Mittwoch, 11. Juli 2018

Es ist kompliziert

M.K. Bhadrakumar macht darauf aufmerksam, dass Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate jetzt ebenfalls aktiv werden in dem 17 Jahre alten afghanischen Konflikt - zunächst vor allem erst einmal mit dem Versuch, die Taliban mittels religiösem Druck (fatwa) zu spalten. Auch deren pakistanische Unterstützer und die iranischen Aktivitäten wollen die arabischen Herrscherfamilien zurückdrängen und so das Geschäft der US-Amerikaner besorgen.

Gleichzeitig haben sich Geheimdienstleute aus Russland, Iran, China und Pakistan in Islamabad getroffen und gefordert, dass die Anrainerstaaten stärker in den Kampf gegen den IS in Afghanistan eingebunden werden (TASS).

Die Probleme, Friedensverhandlungen für das zerfetzte Land auf die Beine zu stellen, liegen jedoch zum Teil auch darin begründet, dass die Taliban sich nicht als politisch verstehen noch über einen politisch-parlamentarischen Arm verfügen, meinen die Fachleute vom Afghanistan Analyst Network.

Donnerstag, 5. Juli 2018

Saudi-Arabien soll für das Iran-Embargo grade stehen

US-Präsdent Donald Trump versucht, die Saudi-Monarchie unter Druck zu setzen, mehr Öl auf den Markt zu werfen, weil man Iran ja bis November von den internationalen Ölmärkten verbannt haben will. Und dann fehlen etwa zwei Mio. Barrel - jeden Tag. Der Middle East Monitor schreibt:
Weather this threat would cower the Saudi’s into doing something they have so far been reluctant to do is yet to be seen. According to the Financial Times, traders and analysts have said that adding the full two million barrels per day requested by Trump would stretch the Kingdom to its limit (...)
Merke: Trotz des Gelabers von der reichen Fracking Ernte in den USA saugen die Amerikaner mit jährlich 3,677 Milliarden Barrel an Importen immer noch mehr als zehn Prozent der weltweiten Produktion auf (vgl. BP, S. 14 unten).

Ironie des Schicksals: Die Saudis stecken in der Klemme. Natürlich möchte man Iran gerne kleinkriegen. Andererseits haben die niedrigen Ölpreise der vergangenen Jahre tiefe Löcher in den Haushalt Riads gerissen. Und der Krieg im Jemen ist nicht gerade billigDeshalb hat man sich vor eineinhalb Jahren mit Russland darüber verständigt, nicht mehr ganz so viel Öl rauszupumpen und sogar eine 24 Länder zählende Koalition der Willigen (und eben nicht die OPEC) von dieser Politik überzeugt (Bloomberg).

Die internen Zwänge für das Haus Saud und der diplomatische Erfolg der Russen, die ebenfalls dringend auf höhere Öleinnahmen angewiesen sind, werden hierzulande lieber ignoriert. In der FAZ ist stattdessen von gestiegener Nachfrage die Rede - geschuldet der "eigentlich robusten Wirtschaftsentwicklung" - freilich ohne dass Zahlen für das Eine oder Andere genannt würden.

Dienstag, 26. Juni 2018

Der Nahe und Mittlere Osten am Boden

Der Bericht zur weltweiten humanitären Hilfe (Global Humanitarian Assitance, GHA) ist draußen.
Governments and private donors channelled US$27.3 billion in international humanitarian assistance (...) The growth in volumes (...) has slowed, rising by just 3% for the second year running, following increases of 20% and 16%, respectively, in 2014 and 2015. In 2017, contributions from governments and EU institutions stagnated, increasing by just 1.4%. An increase in estimated contributions from private donors was the primary driver of the limited overall growth in international humanitarian assistance. 
Mit Griechenland ist auch ein europäisches Land unter den zehn größten Empfängern solcher Zuwendungen - seit 2016 fließen rund eine halbe Milliarde US-Dollar jährlich. Mit diesen Mitteln werden vor allem die vielen Flüchtlinge versorgt, die südosteuropäische Land aufgenommen hat. Mit Libanon, Jordanien, Palästina, dem Irak und Syrien liegen die Hälfte der zehn hiffebedürftigsten Ländern im Nahen und mittleren Osten. (Mit einigem Recht könnte man auch noch den Jemen dazuzählen.)

