Vor gut einem Monat hatte der Mediawatchblog auf die drohende Hungerkatastrophe im Sahel hingewiesen - jetzt schlugen die Hilfsorganisation Care und das Welternährungsprogramm Alarm. Die neuen Militärmachthaber (G-News, dt.) in Niger hatten bereits am 11. März 2010 offiziell um Hilfe nachgesucht.
Aber immer noch regt sich kaum einer der KollegInnen (G-News dt.).
Im Niger geht es um immerhin etwa 2,3 Millionen Menschen die akut bedroht sind, und bis zur nächsten Regenzeit ist es noch drei, vier Monate hin. Und dann muss auch erst einmal wieder etwas wachsen.
Und es wird nicht reichen, die Leute zu füttern. Man muss auch checken, ob das Saatgut schon aufgezehrt ist und evtl. neues austeilen; möglichst Sorten, die an das trockene und extrem heiße Klima angepasst sind. Sonst dreht sich die Hungerspirale immer und immer weiter. Sollten zu viele Tiere verhungert sein, müssten auch diese eigentlich zumindest teilweise ersetzt werden. Im Norden des Niger ist nur Weidewirtschaft möglich....
In der Tabelle unten ist der Stand der Dinge von Anfang April zu sehen (UN Consolidated Appeals Process, Niger Emergency Humanitarian Action Plan) Daraus wird deutlich, dass vor drei Wochen noch 130 Mio. US-Dollar fehlten:
Mittwoch, 28. April 2010
EZ: Fehler in fragilen Staaten
Die 3 häufigsten Fehler der Geber in fragilen Staaten laut Chris Blattman:
- Hohe Standards für Governance und die Vergabe öffentlicher Mittel
"Bad idea. Bureaucracies need procedures, norms and experienced personnel. If a Mozambique or Liberia improves its bureaucracy at the fastest rate in human history, it will have the sophistication of an India or Pakistan in 20 years." - Schnelle Investitionen in Gesundheit, Erziehung und Infrasdtruktur
"Actually, these aren’t the country’s first priority. Law, order and security come first. Unfortunately, freedom from violence, or access to justice, are not MDGs." - NGO, die vor Ort direkt Hilfe leisten
"Unfortunately, this direct delivery is not going to help you build bureaucratic capability. It might even undermine it."
Dienstag, 27. April 2010
Fundstücke LXVII
Al Shabab auf dem Vormarsch in Somalia: "Somali fighters seize three towns", meldet Aljazeera.
Ein Hintergrund über (auch historische) Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien ist bei DW-World.de zu finden: "Kolumbien ist ein Massengrab".
Ein Lehrstück in Sachen Globalisierung: Die Auswirkungen der Aschewolke über Europa auf die Blumen- und Nahrungsmittelexportindustrie Kenias schildert der südafrikanische Mail+Guardian.
Ebenfalls aus Mail+Guardian kommt ein Bericht über Fortschritte bei der Minenräuming in Mosambik.
Einen längeren Hintergrund über schwache Staaten bietet die Le Monde diplomatique: "Jemen ist kein Einzelfall". (Zentralasien ist jedoch noch nicht so richtig in Fokus der Kollegen gerückt....)
Die New York Review of Books hat einen ausführlichen (und wie immer klugen) Essay über "Cruel Ethiopia" in's Netz gestellt.
Nur allzu fündig wird, wer in der Dawn, einer der führenden Blätter Pakistans das Wort "drone" suchen lässt. Nebenbei stellt sich raus, dass in 2009 von Dawn 44 Angriffe der Flugautomaten gezählt wurden, die 700 Tote nach sich zogen.
Und wer hatte eigentlich behauptet, der IWF beginne grad über den neoliberalen Tellerrand hinauszugucken? Der Fonds hält ein Darlehen von 1,2 Milliarden US-Dollar an Pakistan zurück, weil sich Islamabad ziert die Energiepreise wie vereinbart anzuheben. Auch eine Mehrwertsteuererhöhung steht im Raum. Nach wie vor gehen also die IWF-Konditionen zu Lasten derArmen und Ärmsten.
Ebenfalls in der aktuellen New York Review of Books ist ein Bericht über die zwei Millionen Menschen zu lesen, die mittlerweile aus dem Irak geflohensind: "They fled from our war". Ergänzt wird das durch eine Fotoserie im NYR-Blog. Auch in Deuschland kommen die meisten Asysuchenden aus dem Irak. Laut Migrationsbericht 2008 waren es 31 Prozent aller Erstanträge - knapp 7.000 Menschen.
