Samstag, 31. Juli 2010

Die Spin-Doktoren werden langsam sauer

über dauernde und äußerst unangenehme Internet-Enthüllungen; Story bei Spiegel Online. Die Internet-Plattform wikileaks ist schon länger im Visier der Schlapphüte - und das klingt nur lustig.

Was wird von wikileaks übrig bleiben, wenn die mit Julian Assange fertig sind? Die Website hat schon eine ganze Reihe von Zensurversuchen überstanden. Und das betrifft nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Iran (Sperrung vorrübergehend) und China (Sperrung dauerhaft). In Deutschland gab es im März 2009 eine Hausdurchsuchung beim Sponsor der Domain wikileaks.de. Anschließend wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Verbreitung kinderpornographischer Schriften eingeleitet, obwohl dergleichen nicht gefunden worden war.

Bleibt zu hoffen, dass die dezentrale Struktur der Plattform überleben hilft. Ob allerdings der geplante "Datenhafen" in Island auf Dauer eine gute Idee ist, muss bezweifelt werden. Die insolvente Inselrepublik will in die EU aufgenommen werden.

Donnerstag, 29. Juli 2010

GTZ-InWEnt-DED Fusion: Was die Betriebsräte fordern

MediaWatchBlog hat sich kürzlich schon einmal beschwert, dass die Belange der ArbeitnehmerInnen in den Mainstreammedien stark unterbelichtet sind. Bevor also die Zusammenlegung der Durchführungsorganisationen der Entwicklungszusammenarbeit (GTZ, InWent, DED) Wirklichkeit wird, hier die Dokumentation der zentralen Forderungen der Betriebsräte aller drei Organisationen im ungekürzten Originaltext (vielleicht werden diese Dokumente zur Beurteilung des Fusionsvorgangs und -ergebnisses ja noch interessant):

Mittwoch, 28. Juli 2010

Fundstücke LXXIX

Die EU will, dass afrikanische Staaten geltendes Recht beugen und verlangt von ihnen, Bashir, den (gerade erst wiedergewählten) Präsidenten des Sudan zu verhaften. Hier steht, warum dieser Schritt nicht rechtens wäre.

Erneut gibt es Hinweise darauf, dass die Türkei im Krieg gegen die PKK C-Waffen einsetzt. Darauf macht telepolis aufmerksam.

China ist laut Standard "höchst verärgert" über die Seemanöver, die die USA und Südkorea im Gelben Meer abhalten. Das stimmt, wie man der chinesischen Nachrichtenagentur entnehmen kann. Wem die Phantasie fehlt, sich vorzustellen, was China gegen die Militärübung haben könnte, versuche sich auszumalen, was hier los wäre, wenn die Chinesen ein Manöver in der Nordsee abhielten, in das U-Boote und atomgetriebene Flugzeugträger involviert sind.
Wer sich näher für die Jahrhundertflut in Zentralchina interessiert, kann wichtige Infos in einem Special von Xinhua finden.
Ein Bericht von Aljazeera bringt uns die Recycling-Industrie in China nahe.

In Indien werden die Aktivisten im Kampf gegen die Korruption umgebracht und kämpfen trotzdem weiter. Eine Schlagzeile, die unseren engmaschigen Korrespondentennetzen natürlich entgeht.... Aber die Asia Times hat die Story.

Eine Mio. Euro Strafe für Trafigura im Giftmüllskandal in der Elfenbeinküste (G.News, dt.).
Damals hatte es mindestens 17 Tote gegeben.

Entwicklungspolitik Online meldet, dass sich die Tuareg über die Militarisierung der Sahara beklagen. Dazu passt die Meldung aus der taz, dass Franzosen und Mauretanier unangemeldet in Mali Terroristen jagen gehen... In Bamako gibt man sich entsprechend verschnupft. Ansonsten hat die taz den Neusprech für asymetrische Kriegsführung ganz gut drauf: "Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit gegen die regional agierenden Islamisten dürfte unter dem neuen Streit leiden."

