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Sonntag, 26. Juni 2022

Die Palästinenser:innen sind immer noch da

Ein Gastbeitrag von Ina Zeuch.

Das Schweigen brechen wollen ehemalige israelische Soldaten und Soldatinnen, die bei ihren Einsätzen in den von Israel besetzten Gebieten Menschenrechtsverletzungen an Palästinenser:innen verübt haben und - anonym - darüber Zeugnis ablegen wollen. Dazu liefert die 2004 gegründete NGO Breaking the Silence (Das Schweigen Brechen, BTS) eine Plattform, auf der diese Berichte veröffentlicht werden. Sie liegen als Audios, Videos und in schriftlicher Form vor und geben einen tiefen Einblick in die Abläufe der jetzt schon 55-jährigen militärischen Besatzung, für die israelische Soldat:innen täglich im Einsatz sind.

Snapshot vor der BTS-Internetseite

Montag, 7. Oktober 2019

China: Aus dem Filmschaffen

Wer an chinesische Filme denkt, dem/der wird wohl meist das Eastern-Genre in den Sinn kommen, dass über Jahrzehnte vor allem von Produkten aus Hongkong geprägt war. Speziell Bruce Lee und Jackie Chan sind weltweit berühmt geworden und wurden (und werden) von vielen Millionen regelrecht verehrt.

Tatsächlich lässt sich trefflich streiten, inwieweit das Kino vor allem in Shanghai von Produktionen aus Hongkong beeinflusst wurde - und zwar teils schon vor dem Zweiten Weltkrieg. Heute sind Kooperationen zwischen Firmen aus Hongkong und vom Festland selbstverständlich. Das lässt sich auch an der Entwicklung des wuxia-Genres in den letzten 20 Jahren ablesen. Die Filme wurden aufwendiger, komplexer (wie Crouching Tiger, Hidden Dragon oder House of Flying Daggers), auch humorvoller (wie die späteren Streifen von Chan oder das sehr sehenswerte Genre-Crossover Kung Fu Hustle) und bekamen eine stärker nationalistische Färbung. Letzteres lässt sich besonders gut an Once Upon a Time in China (mit Jet Li) und Ip Man (mit Donnie Yen) ablesen.

Aber das chinesische Kino hat sehr viel mehr zu bieten als Actionfilme.

Mittwoch, 10. Mai 2017

Eine andere Perspektive

Filmvorführung mit den Combatants for Peace in Susiya
Ein Gastbeitrag von Ina Zeuch
aus dem Hügelland südlich von Hebron (South Hebron Hills).


Am 1.Mai gedachten die Menschen in Israel im Rahmen des „Memorial Day“ der israelischen  Opfer von Kriegen und Terror. Am Vorabend fanden sich Israelis und Palästinenser*innen in einem Basketballstadion in Tel Aviv zusammen, im Gedenken an die Opfer beider Seiten und als Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung und Frieden. Zum 11. Mal in Folge hatten die „Combatants for Peace“ und das „Parents Circle – Families Forum“ diese gemeinsame Gedenkveranstaltung organisiert. Auch 225 Palästinenser*innen aus der Westbank hatten an der Zeremonie teilnehmen wollen. Die israelischen Behörden verweigerten ihnen jedoch die Einreise.

Im März lernten wir während unseres Trainings in Jerusalem zwei Mitglieder der Combatants for Peace kennen. Die aus ehemaligen israelischen Soldat*innen und früheren palästinensischen Kämpfer*innen bestehende Gruppe ist vor kurzem für den Friedensnobelpreis nominiert worden. Nach einem beeindruckenden Vortrag über ihre Friedensarbeit erfahren wir, dass auch in unserem Einsatzort Yatta ein Mitglied der Combatants for Peace lebt, mit dem wir unmittelbar nach der Veranstaltung Kontakt aufnehmen. Schnell entsteht die Idee, dass wir den über die Gruppe gedrehten Dokumentarfilm “Disturbing the Peace“ (IMDB 8.8), der im März 2016 in den USA erstaufgeführt wurde, in den South Hebron Hills zeigen könnten.

Mittwoch, 25. November 2015

Marikana - der Film

Aktivisten haben die staatliche südafrikanische Fernsehanstalt SABC aufgefordert, den Dokumentarfilm "Miner Shot Down" (IMDB: 7,8) über das Marikana Massaker (2) auszustrahlen (Al Jazeera). Die Verantwortlichen winden sich. Auch der Mail+Guardian verschweigt die Kontroverse (bisher). Dass der Film gerade sogar einen Emmy als bester Dokumentarfilm bekommen hat, ist in deutscher Sprache laut G-News im Mainstream überhaupt nur von der NZZ und dem Standard erwähnt worden. Beschämend.