Spiegel Online berichtet über Zensur in Israel: "So funktioniert Israels Zensurmaschine". (Aber was ist das für eine besch..... Schlagzeile. Und neben dem Teaser ist verschwommen ein orthodoxer Jude abgebildet. So diskreditiert man sein eigenes Anliegen und letztlich jede differenzierte Darstellung des Unrechts, dass der israelische Staat und die Siedler verüben.)Einen Schwerpunkt über den Angriff und die Opfer von Kundus hat der Freitag diese Woche zum Titelthema erkoren.
"Why should they believe us?", fragt die New York Times angesichts der vielen gebrochenen Hilfsversprechen von Seiten der G8-Staaten.
Das ND bietet ein Interview mit dem Regisseur von "La Isla", einem Film, der den Bürgerkrieg in Guatemala aufzuarbeiten sucht.
Macht die Weltbank einen Schritt zurück? Ein Artikel im Bretton Woods Project legt das nahe. Hat tip geht an das Global Policy Forum.
Allerdings verschiebt sich die Gewichtung der Stimmanteile in der Weltbank: Schwellen- und Entwicklungsländer kriegen etwa 3 Prozent mehr und kommen jetzt auf gut 47 Prozent. Berechnungsgrundlage ist 2008. Aufgrund der Finanzkrise sind also weitere Verschiebungen zu erwarten.
Und noch einmal zum leidigen Thema (ausbleibende) Regulierung des Finanzsektors: Wenn Lucas Zeise in der FTD Recht behält, beinhaltet die geplante Bankenabgabe eine Bestandsgarantie für (alle) Privatbanken. Die Überschrift des Textes ist daher nur konsequent: "Auf dem Weg ins Bankerparadies".
Sonntag, 25. April 2010
Die deutsche Öffentlichkeit vorbereiten
Die Neue Rheinische Zeitung (NRhZ) kritisiert diverse Afghanistan-KriegsschreiberInnen heftigst. Doch das was die Kollegen an bellizistischen Zumutungen zusammengetragen haben, rechtfertigt den bitterbösen Tonfall (leider) durchaus. Gefunden bei den Nachdenkseiten.
Auffällig ist, dass Bundesverteidigungsminister von und zu Guttenberg die Beerdigung von Bundeswehrsoldaten dazu nutzt, eine von Welt Online beschriebene und eingeforderte Strategie umzusetzen. Von und zu Guttenberg am 24. April 2010:
Tod und Verwundung sind Begleiter unserer Einsätze geworden, und sie werden es auch in den nächsten Jahren sein - wohl nicht nur in Afghanistan.Das Springer-Blatt hatte am 21. April verlangt:
Es wird mehr tote Bundeswehrsoldaten geben. Und es wird Zeit, Umfragewerte hin, Parteiengezänk her, dass die deutsche Öffentlichkeit darauf vorbereitet (...) wird.Und am 22. April gleich noch einmal. (Der letzte Satz verdient besondere Beachtung.):
Aufstandsbekämpfung (...) ist richtig und einleuchtend. Aber sie wird (...) die Deutschen noch viele Tote kosten. Die Politik muss all das aussprechen. Die Bürger können sich dann nicht mehr davor wegdrücken.
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Samstag, 24. April 2010
Weil es sonst gar keiner merkt:
Soldaten, die an dem kürzlich in wikileaks veröffentlichten Vorfall im Irak vor einigen Jahren beteiligt waren, entschuldigen sich nun. Schriftlich. Bei den Familien der Opfer. Die Männer heißen Ethan Mccord und Josh Stieber, und in ihrem Brief heißt es:
Ob Georg Klein diesen Schneid auch einmal aufbringen wird? Denn auch in diesem Fall sollte eine erdrückende Beweislast das Unrecht schon längst fühlbar gemacht haben.
There is no bringing back all that was lost. What we seek is to learn from our mistakes and do everything we can to tell others of our experiences and how the people of the United States need to realize we have done and are doing to you and the people of your country. We humbly ask you what we can do to begin to repair the damage we caused.Hat tip für die Story geht an das Global Policy Forum.
Ob Georg Klein diesen Schneid auch einmal aufbringen wird? Denn auch in diesem Fall sollte eine erdrückende Beweislast das Unrecht schon längst fühlbar gemacht haben.
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Die indischen Maoisten - Eine Dauer-Erfolgsstory
Liebe LeserInnen,
hier möchte Mediawatchblog eine Stimme zu Gehör bringen, die den weiten Weg vom bitterarmen Bihar bis nach Kassel gefunden hat.
Die Fotos, die den Text begleiten, stammen sämtlich aus der Serie "Friede den Hütten" von Ina Zeuch, die die Fotos Anfang 2010 in Südindien gemacht hat.
