Donnerstag, 29. Oktober 2009

Fundstücke XLII

epo.de hat eine aufschlussreiche Presseumschau zur Ernennung von FDP-Generalsekretär Dirk Niebel zum neuen Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erstellt. Ein Kommentar in SZ online bezeichnet die Ernennung Niebels als einen "Akt der Politikverachtung durch die Politk". Hier noch der Link zu einer Karikatur von Klaus Stuttmann.

In seinem Umgang mit dem Goldstone-Bericht (engl.) schadet sich Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas selbst. Wie und warum ist beim Freitag nachzulesen. Es wirft ein bezeichnendes Licht darauf, wie verfahren die Situation im Nahen Osten ist. Nun will Abbas am 24. Januar wählen lassen, was die Hamas aber ablehnt. Auch die New York Review of Books fragt "Which way for Hamas?"
Zudem liegt ein Bericht von Amnesty International vor, nach dem Israel den Palästinensern sogar Trinkwasser vorenthalten. Das Medienecho in Deustchland ist relativ umfangreich. Neu ist die Strategie der Israelis nicht - die Franzosen wandten sie schon während des Eisenbahnstreiks 1947-48 an der Strecke Dakar - Bamako an. Hat aber nicht geholfen; die Kolonialmacht musste dann doch verhandeln. Ousmane Sembene berichtet in Holzstücke Gottes darüber.
Aber dann gibt es auch immer wieder so erfreuliche Nachrichten wie diese hier: Amina Hass, eine Journalistin, die seit Jahren (als einzige Israelin) aus den Palästinensergebieten berichtet, wird für ihr Lebenswerk geehrt (znet).

Einen ziemlich guten Hintergrundbericht über Piraterie, den Militäreinsatz am Horn von Afrika und illegalen Fischfang (vor Somalia) hat Telepolis in's Netz gestellt.

Hier wieder ein Beitrag zum shipbreaking - Tatort Indien; diesmal erschienen in der unverzichtbaren Asia Times.

Der nächste, logische Schritt: Die EU schließt sich der ECOWAS an und verhängt ebenfalls ein Waffenembargo gegen Guinea (NZZ und epo). Bleibt zu hoffen, dass dies nicht das Vorspiel zu einer weiteren, mit fadenscheinigen Argumenten begründeten Intervention wird.

Zum ersten Mal haben die ausländischen Direktinvestitionen in Schwellenländern die in Industrieländern übertroffen, weiß der Economist.

Dies ist ein Statement, wie wir sie gerne häufiger von Prominenten hören würden: Xinhua berichtet über Nicole Kidman, die für UNIFEM vor dem US-Kongress über die weltweite Gewalt gegen Frauen gesprochen hat. (Doch auch sie kann offensichtlich leider nicht davon absehen ein Kind aus einem Entwicklungsland zu adoptieren...)

Samstag, 24. Oktober 2009

Das Trauerspiel von Afghanistan

Das hat G'schmäckle: In Spiegel Online wird dazu geraten, sich "Nicht an das Klischee von fairen Wahlen [zu] klammern". Die Rede ist von der Stichwahl in Afghanistan. Mediawatchblog behält sich vor, bei passender Gelegenheit daran zu erinnern.

Die Zeit Online kritisiert haarscharf am Thema vorbei, "Deutschland macht sich von einem Diktator abhängig" (Usbekistan), um dort militärische Einrichtungen betreiben zu können. Das ist natürlich schlimm.

Na wenigstens hat der Spiegelfechter den Verlauf der afghanischen Wahlen zum Anlass genommen, noch einmal neu nachzudenken. Deshalb fragt er nun: "Für was führen wir eigentlich Krieg?"

Die Asia Times meint, der afghanische Präsident, Hamid Karsai sei nun ein für alle Mal von seinen westlichen Bündnispartnern desavouiert, weil die ihn gezwungen haben, seine "Niederlage" öffentlich zuzugeben.