Die Regierung in Tansania hat Ärger mit dem deutschen Reifenhersteller Continental. es geht um die Frage, wer Altschulden bezahlt. In Daressalam sind laut East African in letzter Zeit mehrere PPP schiefgegangen.

Anhand des "Big Mac Indexes" misst der Economist, ob Währungen im Vergleich zum US-Dollar über- oder unterbewertet sind. Der Index gibt angeblich Auskunft über die reale Kaufkraft einer lokalen Währung.

Der Weizenpreis hat laut FTD "eine beeindruckende Rally hinter sich". Er ist in den letzten Wochen um 30 Prozent gestiegen. In der nächsten Zeit werden sich die "Investoren" wohl eher Mais und Sojabohnen konzentrieren.

Die reibungslose Abwicklung von milliardenschweren Waffenlieferungen in Krisenregionen interessiert niemanden (s. 4. Absatz) hierzulande. Nur wenn potentielle Atomwaffenträger von Deutschland nach Israel nicht mehr zu den üblichen Konditionen geliefert werden, scheint das auf einmal eine Meldung wert (G-News, dt.).

Beyond Principles: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Doch gefälschte Bilder gehören bei BP wohl zum Repertoire, um die Weltöffentlichkeit davon zu überzeugen, dass der Konzern mit dem Öl-GAU im Golf von Mexiko bestens fertig wird. Hier der Link zum Original-Beitrag, den Spiegel Online seinen LeserInnen (natürlich) vorenthält.
Auch der Versuch, US-WissenschaftlerInnen zu kaufen, damit sie keine Forschungsergebnisse publizieren bis über die Schadensersatzfrage entschieden wird, ist mindestens unethisch und müsste strafrechtlich verfolgt werden.

Der New Scientist bricht eine Lanze für die Windenergie - unter Berufung auf Ergebnisse des Fraunhofer Instituts in Karlsruhe. Und Umdenken tut Not: Vielleicht zieht der Ölpreis bald wieder an.

Freitag, 23. Juli 2010

Fundstücke LXXVIII

Mediawatchblog hält Lula, den scheidenden Präsidenten Brasiliens für den bedeutendsten Politiker des letzten Jahrzehnts. Die nebenstehende Grafik zeigt warum. Der blaue Graph bezeichnet die extreme Armut in Prozent der Bevölkerung, der rote den Gini-Koeffizienten, der die Einkommensverteilung anzeigt. Werden Einkommen gerechter verteilt, schwindet die absolute Armut.

Ein Porträt Benigno "Noynoy" Aquinos, dem frisch gewählten Präsidenten der Philippinen bietet der Freitag.

Der Spiegelfechter hat einen ausführlichen Hintergrund zu 50 Jahre Unabhängigkeit der DR Kongo zusammengestellt.

Mit dem berühmten Spruch "Krieg ist Frieden" aus Orwells 1984 beschreibt der Spiegelfechter die Situation im Afghanistan-Krieg: "Der neue [US-]Oberbefehlshabende Petraeus spricht bereits von einem „fortwährenden Krieg“ und auch Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg stimmt die deutsche Nation bereits auf einen Paradigmenwechsel und ein deutlich längeres Engagement am Hindukusch ein."

Ghana will bei der Ölförderung aus den Fehlern Nigerias lernen. Doch sollte man sich nicht allzu viele Hoffnungen machen, meint die WoZ.

"Nuri al-Maliki on cusp of retaining power", ist die Asia Times überzeugt. Es werde bald einen Deal zwischen dem Premier des Irak und dem mächtigen schiitischen Geistlichen Muqtada al-Sadr geben. Der Preis: Maliki muss hunderten von Sadr's Milizionären Amnestie gewähren und den Schiiten insgesamt mehr Macht einräumen. Der Iran habe Druck gemacht, damit das durch den Abzug der Amerikaner entstehende Machvakuum nicht durch Saudi Arabien gefüllt wird.