Prolog: In diesen Wochen haben die Anhänger des falschen und richtigen Maos mehr als 73 Mitglieder der indischen Eliten-Polizei geschlachtet (ToI).
Seit ewigen Jahren jagen sie dutzende Polizisten im Wochenturnus in die Luft. In den von der Armut überschwemmten Bundesländern wie in Bihar, Chattisgarh, Andhra Pradesh, Orissa, West Bengalen... werden sie mehr gefürchtet als der indische Staat.
hier möchte Mediawatchblog eine Stimme zu Gehör bringen, die den weiten Weg vom bitterarmen Bihar bis nach Kassel gefunden hat.
Die Fotos, die den Text begleiten, stammen sämtlich aus der Serie "Friede den Hütten" von Ina Zeuch, die die Fotos Anfang 2010 in Südindien gemacht hat.
Die indischen Maoisten - Eine Dauer-Erfolgsstory
Prolog: In diesen Wochen haben die Anhänger des falschen und richtigen Maos mehr als 73 Mitglieder der indischen Eliten-Polizei geschlachtet (ToI).
Seit ewigen Jahren jagen sie dutzende Polizisten im Wochenturnus in die Luft. In den von der Armut überschwemmten Bundesländern wie in Bihar, Chattisgarh, Andhra Pradesh, Orissa, West Bengalen... werden sie mehr gefürchtet als der indische Staat.
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Donnerstag, 22. April 2010
Fundstücke LXVI
Spiegel Online macht sich Sorgen um die Zukunft Ghanas. In dem westafrikanischen Land wird neuerdings Öl gefördert. Zudem scheint der Kakaoanbau durch den Klimawandel bedroht.
SZ Online macht sich Sorgen über die die Zukunft des Sudan - und geht davon aus, dass der Westen Khartum braucht, damit der Süden nächstes Jahr ganz demokratisch die Sezession durchziehen kann. Immerhin; jetzt wo es auf die Zielgerade geht, kann man schon mal Klartext reden: "Die Amerikaner arbeiten schon lange auf eine Zweistaaten-Lösung hin, auch wenn dies nicht so deutlich ausgesprochen wird."
"Landnahme mit deutscher Hilfe" wirft das Neue Deutschland der GTZ in Kambodscha vor: "Die (...) GTZ, die sich prinzipiell um die Vergabe von Landtiteln und damit um Rechtssicherheit kümmert, macht FIAN zufolge immer dort eine Ausnahme, wo Investoren ein Auge auf das Land geworfen haben."
Der Wachschutz von Thyssen-Krupp geht (offensichtlich immer mal wieder) unter Gewaltandrohung (Schusswaffen) gegen Gewerkschafter in Brasilien (Sepetiba, rund 70 Kilometer von Rio) vor.
Ist der alternative Klimagipfel in Cochabamba; Bolivien wichtig? Laut G-News (dt.) hat ihn der Medienmainstream (außer Focus online) bisher ignoriert.
"Banken wetten weiter auf Hunger", titelte attac Mitte April. Eine Schlagzeile von der Art, wie sie ruhig öfter vorkommen dürfte - genug Sprengstoff sitzt ja drin. Dennoch hat nur Entwicklungspolitik Online (und die Online Ausgabe der Islamischen Zeitung) die Nachricht aufgegriffen.
Noch einmal (hier in einem FR-online Interview) spricht sich Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz dafür aus, die nötige Regulierung des Finanzsektors zunächst auf nationalstaatlicher Ebene vorzunehmen - und erst danach ggf. international zu harmonisieren. (Vgl. dazu auch Mediawatchblogs "Steuern sind kein Raub".)
Alle reden von Griechenland - Mediawatch ist einen Schritt weiter und dokumentiert, was nach einer Staatspleite passiert: Die Regierung Argentiniens hat ihren Gläubigern ein neues Angebot unterbreitet (FTD, FAZ, G-News dt.).
Die Reformforderungen der BRICs vor der Jahrestagung von IWF und Weltbank sind Thema in den Baustellen der Globalisierung.
Die IWF-Prognosen für die weltweite Wirtschaftsentwicklung 2010 und 2011 auf einen Blick bietet der Economist.
"Entscheidet sich am Thema 'Afghanistan' die NRW-Wahl?", fragt der Freitag seine LeserInnen.
Menschen machen Medien (ver.di) bietet diesen Monat einen Themenschwerpunkt Pressefreiheit mit vielen internationalen und überraschenden Aspekten.