Mediawatchblog ist überzeugt, dass, wenn es nicht gelingt, die Truppen am Hindukusch deutlich aufzustocken, der "Misserfolg" des Feldzuges jetzt endgültig besiegelt ist (2).

Bevor es nachher wieder alle gewusst haben wollen, ist es vielleicht an der Zeit ein deutsches Gedicht über einen englischen Feldzug aufzugreifen:

Das Trauerspiel von Afghanistan

Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt,
Ein Reiter vor Dschellalabad hält,
“Wer da!” – “Ein britischer Reitersmann,
Bringe Botschaft aus Afghanistan.”

Afghanistan! Er sprach es so matt;
Es umdrängt den Reiter die halbe Stadt,
Sir Robert Sale, der Kommandant,
Hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.

Sie führen ins steinerne Wachthaus ihn,
Sie setzen ihn nieder an den Kamin,
Wie wärmt ihn das Feuer, wie labt ihn das Licht,
Er atmet hoch auf und dankt und spricht:

“Wir waren dreizehntausend Mann,
Von Kabul unser Zug begann,
Soldaten, Führer, Weib und Kind,
Erstarrt, erschlagen, verraten sind.

Zersprengt ist unser ganzes Heer,
Was lebt, irrt draußen in Nacht umher,
Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt,
Seht zu, ob den Rest ihr retten könnt.”

Sir Robert stieg auf den Festungswall,
Offiziere, Soldaten folgten ihm all′,
Sir Robert sprach: “Der Schnee fällt dicht,
Die uns suchen, sie können uns finden nicht.

Sie irren wie Blinde und sind uns so nah,
So lasst sie′s hören, dass wir da,
Stimmt an ein Lied von Heimat und Haus,
Trompeter blast in die Nacht hinaus!”

Da huben sie an und sie wurden′s nicht müd′,
Durch die Nacht hin klang es Lied um Lied,
Erst englische Lieder mit fröhlichem Klang,
Dann Hochlandslieder wie Klagegesang.

Sie bliesen die Nacht und über den Tag,
Laut, wie nur die Liebe rufen mag,
Sie bliesen – es kam die zweite Nacht,
Umsonst, dass ihr ruft, umsonst, dass ihr wacht.

“Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan.”

Theodor Fontane, (*30.10.1819 , †20.09.1898) Hat tip geht an Net News Global....

Na klar, Fontane hat Besseres geschrieben. Mediawatchblog empfiehlt etwa Schach von Wuthenow.

Aber wie immer die Geschichte diesmal auch ausgeht: Dass die Zeitgenossen fast ebenso wenig Bewusstsein für das Unrecht haben, das sie verüben, wie die Europäer vor etwa 150 Jahren, ist schon sehr ernüchternd.

Abschließend noch der Link zu der Website mit dem Body Count der Todesopfer auf Seiten der Besatzer. Über die Verluste unter den Aufständischen und in der Zivilgesellschaft gibt es nur Schätzungen.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Fundstücke XLI

Ein angenehm ausgewogener Artikel über das Atomprogramm des Iran und die Implikationen desselben, "Souveränität als Störfall", ist im Freitag nachzulesen. Mediawatchblog möchte angesichts der unausgesetzten Diskussionen auch einmal daran erinnern, dass dass der Irak (mit Billigung der Amerikaner) den Iran von 1980 bis 1988 in einen äußerst blutigen Krieg (engl.) verwickelt hat. Der "Aufgezwungene Krieg" (جنگ تحمیلی, Jang-e-tahmīlī) erklärt die Bockigkeit Teherans in dieser Sache vielleicht ein bisschen.

Peru ist derzeit scheint's das El Dorado (Goldland) der Manchester-Kapitalisten. Hier ein Aufreger aus dem Guardian. Hat tip geht an Net News Global.

Und den LeserInnen, die es noch genauer interessiert, warum "Der Hass auf den Westen" so groß ist, kann bei Telepolis ein Interview mit Jean Ziegler über sein gleichnamiges neues Buch lesen.

