Montag, 31. Mai 2010

Fundstücke LXXII

NATO-Flottenverband läuft in die Golfregion aus (2, engl.)- mehr Druck auf Iran? Bloomberg bietet einige komplementäre Meldungen. Danach unterfüttert die US-Regierung das kommende Sanktionsregime strategisch und mit militärischen Mitteln. Auch Spiegel Online bringt eine Meldung, die in dieses Bild passt.

Die Zeit meint, "ein unschöner Ton der Erleichterung ist in der westlichen Berichterstattung auszumachen, seitdem Thailands Regierung durchgreift". Durchgreift? Der Titel des Beitrags ist da klarer: "Falsche Sympathie mit den Schlächtern von Bangkok".
"Thai lessons for China" hält das Project Syndicate bereit.

"Falsos positivos": Über "die dunkle Seite von Uribes Sicherheitspolitik" in Kolumbien berichtet die NZZ. Auch telepolis wartet mit einer unangenehmen Geschichte über mutmaßliche Todeslisten der Regierung Uribe auf.

Im Netz knistern die die Nachrichten über das Ereignis schon länger durch die Leitungen - langsam wird's ernst: Neun Schiffe des "Free Gaza Movements" werden in absebarer Zeit versuchen, den Strand des abgeschotteten palästinensischen Küstenstreifens anzulaufen. Haaretz berichtet (nur das nötigste) und die israelische Marine wird die Flottille nicht durchlassen. Dass auch IRIN die Nachricht aufgreift, ist ein gutes Zeichen. Der Aljazeera Middle East Blog hat einiges zu den (auch völkerrechtlichen) Hintergründen der israelischen Bockade.
Dazu passt es, auch einmal auf das Schicksal palästinensischer Fischer hinzuweisen, die sehr unter der Blockade zu leiden haben und für die ihr Job längst lebensgefährlich geworden ist.

Ellen Johnson Sirleaf will Liberia nun doch weitere sechs Jahre regieren. Der Economist bietet ökonomische Details.

Der Libanon überschuldet? Laut junger welt spricht vieles dafür. Das aktuelle Schuldenniveau liegt bei über 150 Prozent des BNE.

Einen neuen Krieg zwischen Nord- und Südjemen hält Tarik Ali für möglich. Seine Überlegungen finden sich in der aktuellen Le Monde Diplomatique

"Cameroon: Fragile State?", fragt die International Crisis Group.Die ICG fördert gezielt die Idee der Responsibility to Protect (r2p). Das macht sie suspekt. Aber die Analysen sind immer qualitativ hochwertig.

"Warum die Helfer in Afrika versagen", erklärt Spiegel Online (mit animierter Karte).

Die Aufheizung des Tanganyika-Sees beklagt der East African.

Deutschland: Eine Zensur findet nicht statt - oder doch?
In Berlin Kreuzberg ist eine große Moschee eröffnet worden (1), (2) (siehe auch obiges Foto).
Zudem ist der Bundeslagebericht Menschenhandel 2009 erschienen (Pressemitteilung, Kurzfassung).

Dienstag, 25. Mai 2010

Service Made in Germany

Eine echte Enthüllungsstory hat die ARD da geliefert. Denn was Amerikaner, Briten und Südafrikaner machen, können wir schon lange. Wir helfen mit unseren Steuergeldern, Kriege zu privatisieren und das alles ohne politische Kontrolle. Künftig wird der Krieg in Somalia vielleicht nicht nur mit Unterstützung deutscher Militärberater sondern auch von deutschen Söldnern geführt.

Was ist passiert? Ein Mensch namens Galadid Abdinur Ahmad Darman hat eine deutsche Sicherheitsfirma beauftragt über 100 Söldner zu rekrutieren, damit diese an und auf seiner Seite in den somalischen Bürgerkrieg eingreifen. Nun ist die Aufregung groß. Denn Darman gehört einer der vielen Bürgerkriegsfraktionen an, und er spricht der (von der internationalen Gemeinschaft unterstützten und mit Hilfe von äthiopischen Soldaten am Leben erhaltenen) Interimsregierung die Legitimität ab.

