Montag, 1. März 2021

Fundstücke CCXCIII

Ecuador: Nur amerika21 meldet in deutscher Sprache, dass eine teilweise Neuauszählung der Stimmen in Ecuador läuft. Warum die Deutsche Welle diese Meldung lediglich auf Englisch bringt, wird wohl für immer ein Rätsel bleiben. Al Jazeera weist darauf hin, dass die Vereinten Nationen Transparenz in dem Verfahren angemahnt haben.

Afghanistan: Die (US-)Rüstungsindustrie will die Fortsetzung dieses Krieges (Responsible Statecraft).

Türkei: Der starke Mann am Bosporus braucht dringend Ersatzteile für seine zahlreichen, bei Onkel Sam gekauften Waffensysteme. Prompt zeig man sich in Ankara in Bezug auf das unlängst in Russland erworbene Raketenabwehrsystem S-400 verhandlungsbereit (Al Jazeera).

Israels Armee ist Mitte Februar mit Panzern in den Gaza-Streifen eingerückt und hat das Feuer auf palästinensische Bauern eröffnet (MEMo). Dieser Krieg niedriger Intensität hat die Bezeichnung "Nahost-Konflikt" schon lange nicht mehr verdient.

Kenia: Die britische Armee in Kenia muss sich wegen einer Covid-19-Welle in Quarantäne verfügen (Press TV). Das Kontingent der ehemaligen Kolonialmacht ist in dem ostafrikanischen Land - verständlicherweise - sehr unbeliebt. Insgesamt hat London etwa eine Division(!) Infanterie rund 200 km nördlich von Nairobi stationiert. Wikipedia meint, die "trainieren" da nur deswegen, weil das Wetter heißer sei als zu Hause....
Und für die Akte "Pekings Schuldenfalle": Spiegelbildlich zu einer Stundung von 300 Mio. US-Dollar durch den Paris-Club hat auch China dem ostafrikanischen Land Aufschub für Zahlungen in Höhe von 245 Mio. US-Dollar gewährt (SCMP). Hat tip Times of India.

Uganda wird - nach Sambia - vielleicht das nächste ostafrikanische Land werden, das pleite geht (The East African).

Sudan und Äthiopien liefern sich Gefechte in der Grenzregion beider Länder (1), (2). Hintergründe gibt es in deutscher Sprache wieder mal nur bei Telepolis.

Guinea: Der Freitag berichtet über die Durchsetzung deutscher Wirtschaftsinteressen beim Bauxit-Abbau in dem westafrikanischen Land. Probleme wie die Vertreibung von Einheimischen wird man allerdings mit dem neuen Lieferkettengesetz nicht bearbeiten können. Denn die geplante Regelung - sie sollte besser Lieferungengesetz heißen - deckt nur die direkten Zulieferer ab und eben nicht die ganze Kette.


Westsahara: Wie USA und EU an der Okkupation in "Afrikas letzter Kolonie" politisch beteiligt sind und von ihr profitieren, beschreibt Mint Press News.

Armut: "The return of extreme poverty", beklagt der Guardian und schiebt die Schuld auf Covid-19. (Sonst sieht man dieses Thema übrigens so gut wie gar nicht im deutsch/englischen Mainstream.) Ihr/Euer MediaWatch-Redakteur hält dagegen nicht den Virus sondern eine völlig verfehlte Wirtschaftsweise sowie Wirtschafts- und Sozialpolitik in den allermeisten Ländern (und damit sind nicht nur Entwicklungsländer gemeint) für die Ursache der (zunehmenden) Verelendung.   

Menschenrechte: "Utter moral bankruptcy" macht M.K. Bhadrakumar in Bezug auf den Menschenrechtsanspruch der USA und der EU aus. Wer eine Anwort auf die Frage will, "warum hassen sie uns so", sollte diesen Text genauestens studieren...

It is utter moral bankruptcy that the US and its rich allies in the Western world — the so-called “golden billion” on planet earth — walk into the UNHRC and start pontificating about human rights and pursue coercive approaches and unlawful methods of intimidation and pressure with narrow and self-serving geopolitical goals.

Badhrakumar wirbt für einen Menschenrechtsbegriff, der auch soziale Rechte einschließt und dessen Begriff von Redefreiheit nicht vor den Toren irgendwelcher privat betriebener Internetplattformen endet.

Deutschland in den Augen der anderen: Profifußball hat in den Zeiten von Covid-19 einen ziemlich ekligen Beigeschmack bekommen. Umso erfreulicher ist das Video-Feature von Al Jazeera über ... St. Pauli (!) anzusehen, in dem die Fans in den Mittelpunkt gerückt werden. Der arabische Sender schreibt dazu:

Beyond the usual football chants and rock music, we follow the “ultras” of FC St Pauli, a beacon of hope in the midst of Europe’s rising far-right movements. (...) St Pauli supporters are united in empathy, representing the poor and downtrodden – a far cry from violent hooliganism common amongst football “ultras” in other parts of Europe.

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