Über einen Streit zwischen Indien und den UN über die Frage, ob das Kastenwesen eine Menschenrechtsverletzung darstellt, berichtet die Asia Times

Der Beitrag, den der Freitag aus dem Guardian über Korruption in Afrika übernommen hat, ist von einem betroffenen Nigerianer geschrieben. Der Autor geht davon aus, dass die Korruption die wirtschaftliche Entwicklung behindert. Doch das greift zu kurz, denn es erklärt nicht, warum ähnlich korrupte Länder in Asien wirtschaftlich viel erfolgreicher sind.
Derlei Probleme übergeht die FTD-Bilderserie "Afrikas Schätze für die Technik der Zukunft" natürlich. Und warnt statt dessen: "Deutschland verschläft Rohstoffsuche".

Es gibt 300 Mio. Euro für die Milchproduktion aus Brüssel. "Mit mehr Geld ist das Problem auf dem Milchmarkt nicht zu lösen", zitiert epo.de Oxfam. "Wie viel von dem Geld deutschen Bauern zugute kommt, ist noch offen", irrlichtert dagegen n-tv.

Eine interessante Überlegung von Paul Krugman zu den Wirtschafts- und Geldmarktbeziehungen zwischen den USA und China. Und von Dani Rodrik kommen einige interessante Gedanken zu Freihandel (und Sozialstaat) - vom Project Syndicate sogar in's Deutsche übersetzt.

Vielleicht ist der Anfang auf dem Weg zu eine Impfungen gegen den HIV/Aids Virus ja doch gemacht. Die Daten des HIV Forschungsprojektes der US-Armee von letztem Monat aus Thailand wurden nun laut new Scientist bestätigt. Bis etwas Handfestes dabei herauskommt, wird es aber wohl noch Jahre dauern.

Und hier einmal ein Vergleich der G-News in englischer und in deutscher Sprache zu Kolumbien (21. Okt. 2009, 17:00 Uhr). Nicht ganz typisch, aber leider auch nicht selten (zum Nachlesen des Screenshots bitte hier klicken; nicht barrierefrei).

Montag, 19. Oktober 2009

Should I stay or should I go?

My e-mail inbox sometimes harbors surprises such as friendly invitations. The other day news reached me that I am “invited to participate in the upcoming Afghanistan Aviation and Defense Summit (AADS). We hope that you can be a part of this very important summit which will take place on November 12-13, 2009 in Washington, DC.”

ein Gastbeitrag von Glen Brigaldino

With keen interest I checked out the summit’s web-site for more information on the event (please visit http://new-fields.com/aads ).
 
What I found out is that regrettably it is not a complimentary invitation. The full conference fee of US$2,895 exceeds my current travel budget so I will be missing the AADS, although it is heralded as

“ the world's largest and most respected event focused on Afghanistan’s aviation, security, and defense challenges and opportunities. AADS is the only event where you will hear from those who are responsible for shaping the future of Afghanistan’s aviation and defense. For three consecutive years, AADS has featured senior ranking Afghani military officers, policy makers & government decision makers.”

The ‘Benefits of Attending’ are convincing and perhaps the event could be covered by some actual journalists (should any still be on the pay rolls) of our mainstream media enterprises. Certainly a good investigative story could be woven out of

- Firsthand knowledge from Afghani security and defense leaders.
- How to assist the Afghani government to overcome its security and defense challenges
- Understanding the current Afghani military challenges
- How-to-develop a business plan for the Afghani military market
- Networking with senior Afghani officials for business dealings
- Hearing the best case studies from companies on the ground
- Discussing critical issues related to the defense and securityof Afghanistan.