Montag, 24. Mai 2010

Gib das Geld einfach den Armen

"Just give money to the poor", lautet der Titel eines neuen Buches, das Duncan Green bespricht. Das Buch macht sich für direkte Einkommenstransfer an Arme (cash transfers, CT) als einfaches und wirkungsvolles Element einer gelungenen Entwicklungsstrategie stark. Im Folgenden sollen die wichtigstens Abschnitte aus der  im "Poverty to Power"-Besprechung zitiert werden (engl.). Zur empirischen Basis heißt es da:
At least 45 countries in the Global South now give CTs to more than 110 million families. Every program is different, from universal child benefits in Mongolia to pensions in Africa to family grants in Latin America. Some grants are tiny – only $3 a month – whereas others give families more than $100 a month; some cover more than one-third of the population, and others aim only for the very poorest. The size of public spending varies from 0.1% of GDP to 4%, although most programs fall in the range of 0.4% to 1.5%.
Und die Erfahrungen?
These programs are affordable, recipients use the money well and do not waste it, cash grants are an efficient way to directly reduce current poverty, and they have the potential to prevent future poverty by facilitating economic growth and promoting human development.
But two areas remain the subject of intense debate: targeting and conditions. Should smaller grants be given to many people, or larger grants to a few? Should recipients be asked to satisfy conditions such as sending their children to school or doing voluntary labor? Intriguingly, there is very little evidence that conditions have any actual impact, by the way.

Sonntag, 23. Mai 2010

Chance für Entwicklungsländer?

Als Chance für "die" Entwicklungsländer sieht ein DIE-Gastkommentator in der Zeit die "Eurokrise". Das kann man so darstellen. Aber ob "die" Entwwicklungsländer sich wirklich als "bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen" haben, "auch weil viele von ihnen die in den guten Jahren gewonnenen finanziellen Spielräume für antizyklische Politiken nutzen konnten" ist höchst fraglich. Da war der Blick wohl eher auf die BRICs und einige weitere Schwellenländer gerichtet. Auch der folgende Abschnitt verrät eine auf wirtschaftlich erfolgreichere Länder verengte Sichtweise:
Es zeichnet sich also kein Bedrohungsszenario für die Entwicklungsländer ab, da außerhalb der OECD nur wenige Länder überschuldet sind oder von Kapitalabflüssen bedroht werden. Die krisenbedingt niedrigen Zinsen in der OECD-Welt werden vielmehr dazu beitragen, dass das vagabundierende Kapital der Finanzmärkte in die Schwellenländer fließt und dort die Aktien- und Immobilienpreise nach oben treibt.
Andere Stimmen weisen dagegen darauf hin, dass die Einnahmen vieler Länder mit niedrigem Einkommen gesunken sind und die Schuldenspirale sich gerade wieder anfängt zu drehen. Auch eine aktuelle Weltkarte des Internationalen Währungsfonds beeindruckt. Auf ihr sind alle Staaten verzeichnet, die dem Fond derzeit Geld schulden.
Zur Frage von Kapitalabflüssen lohnt sich ein Blick in den Blog des Netzwerkes Steuergerechtigkeit....

Längst nicht immer hilft eine ausschließlich an offiziellen Daten ausgerichtete Wissenschaft, die Welt besser zu verstehen. Die Summen, die über die letzten Jahrzehnte (illegal) allein aus bitterarmen afrikanischen Ländern abgeflossen sind, sind kaum vorstellbar.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Fundstücke LXXI

Nach zehn Jahren stehe die UN Mission in der DR Kongo vor wichtigen Entscheidungen - besonders da Kabila Junior sie loswerden will, meint der südafrikanische Mail+Guardian: "UN peacekeepers at crossroads in DRC".

