:
"Marikana is the future of labour relations in South Africa," said Loane Sharp, a labour economist at staffing firm Adcorp. "The labour strikes are so much more damaging and dangerous, but they still do not seem to be enough for government to learn the lesson that the labour market is in a shambles," he said.
Der südafrikanische Arbeitsmarkt ein Chaos? Warum?
To appease its allies in COSATU, whose 2 million members have been a powerful vote-gathering machine, the ANC has passed a raft of union-friendly labour laws that economists said have eroded competitiveness and driven up costs for employers.
Aha - die gewerkschaftsfreundliche Gesetzgebung des ANC ist schuld. Und woher weiß der Kollege von Reuters das? (Hervorhebung wegen besonders frecher Formulierung durch die Red.)
As a result, South Africa ranks worst among 144 countries in terms of employer-labour relations and next to worst in terms of overpaying unproductive workers, according to the World Economic Forum's Global Competitiveness Report.
Soso, das Weltwirtschaftsforum. Na, nun wird auch etwas deutlicher, was die eigentlich zwischen den Treffen in Davos machen. Und die Geschäftswelt reagiert:
The strikes pushed the rand to 3-1/2 year lows last week and prompted Moody's last month to cut South Africa's government bond rating, citing the government's difficulty in keeping up with economic challenges and widening strikes.

Freitag, 17. August 2012

Die Marikana Zäsur

Das Blutbad am "Hill of Horror" bei Marikana (Reuters) (Video) wird als Zäsur in die Post-Apartheid-Geschichte Südafrikas eingehen. Denn nun ist für alle offenbar geworden, dass weder die ANC-Regierung noch die dem ANC nahe stehenden Gewerkschaften gewillt oder in der Lage sind, die sozialen und ökonomischen Forderungen der Menschen wirklich ernst zu nehmen. Auch im ARD-Video ist das deutlich zu spüren. Das Wall Street Journal schreibt:
„Das ist das erste Mal, dass sich eine bedeutende Zahl von Arbeitern vom Gewerkschaftsbund abspaltet", sagte Devan Pillay, Professor für Arbeitsbeziehungen an der Wits University. Seiner Einschätzung nach hat die Frustration der Arbeiter über die Nähe der Gewerkschaftsführer zu den Unternehmenslenkern und die Nähe des Gewerkschaftsbundes zur Regierung die Möglichkeit der Gründung weiterer Vereinigungen eröffnet.
Erstaunlich widersprüchlich sind die Angaben zu den Lohnforderungen der Arbeiter in der Platinmine: Laut ARD geht es um eine Verdreifachung der Löhne, laut Spon um eine Erhöhung der Bezüge von umgerechnet 530 auf 1220 Euro.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Streikausgabe

Keine Bange - MediaWatch streikt nicht. Aber hier sieht auch das Sommerloch etwas anders aus:

Derzeit wird in der Evraz Highveld Steel and Vanadium Limited Mine in Südafrika nicht gearbeitet. Die Polizei in Durban droht mit Ausstand, wenn ihr Chef nicht entlassen wird. In Entabeni (Timbadola) wollen Plantagenarbeiter 15 Prozent mehr Lohn.

In Simbawe wurde 130 Angestellte der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft entlassen, weil sie gedroht hatten, zu streiken.

Auch im Goldbergwerk Navachab in Namibia geht es um mehr Geld.

In Kano (Nigeria) streiken die Justizangestellten.

Der arabische Frühling geht (anders) weiter: 35.000 ArbeiterInnen streiken in der Textilindustrie in Ägypten. In dem Sektor arbeiten 300.000 Menschen, davon etwa ein Drittel in Staatsbetrieben. Auch in einer Keramikfabrik wurde die Arbeit niedergelegt. Die Notariatsangestellten wollen auch mehr Geld.

Im Libanon befinden sich zwei entlassene Arbeiter der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft im Hungerstreik.

In der Militärindustrie in Israel konnte ein Ausstand vermieden werden.