Der Sudan ist nicht auf die Teilung im nächsten Jahr vorbereitet, meint eine Studie, die Entwicklungspolitik online vorstellt. Zentral für den Frieden sei vor allem eine Einigung über die Teilung der Öl-Einnahmen. "In Sudan, War is Around the Corner", meint auch die New York Times. Jetzt pfeifen es also die Spatzen von den Dächern. Hat tip geht an's Global Policy Forum. Aber die NYT irrt. Der Krieg wird auch dann ausbrechen, wenn das Referendum über die Sezession wider Erwarten frei und fair verlaufen sollte.

Der Blog kritische massen hat sich die Mühe gemacht und einige Fakten über Nordkorea gegen die üblicherweise kolportierten Klischees zusammengestellt.

Eine "Kakao-Verschwörung" wittert die Süddeutsche. Ein Hedgefonds soll sieben Prozent der Welternte aufgekauft haben; die Notierungen in London sind zwischenzeitlich explodiert. Ein weiteres Beispiel für akutes Marktversagen im Nahrungsmittelbereich. Die Zeitung zieht sensationslüsterne Parallelen zum legendären Silber-Coup der Hunt-Brüder in den 70er Jahren (wiki engl.). Der Denkfehler der KollegInnen: Nahrungsmittel sind nicht irgendwelche Rohstoffe.

Nach der Weltbank gibt jetzt auch die FAO ihre Daten frei: faostat.fao.org. Gefunden bei epo.de.

Eine feine Analyse der Afghanistan-Kriegsberichterstattung anhand eines Spiegel-Artikels (der als durchaus repräsentativ gelten kann) hat die junge welt vorgelegt.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Recent unrest in garment sector in Bangladesh

MediaWatch-Blog freut sich seinen LeserInnen einen Gastbeitrag aus Bangladesch präsentieren zu können, in dem die Hintergründe der jüngsten Streikwelle in der Textilindustrie des südasiatischen Landes erläutert werden. Der Blog will damit eine der vielen und alltäglichen Lücken der bundesrepublikanischen (und westlichen) Berichterstattung stopfen helfen: In diesem Fall geht es um die Zurückhaltung der Medien bei ausführlichen und mit den nötigen Hintergründen versehenen Berichten über Arbeitskämpfe (nicht nur im Ausland). Lesen Sie also einen Beitrag von

Khorshed Alam
Alternative Movement for Resources and Freedom Society (AMRF)

The garments sector witnessed recurring violence in Bangladesh. In recent times (June-July 2010), strings of incidence had taken place. Some incidents have paralyzed the whole Dhaka city. The workers took street, ran amok. Police violently swooped on them, water canon, rubber bullets and baton charges could not stop the workers from staging spontaneous demonstration. Generally in Bangladesh, the major reasons of sudden outburst, against the backdrop of accumulated anger and immeasurable plight of the workers, are directly linked to low wage, unpaid wages and overtime.



Low wage, irregular pay and sudden closure of the factory without any prior notification compel the workers to take the street. When Wage Board is haggling over the fixation of minimum wage and the owners volubly and vehemently opposes it.
Bangladesh has now around 4,500 garment factories which employ over 3 million workers. The minimum monthly wage of a garment worker is now 1,662 taka (about $24) a month. The garment industry accounts for about 40% of Bangladesh's total industrial workforce. A survey released last month by the Bangladesh Factory Inspection Department which showed that almost 15 % of employers did not pay their workers on time between January and May. Many other factory owners did not pay overtime, while several continued to pay less than the government's minimum wage.

Dienstag, 20. Juli 2010

Verbot einer Hilfsorganisation

Mustafa Yoldas äußert sich in einem Interview bei Muslim-Markt über das Verbot der "Internationalen Humanitären Hilfsorganisation (IHH)", dessen Vorsitzender der in Hamburg praktizierende Mediziner seit einem Jahr gewesen war.
In der deutschen Presse hat sich das Wort "Hamas-Spendenverein" (G-News, dt.) durchgesetzt. Zum Vergleich der (etwas ausführlichere) Bericht aus der Zeit.

Die taz berichtet ganzseitig und macht sich auch die Mühe, Yoldas zu zitieren. Doch tut sie das in dem unverhohlenen Vorsatz, ihn als Islamisten zu diskreditieren. Die Zeitung interpretiert das IHH-Verbot zudem als politische Niederlage der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG).