Bei Chris Blattman findet sich ein Hinweis auf eine Ausstellung in Detroit ("Through African Eyes: The European in African Art, 1500 to Present”) die sicher spannend ist. Aber der Webhinweis des Museums ist so langweilig, dass der Blick auf den Blogeintrag von Blattman mehr Spaß macht. Auch sein Aufmacher ist wesentlich besser: "Colonialists, through African eyes, preserved".
SZ Online macht sich Sorgen über die die Zukunft des Sudan - und geht davon aus, dass der Westen Khartum braucht, damit der Süden nächstes Jahr ganz demokratisch die Sezession durchziehen kann. Immerhin; jetzt wo es auf die Zielgerade geht, kann man schon mal Klartext reden: "Die Amerikaner arbeiten schon lange auf eine Zweistaaten-Lösung hin, auch wenn dies nicht so deutlich ausgesprochen wird."
"Landnahme mit deutscher Hilfe" wirft das Neue Deutschland der GTZ in Kambodscha vor: "Die (...) GTZ, die sich prinzipiell um die Vergabe von Landtiteln und damit um Rechtssicherheit kümmert, macht FIAN zufolge immer dort eine Ausnahme, wo Investoren ein Auge auf das Land geworfen haben."
Der Wachschutz von Thyssen-Krupp geht (offensichtlich immer mal wieder) unter Gewaltandrohung (Schusswaffen) gegen Gewerkschafter in Brasilien (Sepetiba, rund 70 Kilometer von Rio) vor.
Ist der alternative Klimagipfel in Cochabamba; Bolivien wichtig? Laut G-News (dt.) hat ihn der Medienmainstream (außer Focus online) bisher ignoriert.
Noch einmal (hier in einem FR-online Interview) spricht sich Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz dafür aus, die nötige Regulierung des Finanzsektors zunächst auf nationalstaatlicher Ebene vorzunehmen - und erst danach ggf. international zu harmonisieren. (Vgl. dazu auch Mediawatchblogs "Steuern sind kein Raub".)
Alle reden von Griechenland - Mediawatch ist einen Schritt weiter und dokumentiert, was nach einer Staatspleite passiert: Die Regierung Argentiniens hat ihren Gläubigern ein neues Angebot unterbreitet (FTD, FAZ, G-News dt.).
Die Reformforderungen der BRICs vor der Jahrestagung von IWF und Weltbank sind Thema in den Baustellen der Globalisierung.
Die IWF-Prognosen für die weltweite Wirtschaftsentwicklung 2010 und 2011 auf einen Blick bietet der Economist.
"Entscheidet sich am Thema 'Afghanistan' die NRW-Wahl?", fragt der Freitag seine LeserInnen.
Bei Chris Blattman findet sich ein Hinweis auf eine Ausstellung in Detroit ("Through African Eyes: The European in African Art, 1500 to Present”) die sicher spannend ist. Aber der Webhinweis des Museums ist so langweilig, dass der Blick auf den Blogeintrag von Blattman mehr Spaß macht. Auch sein Aufmacher ist wesentlich besser: "Colonialists, through African eyes, preserved".
Indische Notizen
Arundhati Roy macht was Neues: Sie besucht Aufständische in Indien, gegen die seit einiger Zeit ein Feldzug (Operation Green Hunt) geführt wird (Z-Netz). Mediawatch befürchtet, dass ihre Bücher künftig nicht mehr so wohlwollend aufgenommen werden wie bislang.
Derweil gibt es Massenproteste gegen rasant steigende Lebensmittelpreise (G-News dt.) in Delhi. Ob diese "nur" Nachwehen des mageren Monsuns in 2009 sind oder Vorboten (und Teil) einer weltweiten Welle von Preissteigerungen, ist nach Auffassung von Mediawatch noch keineswegs ausgemacht.
In Indien selbst wird das Ganze offensichtlich mehr als parteipolitisches Spektakel aufgefasst, denn die Demo wurde von den in der Opposition befindlichen Hindu-Nationalisten (BJP) organisiert (G-News engl.).
Einen Merkwürdigkeit erlaubt sich tagesschau.de, wo von "verheerenden Monsun-Regen im Jahr 2009" die Rede ist, "die fast 60 Prozent der Ackerfläche in Indien überschwemmten".
Derweil gibt es Massenproteste gegen rasant steigende Lebensmittelpreise (G-News dt.) in Delhi. Ob diese "nur" Nachwehen des mageren Monsuns in 2009 sind oder Vorboten (und Teil) einer weltweiten Welle von Preissteigerungen, ist nach Auffassung von Mediawatch noch keineswegs ausgemacht.
