Freitag, 4. Februar 2011

Nicht die Flammen

MediaWatchBlog wird erst etwas zu Ägypten beitragen, wenn sich der Staub zu legen beginnt. Frei nach Heinrich Böll ("Über die Gegenstände der Kunst") interessieren nämlich nicht so sehr die Flammen der Volkserhebung als vielmehr die Konturen der Gesellschaft die aus dieser gesintert wird.

An dieser Stelle sei deshalb lediglich auf das MWB-Posting vom November verwiesen und auf den Beleg bei Paul Krugman, dass auch ein solides Wirtschaftwachstum einen Bürgeraufstand nicht (immer) verhindern kann.

Auch die Warnung aus aus dem MWB-Tunesien-Post muss noch einmal in aller Deutlichkeit wiederholt werden:  Repression spielt vor allem dem politischen Islam in die Hände - und radikalisiert dessen VertreterInnen. In diesem Zusammenhang ist der Hinweis eines armenischen Professors im Interview bei Telepolis äußerst bedenkenswert, dass das Verhalten der USA für den weiteren Verlauf der Revolte durchaus von Bedeutung sein kann: Im Iran habe die US-Regierung so lange am Schah festgehalten, bis eine friedliche Lösung nicht mehr möglich gewesen sei.

Die aktuelle Phase der Auseinandersetzungen lässt sich allerdings hervorragend für eine Bestandsaufnahme des Zustands der unter Druck geratenen, eigenen Eliten nutzen. Und es ist nicht wirklich überraschend, dass diese offensichtlich gar nicht so sehr an demokratische Spielregeln und Regierungsformen glauben, wie sie es üblicherweise propagieren (vgl. auch S.P.O.N.). Zumindest dann nicht, wenn die Gefahr besteht, dass Demokratie auch heißen kann, eigene und nicht westliche Interessen zu verfolgen. Da dieses Thema nicht wirklich Gegenstand des Blogs ist, hier nur ein Hinweis auf die FTD "Demokratie muss warten".  Sachdienliche Kommentare werden jedoch gerne veröffentlicht.

Kommentare:

  1. In der Welt schlägt Ronald S. Lauder, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, vor, Israel in die NATO aufzunehmen. MediaWatchBlog vermutet, dass dieser Vorschlag noch für Unruhe sorgen wird.

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