Wer auf die Stimme der Betroffenen wert legt, muss (außerhalb der Veröffentlichungen unserer türkischsprachigen MitbürgerInnen und einiger Blogs) junge welt lesen "Hilfe für Gaza verboten", "»Schändlich und rechtswidrig«", sowie "Streit um Spendenverein".

Die Vertreter des verbotenen Vereins haben Klage gegen das Verbot eingereicht.

"Vernetzte Sicherheit" ohne Nichtregierungsorganisationen?

"Wir planen unsere Arbeit nicht nach sicherheitspolitischen Erwägungen der Bundesregierung". Hoffen wir, dass der VENRO-Vorsitzende Uli Post behält und deutsche NRO - entgegen Niebels Wünschen - auch in Zukunft nicht übermäßig eng mit der Bundeswehr in Afghanistan zusammenarbeiten werden. VENRO hat deutliche Kritik an dem Konzept der "vernetzten Sicherheit" geübt. Das hat im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wohl einen empfindlichen Nerv getroffen, denn man sah sich zu einer Reaktion gezwungen.
Wie Entwicklungspolitik online berichtet, hat auch die Caritas die Arbeit im Rahmen der "vernetzten Sicherheit" ausdrücklich abgelehnt.
Es geht um einen erklecklichen Batzen Geld: Anfang Mai hatte das BMZ eine NRO-Fazilität Afghanistan in's Leben gerufen, in der immerhin zehn Mio. (der insgesamt 225 Mio.) Euro für die Entwicklungszusammenarbeit in dem besetzten südasiatischen Land eingestellt sind. Mit diesem Geld soll die "vernetzte Sicherheit gestärkt" werden (1), (2). Auch telepolis hat sich des Themas angenommen.

Freitag, 16. Juli 2010

Ein wenig Sommerliteratur

Olufemi Terry, Journalist und Schriftsteller aus Sierra Leone hat den Caine-Preis für afrikanische Literatur gewonnen. Die Jury zeichnete seine Erzählung "Stickfighting Days" (Tage der Stockkämpfer) aus. Der Preis ist mit 12.000 Euro dotierte und gilt als wichtige Auszeichnung für englischsprachige afrikanische Literatur. Diese Erzählung (und die seiner MitbewerberInnen) wird vom Caine-Preis freundlicherweise als PDF-Download zur Verfügung gestellt.

Ebenfalls auf der Liste der Jury standen:

Dienstag, 13. Juli 2010

Alter Schwede!

Gute Ideen und mächtige visuelle statistische Tools hat der Schwede Hans Rosling entwickelt. Der Mediziner hat zudem eine tolle und humorvolle Art, die Dinge zu präsentieren.
Hier das erste Beispiel (von 2006):


Um die Anmerkungen unten nachvollziehen zu können, ist es sinnvoll (aber nicht unbedingt nötig), beide Videos anzugucken. Hier also noch eines von 2007:


Warum beschleicht den entwicklungspolitischen Fachmann trotz aller Detailkenntnisse Roslings das Gefühl weit reichender Unzulänglichkeiten bei den Präsentationen?

Nun, Rosling impliziert einerseits durch die Art seiner Darstellung eine quasi automatische Entwicklung von Gesellschaften hin zu mehr Geld (und besserer Gesundheit). Dadurch entsteht der Eindruck, man brauche die Dinge nur laufen zu lassen und 'alles wird gut'.
Doch das stimmt so nicht. Denn selbst wenn es eine soziokulturelle Evolution gäbe, schlösse sie ja all die gesellschaftlichen (Verteilungs)Kämpfe ein, ohne die eine moderne Gesellschaft nicht entstehen kann. Sie entließe die Individuen also keineswegs aus dem Imperativ eines gesellschaftspolitischen Engagements.
Darüber hinaus ist eine solche soziokulturelle Evolution keineswegs etwas Zwangsläufiges und schon gar nicht lineares. Das zeigen gerade Roslings Grafiken, und das zeigt Rosling selber an der Stelle, wo er über den CO2-Verbrauch spricht "weil man sich beklagt habe, ich schildere die Dinge zu positiv".