Die Zuckerproduktion in Kenia ist aufgrund von Marktöffnung bedroht. Der East African sieht die Rettung in der Privatisierung des Sektors. Ein interessanter Bericht über eine Auseinandersetzung zwischen British-American Tobacco und den kenianischen Behörden über die Rahmenbedingungen beim Tabakanbau findet sich ebenda.

Kirgisistan? Da war doch was? "The revolution was the easy part", meint der Economist und berichtet von den Schwierigkeiten der Interimsregierung, die präsidiale in eine parlamentarische Demokratie umzubauen. Kasachstan und Usbekistan haben die Grenzen zum Nachbarland dichtgemacht.

Das Z-Net bietet eine Übersetzung von "Farmers Suizide Letters" aus Indien: "Begründungen für Suizide aus Not".

Zum Heulen ist, dass auf deutsch nur Entwicklungspolitik online und (deutlich schwammiger) Radio Vatikan den Bericht der International Crisis Group zu Kriegsverbrechen in Sri Lanka melden. Die IGC fordert eine internationale Untersuchung, weil sie fürchtet, dass die "sri lankische Option" eines völlig ungehemmten militärischen Durchgreifens in Zukunft öfter kopiert wird. Mediawatchblog fragt, ob es für bestimmte Staaten (etwa Sudan?) interessant werden könnte, aus den ICC-Vertrag wieder auszusteigen. Sri Lanka hat die Konvention über den Internationalen Strafgerichthof nicht gezeichnet.

Die Kosten des Afghanistan-Feldzugs (trotz aller Versuche zu sparen) in den letzten Tagen bei Telepolis: MWB stellt die Zahlen in Beziehung zueinander, um die Größenverhältnisse zu verdeutlichen: 6,7 Mrd. US Dollar kostet das allein die US-amerikanischen Steuerzahler derzeit - jeden Monat. Das sind über 50 Mio. täglich.  Die Opfer des Kundus-Angriffs haben keinen Anspruch auf Entschädigung. 400.000 Euro (für 79 betroffene Familien) müssen reichen. Insgesamt sind die Deutschen laut DIW/Spiegel Online mit etwa drei Mrd. Euro pro Jahr dabei.

Ein lesenswerter Kommentar zum us-amerikanischen Engagement in Afghanistan und Pakistan ist in der Dawn zu finden: American Arrogance. "Instead of living in mortal fear, the Americans should shed the paranoia that has gripped them and the arrogance that characterises their conduct with weaker states (...)"

Israel, Slowenien und Lettland werden in die OECD aufgenommen. Nach Berichten über Kritik an dieser Entscheidung muss man aber ein wenig suchen.

Ein Abkommen über den Nil ohne Zustimmung aus Kairo und Khartum? Ruanda, Äthiopien, Uganda und Tansania wollen - mit Unterstützung aus Nairobi - mehr Nilwasser für ihre Bedürfnisse abzweigen. Die alten Verträge stammen noch vom Ende der Kolonialzeit (1959) und begünstigen Ägypten und den Sudan. Aljazeera hat die Story.

Kommt nach Peak Oil dann Peak Phosphorus? (Foreign Policy in GPF). Schwer zu sagen, was schlimmere Auswirkungen hat. In Kombination kann es derzeit kaum vorstellbare Verwerfungen auslösen. Fragen Sie den Bauern Ihres Vertrauens.

Schlecht koordiniert findet die Zeit online die europäische Entwicklungshilfe und konstatiert darüber hinaus abnehmende Hilfsbereitschaft der EU-Staaten. Das Neue Deutschland sieht das ähnlich.

From Poverty to Power's Duncan Green hat eine Kritik der neuen US-Entwicklungsstrategie vorgelegt. Er lehnt die einseitige Ausrichtung auf wirtschaftliches Wachstum ab und vermisst eine Klimakomponente.