Folglich ist der Film im ersten Halbjahr 2015 auch nur an einigen wenigen Orten in Deutschland gelaufen. Es gibt derzeit (1), (2) Adressen unter denen man den Film bei Youtube gucken kann. Unten ist der Trailer eingebettet.


Als kleiner Service von Seiten der Redaktion hier auch noch der Link zum offiziellen Statement anlässlich der Vorstellung des 660 Seiten langen Untersuchungsberichts. im Juni diesen Jahres.

Montag, 8. Juni 2015

"John and Jane" - ein Film von Ashim Ahluwalia aus einem Callcenter in Mumbai

Ein Gastbeitrag von Ina Zeuch

Sie heißen Glen, Kitty oder Sydney und die Abteilungen ihrer Großraumbüros sind nach amerikanischen Großstädten benannt. Sie arbeiten nachts und schlafen tagsüber. Sechs Arbeiter in einem Mumbaier Callcenter werden von der Kamera von Ashim Ahluwalia bei ihrem Job und nach Hause begleitet. Sie fängt ihre schlafwandlerischen Bewegungen durch Mumbai ein, aus dem Off hört man sie sprechen oder sie stehen direkt vor der Kamera und erzählen in knappen Sätzen über ihr Leben, ihren Job, ihre Träume. Neben den fiktiven amerikanischen Namen steht auf ihren vom Callcenter geführten Karteikarten ihre jeweilige Blutgruppe, immerhin Fakt ihrer biologischen Herkunft - sonst nichts. Damit führt Ahluwalia sie ein.  Der Film ist bereits 2005 gedreht, aber wie so oft kommt man teils nur durch Zufall aus dem eurozentrischen Blickwinkel heraus und entdeckt so vieles erst Jahre später.   

'Kitty' 

Samstag, 30. März 2013

Moderne Zeiten - in China

Beim Blog "Stimmen aus China" der Asienstiftung haben sie sich die Mühe gemacht und diesen chinesischen Animationsfilm übersetzt und kommentiert. Da kleine aber feine Werk schildert die Arbeitswoche eines Durchschnittsmenschen in der Großstadt mit einiger Ironie. Außerdem greift er eine Reihe Ereignisse auf, die die chinesische Internet-Gemeinde 2012 bewegten.


Wer mehr über den Film und die darin vorkommenden Ereignisse wissen will, kann hier weiterlesen.

Dienstag, 12. Juni 2012

100 Jahre indisches Kino

Ein Jubiläum, das weder kulturbeflissene Menschen noch Trash-LiebhaberInnen verpassen sollten! Beiträge dazu gibt es von Aljazeera, der Times of India, Outlook India und von vielen mehr (G-News engl.). India Today hat eine kleine Fotostrecke im Angebot. MediaWatch feiert mit und zeigt eine kleine Auswahl von Fotos zu indischen Filmplakaten der Künstlerin Ina Zeuch, die sämtlich 2010 in Mysore aufgenommen wurden.


Montag, 30. April 2012

Vier junge Afrikaner und Hollywood

Weil alle grade Kony jagen, ist es Zeit ein bisschen was dagegen zu halten. Dabei hilft dieses wirklich nette Video über vier junge Afrikaner und Hollywood ungemein (engl.).



Gefunden bei Chris Blatman.

Donnerstag, 1. September 2011

Die Umwelt-Krieger

"The Warriors of Quijang" heißt ein neuer Dokumentarfilm von Ruby Yang. Darin geht es um ein Dorf in Zenttralchina, dass sich gegen eine Chemiefabrik wehrt. In den fünf Jahre dauernden Auseinandersetzungen verändern die Dörfler aber nicht nur ihre Umwelt sondern auch sich selbst:

Bekannt geworden ist der Regisseur mit dem Film "The Blood of Yingzhou District" in dem es um ein Jahr im Leben von chinesischen Aids-Waisen geht und der 2006 den Oscar für den besten Dokumentar-Kurzfilm erhielt:

Hat tip für den Hinweis geht an Klaus vom Asienhaus. Das Asienhaus bemüht sich derzeit um die Rechte für die deutschsprachige Untertitelung für "The Warriors of Quijang".

Donnerstag, 18. März 2010

Etwas gegen die Leere tun

"'The Hurt Locker' is empty", befindet der Guardian - eine Auffassung, der man sich durchaus anschließen kann. Die Kollegen beim Spiegel finden den mehrfach Oscar-gekrönten Film über die Beseitigung von Sprengfallen im Irak dagegen offensichtlich spannend genug, um fix noch eine Reportage nachzuschieben.