Und dieser Art Umgang mit den Fakten zeigt die eigentliche Schwäche der Argumentation von Rosling: Sie ist keine. Er erkennt zwar bestimmte  Momente an den Bewegungen der Objekte auf seinen abstrakten 'Karten': "Hier ist China, sehen Sie, Mao: Die Gesundheit wird besser, das Geld bleibt gleich. Und jetzt: Deng Xiao Ping. Die Gesundheit wird bleibt gleich, aber es gibt mehr Geld." Hallo?
Mauritius wiederum schneidet seiner Meinung bei Gesundheit und Einkommen so gut ab, "weil es als erster Staat in Afrika sämtliche Handelsschranken abgeschafft hat". Naja.

Zwar weiß Rosling genau um die erhebliche gesellschaftspolitische Aussagekraft von Gesundheitsindikatoren. Und er kann sie - etwa anhand von Toilettenfotos oder der eigenen Familiengeschichte - brilliant darstellen. Aber ihn interessiert weder, wie das sozialistische China die Gesundheit (Lebenserwartung) seiner Bevölkerung ohne rasch wachsende Wirtschaft verbessert hat, noch warum die US-Amerikaner im Vergleich zu Menschen in anderen, deutlich ärmeren Ländern wenig gesund sind.

Das 'Autorennen' der Staats-Kreise auf der Zeitachse in der Matrix ist dennoch extrem spannend. Welche Bedeutung solche Fragen haben, lässt sich etwa an der Aufregung von Duncan Green ablesen, wenn er seinen LeserInnen eine UN-Studie vorstellt, die "entgegen der konventionellen Weisheit" belegt, dass die Steigerung der durchschnittlichen Lebenserwartung und signifikante Verbesserungen des Bildungssystems auch ohne Wirtschaftswachstum möglich sind.

Gerade deshalb vielleicht ist ein Besuch von Roslings Website gapminder.org besonders zu empfehlen. Dort hat der Schwede die wichtigsten seiner Tools online gestellt oder für einen Download aufbereitet. Experimente mit diesen faszinierenden, im Wortsinne lebendigen Grafiken (flash-animiert) sind dringend zu empfehlen. Es gibt dort eine Menge zu entdecken

Der Dank für den Tipp geht an Thomas aus Berlin Moabit.

Freitag, 9. Juli 2010

Fundstücke LXXVII

Einige wirklich lesenswerte Überlegungen zur angeblichen Annäherung zwischen der Türkei und dem Iran und der türkischen Entfremdung vom Westen stellt die Asia Times an.
Zum direkten Vergleich mit der konventionellen Weisheit lohnt ein Blick auf einen aktuellen Beitrag im Project Syndicate (in dt. Übersetzung) zum gleichen Thema.

Ein post-NATO-Szenario einer afghanisch-pakistanischen Entente sieht der Freitag in Afghanistan heraufziehen.

Das Gesetz zur Landreform in Venezuela wurde überarbeitet und gestärkt (Z-Net).
Das lateinamerikansiche Land verstaatlicht aktuell außerdem elf US-amerikanische Ölplattformen. (G-News engl.). Dem Schritt war ein Streit über den Preis des geförderten Öls vorausgegangen, worauf die Ölgesellschaften die Förderung eingestellt hatten.
Von den UN kommt Lob für das Erreichen der UN-Millennium-Entwicklungsziele (amerika21).

El Baradei wird eigentlich als Präsidentschaftskandidat bei den nächsten Wahlen in Ägypten gehandelt. Nun kämpft er für die Achtung der Menschenrechte. Al Ahram weekly hat die Details und auch die Neue Zürcher hat sich des Themas angenommen.
Ägyptische Opposition will zudem eine Revision der Wählerlisten.

Ein weiterer Sieg Indiens an der Biopiraterie-Front - diesmal gegen China. Die Asia Times hat mehr dazu.
Broccoli-Diebe macht die WoZ aus und fordert "Auf nach München" (zum Europäischen Patentamt).

