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Mittwoch, 3. Mai 2017

Umgekehrt wird ein Schuh draus

Einen "Angriff der Saat-Piraten" sieht SPON in dem Schritt der Uni Göttingen die gelb reifende Tomatensorte Sunviva mit einer Open Source Lizenz auszustatten. Die gemeinfreie Lizensierung ermöglicht es, das Saatgut weiter zu vermehren, aber auch für eigene Züchtungen zu nutzen, wenn diese ebenfalls unter die Lizenz gestellt werden.

Der Artikel ist insgsamt ganz ok - nur die Überschrift von SPON findet MediaWatch ziemlich verblödet, gilt die Biodiversität doch als gemeinsames Erbe der Menschheit. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Als Biopiraterie müsste folglich doch wohl die private Aneignung und Patentierung dieses gemeinsamen Erbes gelten. Gleiches gilt für die Selbstverständlichkeit, mit der SPON seinen LeserInnen folgenden Abschnitt serviert:
Sunviva, (...) wird zu diesem Verbrauch [in Deutschland] kaum einen entscheidenden Beitrag leisten. Die Freilandtomate wird nicht in den Gewächshäusern großer Gärtnereien und Agrarbetriebe sprießen, wird nicht die Supermarktauslagen füllen, sondern bestenfalls von Beeten und Blumentöpfen direkt auf die Teller deutscher Hobbygärtner wandern.
MediaWatch ist sicher: Darüber ist noch längst nicht das letzte Wort gesprochen. Es gibt auch schon einen gemeinfreien Sommerweizen. Und gemeinfreie Nutzpflanzen könnten künftig vor allem für arme Bauern in Entwicklungsländern und auch für den Biolandbau eine echte Chance darstellen. Wer will, kann eigene Züchtungen jederzeit bei Open Source Seeds registrieren und lizensieren lassen.

Sonntag, 29. August 2010

Der heilige Gral

Große Versprechungen machen besonders britische Zeitungen ihren LeserInnen im Zusammenhang mit der Entschlüsselung des Weizen-Genoms durch WissenschaftlerInnen in Liverpool. Die Vorschusslorbeeren werden derart üppig ausgeteilt, dass man sich Sorgen machen muss, warum die KollegInnen so unbedingt gute Nachrichten unter die Leute bringen wollen. Ist es Patriotismus? Ist es weil die Sequenzierung öffentlich gefördert wurde? Jedenfalls steht zu befürchten, dass sie wirklich glauben, was sie schreiben:
"Wheat genome may help tackle food shortages" BBC.
Geradezu euphorisch der Independent: "Genome breakthrough heralds new dawn for agriculture" ergänzt um einen Leitartikel: "A victory in the battle against hunger".
"Cracking wheat genome could improve food security: scientists" Vancouver Sun.
"Bread Prices Could Come Down After Scientific Breakthrough" UK News Reporter.
"Feeding world closer as boffins crack wheat gene code" Farmers weekly interactive.
Und als Feststellung: "Coming soon, the wheat revolution: Scientists DNA breakthrough paves the way for cheaper bread" Mail Online.
"Frankenwheat: A New Hope for World Hunger" tonic versucht's witzig.
"Wheat genome sequenced – superior types of wheat could result" Gizmag.

Samstag, 12. Juni 2010

Neue Umsätze in Sicht

Das Global Policy Forum macht in seiner wöchentlichen Infomail auf einen Artikel im Wall Street Wall Street Journal aufmerksam: "Superweeds hit Farm belt; are invading fields".

Worum geht es? Es ist eingetreten, wovor KritikerInnen der Gentechnik von Anfang an gewarnt hatten: Die (gentechnisch erzeugte) Resistenz von Nutzpflanzen gegen Monsantos Roundup-ready ist von Wildpflanzen entweder übernommen worden oder auf natürlichem Wege zustande gekommen: Nun wirkt das Zeug nicht mehr so wie es soll. Das hat zur Folge, dass das Wettrennen zwischen Gitfmischern ("Pflanzenschützern") und Resistenzen gegen eben diese Gifte auch auf der Ebene gentechnisch manipulierter Organismen eröffnet ist. Und das kann teuer werden:
Monsanto's "Roundup Ready" crop, whereby GM seeds unaffected by an accompanying herbicide, make up for 90 percent of the soybean and 80 percent of the corn grown in the US.