In Indien selbst wird das Ganze offensichtlich mehr als parteipolitisches Spektakel aufgefasst, denn die Demo wurde von den in der Opposition befindlichen Hindu-Nationalisten (BJP) organisiert (G-News engl.).
Einen Merkwürdigkeit erlaubt sich tagesschau.de, wo von "verheerenden Monsun-Regen im Jahr 2009" die Rede ist, "die fast 60 Prozent der Ackerfläche in Indien überschwemmten".
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Freitag, 16. April 2010
Fundstücke LXV
Indien will Drohnen kaufen - ob aus Israel oder den USA ist laut Asia Times noch nicht raus.
"Revolution by latrine?" fragt der Blog der New York Review of Books und macht auf die Probleme aufmerksam, die besonders die indischen Frauen haben, weil die sanitären Einrichtungen auf dem Subkontinent völlig unzureichend sind.
Truppenbewegungen in Honduras, meldet telepolis am 12.4. Es wird die Vermutung geäußert, dass die Soldaten gegen 3500 Landlose aufgeboten werden, die einen Großgrundbesitz besetzt halten und Landreformen fordern.
In Tansania sollen Uranbergbau und -verarbeitung laut East African innerhalb von drei Jahren beginnen.
"Über schlechte Gute und gute Böse – Kenia und Gabun im historischen Politikvergleich II" schreibt ein Gastblogger beim Spiegelfechter und bietet grobe Kost aber auch interessante Einsichten (besonders zu Gabun) für Spezialisten.
Wer steuert den größten Batzen zu den fast zehn Milliarden US-Dollar bei, die Haiti auf der jüngsten Geberkonferenz versprochen wurden? Da hilft auch Google News (dt.) nicht weiter. Wer keine Lust hat, zu raten, darf zu amerika 21 klicken.... (Mediawatchblog meldet die Story nach, damit sich nachher niemand mit fremden Federn schmückt ;)
Drei Monate nach dem Erdbeben müssen die ersten Flüchtlinge jetzt ihre Notunterkünfte verlassen (Kleine Zeitung), (AFP). Die UN machen sich Sorgen deswegen.
Die Fleischpreise in Ägypten explodieren, berichte Al Ahram weekly. Mediawatchblog ist überzeugt, dass dieses Phänomen vor allem im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika um sich greifen dürfte.
Der Spin im angelsächsischen Sprachraum setzt die Bereitschaft Chinas, Sanktionen gegen den Iran mitzutragen, mit der Fähigkeit 'zu führen' gleich. "Wird China die Führungsrolle übernehmen?" fragt das Project Syndicate schlecht übersetzt ("Will China lead") auf deutsch. Vgl. dazu auch "Obama lässt lügen" in der jungen welt.
Das attac-Bankentribunal hat ein gewisses Medienecho hervorgerufen; auch der Mainstream hat (überwiegend natürlich ziemlich kritisch) berichtet. Die Nachdenkseiten haben eine Analyse dieses Medienechos vorgelegt.
Gegenwind für die Tobin Steuer machen die Baustellen der Globalisierung aus. Aber schicke Werbung macht die Robin-Hood-Tax-Kampagne (die allerdings genau in das Schema fällt, dass Mediawatchblog bereits kritisiert hat: "Steuern sind kein Raub"):
"Revolution by latrine?" fragt der Blog der New York Review of Books und macht auf die Probleme aufmerksam, die besonders die indischen Frauen haben, weil die sanitären Einrichtungen auf dem Subkontinent völlig unzureichend sind.
Truppenbewegungen in Honduras, meldet telepolis am 12.4. Es wird die Vermutung geäußert, dass die Soldaten gegen 3500 Landlose aufgeboten werden, die einen Großgrundbesitz besetzt halten und Landreformen fordern.
In Tansania sollen Uranbergbau und -verarbeitung laut East African innerhalb von drei Jahren beginnen.
"Über schlechte Gute und gute Böse – Kenia und Gabun im historischen Politikvergleich II" schreibt ein Gastblogger beim Spiegelfechter und bietet grobe Kost aber auch interessante Einsichten (besonders zu Gabun) für Spezialisten.
Wer steuert den größten Batzen zu den fast zehn Milliarden US-Dollar bei, die Haiti auf der jüngsten Geberkonferenz versprochen wurden? Da hilft auch Google News (dt.) nicht weiter. Wer keine Lust hat, zu raten, darf zu amerika 21 klicken.... (Mediawatchblog meldet die Story nach, damit sich nachher niemand mit fremden Federn schmückt ;)
Drei Monate nach dem Erdbeben müssen die ersten Flüchtlinge jetzt ihre Notunterkünfte verlassen (Kleine Zeitung), (AFP). Die UN machen sich Sorgen deswegen.