Vertane Chancen. Hier werden moderne Cowboy-Märchen aufgetischt und neue Aspekte kreiert, die geeignet sind, dem "Krieg gegen den Terror" Akzeptanz zu verschaffen.

Welche Genugtuung wäre es im Vergleich dazu, endlich mal ein paar richtig gut gemachte und spannende Produkte über humanitäres Minenräumen (AA), (IRIN, engl.), (Linkliste der Stiftung Welt ohne Minen) entdecken zu dürfen. Das sollte eigentlich nicht so schwer sein, denn Drehorte gibt es genug und auch interessante Menschen, die - auf die eine oder andere Art und Weise - mit dem Thema zu tun haben. Die Recherche ist auch vergleichsweise einfach: Die UN halten eine Liste aller 39 Länder mit möglichen locations bereit. Etwa 100 Millionen Anti-Personenminen liegen weltweit rum (CNN) - ein wahrhaft weites Feld. Und schließlich braucht sich niemand vom Militär einbetten lassen um dieses Thema gekonnt auf- und auszuarbeiten.

Montag, 5. Oktober 2009

Hilfe ist nie neutral

Wem es schwer fällt, sich vorzustellen, warum ein Selbstmordattentäter in Pakistan (dt. G-News-Ergebnisse) sich ausgerechnet ein Büro des Welternährungsprogramms in Islamabad für ein Attentat aussucht, sei der Film oder Roman Guelwaar des großen Ousmane Sembène empfohlen.

Sembène beschreibt in dieser Geschichte unter anderem, wie Nahrungsmittelspenden die Unabhängigkeit der Empfänger untergraben und zudem von den heimischen Eliten für ihre Zwecke missbraucht werden.

Aus dieser Perspektive werden die Büros von Hilfsorganisationen logischerweise Angriffsziele, wenn es darum geht den Einfluss der (westlichen) Geberländer zurückzudrängen.

Selbstverständlich legt die brilliante "schwarze" Komödie Sembènes solch krude Militanz keinesfalls nahe. Doch auch sein Roman endet mit der symbolischen Vernichtung von Hilfsgütern.

Montag, 4. August 2008

Aufbegehren gegen Korruption

An diesem Wochenende hatte ich das Glück, den Bollywood-Film “Rang De Basanti” (deutscher Titel “Die Farbe der Rebellion”) zu sehen. Darin begehren fünf junge indische Männer gegen die Korruption in ihrer Heimat auf. Zur Handlung hier nur so viel: Einer der fünf ist Pilot der indischen Luftwaffe und kommt bei einem Absturz ums Leben, der offensichtlich durch minderwertige Ersatzteile ausgelöst wurde. Nachdem friedliche Proteste niedergeschlagen werden, ermorden die Protagonisten den Verteidigungsminister und besetzen schießlich ein Radiostudio, um ihre Geschichte öffentlich zu machen. Der Sender wird von Polizeitruppen gestürmt, die den für die Aktion ausgegebenen Befehl “keine Überlebenden” natürlich wörtlich befolgen.
Um die Brisanz des Films zu beurteilen, hilft es sich vorzustellen, jemand hätte in Deutschland in den 60er Jahren einen ähnlichen Film gedreht. Darin hätten die Freunde eines Starfighter-Piloten (292 Abstürze, 115 tote Piloten) Franz Josef Strauß erschossen - worauf hin sich die Öffenlichkeit spontan mit ihnen solidarisiert.

Der 2006 gedrehte Film geht hart mit Regierung und Hindu-Nationalisten ins Gericht. Die Korruption durch Regierungsmitglieder und skrupellose Geschäftemacher wird direkt und unmissverständlich mit der Unterdrückung durch die britischen Kolonialherren verglichen. Im Abspann weist Rakesh Omprakash Mehra (Drehbuch und Regie) zudem darauf hin, dass 78 indische MIG-Piloten zwischen 1990 und 2005 in 206 Abstürzen ihr Leben lassen mussten. Der Regisseur vermittelt überzeugend, dass hier nicht Terroristen ihrem blutigen Handwerk nachgehen. Es ist die Verzweiflung persönlich Betroffener, die sich radikal Bahn bricht.

Wer mehr über den komplexen Plot und die Hintergründe des Films wissen möchte, sollte “Rang De Basanti” bei Wikipedia nachschlagen. Die DVD kann man im Internethandel (gebraucht ab etwa acht Euro) käuflich erwerben.

Sehr sehenswert!