Dienstag, 7. Januar 2020

Bis auf weiteres schmutzig und asymetrisch

Woher wussten die US-Amerikaner eigentlich, wo General Kassem Soleimani sich zur Zeit ihres Raketenanschlags aufhielt? Nun, der Mann war letztlich auf Bitten der US-Regierung unterwegs um zwischen Iran und Saudi-Arabien zu vermitteln. Darauf macht die Asia Times aufmerksam:
Maj. Gen. Qasem Soleimani (...) had been sent by Tehran to deliver, in person, a reply to a message from Riyadh on de-escalation across the Middle East. Those negotiations had been requested by the Trump administration.
Baghdad was officially mediating between Tehran and Riyadh, at the behest of Trump. And Soleimani was a messenger. Adil Abdul-Mahdi [der irakische Premierminister] was supposed to meet Soleimani at 8:30 am, Baghdad time, last Friday. But a few hours before the appointed time, Soleimani died as the object of a targeted assassination at Baghdad airport.
Damit hat die Diplomatie des 21. Jahrhundert einen Tiefpunkt erreicht, der weit über die aktuelle Eskalation hinaus wirken dürfte. Eine Regierung, die Diplomaten unter den Augen der Weltöffentlichkeit auf offener Straße hinmetzelt, benimmt sich noch dämlicher als die absolutistischen Potentaten vergangener Jahrhunderte. Die haben unliebsame Botschafter in der Regel wenigstens heimlich abmeucheln lassen. Man kann sicher sein, dass die Botschaft verstanden worden ist (wenn auch nicht vom hiesigen Publikum). Nicht nur in Teheran hat man erneut festgestellt, dass in Washington ehrloses Gesindel an den Schaltstellen der Macht sitzt. Die öffentliche Drohung, Kriegsverbrechen zu verüben ist vor solch einem Hintergrund nicht mehr verwunderlich.

Schon bald werden die USA die Besetzung des Iraks wohl zunehmend mit Waffengewalt durchsetzen müssen. Teheran kann an vielen, vielen Orten zwischen dem Libanon, Jemen und Afghanistan auf die US-Agression reagieren. Trotzdem wird man wohl keinen "heißen" Krieg riskieren, denn der Iran ist isoliert. Zwar gab es um die Jahreswende  2019/2020 gemeinsame Manöver mit Russland und China und es existieren mitlitärische Kooperationsvereinbarungen mit beiden Ländern (1), (2). Einen förmlichen Verteidigungspakt aber hat Teheran bisher nur mit Damaskus geschlossen. Der Krieg wird bis auf weiteres schmutzig und asymetrisch geführt werden.

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