Dienstag, 14. April 2020

The Day After

Der wirtschaftliche Schaden durch Covid19 in China werde sich in Grenzen halten, zeigt sich Zhang Jun beim Project Syndicate überzeugt. Entscheidend sei, dass man die Seuche im ersten Quartal 2020 in den Griff gekriegt habe und deshalb jetzt die nächsten Schritte gehen könne. Wenn keine größeren externen Schocks mehr kommen, werde Chinas Wirtschaft um 5 bis 5,5 Prozent wachsen - statt wie bisher angestrebt um 6 Prozent. Damit liegt der Wirtschaftswissenschaftler ziemlich genau auf der offiziellen Linie. Und Peking hat nicht vor, wirtschaftspolitisch etwas anbrennen zu lassen:
(...) the theoretical basis on which a package will be based is not traditional Keynesianism, nor simple counter-cyclical adjustment theory and conventional crisis management theory.
(...) to reach the annual target of 5.5 percent, the policy package needs to hit 5.2 trillion yuan [das sind umgerechnet fast 700 Mrd. Euro], except the previous 1.3 trillion yuan plan that has been adopted. 
Die allermeisten Entwicklungsländer dürften bei weitem nicht so glimpflich davonkommen. Oxfam meint gar, die Krise werde eine halbe Milliarde Menschen in Armut stürzen (taz, Pressemitteilung).
Ob es so schlimm wird, ist noch nicht ausgemacht, doch schon jetzt ist abzusehen, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise schwerwiegend sein werden. Deshalb fordert Wirtschaftsnobelpreiträger Joseph Stiglitz im Project Syndicate,vdass die Sonderziehungsrechte von Entwicklungsländern beim Internationalen Währungsfonds (IWF) nun voll ausgeschöpft und die Bedienung bestehender Schulden für längere Zeit ausgesetzt werden müssen.

Makronom weist darauf hin, dass schon 80 Mrd. US-Dollar an Investitonen aus den Entwicklungsländern abgezogen worden seien. Dem IWF stünden derzeit nicht genug Mittel zu Gebote, um alle Liquiditätsengpässe und zu stopfen oder gar Überschuldung abzuwenden.
Eine Mittelaufstockung für den IWF ist daher dringend erforderlich. Zusätzlich wäre eine neue Ausgabe von Sonderziehungsrechten (SZR) erstrebenswert, so wie in der Globalen Finanzkrise, als die G20 sich auf ihrem Treffen in London im April 2009 auf eine Ausgabe von SZR in Höhe von 250 Milliarden Dollar einigen konnten.
Makroskop sieht die Kapitalflucht als minderes Problem an, da es sich dabei vor allem um Portfolioinvestitionen handele. Von großer Bedeutung bleibe aber die Versorgung der Notenbanken von Entwicklungsländern mit Dollars, damit diese ihre Schulden weiterhin bedienen können:
Um den Entwicklungsländern die in dieser Krise lebensnotwendige monetäre Freiheit zu geben, (...) muss man den Entwicklungsländern für die Zeit der Bekämpfung des Corona-Schocks – sagen wir: für die nächsten zwölf Monate – eine Wechselkursgarantie geben.
Beschließen soll diesen Schritt die G20. Dafür müssten vor allem die Industrieländer freilich über die vielen und allzu langen Schatten ihrer neoliberalen Dogmen springen...

Ob all jenen Forderungen aus der entwicklungspolitischen Szene (vgl. den obigen Link zu Oxfam oder etwa Global Policy Forum) die auf ein Schuldenmoratorium oder gar einen Schuldenerlass hinauslaufen, mehr Erfolg beschieden sein wird, ist offen. Denn auch IWF und Weltbank, fordern mittlerweile, Rückzahlungen auszusetzen und Schulden zu erlassen (hat tip erlassjahr.de).
(...) the World Bank Group and the International Monetary Fund call on all official bilateral creditors to suspend debt payments from IDA countries that request forbearance. This will help with IDA countries’ immediate liquidity needs to tackle challenges posed by the coronavirus outbreak and allow time for an assessment of the crisis impact and financing needs for each country.
We invite G20 leaders to task the WBG and the IMF to make these assessments, including identifying the countries with unsustainable debt situations, and to prepare a proposal for comprehensive action by official bilateral creditors to address both the financing and debt relief needs of IDA countries. We will seek endorsement for the Proposal at the Development Committee during the Spring Meetings (April 16–17).

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