Donnerstag, 1. April 2010

Staudämme - Abholzung - Klimawandel

Mediawatchblog hatte die Austrocknung des unteren Mekong aufgrund der vielen Staudämme kürzlich schon einmal aufgegriffen. Von den größeren deutschen Zeitungsredaktionen haben (lt. G-News) bisher FR online die Badische Zeitung, die Berliner Morgenpost und aus der Schweiz der NZZ-Blog aus Südostasien das Thema aufgegriffen.

Für die meisten Autoren ist klar, dass die die ökologischen Krisen (Flut in 2008; Dürre in 2010) hauptsächlich durch die chinesischen Staudämme am Oberlauf des etwa 4500 km langen Flusses verursacht werden. Unbestritten ist, dass der Klimawandel zu den Problemen beiträgt. Im NZZ-Südasienblog ist davon die Rede, dass die Temperaturen in der Region derzeit 7 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel liegen.

Der Vollständigkeit halber hier noch der Link zur Mekong River Commission, wo alle wichtigen Vereinbarungen über die Nutzung des Flusssystems aber auch viele ökologische und klimabezogene Publikationen zu finden sind. Auch Abschätzungen zur Folge des verstärkten Staudammbaus sind zu finden.

Für diejenigen LeserInnen, die wissen wollen, wie die Betroffenen vor Ort die Lage wahrnehmen, hat Klaus Schilder, Referent für Entwicklungspolitik bei terre des hommes dankenswerterweise zwei Studien von thailändischen NGOs zur Verfügung gestellt. (terre des hommes unterhält traditionell gute Kontakte in den südostasiatischen Raum.) Aus diesen Studien stammen auch die Bilder in diesem Posting - sie stehen aber leider nicht im Netz zur Verfügung. Aus einer der beiden soll im Folgenden zitiert werden:
In "Two Important Lessons from Mekong Mainstream Dams in China" des Mekong-Lanna Natural Resources and Culture Conservation Network werden vor allem die Staudämme für die ökologischen Krisen in den letzten Jahren verantwortlich gemacht.
Lektion 1: Mit Dämmen lassen sich Überflutungen nicht kontrollieren
Dams have been built to block the Upper Mekong, (...) in Yunnana Province, China. The first dam, called ‘Manwan’ was started in 1993 and began electricity generation by 1996, which is the first year that riparian villagers in Mekong Downstream area in Chiang Rai Province, Thailand were impacted by drastically low water levels. Dashaoshan Dam began electricity generation in 2003 and Jinghong Dam started to store the water in 2008, with 5 electricity generators operating by May 2009. The latest news is the largest dam called the ‘Xiaowan Dam,’ which started to store water and run the first electric generator on 25 September 2009. Most electricity is being sent to the East of China (...)
A key point here is the ‘rapid flooding crisis’ from August 2008. The impacts of flooding in northern Thailand and Laos run opposite to official discourse, which says that ‘dams store water for the river in dry season and control flooding in rainy season.’ This has showed us that in fact, ‘dams can’t control flooding.’ The flooding and riverbank erosion that occurred from 9-10 August 2008 in the Ing and Kok River Basins has not been seen over the last 4 decades.


Lektion 2: Im Kontext des Klimawandels führen Staudämme zu Dürre
Many new sandbar islands have emerged in the Mekong River during 2010. Local people have never seen such evidence of drastic change in their lifetimes. (...) Mekong River rapids have been blasted in Jinghong, Xishuang Banna in China and in the Burma and Lao PDR border areas North of the Golden Triangle, removing natural obstacles to slow down natural water flow. This has caused riverbank erosion and new sandbar islands every year. (...)
Rapid water level changes have affected riverbank agriculture, which relies heavily on the Mekong. In many areas, water pumps were laid down on the riverbanks alongside fishing gear. Villagers in the Mekong have to walk very far to dip water for their crops and vegetable. Further, the fishing gear laid on the riverbank cannot catch any fish. A significant measure of the unprecedented river fluctuation is the declining of Kai – the Mekong algae. Kai is an indicator of rich biodiversity in the Mekong. This plant can grow on rocks at an estimated depth of no more than 50 centimeters, as it needs proper sunlight and seasonal changes. (...)
[In the] Flooding crisis in August 2008, people were not able to prepare because it came very fast. The most severe flood case happened back in the year of 1966, the water was slowly risen up. (...) The farms on bank of river, houses, and roads were destroyed and soil was eroded. 
Im NZZ-Blog Südostasien wird darüber hinaus auf die weit verbreitete Abholzung verwiesen:
Im Einzugsgebiet des Mekong sind in den letzten Jahrzehnten eine grössere Zahl von Wasserkraftwerken entstanden, und viele weitere Projekte befinden sich in der Planungsphase. Manche Medien und Umweltschützer machen diese Staudämme für den tiefen Wasserpegel verantwortlich. (...) Aber für die Dürre sind die Kraftwerke sicher nicht verantwortlich. Im laotischen Parlament wurden gar schon Stimmen laut, die sagten, dass man sich nicht um weitere Stauseen bemühen brauche, wenn die Abholzung ungehindert weiter gehe. Wälder dienen einerseits als Wasserreservoire und verhindern anderseits, dass Niederschläge allzu schnell abfliessen und talabwärts Fluten verursachen.
P.S.: Ärger mit einem Staudamm könnte es demnächst auch in Äthiopien geben. Das Land will den Omo Fluss (wiki dt., engl.) an einer dritten Stelle (Gibe III) stauen - der Bau hat gerade begonnen. Der neue Staudamm wird nicht nur den Zulauf von Wasser zum Turkana-See gefährden sondern auch eine Menge Menschen vertreiben (fair-News.de (dt.), Ethiopian Review, BBC und Guardian).

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