On the Summit’s web-site I am told whom I would meet, namely
  • Afghani government officials responsible for security and defense procurements
  • High-Ranking Military Commanders, from Afghanistan Ministry of Defense and ISAF
  • Senior Industry Executives
  • Prime Contractors for Afghani project
  • Senior Directors and Government Advisors
The fictive investigative journalists attending in my stead will however have the privilege along with other exclusive attendees to “ .. hear presentations from the senior leaders of Afghani security and defense community, including High-Ranking Officers from International Security Assistance Force (ISAF) as well as from "Industry representatives who are able to address the challenges and tap opportunities in today’s Afghanistan are encouraged to exhibit products and services at this event.”
Indeed, the chance to “tap opportunities” would have interested me tremendously.

Meanwhile I have been struck by doubts whether I should even have thought of attending or not. Headline News on yahoo! (and if it is there it must be a genuine mainstream headline) quotes APF and reports: “Afghan panel cancels votes from 210 polling stations “

Who would have thought that all of our honest efforts and money poured into “free elections” in the war-zone/emerging democracy labeled Afghanistan did not produce the desired results? We learn that
“The Electoral Complaints Commission (ECC) said it had found "clear and convincing evidence" of fraud in the August 20 poll, including entire ballot boxes which had papers filled in with the same pen or with the same mark.”(http://ca.news.yahoo.com/s/afp/091019/world/afghanistan_vote_68 )

And it is shocking only to the most naïve, that “Karzai's survival -- and that of his government -- depends on the continued support of the international community, which has poured billions of dollars in aid into the country since overthrowing the Taliban regime in 2001.”

How timely then to find this essay by A.J. Bacevich in the new “Harper’s” (http://www.harpers.org/archive/2009/11/0082687) monthly “The war we can't win” (reprinted from the August 15 issue of Commonweal. Bacevich is a professor of international relations at Boston University.) Bacevich reached these insights just a few days prior to the 995,000 ballots from the Aug. 20 vote being doctored. His assessment is clear enough and doesn’t require further interpretation:
“Fixing Afghanistan is not only unnecessary, it’s also likely to prove impossible. Not for nothing has the place acquired the nickname Graveyard of Empires. Americans, insistent that the dominion over which they preside does not meet the definition of empire, evince little interest in how the British, Russians, or others have fared in attempting to impose their will on the Afghans.”

A brief note regarding any doubts as to Empire or not: a solid basis for understanding how Empire is manifested by the USA has been developed by A. Negri and M.Hardt, already in 2000 in their book ‘Empire’, the new political order of globalization. (http://www.hup.harvard.edu/catalog/HAREMI.html)

Bacevich goes on:
“More than six years after it began, Operation Iraqi Freedom has consumed something like a trillion dollars—with the meter still running—and has taken the lives of more than 4,300 American soldiers. Meanwhile, in Baghdad and other major Iraqi cities, car bombs continue to detonate at regular intervals, killing and maiming dozens.”

(If any reminder is required of the sad and sickening tragedy inflicted upon Iraq, numbers have been tallied up by the BBC, as far as such a thing is possible under “Iraq violence, in figures”, from 2008, at http://news.bbc.co.uk/2/hi/in_depth/629/629/7036068.stm)

Returning to Bacevich, the comparison he draws between US priorities with regard to Afghanistan and Mexico, is forceful:
“If one believes that moral considerations rather than self-interest should inform foreign policy, Mexico still qualifies for priority attention. Consider the theft of California. Or consider more recently how the American appetite for illicit drugs and our lax gun laws have corroded Mexican institutions and produced an epidemic of violence afflicting ordinary Mexicans. Yet any politician calling for the commitment of 60,000 U.S. troops to Mexico to secure those interests or acquit those moral obligations would be laughed out of Washington—and rightly so. ….. Anyone suggesting that the United States possesses the wisdom and the wherewithal to solve the problem of Mexican drug trafficking, to endow Mexico with competent security forces, and to reform the Mexican school system (while protecting the rights of Mexican women) would be dismissed as a lunatic. Meanwhile, those who promote such programs for Afghanistan, ignoring questions of cost and ignoring as well the corruption and ineffectiveness that pervade our own institutions, are treated like sages.