Ob man mit spalten "weiter" kommt? Der Economist macht in islamischer Kultur und erklärt uns den Unterschied zwischen dem modernen Islam und den modischen, ja schicken Kopftuchträgerinnen und der "umstrittenen" (Beispiel Ägypten) Burka.

Montag, 17. Mai 2010

Sonntag, 16. Mai 2010

Ein Viertel der Weltbevölkerung uninteressant

Wer etwas in deutscher Sprache über das ziemlich hochkarätig besetzte Treffen in Teheran an diesem Wochenende wissen möchte, erfährt, dass der brasilianische Präsident Lula hinfährt um im "Atomstreit" zu vermitteln (G-News dt.). Zudem kann man lesen, dass der russische Präsident Medvedjev dieses Treffen für die letzte Chance Irans hält, einzulenken, bevor der UN-Sicherheitsrat Sanktionen beschließt. (FR, Standard). Immerhin lernt man bei FR online noch, dass auch der türkische Premierminister Erdogan in diesem Zusammenhang diplomatisch aktiv ist. Erdogan hat später allerdings abgesagt (immerhin ist die Türkei NATO-Mitglied).

Donnerstag, 13. Mai 2010

Fundstücke LXX

Pakistan testet atomwaffenfähige ballistische Kurzstreckenraketen. G-News engl. ist recht ergiebig - in deutscher Sprache melden nur die Russen.

Die UN agieren ungeschickt in der Westsahara (AFP/GPF, engl.). Die Sahauris sind sauer.

Wie es zu der Einigung in Thailand kam, schildert die Asia Times.

In Ägypten ist der Ausnahmezustand verlängert worden.

"War this summer?", fragt Al Ahram weekly. Clinton hat wohl schon entsprechende Drohungen ausgesprochen. Hintergrund sind angebliche Waffenlieferungen Syriens an Hisbollah und Hamas. Und der Christian Science Monitor weiß auch "Why Syria will keep saying ‘no’ to Washington".Sehr amerikanisch überlegen aber spannend.

Es gibt Vorwürfe, dass die USA in Afghanistan biologisch Krieg führen - gegen Schlafmohnpflanzungen (New Scientist). So berechtigt diese Vorgehensweise auf den ersten Blick scheint: Bei den Bauern wird es die Besatzer nicht beliebter machen.

Usbekistan sperrt einen wichtigen Aids-Aktivisten für sieben Jahre hinter Gitter. Der Guardian kommentiert.

Ein guter Artikel über die strategische Situation Chinas im Bezug auf die USA findet sich in der jungen welt.

Laut Asia Times gibt es in Peking es vier Mal so viele Fahrräder mit Elektro-Hilfsantrieb wie in den gesamten USA. Dass China auch bei den Hochgeschwindigkeitszügen keine Lust hat, zu warten, bis auch der Westen endlich merkt, dass es sich hier um die Schlüsseltechnlologie für die Mobilität der Zukunft handelt, hat Spiegel Online noch nicht begriffen. Denn wenn es mit dem Fliegen im großen Stil dann wirklich einmal Essig ist, hat sich das Reich der Mitte bestimmt schon einen erklecklichen Technologievorsprung erarbeitet, das Schienennetz fertig und ordentliche Exporterlöse in der Tasche.

"Der simple Transfer öffentlicher Mittel aus reichen Staaten in Entwicklungsländer reicht nicht mehr aus", meint die Zeit online zur Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit. Das ist so falsch wie langweilig. Aber der nächste Satz lässt aufhorchen: "Neue Geber wie China zeigen, wie die Zukunft aussehen kann."

Mittwoch, 12. Mai 2010

Noynoy allein zu Haus?

