Montag, 22. Juni 2020

Nicht besonders rosig

Erinnert sich noch jemand an den Jubel (2), (3) den der monatelange mutige Widerstand der Menschen im Sudan bei vielen KollegInnen und in der entwicklungspolitischen community  ausgelöst hat? (Die taz spinnt das Garn bis heute weiter...) Nun hat sich der Staub wieder etwas gelegt und das Land am Nil eine militärische (Übergangs?)Regierung. Die Dinge sehen nicht besonders rosig aus. Der Europäische Rat für Auswärtige Beziehungen fasst die Situation wie folgt zusammen (Links von MediaWatch eingefügt): 
Sudan’s transition to constitutional rule is failing: the reform of political institutions has not begun, while the country faces an intensifying economic crisis, a dramatic decline in living conditions(...).
The civilian wing of the Sudanese state is bankrupt but unwilling to confront powerful generals, who control a sprawling network of companies and keep the central bank and the Ministry of Finance on life support to gain political power.
The United Arab Emirates and Saudi Arabia appear to be positioning a paramilitary leader known as Hemedti [
Mohammed Hamdan Dagalo,(2), die Red.] as Sudan’s next ruler, (...).
Western countries and international institutions have let the civilian wing of the government down: they failed to provide the financial and political support that would allow Prime Minister Abdalla Hamdok to hold his own against the generals.

Norbert Häring beschreibt in seinem Blog, wie die USA auf die Entwicklung des praktisch zahlungsunfähigen Landes mit der Alimentierung von direkten Geldtransfers für Teile der Bevölkerung Einfluss nehmen (hat tip NDS) - ein Einfluss der offensichtlich weder gut gemacht noch gut gemeint ist. Denn gleichzeitig sanktionieren die USA das Land immer noch, weil Khartoum angeblich den Terror fördert. Viele Fachleute werden sich zwar ob der Darstellung verwundert die Augen reiben, aber es gilt wie immer: audiatur et altera pars - gehört werde auch der andere Teil.

Mohammed Hamdan Dagalo war übrigens die rechte Hand von Sudans ehemaligem Präsidenten Omar al Bashir und Befehlshaber der brutalen Feldzüge Khartoums in Dafur. Die Vorgänge werden derzeit vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verhandelt - Dagalo gehört aber (noch?) nicht zu den Angeklagten.
Angeblich hat er zudem keinen Rückhalt bei den Eliten in Khartoum, "because as an uneducated Darfurian he is from the wrong class and the wrong place, and lacks the formal qualifications of education or staff college".
Einen deutlich anderen Zungenschlag weist dieser kurze Beitrag von africanews über Mohammed Hamdan Dagalo alias Hemedti auf, dem auch der obige Screenshot entnommen ist:
 

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