Der Spin im angelsächsischen Sprachraum setzt die Bereitschaft Chinas, Sanktionen gegen den Iran mitzutragen, mit der Fähigkeit 'zu führen' gleich. "Wird China die Führungsrolle übernehmen?" fragt das Project Syndicate schlecht übersetzt ("Will China lead") auf deutsch. Vgl. dazu auch "Obama lässt lügen" in der jungen welt.
Das attac-Bankentribunal hat ein gewisses Medienecho hervorgerufen; auch der Mainstream hat (überwiegend natürlich ziemlich kritisch) berichtet. Die Nachdenkseiten haben eine Analyse dieses Medienechos vorgelegt.
Gegenwind für die Tobin Steuer machen die Baustellen der Globalisierung aus. Aber schicke Werbung macht die Robin-Hood-Tax-Kampagne (die allerdings genau in das Schema fällt, dass Mediawatchblog bereits kritisiert hat: "Steuern sind kein Raub"):
Crosscheck Terrorismus, im April 2010
Eine sensationelle Analyse des "Sebstmordattentates" auf das US-Konsulat im pakistanischen Peshawar am 5. April hat die Asia Times vorgelegt. Hier wird das Kalkül der Täter deutlich, ihre überaus sorgfältige Planung illustriert und vor allem aufgezeigt, dass alles und wie alles schief ging. Denn offensichtlich war ursprünglich wohl eine Entführung(!) geplant.
Wenn man das mit dem müden Quark vergleicht, der hierzulande von (wahrscheinlich) gut bezahlten KollegInnen als investigativ gereicht wird, verliert man schon etwas die Lust zu Lesen.
Doch auch in Deutschland wird ernsthaft über derlei Dinge berichtet. Wer daran interessiert ist, näheres darüber zu erfahren, wie die bundesrepublikanische Justiz ihren Job im Krieg gegen den Terror erledigt, ist bei den Sauerländischen Erzählungen allemal besser aufgehoben, als bei Spiegel Online.
Wenn man das mit dem müden Quark vergleicht, der hierzulande von (wahrscheinlich) gut bezahlten KollegInnen als investigativ gereicht wird, verliert man schon etwas die Lust zu Lesen.
Doch auch in Deutschland wird ernsthaft über derlei Dinge berichtet. Wer daran interessiert ist, näheres darüber zu erfahren, wie die bundesrepublikanische Justiz ihren Job im Krieg gegen den Terror erledigt, ist bei den Sauerländischen Erzählungen allemal besser aufgehoben, als bei Spiegel Online.
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Pakistan
Dienstag, 13. April 2010
Macht der IWF doch ernst?
Und auch sonst macht der IWF ernst - zumindest da, wo er selbst nix zu bestimmen hat:. Laut Spiegel online schlägt der Fond in "Systemic Risk and the Re-Design of Financial Regulation" folgende "mögliche Instrumente" zu Stabilisierung des Finanzsektors vor:
Verschuldungsobergrenzen, abgestufte Eigenkapitalzuschläge, optionale Kapitalerhöhungen, eine Begrenzung der Aktivitäten beziehungsweise der Größe von Instituten sowie Testamente ("Living Wills") an. Nach Ansicht des IWF reicht es zur Minderung globaler Systemrisiken nicht aus, existierende oder neu zu schaffende Behörden mit einer Beobachtung dieser Risiken zu beauftragen.
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Montag, 12. April 2010
Mor Faye; Künstler aus dem Senegal
Mediawatchblog hat sich die Mühe gemacht, Ihnen einen Künstler zu präsentieren, der bisher nicht im Netz vertreten war: Mor Faye aus Pikine, Dakar, Senegal.
Dieses Bild nennt Mor Faye "Avenue Salam" (Avenue des Friedens), es ist ein Acrylbild, 50 x 60 cm groß und entstand 1999. Wenn Sie mehr von Mor Faye sehen wollen, besuchen Sie seine Seite beim Mediawatchblog!
Dieses Bild nennt Mor Faye "Avenue Salam" (Avenue des Friedens), es ist ein Acrylbild, 50 x 60 cm groß und entstand 1999. Wenn Sie mehr von Mor Faye sehen wollen, besuchen Sie seine Seite beim Mediawatchblog!
Freitag, 9. April 2010
Volldreist
Dass Lidl nicht selbst im Ausland produziert, sondern "nur" Ware kauft, ist (auch abgesehen davon, dass es juristisch darum gar nicht geht) kein Gegenargument: Wenn eine solche Werbebotschaft lauter ist, kontrolliert das betreffende Unternehmen seine Lieferkette (1), (2) und ermöglicht Dritten durch transparentes Wirtschaften, diese Bemühungen zu überprüfen.