Benigno Simeon „Noynoy“ Cojuangco Aquino III., (2), der Sohn von Ex-Präsidentin Corazon Aquino hat die Wahlen in den Philippinen mit deutlichem Vorsprung gewonnen. In der Wahl genügt die einfache Mehrheit, die Aquino mit über 40 Prozent der Stimmen sicher errang. Trotz Gewalt und Pannen mit den Wahlautomaten ist dieser Sieg so überzeugend, dass er wohl von niemandem ernsthaft angefochten wird. Sein Wahlspruch "Keine Korruption - keine Armut" wurde geglaubt. Entsprechend hoch sind nun die Erwartungen.
Westliche Medien schreiben seinen Erfolg zu einem guten Teil dem "beachtlichen politischen Erbe" zu, das seine Eltern ihm hinterlassen haben. Cory Aquino stürzte 1986 Diktator Ferdinand Marcos - sein Vater war drei zuvor einem Attentat zum Opfer gefallen. Beide gelten als wichtige Vertreter der philippinischen Demokratiebewegung.
Die meisten deutschen Medien äußern sich skeptisch, ob es Aquino gelingt, die Korruption erfolgreich  zu bekämpfen und das Land zu befrieden.
Die Zahl der Privatarmeen ("private armed militias", Asia Times) wurde im Februar 2010 auf 117 geschätzt, nachdem sie im Dezember 2009 noch unter 70 gelegen hatte. Seit der "Engel aus Stahl" Gloria Arroyo 2001 an die Macht kam, wurden über 1000 politisch motivierte Mordtaten gezählt.
Dass mit der alten Clique noch zu rechnen ist, beweist nicht nur der Einzug von Arroyo in den Senat. Imelda Marcos ("she of the many shoes", Aljazeera) ist jetzt Kongressabgeordnete.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Hoffentlich war Yar' Aduas Tod nicht umsonst

Der endgültige Übergang der Macht von dem am Donnerstag, den 6. Mai 2010 verstorbenen nigerianischen Präsident Umaru Yar' Adua auf seinen Vize Goodluck Jonathan stellt einen besonderen Vorgang in der Geschichte Nigerias dar:

Ohne Blutvergießen (denn die Massaker in Jos von Anfang des Jahres haben nichts damit zu tun) und vor allem ohne das Eingreifen des Militärs geht die Macht im instabilen und bevölkerungsreichsten Land Afrikas auf den verfassungsgemäßen Nachfolger über, der auch schon in den letzten Monaten die Amtsgeschäfte geführt hat.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Fundstücke LXIX

Die Lords Resistance Army hat nach UN-Berichten im Februar 2010 etwa hundert Menschen im Nordosten der DR Kongo ermordet (2). Offensichtlich haben sich wohl nur der Standard und DRadio die Mühe gemacht, darüber zu berichten. Ende März war es schon einmal ein LRA Massaker mit über 300 Toten bekannt geworden. Auch dieses hatte bereits Monate vorher (im Dez. 2009) stattgefunden.

Ägypten führt Krieg gegen die palästinensischen Schmuggler (AJE): Deren Tunnel werden nicht nur zerstört (oft nach einer Warnung) - darüber hinaus wird offensichtlich auch Gas eingesetzt.

Die Wahlen im Irak haben die Regierungspartei im autonomen kurdischen Teil des des zerissenen Staatsgebildes gestärkt. Darauf weist die New York Times hin und auch auf die Tatsache, dass die Kurden bei der bevorstehenden Regierungsbildung wohl mit einer Stimme sprechen und noch mehr Autonomie und Öl fordern werden.
Doch auch die Shiiten lassen nicht locker, wie Aljazeera meldet. (AJE ist übrigens ziemlich anti-shiitisch eingestellt.) 

Die Lebensmittelpreise steigen auch in China. Xinhua schlüsselt die neuesten Zahlen auf.

Die Hizbul-Islam-Milizen in Somalia erobern eine Küstenstadt, was auch von AJE notiert wird. Jetzt streiten sie sich angeblich mit den dort lebenden Piraten um deren Einnahmen.

Nicht nur BP verliert Öl; Shell Nigeria musste 2009 auch 14.000 Tonenn abschreiben wie Mail+Guardian berichtet.

Das Neue Deutschland beklagt das Ausbleiben von Landreformen in Brasilien.