Donnerstag, 21. Juni 2018

Fundstücke CCLVII


Südsudan: Zu neuen Friedensgesprächen treffen sich der südsudanesische Präsident, Salva Kiir und der Führer der bewaffeneten Opposition, Riek Machar, dieses Mal interessanterweise in Khartoum, der Hauptstadt des Sudan (East African).

Pakistan: DAWN äußert Bedenken, das Pakistan nicht dem internationalen Vertrag über die Energiecharta beitreten sollte. Zu umfassend seien die Klagemöglichkeiten für Investoren. Eine deutschsprachige Zusammenfassung der Studie zu dem Vertrag, auf den sich die pakistanische Zeitung bezieht, findet sich hier.
DAWN beschwert sich außerdem, dass die Weltbank in den Konfliktlösungsverfahren zwischen Indien und Pakistan wegen des Kishanganga-Staudamms in Kashmir zugunsten Indiens voreingenommen sei. Analysten weisen darauf hin, dass pakistanische Proteste im Sande verlaufen werden, solange Indien neun Kubikmeter Wasser pro Sekunde talabwärts fließen lässt.

Frieden: Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI hat einen Hintergrundbericht zu den multilateralen Friedensmissionen der letzten zehn Jahre vorgelegt.

Wirtschaft: Warum auch Entwicklungsländer ihre Arbeitsmärkte - entgegen der neoliberalen Lehrmeinung - spürbar regulieren und Mindestlöhne anheben sollten, erklären Servaas Storm und Jeronim Capaldo in Makronom. Kurzfristig ebentuell mögliche Wachstumsverluste würden durch raschere Produktivitätszuwächse wieder ausgeglichen.
Die Volkswirtschaft würde "produktivere Branchen hervor[bringen], die auf den Weltmärkten in den Genuss einer stabileren Nachfrage kommen, die einkommenselastischer und weniger preissensibel ist". Positive Nachfrageeffekte, mehr Legitimität und mehr soziale Innovatinen gäbe es noch obendrauf. (Geht natürlich nicht ohne Kapitalmarktregulierung.)
Lesenswert!

Kriminalität: Eine Gallup-Umfrage unter 142.000 Menschen in 148 Ländern stellt einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Ungleich (Gini-Koeffizient) und verschiedenen Straftaten (sowie dem Mangel an Vertrauen in die Polizei) her (Economist).

Medien/Agitprop: Die ARD klärt uns darüber auf, wie die Armen und Ärmsten tapfer versuchen, ihre ruinierte Umwelt ein bissen lebenswerter zu gestalten. Solange sie nicht aufbegehren, finden  Auslandskorrespondenten die Armen ja immer superklasse. Und wo heute der Slum ist, hatten die Engländer ganz früher sogar eine richtige Freizeitidylle mit Segelbötchen am Start. Jaja, die gute alte Zeit.

Kunst: Ina Zeuch hat eine lesenswerte Besprechung der Ausstellung "Zur Nachahmung empfohlen" vorgelegt. Die Wanderausstellung dreht sich um Fragen der Nachhaltigkeit und wurde unter anderem vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit gefördert.

Landwirtschaft: Ein lesenswertes Lehrstück in Sachen Export- und Globalisierungswahnsinn verhandelt Makroskop am Beispiel Schweiz.

Deutschland: Im Haushalt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit sollen künftig 10 Mio. Euro mehr  für die "Förderung der freien Medien in Kooperationsländern" eingestellt werden. Das schreibt Sonja Steffen, Bundestagsabgeornete und zuständige SPD-Berichterstatterin im Haushaltsausschuss auf ihrer Website. Weiter heißt es dort:
Von deutscher Seite ist in diesem Bereich vor allem die Deutsche Welle Akademie seit Jahren aktiv. Daneben gibt es eine ganze Reihe von Nichtregierungsorganisationen wie Reporter ohne Grenzen, die mit Projekten und Initiativen weltweit die Meinungsfreiheit stärken.

