Freitag, 14. Dezember 2012

Korup Nationalpark vor dem Ende?

Der Korup-Nationalpark (wikipedia, engl.) im Südwesten Kameruns ist durch neue Palmölplantagen gefährdet. Dafür müssen bis zu 45.000 Menschen umgesiedelt werden. Die Arbeit in den Plantagen wird mit ein bis zwei US-Dollar am Tag extrem schlecht bezahlt. Das Integrierte Regionale Informationsprojekt (IRIN) berichtet:
The project in Mundemba Region is overseen by SG Sustainable Oils Cameroon (SGSOC), a subsidiary of Herakles Farms, a US-based agricultural company. 

In 2009 SGSOC signed an agreement with the Cameroonian government to develop an industrial palm oil plantation and refinery. A year later forest clearing began on part of the 73,086-hectare site acquired on a 99-year land-lease deal.
Demnach beläuft sich die Fläche für die Palmölproduktion auf 730 qkm - das entspricht fast der Fläche des Bundeslandes Hamburg (755 qkm). Zum Vergleich: Der Korup Nationalpark umfasst derzeit ein Gebiet von 1250 qkm. Hinzu kommt, dass die bisherigen Erfahrungen mit der Firma schlecht sind:
The company had been clearing forest and developing oil palm nurseries prior to submitting an Environmental and Social Impact Assessment (ESIA) or obtaining the Certificate of Environmental Conformity as required by law.  (...) When an ESIA was eventually carried out in 2012, it was discovered that SGSOC had destroyed 14.5 million trees of various species (...)
Euer/Ihr ergebener MediaWatchBlog Redakteur hat 1998 dort einen Monat ein WWF-Projekt bei der Umweltkommunikation beraten.


Kommentare:

  1. KAMERUN

    Ölpalmplantage in Afrikas ältestem Regenwald

    Interview mit Umweltaktivist Besingi über Land Grabbing durch 'Herakles Farms'

    Von Monde Kingsley Nfor

    Yaoundé, 21. Dezember (IPS) – Die kamerunische Umweltorganisation 'Struggle to Economize Future Environment' (SEFE) wird nach eigenen Angaben ihren Protest gegen eine Ölpalmplantage des Agrarmultis 'Herakles Farms' im Korup-Nationalpark trotz der Einschüchterung von Aktivisten durch die Polizei fortsetzen. "Wir werden solange weitermachen, bis der Natur Gerechtigkeit widerfährt", versicherte SEFE-Chef Nasako Besingi im Gespräch mit IPS.

    Der Korup-Nationalpark im Südwesten Kameruns beherbergt den ältesten und artenreichsten Regenwald Afrikas. Das in New York ansässige Agrarunternehmen Herakles Farms wird beschuldigt, sich 73.000 Hektar dieses Gebietes widerrechtlich angeeignet zu haben und trotz eines angeblich ungültigen Pachtvertrags, zweier einstweiligen Verfügungen und des zunehmenden Widerstands der lokalen Bevölkerung den Anbau der Ölpalmen voranzutreiben.

    Das umstrittene Land ist ein "Artendiversitäts-Hot Spot", der fünf Schutzgebiete in dem Park miteinander verbindet. Wie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in einer im August veröffentlichten Umwelt- und Sozialstudie warnte, gefährdet das Projekt den Schutz und die Fortentwicklung wildlebender Arten.

    In einem im September verbreiteten gemeinsamen Bericht des unabhängigen kamerunischen Zentrums für Umwelt und Entwicklung sowie des Netzwerks für den Kampf gegen den Hunger heißt es, dass sich auf dem von dem Unternehmen beanspruchten Gebiet mehr als 20 Dörfer mit traditionellen Landrechten befänden. Weitere 31 Dörfer liegen in der Peripherie. Damit sind von dem Palmölprojekt insgesamt mehr als 25.000 Menschen betroffen, die dort Nahrung für den Eigenbedarf anbauen und von der Jagd leben.

    Etwa 46 Prozent der 20 Millionen Kameruner sind in den ländlichen Gebieten Kameruns zu Hause. Wie die US-Entwicklungsbehörde USAID in einer Untersuchung über die lokalen Landbesitzverhältnisse feststellte, sind nur drei Prozent der Territorien offiziell registriert – zumeist unter dem Namen großer Agrarunternehmen. Auf dem UN-Index für menschliche Entwicklung nimmt Kamerun unter 169 Staaten den 131. Platz ein. Ein Grund ist die anhaltende Armut.

    Willkürlich festgenommen und schikaniert

    Im Interview mit IPS berichtet Besingi von Übergriffen auf Kollegen durch die Polizei. Am 14. November seien Aktivisten ohne Haftbefehl einen Tag lang festgehalten worden und nur nach Protesten aus dem In- und Ausland wieder freigekommen. Der Bau der Ölplantage werde indes fortgesetzt, "weil 'Sustainable Oils Cameroon' (SGSOC), eine Tochterfirma von Herakles Farms, von den Mächtigen im Land unterstützt wird". Es folgt das Gespräch in Auszügen:

    IPS: Was wollen Sie mit Ihrer Kampagne gegen SGSOC und Herakles Farms erreichen?

