Freitag, 1. Januar 2021

Fundstücke CCXC

Marokko/Israel: Die Annäherung zwischen Marokko und Israel wird die Sahrauis teuer zu stehen kommen. Die US-Regierung hat angekündigt, Rabat als Lohn für die diplomatische Anerkennung Israels die Souveränität über die Westsahara zuzubilligen.

Sudan: Nach 13 langen Jahren endet die UNAMID Mission in Dafur (East African). Derweil gehen die Proteste der Zivilbevölkerung in Khartoum weiter - allerdings in geordneter Form, so dass wir hier davon nichts mitbekommen.

Namibia/Botswana: Im Okavango-Delta hat eine kanadische Firma mit der Erdöl-Exploration begonnen. Das sind schlechte Nachrichten für die dortige Tier- und Pflanzenwelt. Die UNESCO macht sich um das Welterbe Sorgen. Konkretes erfahren wir bei Alliance Earth.: "Fracking the Okavango".

Covid-19-Auswirkungen in Entwicklungsländern: Einen verdienstvollen Beitrag zu den Auswirkungen von Covid-19-Politiken in Entwicklungsländern hat Jens Berger für die Nachdenkseiten verfasst. Hier wird deutlich, dass Entwicklungsländer mit ihren überwiegend durchschnittlich recht jungen Bevölkerungen unter den Auswirkungen der Covid-19-Politiken - besonders und unter den anfangs verfügten, harten Lockdowns - meist mehr leiden als unter der Infektionskrankheit selbst. Der Abgleich mit dem Ärzteblatt lohnt (nettes Foto!), und er fällt ähnlich aus wie Bergers Einschätzung.
Berger täuscht sich lediglich über die niedrige Impf"bereitschaft" in den Industrieländern, denn selbstverständlich werden künftig Flugreisen (oder auch die Einreise selbst) an eine Covid-19-Impfung geknüpft.

China liefert seinen Impfstoff schon seit Anfang Dezember an erste Länder aus (Global Times). Genannt werden Indonesien und die Türkei.
Vgl. dazu das Resümee des Freitag zur Impfstrategie der westlichen Wertegemeinschaft. Sogar die regierungsnahe Stiftung Wissenschaft und Politik kritisiert das Vorgehen der Bundesrepublik.

Schuldenerlasse werden nach Meinung des südafrikanischen Mail&Guardian 2021 die Agenda in Afrika bestimmen. Der Artikel gibt einen guten Überblick über die verschiedenen Schuldenarten und -probleme. Darin heißt es unter anderem:

In April, the World Bank’s development committee and G20 finance ministers endorsed the Debt Service Suspension Initiative (DSSI) [wg. Covid-19, die Red] which includes 40 African least developed countries. This (...) initiative (...) did not provide any reduction in the net value of debt (...)

Landwirtschaft: Unfassbare Zahlen in Bezug auf Vergiftungen von Menschen mit Agrarchemikalien haben vier WissenschaftlerInnen vom Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany) vorgelegt: Demnach pasieren derzeit jedes Jahr rund 385 Millionen akute Pestizid-Vergiftungen. Stimmen die Hochrechnungen, würden etwa 44 Prozent der in der Landwirtschaft tätigen Weltbevölkerung – 860 Millionen FarmerInnen und LandarbeiterInnen – jedes Jahr eine Vergiftung erleiden.

Erdöl / Internationale Beziehungen: TP bringt einen Beitrag zur (künftigen) Ausbeutung der Erdölvorkommen in der Levante: "Teuer, nutzlos und gefährlich". Pflichtlektüre. (Die ersten Schlagzeilen (2) hat das Thema ja schon längst gemacht...) Die Artikelserie schließt mit der Bemerkung:

Die EU-Regierungen jedenfalls wären gut beraten, sich ganz schnell und konsequent aus diesem Konflikt herauszuziehen, den die beiden engen US-Verbündeten Türkei und Israel im östlichen Mittelmeer angebahnt haben. Die Provisionen für eine Handvoll Politiker und Parteien aus Energie- und Rüstungsdeals sind es nicht wert, sich in eine dauerhafte Konfrontation hineinziehen zu lassen.

Wahlen: Natürlich ist es möglich, mit ausgeklügelten statistischen Methoden zu überprüfen, ob Wahlergebnisse verfälscht wurden (Heise). Wer aber glaubt, die Öffentlichkeit, auf diesem Wege von der Korrektheit eines Urnengangs überzeugen zu können, ist auf den Holzweg.

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