The contrast between Washington’s preoccupation with Afghanistan and its relative indifference to Mexico testifies to the distortion of U.S. national-security priorities adopted by George W. Bush in his post-9/11 prophetic mode—distortions now being endorsed by Bush’s successor. It also testifies to a vast failure of imagination to which our governing classes have succumbed.”

Concerning imagination, little surprise there. And when November comes and the Afghanistan Aviation and Defense Summit is held in the imperial capital (D.C.), there are likely to be no surprises either, regarding who will be on the list of attendees.

With some luck, at least one independent journalist will be reporting from the hallways and backrooms to inform those who care to take note, which of the usual, war-profiteering suspects, whether the “Afghani government officials responsible for security and defense procurements” or the “Senior Industry Executives” or even the “Senior Directors and Government Advisors” are the driving forces behind the deals to being brokered.

Fundstücke XL

Afghanistan ist nicht die Lüneburger Heide. Mediawatchblog meint, dass die Deutschen wesentlich besser beraten sind, über Sinn und Unsinn des Krieges zu streiten, anstatt über verschwundene Dienstwaffen. Warum der Feldzug scheitern wird, steht bei Telepolis: Der Sprit ist zu teuer.

Über die Nöte der Landbevölkerung in Indien berichtet die WoZ.

"Venezuela is no tyranny", ist der britische Guardian überzeugt. Welcher Diktator könne sich schon einen 70-prozentigen Anstieg der Wahlbeteiligung zu Gute halten? Und manchmal muss man nicht alles aufgreifen, was am Bildschirm so aufflackert. Manchmal machen es auch andere - polemisch zwar, aber im Kern unerfreulich zutreffend.

"Al Bashirs last gamble", sieht Al Ahram Weekly in den kommenden Wahlen im Sudan heraufziehen.

"Geldprofis entdecken die Armen", hat die FAZ festgestellt, schreibt aber auch von Unfrieden, Missbrauch und sogar Blasenbildung.

Hier mal wieder eine der nützlichen Economist-Grafiken, diesmal zum Thema sichere und unsichere Abtreibungen.

Als Streitfrage der Woche hat die taz sich ausgesucht: "Kriegsverbrechen - schafft Den Haag Gerechtigkeit?"

Das Neue Deutschland macht sich für das BMZ stark: "Am BMZ führt kein Weg vorbei".

Spiegel Online macht Stimmung gegen Bioprodukte aus China. "Geschäft ohne Seele", heißt es da. Gefühlte Information. Mehr geht auch nicht, denn für konkrete Anschuldigungen fehlen offensichtlich Beweise.

So wird das nix: Laut einer Studie der TU Dortmund wenden deutsche Journalisten im Durchschnitt 11 Minuten pro Tag für Crosschecks auf.

Der Einstellungstest

"Könnten Sie Deutscher werden", möchte die Financial Times Deutschland von ihren LeserInnen wissen. Die können hier nachspielen, was für andere von existenzieller Bedeutung sein kann. Und das Spiel hilft, derartige Verfahren als völlig normal zu akzeptieren - der Einstellungstest für Deutschland. Die 310 Prüfungsfragen gibt es jetzt seit einem Jahr.


Donnerstag, 15. Oktober 2009

Crosscheck: Honduras, Okt. 2009

"100 days of resistance" in Honduras resümiert Al Jazeera in einem rund 20-minütigen, zweiteiligem Videobeitrag. Und zum Vergleich: So hört sich der letzte unter dem Stichwort "Honduras" bei der ARD-Nachrichtensparte zu findende Kommentar (DLF) (4:33 Min.) an. Mediawatchblog verspricht, dass der direkte Vergleich sich lohnt und rät denen, die die Zeit aufbringen wollen, den ARD-Kommentar sowohl vorher als auch hinterher noch einmal zu hören.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Einen Sieg für die Pressefreiheit

bejubeln die Printmedien in Großbritannien!
Warum die Nachricht im Mediawatchblog erscheint? Weil es um die Firma geht, die wegen des Giftmüllskandals in Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste 2006 vor Gericht steht.