Um einer Arbeitsniederlegung aus dem Weg zu gehen, zahlt AcelorMittal in Kasachstan zusätzlich Geld an seine Beschäftigten.

Im Punjab (Pakistan) haben die Besitzer elektrisch betriebener Webstühle ArbeiterInnen ausgesperrt, um eine Erhöhung des Lohns um 17 Cent zu vermeiden.

Bei Maruti Suzuki Indien (Gurgaon) hat es gewaltförmige Auseinandersetzungen mit einem Toten gegeben. Jetzt wird gestreikt.

In Dhaka (Bangladesch) sind die Busfahrer im Ausstand.

In Davao, Mindanao, (Philippinen) streiken die Beschäftigten im Rundfunk.

Bei General Motors in Brasilien wurde die Arbeit 24 Stunden niedergelegt. Auch bei Petrobras wird hektisch verhandelt.

In Kolumbien bereiten sich die Arbeiter in den Kohlebergwerken auf einen möglichen Ausstand vor.

Ausgewählte Meldungen aus den letzten 24 Stunden und den ersten 130 Treffern bei G-News engl. Bilder gibt's - wie in den Mainstream Medien - schon Mal gar nicht.

Sonntag, 7. November 2010

Guinea: Was bisher geschah

Diesen Sonntag (7. November 2010) findet in Guinea nach mehreren Verschiebungen endlich die Stichwahl um das Präsidentenamt statt. Im ersten Wahlgang im Juni 2010 hatte kein Kandidat die erforderliche absolute Mehrheit erreicht. Das Wahlergebnis wird am 20. Juli 2010 bekannt gegeben. Danach erhielt Ex-Premierminister Cellou Dalein Diallo 43,69 und Alpha Conde 18,25 Prozent der 2.675.320 Mio. abgegebenen gültigen Stimmen. Mit dem Ergebnis aus der Stichwahl wird in den nächsten Tagen gerechnet.

Wer Interesse an einigen wichtigen Wendepunkten der jüngeren guineischen Geschichte hat, sollte unbedingt

Mittwoch, 21. Juli 2010

Recent unrest in garment sector in Bangladesh

MediaWatch-Blog freut sich seinen LeserInnen einen Gastbeitrag aus Bangladesch präsentieren zu können, in dem die Hintergründe der jüngsten Streikwelle in der Textilindustrie des südasiatischen Landes erläutert werden. Der Blog will damit eine der vielen und alltäglichen Lücken der bundesrepublikanischen (und westlichen) Berichterstattung stopfen helfen: In diesem Fall geht es um die Zurückhaltung der Medien bei ausführlichen und mit den nötigen Hintergründen versehenen Berichten über Arbeitskämpfe (nicht nur im Ausland). Lesen Sie also einen Beitrag von

Khorshed Alam
Alternative Movement for Resources and Freedom Society (AMRF)

The garments sector witnessed recurring violence in Bangladesh. In recent times (June-July 2010), strings of incidence had taken place. Some incidents have paralyzed the whole Dhaka city. The workers took street, ran amok. Police violently swooped on them, water canon, rubber bullets and baton charges could not stop the workers from staging spontaneous demonstration. Generally in Bangladesh, the major reasons of sudden outburst, against the backdrop of accumulated anger and immeasurable plight of the workers, are directly linked to low wage, unpaid wages and overtime.



Low wage, irregular pay and sudden closure of the factory without any prior notification compel the workers to take the street. When Wage Board is haggling over the fixation of minimum wage and the owners volubly and vehemently opposes it.
Bangladesh has now around 4,500 garment factories which employ over 3 million workers. The minimum monthly wage of a garment worker is now 1,662 taka (about $24) a month. The garment industry accounts for about 40% of Bangladesh's total industrial workforce. A survey released last month by the Bangladesh Factory Inspection Department which showed that almost 15 % of employers did not pay their workers on time between January and May. Many other factory owners did not pay overtime, while several continued to pay less than the government's minimum wage.