    Nasako Besingi: Wir können nicht einfach dasitzen und zulassen, dass einige Einzelpersonen das Leben von Tausenden ruinieren. Daher müssen wir dafür sorgen, dass unsere Stimmen und die der Menschen, die sonst nie wahrgenommen werden, gehört werden.

    Wenn einem Unternehmen, das keinen richtigen Entwicklungsplan vorlegen kann, ein so großes Waldgebiet gegeben werde, ist dies eine Ungerechtigkeit gegenüber einer Bevölkerung, der damit der Zugang zu einem Drittel des Waldes versperrt wird. Viele Anwohner sind der Ansicht, dass es ohnehin schon zu viele Schutzgebiete in dem Wald gibt. Die riesige Plantage wird ihren Zugang zu Land weiter beschränken.

    AntwortenLöschen
  2. IPS: Bruce Wrobel, der Geschäftsführer von Herakles Farms, hat im September erklärt, dass die Firma bereits mehr als 500 lokale Arbeitskräfte beschäftige und noch mehr in den umliegenden Dörfern anwerben wolle. Wenn die Plantage in vollem Umfang bewirtschaftet werde, könnten dort 8.000 Menschen arbeiten. Ist das nicht eine Chance für die Bevölkerung?

    Besingi: Es gibt kaum Beweise dafür, dass eine große Pflanzung die wirtschaftliche Entwicklung der Region tatsächlich voranbringen wird. In der Vergangenheit haben sich solche Versprechen als falsch herausgestellt. Stattdessen haben große Plantagen die Umwelt massiv geschädigt, die Existenzgrundlagen von Menschen vernichtet sowie Kleinbauern und Angehörige indigener Ethnien zu schlecht bezahlten Plantagenarbeitern gemacht.

    Die Firma behauptet, dass sie 8.000 Arbeitsplätze schaffen werde. Die Plantage wird sicherlich dazu führen, dass etwa 25.000 Kleinbauern vertrieben werden. Damit wird sich hinsichtlich der Arbeitssituation eine negative Entwicklung ergeben.

    IPS: Worin besteht in Kamerun das Problem mit der Landverwaltung?

    Besingi: Meiner Ansicht nach gibt es zwei grundlegende Probleme. Zum einen verfügen die Dorfgemeinschaften nicht über rechtlich anerkannte Landrechte, die ihnen den Zugang zu den lebenswichtigen natürlichen Ressourcen sichern. Außerdem muss Kamerun noch einen nationalen Landnutzungsplan erarbeiten, der sicherstellen würde, dass die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung berücksichtigt werden, bevor ausländische Investoren Zugang zu Land erhalten.

    IPS: Was hätte SGSOC/Herakles Ihrer Ansicht nach vor Aufnahme der Arbeiten tun müssen?

    Besingi: Wir fordern, dass SGSOC die Gesetze Kameruns und die Rechte der Dorfgemeinschaften respektiert. Leider hat SGSOC wiederholt gegen die Gesetze verstoßen. Sie haben einen unrechtmäßigen Vertrag mit der Regierung geschlossen und gegenüber der Bevölkerung, die sich mehrheitlich gegen das Projekt gestellt hat, keinen Respekt gezeigt.

    Gemäß dem 1976 erlassenen Gesetz über die Pachtkonzession für staatliches Land in Kamerun hätte SGSOC nach der Unterzeichnung des Pachtvertrags noch eine formelle Genehmigung des Staatspräsidenten benötigt, um mit dem Vorhaben zu beginnen. Dies ist aber nicht geschehen. Damit verstößt das Projekt seit 2010 gegen geltendes Recht. Zudem wurde vorher keine Umwelt- und Sozialverträglichkeitsstudie durchgeführt.

    IPS: Welche Opportunitätskosten entstehen Ihrem Land durch das Projekt?

    Besingi: Der Verlust von Einnahmen aus den Waldressourcen durch die Finanzierung von Umweltdiensten, durch den Ökotourismus und REDD+-Einnahmen. Alle diese Aktivitäten könnten höhere Einnahmen für den Staat generieren als das SGSOC-Projekt. Die Kamerunische Koalition für Nahrungssouveränität schätzt, dass, wenn die Regierung den Brotherstellern vorschreiben würde, 20 Prozent des lokal produzierten Mehls zu verwenden, 96.000 Arbeitsplätze in der Landwirtschaft entstehen könnten und dafür nur eine Fläche von 15.000 Hektar benötigt würde. Damit ließen sich 13-mal mehr Arbeitsplätze schaffen als durch das SGSOC-Projekt, und die Einnahmen des Staates wären erheblich höher.

    IPS: Wie geht es nun weiter mit Ihrer Kampagne?

    Besingi: Wir werden solange weitermachen, bis der Natur Gerechtigkeit widerfährt. Wir fordern ein neues Abkommen, dass die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes berücksichtigt und den Zugang der Anwohner zu Land und alternativen Einkommensmöglichkeiten verbessert. (Ende/IPS/ck/2012)

    Links:
    http://www.giz.de/de/weltweit/345.html
    http://usaidlandtenure.net/sites/default/files/country-profiles/full-reports/USAID_Land_Tenure_Cameroon_Profile.pdf
    http://www.ipsnews.net/2012/12/qa-fighting-to-save-africas-richest-rainforest/

    AntwortenLöschen