Trafigura hatte versucht, die Berichterstattung - und vor allem auch die Verbreitung entsprechender Infos über die neuen sozialen Medien - mit juristischen Mitteln zu unterdrücken. Nun hat sie ihre diesbzügliche Eingabe vor Gericht zurückgezogen. Noch gibt's keine deutschen Nachrichten zu dem Thema, deshalb hier die englischsprachige G-News-Auswahl.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Fundstücke XXXIX

Einen Beitrag zur afrikanischen Blogosphäre bieten die Blätter für deutsche und internationale Politik in ihrer aktuellen Ausgabe.

Als Umweltproblem schildert Spiegel Online das Engagement eines US-amerikanischen Metallverarbeiters in Peru. So sehen also die Beweggründe aus, die Menschen dazu bringen, sich Männern wie Hugo Chavez anzuvertrauen.

Sollten sich einige der geneigten LeserInnen ebenfalls Gedanken über die Auswahl der Ziele machen, die die so genannten Taliban für ihre Anschläge auswählen: Die Asia Times stellt einige extrem interessante Überlegungen zu der Frage an, warum die indische Botschaft in Kabul schon zum zweiten Mal innerhalb von 15 Monaten Ziel eines Anschlags geworden ist.

Fast übersehen: Ende September hat Deutschland zwei weitere U-Boote vom Typ U212/214 an Israel ausgeliefert. Hier die G-News Auswahl, in der sich kein einziger deutschsprachiger Bericht über das Milliardengeschäft findet. Die U-Boote werden später umgebaut und können anschließend Atomwaffen tragen. Mehr Details: (1), (2), (3), (4). Und wer glaubt, das werde schon irgendwie gut gehen, sei an die Kollegen von weissgarnix verwiesen, die ein übles Detail aus der Kuba-Krise (1962) ausgegraben haben.

"Kein Gott außer Allah": Seine Erlebnisse als Gefangenenwärter auf Guantanamo machten aus einem jungen Amerikaner einen Konvertiten. Der Freitag hat die Story aus dem Guardian.

"In Afrika bist DU der schwarze Mann", textet ein stern-blogger fröhlich vor sich hin, nachdem er in Dakar wohl einige Bier zuviel hatte. Die Blogosphäre hat der Reiseberichterstattung offensichtlich auch nicht nur gut getan. Kostprobe gefällig? "Die Hitze baut sich wie eine unsichtbare Mauer vor einem auf. Muss ich da wirklich raus? Ja, ich muss." Oder dieser hier: "Der Händler will mir dafür umgerechnet rund 30 Euro abknüpfen. Ich mache mir erst gar nicht die Mühe zu verhandeln. Ein kurzes hämisches Lachen, eine 180-Grad-Drehung und weg bin ich." Wir verzichten auf eine genauere Analyse und legen dem Kollegen einen Aufenthalt im Dschungelcamp nahe. Unseren LeserInnen empfehlen wir statt dessen Hagen Rethers "Vater Unser der Globalisierung":


Geteilte Macht - besserer Wettbewerb

Das neue Mediengesetz in Argentinien ist "umstritten". Warum eigentlich, denn das, was dann im Detail zu lesen ist, klingt doch ganz vernünftig: Wenn man den Privaten nur noch ein Drittel der Frequenzen für Radio und TV zugesteht, ein Drittel dem Staat vorbehält und ein Drittel an "soziale Gruppen wie die Kirchen, Gewerkschaften, Universitäten oder Stiftungen" geht, ist das kein Maulkorb.

Außerdem: "Argentinische Journalistengewerkschaften und der UNO-Sonderberichterstatter zum Schutz der freien Meinungsäußerung, Frank La Rue, hatten das Vorhaben dagegen begrüßt". Mehr dazu im Standard, aus dem auch die obigen Zitate stammen.

In deutscher Sprache fand darüber hinaus (bisher) nur das Bieler Tageblatt, die Meldung sei einen Kurzbericht wert. Hier die G-News-Auswahl der (ebenfalls mageren) englischsprachigen Berichterstattung.