Mittwoch, 13. Juni 2018

Jetzt ist auf einmal Jakarta schuld

Indonesien hat gedroht, Airbus-Geschäfte platzen zu lassen, wenn die Europäische Union die Einfuhren von Palmöl im großen Stil runterfährt, weil die Biosprit-Subventionen auslaufen. (Das hat zumindest das Europäische Parlament beschlossen.)

Da hyperventilieren die Grünen in Brüssel aber heftigst. Das sei
der unverschämte Versuch, die EU zu erpressen. Es ist zugleich der Versuch, von dem schier unfassbaren Raubbau an der Natur abzulenken, der gerade in Indonesien, dem weltweit größten Palmöl-Exporteur, angerichtet wurde und weiter angerichtet wird. 
Aha. Jetzt ist also auf einmal Jakarta schuld. Unterschlagen wird, dass das erste Gesetz zur Förderung von Biokraftstoffen 2003 von der EU erlassen wurde. Und die Geschichte des Palmölanbaus zeigt deutlich, dass die Anbauflächen genau zu diesem Zeitpunkt (2003) begannen, exponientiell zu wachsen (vgl. Grafik). Genau zu diesem Zeitpunkt explodierten weltweit übrigens auch die Rohstoffpreise, und die Grünen in Brüssel und Berlin waren für Biosprit.

Dienstag, 12. Juni 2018

Drei apokalyptische Reiter

Auch in diesem Fall macht es keinen besonderen Spaß, wenn mal wieder eine MediaWatch-Prognose zutrifft.

Dass Teheran jetzt mit Peking über Wirtschaftsbeziehungen spricht (ARD), ist ein logischer Zwischenschritt in der Entwicklung nach der US-Kündigung des Atomabkommens mit Iran.
Auch mit Indien wird verhandelt, denn der Subkontinent braucht dringend das iranische Gas (Economic Times).
Und selbstverständlich wird mit Russland gesprochen (ZDF). Dass dies im Zusammenhang mit einem SCO-Gipfel geschieht, verschweigt dpa merkwürdigerweise.

Teheran ist fest entschlossen, nicht klein beizugeben und bereitet sich auf eine Wiederaufnahme der Urananreicherung vor (n-tv).

Israel (eher als Saudi-Arabien oder die USA) wird wohl in absehbarer Zeit dazu übergehen, iranische Urananreicherungsanlagen zu bombardieren. Ob und wann das geschieht, wird vor allem davon abhängen, wie die drei ungleichen Verbündeten die Wirksamkeit der Sanktionen im Hinblick auf ihr  Ziel, den Sturz der Teheraner Regierung, bewerten, und für wie vielversprechend sie "militärischen Druck" in der jeweiligen Situation halten. Donald Trump, Benjamin Netanjahu und Mohammed bin Salman - die drei apokalyptischen Reiter lassen Schlimmes befürchten.

Montag, 11. Juni 2018

Interessen statt Werte

Erneut soll exemplarisch die Auslandsberichterstattung der ARD mit der anderer, weit kompetenterer Quellen verglichen werden - hier am Beispiel von M.K. Bhadrakumar in der Asia Times.

Während die ARD-Korrespondentin den Gipfel der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) zum G-7 Konkurrenz-Gipfel aufbläst, begnügt sich Bhadrakumar mit dem Hinweis: "A confluence of regional and international factors makes the 18th summit meeting of the Shanghai Cooperation Organization (SCO) this weekend in Qingdao an event of special interest."


Der ARD-Vergleich ist freilich schon im Ansatz Blödsinn:  Die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit ist ein förmlicher Zusammenschluss (von zunächst fünf Staaten in 2001) mit Gründungscharta. Die G7 ist - wie es bei wikipedia sehr schön heißt (Hervorhebung durch die Red.) - "ein informeller Zusammenschluss der zu ihrem Gründungszeitpunkt bedeutendsten Industrienationen der westlichen Welt in Form regelmäßiger Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs" seit der Ölkrise von 1975. Die SCO entspricht also eher der OECD - allerdings mit einer deutlichen Sicherheitskomponente.