Was es sonst noch alles an Lidl auszusetzen gibt, findet man in komprimierter Form bei der Lidl-Kampagne von ver.di.
Donnerstag, 8. April 2010
Karten im Great Game neu gemischt?
The presence of the US airbase at Manas, which is used to ferry tens of thousands of coalition troops into and out of Afghanistan every month, has long been a point of contention between Moscow and Washington.
In 2009, Kyrgyzstan said it would close the base after receiving a promise of more than two billion dollars in aid and loans from Moscow, which many saw as a sign of Russian anger over the US presence in its geo-political backyard.
In the end, Bishkek pulled an abrupt about-turn after Washington more than tripled the rent it was paying for the base, a move perceived by many in the Russian government as a slap in the face.(...)
Russia (...) will be happier in dealing with [Rosa] Otunbayeva [der Oppositionsführerin und Ex-Außenministerin], who has good relations with Putin, said Alexy Malashenko of the Moscow Carnegie Center.
The interim government is unlikely to make any immediate changes to the US base agreement, (...) but as ties with Moscow continue to warm and a new government comes into place, changes are likely in the cards.
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Fundstücke LXIV
Über die Kabinettsumbildung in Nigeria durch Goodluck Jonathan berichtet der Economist. Jonathan ist der erste "Easterner", der das bevölkerungsreichste Land Afrikas regiert. Und er hat eine Frau zur Ölministerin gemacht (FT).
Obwohl einiges an Lobhudelei drinsteckt, ist der Kommentar in der NEXT lesenswert, der die Versöhnung nach dem Biafra-Krieg beschreibt.
"China joins imperialists in Guinea pressure play", meldet die Asia Times Online. Worum es geht? Vor allem um die Interessen des Eisenerzkartells und um weitere Bodenschätze.
Während Haiti fantastische Versprechungen gemacht werden, läuft die Hilfe für die Bürgerkriegsflüchtlinge in Sri Lanka klammheimlich aus.Bis zum 25 März waren lediglich vier Prozent des geschätzten Bedarfs für 2010 zugesichert, kritisiert der Economist. Könnte es sein, dass der Westen die Menschen im Stich lässt, weil der Wahlsieger vom Jahresbeginn von China unterstüzt wird? Denn derzeit finden Parlamentswahlen auf der südasiatischen Insel statt.
Wahlsieg für Evo Morales in Bolivien (G-News dt.). Bei telepolis ist von Manipulationsversuchen in der reichen Tiefland-Provinz Prando die Rede.
Die CIA feilt an PR-Strategien damit die (kontinental-europäischen) Verbündeten im Afghanistan-Feldzug bei der Stange bleiben; die junge welt berichtet ausführlich.
Dazu passt der bitterböse taz-Kommentar zu Niebels Auftritt vor den drei Särgen mit Bundeswehrsoldaten drin.
Zu diesem Anlass ist dringend einmal wieder ein Blick rüber zu Bild Online geboten (mit Fotostrecken und Videos). Auf dem dort zu findenden Meinungsbarometer hatten am Ostermontag, 5. April 2010 um 23:00 Uhr fast 268.000 Menschen (!) über die Besatzung in Südasien abgestimmt - zwei Drittel waren dagegen. Auch FR-online hat die UserInnen befragt - über 12.000 kamen (am 7.4.) dort zu einem ebenso eindeutigen Ergebnis obwohl Auswahlmöglichkeit Nr.3 merkwürdig fomuliert ist.
Gar nichts aus Dubai World gelernt? "Islamic Finance" nennt die FTD Sharia-kompatible Finanzprodukte und ist überzeugt, dass der Markt dafür auch weiterhin erheblich wächst. Hemmnisse dafür werden vor allem in "der vorherrschenden Auslegung des Korans" ausgemacht. Zudem "dominiere immer noch die Ansicht, dass Derivate die Unsicherheit an den Märkten erhöhen."
Vor kurzem noch hatte Mediawatchblog über die (möglichen) Folgen von Uranmunition berichtet - jetzt hat telepolis sich des Themas angenommen.
Ebenfalls bei telepolis - und teils mit anderen Schwerpunkten beim Freitag - finden sich Interviews mit Noam Chomsky über Obama, den Iran, das 'Mafia-Prinzip', die Entwicklung in Lateinamerika, die Möglichkeiten der EU, über den Einfluss der USA und die Rolle der Nato. Dringend zu empfehlen.