Es gibt eine neue UN-Frauenorganisation (G-News dt.). UN-Women soll eine Organisatione sein, die "die Strukturen der vier bestehenden Gleichstellungsgremien miteinander verbindet. Unter dem Dach der Vereinten Nationen gibt es bereits den UN-Frauenentwicklungsfonds (UNIFEM), das Büro des Sonderberaters für Gleichstellungsfragen, die zum ECOSOC gehörige UN-Abteilung zur Frauenförderung sowie das Internationale Forschungs- und Ausbildungsinstitut zur Förderung von Frauen (INSTRAW)." (junge welt)

170.000 Menschen werden in Europa unter sklavenähnlichen Bedingungen gehalten. Diese Malaise wird durch die brutale europäische Migrationspolitik mitverursacht. Sie macht es möglich, Menschen in der Illegalität zu knechten. Denn den Betroffenen droht die Abschiebung, sollten sie es wagen, sich an die Behörden zu wenden.

Dazu passen zwei Nachrichten aus Österreich, wo sich abzeichnet, dass künftig nicht nur die MigrantInnen selbst, sondern auch Menschen, die deren Menschenrechte verteidigen, strafrechtlich verfolgt werden: Zuerst wird die Fussballmannschaft "sans papiers" beim Training überrascht und festgenommen und danach die Rechtsberatung angezeigt (Standard). Denn seit Anfang 2010 sieht das österreichische Fremdenpolizeigesetz Strafen von bis zu 15.000 Euro oder sechs Wochen Ersatzhaft nicht nur für "rechtswidrige Einreise und rechtswidrigen Aufenthalt" sondern auch für dessen "Förderung" vor. Damit sind letztlich auch die rechtlichen Vorraussetzungen für Razzien in den Beratungsstellen vorhanden. Hat tip für den Hinweis geht an Mauren.
P.S.: Auch in der BRD ist "Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt" strafbar - nur ist die Auslegung hierzulande (noch?) nicht ganz so rigide.

"Mehr Soldaten werden sterben", Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg setzt seine Springer-Kampagne in FR und FAZ fort. Hat tip geht an die Nachdenkseiten

Die bisherigen Konzepte zum Geo-Engineering sind gescheitert, meint telepolis.
Doch lassen wir uns die gute Stimmung durch die Klimakatastophe nicht vermiesen und sehen und bestaunen wir statt dessen lieber die indische original "Mega Wall Of Death" (Eintritt umgerechnet 25 Eurocent).

Donnerstag, 8. Juli 2010

Beyond Principles

Medienkritisches von telepolis: "Wie schafft es eine riesige Öllache, in der Informationsflut abzutauchen?" fragt das Online Magazin.
Und die WoZ kritisiert, dass die US-Medien versuchen, den GAU "in regelmäßige Rubriken einzugrenzen".



Andere Quellen berichten über Zensur von Seiten BPs die von den US-Behörden exekutiert wird: http://www.digitaljournal.com/article/294310
http://www.wsws.org/articles/2010/jul2010/pers-j06.shtml
oder
http://www.examiner.com/x-10438-Human-Rights-Examiner~y2010m7d6-Censored-Gulf-oil-news-Emergency-Meeting-in-New-Orleans

Die Behinderungen sind immerhin so gravierend, dass sich die American Federation of Television and Radio Artists (AFTRA) der Sache angenommen hat (G-News, engl.).

Freitag, 2. Juli 2010

Fundstücke LXXVI


Staudämme/China: Über vier neue Staudämme in China berichtet die FAZ und hat bei dieser Gelegenheit einiges an beeindruckendem Zahlenmaterial zusammengestellt. Kritik hagelt es laut Asia Times an einem knapp 1,7 Milliarden US-Dollar schwerem Kredit Chinas an Ecuador, das damit ebenfalls einen großen Staudamm errichten wird. Der Coca Codo Sinclair Damm soll ab 2016 rund ein Drittel des in Ecuador benötigten Stoms liefern.