An dieser Stelle sei der Hinweis gestattet, dass 'freie Presse' nicht dasselbe ist, wie 'privatwirtschaftlich organiserte Medien'. Man muss den Markt ja nicht gleich abgrundtief verabscheuen: "Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein." Karl Marx, Rheinische Zeitung vom 19.Mai 1842. Und weiter heißt es da: "Dem Schriftsteller, der sie zum materiellen Mittel herabsetzt, (...) ist schon seine Existenz seine Strafe." Hat tip geht an Ware: Lüge.

Soviel könnte aber angesichts weltweiter riesiger Medienkonzerne trotzdem durchaus Konsens sein: Information ist (ähnlich wie etwa Gesundheit) ein zu kostbares Gut, um es allein dem Markt zu überlassen. Das gilt für Lateinamerika, aber auch für Deutschland.

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Fundstücke XXVIII

Einen New Deal für Migranten wie UNDP im Bericht für die menschliche Entwicklung 2009 ihn fordert, sieht das Neue Deutschland nur als Hoffnungsschimmer am Horizont. epo.de hat ein umfangreiches Special zum aktuellen HDR im Angebot.

Erhebliches Blätterrauschen im deutschen Zeitungswald haben dagegen die Freisprüche für die Lebensretter auf der Cap Anamur gesorgt, die Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gefischt hatten. Eine Chronologie bringt die Kleine Zeitung. Die taz spricht von einem Prozess, der der Einschüchterung jener dient, "die es wagen, gegen Italiens - und Europas - Flüchtlingsabwehrpolitik nicht bloß zu protestieren, sondern sie womöglich gar mit praktischen Aktionen zu konterkarieren". Gnadenlos gibt sich die FAZ, die den Angeklagten "in Siegerpose" und in dem Prozess ein "Medienspektakel auf italienische Kosten" sieht. epo.de beleuchtet die Reaktionen in der entwicklungspolitischen community.

"Internationale Sanktionen gegen Guineas Herrscher sind notwendig", schreibt Richard Moncrieff von Crisis Group in Westafrika in der Zeit. Und vom gleichen Autor kommt im britischen Independent die Warnung "Repression and Violence [in Guinea] are a Danger to the Whole Region". Die Opposition hat laut Al Jazeera Verhandlungen bis auf Weiteres ausgesetzt.

"Dänemark macht es vor", meint die taz und und hält das BMZ für durchaus verzichtbar wenn Entwicklungspolitik deshalb nicht zu einer Randnotiz verkommt.

Spiegel.de meldet, "China plant ein eigenes Medienimperium".

Der Economist hat die Energiesubventionen von Nicht-OECD-Ländern in einer Tabelle zusammengefasst.

"Give tropical forests back to local people to save them", mahnt der New Scientist. Die UN wollen im Zuge der Klimaverhandlungen dagegen die Staaten mit dem Regenwaldschutz beauftragen.

Einen interessanter Hintergrund über die Überschwemmungen in Manila, Philippinen, Ende September 2009, die Funktion der sozialen Medien und das Desinteresse der Mainstream-Berichterstattung ist in der WoZ zu finden. Die Asia Times weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die US-Regierung das Umwetter vor allem als Chance begriffen hat, unauffällig 3.000 zusätzliche Marines auf der Inselgruppe zu stationieren.

"In Asien ist der Anteil der Frauen in Führungspositionen deutlich größer als in Europa und den USA", wundert sich der (zu Spiegel.net gehörige) Havard Business Manager und hat gleich eine kleine Artikelserie zu dem Thema aufgelegt.