Und noch ein interessantes Interview bei telepolis: Ein Mensch namens Joel Marsden hat acht Jahre lang einen Dokumentarfilm "World Vote Now" über globale Demokratie und weltweite Wahlen gedreht.
Last not least ist da dann noch die Erschießung (2007) eines Reuters-Kollegen und seines Fahrers sowie weiterer Zivilisten durch US-Soldaten im Irak. (Ungekürztes, nicht redigiertes Video mit 38 min. Länge bei Schau hin). Kommt von wikileaks; spricht für sich. Vgl. dazu den Eintrag im Reuters-Blog von 2007 (und auch Mediawatchblog vom 11. Feb. 2010). Beim Freitag kümmert sich eine Bloggerin aufopferungsvoll um die Medienreaktionen (und den Spin), den die Veröffentlichung ausgelöst hat. Zudem hat sie sich die Mühe gemacht, eine ganze Menge Material zu übersetzen.
Montag, 5. April 2010
Crosscheck Irak; März 2010
Dass Mediawatchblog vor einigen Wochen den Iran als Wahlgewinner im Irak ausgerufen hat, schien ob des knappen Wahlsieges des Sunniten Ijad Alawi ein Denkfehler gewesen zu sein. Mittlerweile aber zeigt sich, dass die schiitische Bevölkerungsmehrheit vielleicht auch zukünftig durch eine schiitisch geprägte Regierung vertreten werden wird.
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Donnerstag, 1. April 2010
Staudämme - Abholzung - Klimawandel
Mediawatchblog hatte die Austrocknung des unteren Mekong aufgrund der vielen Staudämme kürzlich schon einmal aufgegriffen. Von den größeren deutschen Zeitungsredaktionen haben (lt. G-News) bisher FR online die Badische Zeitung, die Berliner Morgenpost und aus der Schweiz der NZZ-Blog aus Südostasien das Thema aufgegriffen.
Für die meisten Autoren ist klar, dass die die ökologischen Krisen (Flut in 2008; Dürre in 2010) hauptsächlich durch die chinesischen Staudämme am Oberlauf des etwa 4500 km langen Flusses verursacht werden. Unbestritten ist, dass der Klimawandel zu den Problemen beiträgt. Im NZZ-Südasienblog ist davon die Rede, dass die Temperaturen in der Region derzeit 7 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel liegen.
Der Vollständigkeit halber hier noch der Link zur Mekong River Commission, wo alle wichtigen Vereinbarungen über die Nutzung des Flusssystems aber auch viele ökologische und klimabezogene Publikationen zu finden sind. Auch Abschätzungen zur Folge des verstärkten Staudammbaus sind zu finden.
Für diejenigen LeserInnen, die wissen wollen, wie die Betroffenen vor Ort die Lage wahrnehmen, hat Klaus Schilder, Referent für Entwicklungspolitik bei terre des hommes dankenswerterweise zwei Studien von thailändischen NGOs zur Verfügung gestellt. (terre des hommes unterhält traditionell gute Kontakte in den südostasiatischen Raum.) Aus diesen Studien stammen auch die Bilder in diesem Posting - sie stehen aber leider nicht im Netz zur Verfügung. Aus einer der beiden soll im Folgenden zitiert werden:
Für die meisten Autoren ist klar, dass die die ökologischen Krisen (Flut in 2008; Dürre in 2010) hauptsächlich durch die chinesischen Staudämme am Oberlauf des etwa 4500 km langen Flusses verursacht werden. Unbestritten ist, dass der Klimawandel zu den Problemen beiträgt. Im NZZ-Südasienblog ist davon die Rede, dass die Temperaturen in der Region derzeit 7 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel liegen.
Der Vollständigkeit halber hier noch der Link zur Mekong River Commission, wo alle wichtigen Vereinbarungen über die Nutzung des Flusssystems aber auch viele ökologische und klimabezogene Publikationen zu finden sind. Auch Abschätzungen zur Folge des verstärkten Staudammbaus sind zu finden.
Für diejenigen LeserInnen, die wissen wollen, wie die Betroffenen vor Ort die Lage wahrnehmen, hat Klaus Schilder, Referent für Entwicklungspolitik bei terre des hommes dankenswerterweise zwei Studien von thailändischen NGOs zur Verfügung gestellt. (terre des hommes unterhält traditionell gute Kontakte in den südostasiatischen Raum.) Aus diesen Studien stammen auch die Bilder in diesem Posting - sie stehen aber leider nicht im Netz zur Verfügung. Aus einer der beiden soll im Folgenden zitiert werden:
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