Anlässlich des einjährigen "Jubiläums" des Justizputsches in Honduras bringt die taz eine lesenswerte Reportage über Landbesetzer in dem zentralamerikanischen Land. (Auch im MWB war das Thema kürzlich schon einmal aufgetaucht.)

Aljazeera berichtet über Wahlen (!) in Somaliland.

Die junge welt berichtet über Arsenvergiftung des Trinkwassers in Bangladesch.

Kapitalflucht "in Kisten per Flugzeug" aus Afghanistan. Primitive Methoden, aber anders sind die "Hilfsgelder" wohl kaum aus dem Land zu bekommen. Von 10 Mio. US-Dollar täglich ist beim Spiegel die Rede. Das entspricht beim derzeitigen Wechselkurs annähernd den deutschen Zahlungen (drei Mrd. Euro per annum), ist aber doch nur ein Bruchteil der gesamten NATO-Aufwendungen.

Eine Flash-Animation mit dem Titel "Fight for control of the river Nile" hat der Guardian zusammengestellt. Leider kriegt man beim Durchklicken fast nur Discovery-Channel-Infos. Die diplomatischen Auseinandersetzungen die derzeit wegen der (Neu)Aufteilung der Wasserreserven unter den (derzeit) neun Anrainerstaaten laufen, muss man in zwei anderen Beiträgen nachvollziehen (1), (2).
Mediawatchblog weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine Sezession des Südsudan die Verhandlungen nicht einfacher machen wird.

Außer Spesen nix gewesen. "Medienapartheid in Toronto", konstatieren die Baustellen der Globalisierung. Wer dennoch Genaueres wissen will, kann ja beim Infobrief Weltwirtschaft und Entwicklung stöbern, der eine komplette Doku der Toronto-Dokumente (G8 und G20) bietet.
Mediawatchblog geht davon aus, dass sich die neue Weltunordnung künftig sowohl mit der schwindenden Bedeutung der G8 als auch mit der fortgesetzten Handlungsunfähigkeit der G20 belegen lassen wird.

Ein längerer Hintergrund im "Schattenblick" über weiße Folter und die Rolle ihrer wichtigsten Hilfswissenschaft, der Psychologie. Hat tip geht an die Nachdenkseiten.
Dazu passt dass Human Rights Watch Deutschlands Menschenrechtsbilanz im "Krieg gegen den Terror" heftig krisiert: "Deutschland nutzt angeblich Foltergeständnisse" zweifelt die Welt. "Früchte des vergifteten Baumes", heißt es in der SZ zu dem Sündenfall.

"60 Jahre nach ihrer Einführung wirkt die Genfer Flüchtlingskonvention nicht mehr sehr zweckdienlich, auch wenn sie von der Universalität der Menschenrechte ausgeht", meint der Freitag. Bei näherem Hinsehen stellt sich aber heraus, dass der Autor der Meinung ist, die heutigen Migranten seien auch "Flüchtlinge" im Sinne der Genfer Konvention und bedürfen dringend des Schutzes. Dazu passt der Hinweis auf das neue "Dossier Migration" der Le Monde Diplomatique. Mit teils wirklich interessanten Grafiken. Siehe zu diesem Thema auch die Serie "Maritime Incidents" von Heiko Schäfer. Hat tip dafür geht an medico international.

"The Waiting Game": Al Ahram weekly mit einem Rundumschlag in Sachen Fußball(politik).

"Islamic science: The revival begins here", meint der NewScientist und weist auf entsprechende, bedeutsame Investitionen in der arabischen Welt hin.

German-Foreign-Policy.Com macht auf dubiose Praktiken des WAZ-Konzerns aufmerksam, der versucht, eine zweite wichtige Tageszeitung in Serbien zu übernehmen (1), (2).

Nachtrag Kriegsschreiber: Eine Beschwerde beim Presserat gegen den Welt-Artikel "Obama sollte den Iran bombardieren" hatte Erfolg. Gefunden in den Nachdenkseiten. Der Artikel selbst ist nicht mehr "auffindbar"; hier der englische Originaltext.