Montag, 8. Februar 2021

Fundstücke CCXCII

Brasilien: Was Frederico Füllgraf für die Nachdenkseiten aus Brasilien über dortige Covid-19 Politik zusammengetragen hat, erfüllt tatsächlich den Tatbestand der vielfachen fahrlässigen Tötung. Hier zeigt sich die ganze Toxizität von weißhäutigem Überlegenheitsdünkel kombiniert mit neoliberalem Irrsinn und mangelnder Bildung. Lesen.
(All diese bedrückenden Tatsachen werden auch nicht durch die Tatsache aufgewogen, dass es auch unter Präsident Jair Bolsenaro seit Mitte 2020 wieder gewisse finanzielle Hilfen für arme Leute gibt (lt. enthusiasmierter NZZ).)

Ecuador: Weil das lateinamerikanische Land unbedingt davor bewahrt werden muss, von China Geld zu leihen, vergeben die USA einen Kredit in Höhe von 2,8 Mrd. US-Dollar - allerdings im Gegensatz zu Peking nur zu politischen Bedingungen. Das sei eine Falle, findet die den USA normalerweise wohlgesonnene Asia Times.
Die einzig faire Stellungnahme zum aktuellen 1. Wahlgang in dem lateinamerikanischen Land (außer amerika21) aus G-News vom 8.2.2021 findet sich beim Domradio. das erfreuliche daran: Andrés Arauz, der Präsidentschaftskandidat, der jetzt in Führung liegt, ist ein linksgerichteter Banker.

China hat in den letzten 12 - 18 Monaten mehr Windenergieanlagen gebaut, als Deutschland in seiner gesamten Geschichte. Auch Solarenergie boomt im Reich der Mitte (Telepolis). 

Myanmar: Der Putsch in dem strategisch wichtigen Land fällt keineswegs so eindeutig zugunsten Chinas aus (2), wie manche vielleicht meinen. Das Veto Pekings (und Moskaus) im UN-Sicherheitsrat als es um die Verurteilung des Putsches ging, ist daher als Zeichen zu werten, dass man auch mit den Militärs zusammenarbeiten will. Eine gute Analyse bietet der Thai Enqirer.

Indien privatisiert als ob es kein Morgen gäbe.... (Asia Times)

Sambia ist pleite und verkloppt ebenfalls sein Tafelsilber - und das zu zweifelhaften Konditionen. Der Bericht steht in der WoZ weil der Glencore, der mögliche Käufer, ebenfalls in der Schweiz beheimatet ist.

Großbritannien wird seine ODA in den nächsten Wochen(!) radikal kürzen. Der Guardian schreibt

Analysts from the Centre of Global Development said that £6.6bn of the £10bn aid budget was already committed, leaving only £3.5bn for bilateral aid, a cut of 60% on the equivalent bilateral aid figure for 2019. The cuts would have to be found in a matter of weeks, the centre said.
Welcome to Brexit.

FDI: Die weltweiten direkten Auslandsinvestitionen sind 2020 gegenüber 2019 um rund 42 Prozent (!) gefallen (UNCTAD). Und auch in der näheren Zukunft sieht es nicht rosig aus...

Militärs an der Macht: Wohl aus Anlass des Putsches in Myanmar (wenn relevante Berichte vorliegen, wird MediaWatch sie aufgreifen) hat das Katapult Magazin eine sehr nützliche Grafik veröffentlicht:

Deutschland erhält Werften mit immer mehr Waffen. Nach Griechenland beliefert die deutsche Rüstungsindustrie nun auch die Türkei mit U-Booten (Telepolis). Rechtlich ist das überhaupt kaum kein Problem, weil die Türkei NATO-Partner ist. Bündnisgrünes Maulen darüber muss deshalb als Bespaßung des Wahlvolks abqualifiziert werden, solange nicht wenigstens ein Antrag der Fraktion vorliegt, der die Bundesregierung auffordert, eine Änderung des Bündnisvertrages anzustreben.
P.S.: Auch Israel hat auch schon jede Menge echt deutsche U-Boot-Wertarbeit bekommen ...

Lieferkettengesetz: Vor allem der Vollständigkeit halber sei hier noch einmal auf den Aufruf von 70 Ökonominnen an die Bundesregierung verwiesen, endlich ein ordentliches Lieferkettengesetz zu verabschieden. Das sehr kurze und prägnante Stück sollte in von VWL-StudentInnen im 1. oder 2. Semester auswendig gelernt werden, weil es Marktversagen in Bezug auf folgende Faktoren konzise darstellt: Externe Kosten, Kollektiv- und Allmendegüter sowie Marktkonzentration und Marktungleichgewicht.

Covid-19: Auch die Forderung, die Patente auf Covid-19 Impfstoffe auszusetzen, ist schon fast Mainstream. Hier der Link zu einem Kommentar aus den Weltsichten. Leider wird diese Forderung im Hinblick auf Covid-19 Medikamente überhaupt nicht diskutiert.

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