Kein Witz: Daimler-Benz goes Sharia.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Die Bundeswehr - und was wir wahrnehmen

Mit dem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung ist es für unsere Staatsbürger in Uniform schlecht bestellt, wie die Nachdenkseiten belegen. Mediawatchblog weist auf diesen Umstand hin, weil er Bedeutung für das hat, was die BügerInnen ohne Uniform von der Institution, die in ihrem Auftrag Kriege führt, so mitbekommen. Zwei Beispiele, zwei Welten:

Die Betroffenen nutzen längst die Hochglanzfotos der eingebetteten Kollegen in Afghanistan um ihrer Sorge um Freunde und Verwandten auf Youtube Ausdruck zu verleihen. Hier üben die Kids in zeitgenössischer Ästetik einen neuen Heroismus ein (über 150.000 Aufrufe, teils Amateurfotos; über 110.000 Aufrufe). Natürlich lässt sich der Verdacht nie gänzlich von der Hand weisen, dass es sich um professionell hergestelltes und gezielt lanciertes Material handeln könnte. Die Kommentare der User allerdings wirken sehr echt.

Mindestens ebenso interessante Einsichten vermittelt der Kabarettist Georg Schramm über den Bundeswehreinsatz in Südasien - hier kurz vor der letzten Bundestagswahl als "Oberstleutnant Sanftleben" :

Montag, 5. Oktober 2009

Hilfe ist nie neutral

Wem es schwer fällt, sich vorzustellen, warum ein Selbstmordattentäter in Pakistan (dt. G-News-Ergebnisse) sich ausgerechnet ein Büro des Welternährungsprogramms in Islamabad für ein Attentat aussucht, sei der Film oder Roman Guelwaar des großen Ousmane Sembène empfohlen.

Sembène beschreibt in dieser Geschichte unter anderem, wie Nahrungsmittelspenden die Unabhängigkeit der Empfänger untergraben und zudem von den heimischen Eliten für ihre Zwecke missbraucht werden.

Aus dieser Perspektive werden die Büros von Hilfsorganisationen logischerweise Angriffsziele, wenn es darum geht den Einfluss der (westlichen) Geberländer zurückzudrängen.

Selbstverständlich legt die brilliante "schwarze" Komödie Sembènes solch krude Militanz keinesfalls nahe. Doch auch sein Roman endet mit der symbolischen Vernichtung von Hilfsgütern.

Freitag, 2. Oktober 2009

Fundstücke XXVII

Seit Fr. den 25. Sept. lebt die Welt auf Pump, stellt "20min online" fest. Der gesamte Ressourcenverbrauch ab diesem Datum ist nicht ("mehr") nachhaltig. Hier noch der entsprechende Link zum footprintnetwork.org, den Erfindern des "Earth Overshoot Day".

Ein längeres Stück über die Versuche Israels, die Hamas auszuschalten, ist in der Le Monde Diplomatique vom September zu finden.

Neue Geber, die die Bedeutung der alten (OECD)-Strukturen schwinden lassen, macht E+Z aus.

"Your aid Dollars at work ... suppressing voters", klärt Chris Blattman seine US-amerikanischen Mitbürger über die Situation in Kolumbien auf.

"Are Development Dollars in Pakistan Being Well Spent?", fragt TIME.COM. Danach wollen die USA in dem südasiatischen Land künftig weniger Militär- und mehr Entwicklungshilfe leisten.

epo.de berichtet, dass der Staatschef von Gambia Menschenrechtlern mit ihrer Ermordung droht.

In Guinea ist die Militärjunta einen großen Schritt weiter und lässt auf eine Oppositionsversammlung schießen. Die Zahl der Opfer wurde von Ärzten vor Ort auf minstens 58 geschätzt.

In Tansania müssen demnächst vielleicht Reisbauern "multinationalen Unternehmen" weichen, die auf dem Land Agrotreibstoffe anbauen wollen, fürchtet der East African

Und hier noch ein kleines Webvideo über eines der ungewöhnlichsten Zeitungsprojekte der Welt: Eine Tageszeitung auf einer Schultafel in Liberia. Hat tip geht an den Bildblog.

Are Development Dollars in Pakistan Being Well Spent?Are Development Dollars in Pakistan Being Well Spent?