Freitag, 7. September 2018

Was die Beteiligten sagen

Eine Schuldenfalle baue China für die afrikanischen Länder und strebe eine neue Form des Kolonialismus/Imperialismus an, so lauteten die beiden am häufigsten erhobenen Vorwürfe in den Kommentaren deutscher Medien zum jüngsten China-Afrika-Gipfel (FOCAC) in Peking.

'Und wenn schon', ist man versucht zu entgegnen. Seit der Unabhängigkeit der meisten afrikanischen Länder hatte Europa über 50 Jahre Zeit, etwas auf dem Nachbarkontinent zu bewegen. Und die Damen und Herren haben es all die Jahrzehnte - gelinde ausgedrückt - komplett vergeigt.  Ausbeutung von Rohstoffen, ungleiche Handelsverträge und eine brutale Schuldenknechtschaft statt Entwicklung. Klar schreit man da sofort 'Haltet den Dieb'.

Schaut man auf die Entwicklung Chinas seit den 1980er Jahren, beschleicht einen das leise Gefühl, dass man in Peking eine Menge vom Thema nachholende Entwicklung versteht und scheinbar bereit ist, dieses Wissen zu teilen. Wohl auch deshalb zeigt man sich in Afrika durch die Bank zuversichtlich bis begeistert:

Die ägyptische Al-Ahram Weekly greift die westlichen Zweifel auf, betont aber die Chancen. "Die afrikanischen Länder gewinnen, vielleicht nicht so viel wie China, aber es gibt Gewinne durch Entwicklung und Konnektivität", lautet das Fazit.

Die Capital News aus Nairobi, Kenia, bildet den chinesischen Präsidenten Xin Jinping fröhlich mit einem Glas Sekt in der Hand ab und zitiert ein chinesisches Spichwort: "Der Ozean ist riesig, weil er keinen Fluss zurückweist." Seit 2000 habe sich der Handel zwischen China und Afrika von 10 Milliarden US-Dollar auf jetzt 170 Mrd. vervielfacht. (Deutschland tauschte 2017 Waren im Wert von etwa 30 Mrd. US-Dollar mit afrikanischen Ländern.)

Der in Harare, Simbabwe, erscheinende Herald betont, dass China sich nicht einmische.Das Blatt zitiert Xi zu diesem Grundsatz:
“The country follows a ‘five-no’ approach in its relations with Africa: no interference in African countries’ pursuit of development paths that fit their national conditions; no interference in African countries’ internal affairs; no imposition of China’s will on African countries; no attachment of political strings to assistance to Africa; and no seeking of selfish political gains in investment and financing cooperation with Africa.”
Die Daily News aus Daressalam, Tansania, hebt auf den Konsens ab, den China und die 53 teilnehmenden afrikanischen Staaten erreicht hätten und zitiert den südafrikanischen Präsident Cyril Ramaphosa:
“We will boost cooperation in facilitating trade and investment, sharing of policy, information and capacity build up,” he said, adding that more efforts will also be put in sharing lessons learned in poverty relief and development.
In einem anderen Daily-News Beitrag wird darauf verwiesen, was die Zusammenarbeit mit Peking für Tansania bringen soll: In Dar soll eine Uni für Kommunikation und Transportwesen entstehen. Zudem wird in den Luftverkehr und die Pharmaproduktion investiert.
Unabhängig davon ist außerdem ein großer Hafen in der Nähe von Bagamoyo geplant.

Die strategischen Beziehungen zu China lobt der namibische Präsident Hage Geingob. Die New Era (allafrica.com) aus Windhoek betont die Bedeutung direkter chinessicher Auslandsinvestitionen in Namibia. Zudem erhofft man sich einiges von einer Telemetrie- und Kommandostation für die chinesische Raumfahrt in Swakopmund.

Nigeria schließlich hat in den letzten drei Jahren - seit der letzten FOCAC in Südafrika - chinesische Investitionen in Höhe von etwa fünf Mrd. US-Dollar gesehen. Jetzt wurden weitere Investitionen in Höhe von 328 Mio. US-Dollar für den Ausbau der Telekommunikations-Infrastruktur vereinbart (The Guardian, allafrica.com).

P.S.: Übrigens stimmt es nicht, dass China unkontrolliert Geld verleiht. Eine Kreditlinie über 20 Mrd. US-Dollar wurde Abuja letztes Jahr verweigert, weil die ökonomischen Rahmendaten nicht stimmten. Vorher waren chinesische Fachleute in Nigeria gewesen, um die Details zu prüfen (beide Meldungen The Guardian).

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