Oxfam Deutschland ist der Überzeugung, dass der Metro-Konzern  in Indien Hungerlöhne zahlt und Gewerkschaftsarbeit behindert. Hier der Direktlink zu Studie.

Der Jordan ist saudreckig, weiß Spiegel Online. Leider wird hier nicht so viel über die politischen Aspekte der Wasserknappheit (IRIN, engl.) gesagt...

Eine zentrale Gerichtsbarkeit für Bundeswehrangehörige plant die Bundesregierung (von den Mainstream-Medien fast unbeachtet) in Leipzig. Die junge welt hat mehr darüber.

MigrantInnen aus Lateinamerika kehren Spanien wegen der düsteren Wirtschaftslage den Rücken, berichtet latina press.

Die Asia Times macht sich Gedanken über die gerade richtig in Schwung kommende Aufrüstung im Weltraum (1), (2).

Kritik an Reporter ohne Grenzen übt der Presse-Blog von amerika 21. Manches (siehe nebenstehendes Bild) fällt schon auf... Nicht das Ahmadinedschad besonders sympathisch wäre, aber in Honduras sterben mehr KollegInnen als im Iran).

Dienstag, 4. Mai 2010

Noch einmal gut gegangen

Das ist ja noch einmal gut gegangen in Thailand. Nun ist genau darauf zu achten, ob und wie die Regierung ihre Zusagen auch einlöst.

Der bekannteste Unbekannte in diesem Konflikt heißt sicherlich Anupong Paochinda, der thailändische Generalstabschef. Der wikipedia-Eintrag (engl.) über den Soldaten ist gelungen - vor allem die Zitate-Sammlung. Dazu hier noch der Link auf eine gute und ehrliche Arbeit aus der Frankfurter Rundschau online. Journalismus hat längst nicht immer eine Antwort parat, und es wäre gut, das öfter zuzugeben.

Wie (fast immer) lohnt sich in solchen Fällen ein Blick in die Asia Times. Dort findet sich ein Interview mit einem Royalisten (Sukhumbhand Paribatra) vom 29. April 2010. Daraus geht dem unter anderem hervor, warum das Königshaus einen großen Teil seiner Legitimität verloren hat. Dass Neuwahlen nötig sind, ist offensichtlich unter den meisten thailändischen Politikern Konsens:
ATol: What would represent a permanent solution?
SP: We have to agree on a deadline for dissolution of parliament.
ATol:What is a reasonable deadline in your opinion?
SP:
I have no opinion.
Über die neue Qualität der Opposition durch die "Rothemden" sagt Paripatra (wiki, engl.):

Sonntag, 2. Mai 2010

Fundstücke LXVIII

Die Weltbank stellt ihre Daten künftig kostenlos zur Verfügung: http://data.worldbank.org/. Hat tip geht an Duncan Green.

Spiegel Online zählt für 2009 mehr Angriffe (53) durch Drohnen in Pakistan als Dawn (44). Ansonsten stellt der Spiegel-Bericht eigentlich nur eine Meldung über eine Anhörung des US-Repräsentantenhauses dar - ergänzt um gute Grafiken.
Die Asia Times prognostiziert baldige Kämpfe in Nord-Waziristan. Hier finden LeserInnen, die Englisch können, das wahre 'Logbuch Al Quaida'.

Der Oberste Gerichtshof in Ägypten wird bald über die Rechtmäßigkeit einer Stahlwand an der Grenze zu Gaza urteilen (Al Ahram weekly) müssen. Dass der Bau der Gaza-Wall, die tief in die Erde reicht, um die palästinensischen Tunnel abzuschneiden, erst bekannt wurde als die kritische israelische Zeitung Haaretz darüber berichtete, stellt eine besondere Ironie dar und beweist erneut, wie weit Ägypten tatsächlich von demokratischen Verhältnissen entfernt ist.

Spiegel Online hat eine Reportage über Liberia. Darin wird der guten alten Zeit nachgetrauert, aber nicht gefragt, wie die Entwicklung nach den letzten (erfreulich demokratischen) Wahlen wirklich weiter gegangen ist....

Bisher sieht es nicht so aus, als ob die grad eröffnete Shanghai-Expo für China zu einem PR-Desaster wird wie die Olympischen Spiele 2008. (Nur die FAZ mag den Chinesen den Erfolg nicht gönnen.)

Leihmütter aus Indien für deutsche Babys. Der SWR hat die Story - gefunden bei Net News Global. Ab 3.500 Euros geht's los. Aber die hiesigen Behörden stellen sich quer, wollen die Kinder nicht immer reinlassen. Eigentlich ist Leihmutterschaft in der BRD verboten.

Ob sich Obama wirklich traut, dem israelischen Staat das Veto im UN-Sicherheitsrat zu verweigern, wenn weiter Siedlungen gebaut werden und das Thema wieder auf die Agenda kommt? Der Guardian meint es jedenfalls, hat tip geht an Net News Global und fefe.

Die Asia Times bietet ein lesenswertes Stück über Korruption (Autor: Walden Bello). (Auch in den USA etwa gingen erhebliche Korruption, ausgezeichnete Geschäfte und ökonomische Expansion jahrzehntelang Hand in Hand.)

"Wer zensiert Google?", fragt Chris Blattman. Die Antwort wirft ein paar unangenehme Fragen auf. Das Posting enthält zudem eine Liste der zehn Staaten, die am häufigsten nach Informationen über User nachgesucht haben. Der direkte Link zu den Google-Infos birgt weitere interessante Details.

"US-Missionare schüren Schwulenhass in Afrika", berichtet DW-World.de. Anfang des Jahres hatte die Story in den USA für eine gewisse Aufregung gesorgt. In Deutschland berichtete Ihr ergebenster MWB-Autor (sehr kurz) für die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung....

Ein tagesschau.de Kommentar gegen das Burka-Verbot in Belgien. MWB geht davon aus, dass die Stimmung auch hier bald kippt. (1), (2), (3), (4).

Was verursacht mehr CO2-Emissionen? Ein isländischer Vulkan oder die europäische Vielfliegerei? Nach dem Raten hier klicken! "Erstaunlich radikal" fielen nach Ansicht der WoZ übrigens die Ergebnisse des alternativen Klimagipfels in Cochabamba aus. Die Zeitung hofft auf einen spannenden UN-Klimagipfel in Mexiko.

Samstag, 1. Mai 2010

Haiti in Bild und Ton

Aljazeera berichtet in einem kurzen Video über wütende HaitianerInnen, die nicht verstehen können, dass die Hilfe sie so spät erreicht.



Ästhetik und Inhalte dieses Videos unterscheiden sich ziemlich von dem Material, was unsere TV-Nachrichtenmagazine so anbieten. Die arabischen KollegInnen kommen glaubwürdiger rüber- unter anderem weil sie (etwas) weniger an ihrem Material rumschnibbeln und nicht aus dem Englischen übersetzen (müssen).

Hier ein gutes schlechtes Beispiel: http://www.tagesschau.de/multimedia/video/sendungsbeitrag43844.html
(Das ARD-Material ist fast einen Monat älter als die AJE-Einspielung. Aber um Aktualität im engeren Sinne geht es nicht.)

Die KollegInnen hierzulande könnten ja mal darüber nachdenken, ihre takes zu untertiteln, anstatt sie zu übersetzen. (Übersetzungen im Zweikanalton anbieten?) Und sie könnten sich öfter unters Volk mischen statt nur westliche Experten oder ihre eigenen Korrespondenten zu befragen (oder es menscheln zu lassen).

Einbinden kann man den ARD-Clip übrigens leider auch nicht. Wie wär's denn mal mit einem Youtube-Kanal? Oder ist das angesicht des unlängst geänderten Rundfunk-Staatvertrages naiv?