Freitag, 27. Februar 2009

Fundstücke II

Ein interessanter Bericht, wie ägyptische Blogger unter Bedingungen der Repression und Zensur das Internet - und hier besonders die neuen Dienste wie Twitter - nutzen um wichtige Informationen zu verbreiten und Aktionen zu organisieren, findet sich in NIBL, dem Blog des New Internationalist.

Dazu passt ein Bericht aus der Asia Times, in dem geschildert wird, wie außer China und Myanmar die Zensur des Internets und der Blogsphäre auch in Thailand, Malaysia, Vietnam und Kambodscha forciert wird.

Rainer Falk dokumentiert eine Sitzung des Bundestags-Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit vom 11. Feb. über die Auswirkungen der Finanzkrisen auf den Süden in seinem Blog "Baustellen der Globalisierung".

Der seit Anfang des Jahres bestehende Social Watch Blog weist darauf hin, dass die UN eine Expertenkommission zur Reform des Finanzsektors eingesetzt haben. Sie wird von Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz geleitet und soll ihren Bericht im April 2009 vorlegen. Im Social Watch Blog werden zudem die Eingaben verschiedener NGO-Zusammenschlüsse für diesen Bericht gelistet. Neben Social Watch haben sich unter anderem bereits Gewerkschaftsdachverbände, Jubilee South und Action Aid an die Experten gewandt.

Und last not least möchte ich allen, die gut Englisch können und denen schwarzer - aber politisch korrekter - Humor über entwicklungspolitische Fragen Spaß macht, den Blog wronging rights an's Herz legen. Besonders empfehlenswert: PMD - pasta of mass destruction. Hat tip für den Hinweis geht an Chris Blattmann.

Der IWF weiß es scheint's einfach besser

IMF LogoIn Dani Rodriks Weblog findet sich eine aufschlussreiche Sammlung der aktuellen staatlichen Konjunkturprogramme weltweit. Neben den westlichen Industrieländern und Japan haben mittlerweile China, Brasilien, Argentinien, Mexiko, Südafrika, Indien, Indonesien, Vietnam und Ägypten derartige Programme aufgelegt. Weltweit haben sie derzeit einen Umfang von etwa 3.000 Milliarden US-Dollar - das entspricht etwa 5,5 Prozent des Welt-Sozialproduktes.

Die wichtigsten Ergebnisse der Autoren:
Stimulus packages, with a few exceptions, have mostly occurred in the developed world or in larger developing countries.
Every stimulus package identified is clearly expansionary, yet IMF packages are starkly contractionary and have a high degree of conditionality.
Daraus leiten die Autoren zwei weiterführende Fragen ab:
What about the poorer nations of the world?
Is the IMF prescribing the wrong policies?
Wenn man in den Datenüberblick schaut, fällt tatsächlich auf, dass alle Staaten versuchen, ihre Ökonomien mittels expansiver "keynesianischer" Politik wieder anzukurbeln. Nur dort, wo die neu aufgelegten Programme des Internationalen Währungsfonsds (IWF/IMF) laufen (derzeit Pakistan, Litauen und in der Ukraine) müssen die Zinsen erhöht, und die Staatsaugaben gesenkt werden.
Hier der Link zu der als Excel-Datei vorgelegten Untersuchung: "Gallagher, Kevin P., et al, Survey of Stimulus and IMF Rescue Plans During the Global Financial Crisis: I"

Diese Entwicklung ist besonders bedenklich, weil der IWF gerade beschlossen hat, seine Mittel für die Kreditvergabe von 250 auf 500 Milliarden US-Dollar aufzustocken. Der Löwenanteil der Mittel dafür kommt aus Japan, aber auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Unterstützung der Bundesrepublik signalisiert, sollt der IWF darum nachsuchen. Es steht also zu befürchten, dass noch eine ganze Reihe verzweifelte Regierungen ihre Bevölkerungen den Rosskuren des Fonds unterwerfen müssen. Und es wird gerade die ärmsten Länder treffen, die ihre Volkswirtschaften nicht aus eigener Kraft stützen können. Geht aber eine derartige Politik in einem Land wie Pakistan schief (hier der jüngste Bericht aus dem Economist), kann das äußerst unangenehme Folgen zeitigen.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Afghanistan: Ein Drittel der Hilfen versickert

Afghanistan gehört zu den Ländern, die von der Gebergemeinschaft massiv mit Geld eingedeckt werden, um im Wettbewerb mit dem islamischen Fundamentalismus zu punkten. Im Juni 2008 hatten die westlichen Industrieländer auf der Geberkonferenz in Paris rund 21 Milliarden US-Dollar (etwa 16,4 Mrd. Euro) zugesagt. Davon seien bisher 14 Mrd. Dollar nach Afghanistan geflossen, berichtete die französische Wochenzeitung "Le Canard enchainé". Nach der Buchführung der NATO sei jedoch "ein Drittel auf dem Weg verloren" gegangen, enthüllt das Blatt.

Die Quelle, auf die sich "Le Canard enchainé" beruft, gehört offenbar zu den Analysten des französischen Geheimdienstes. Wohin das Geld verschwunden ist, bleibt in dem Bericht offen.

Deutschland hatte auf der Pariser Geberkonferenz bis zm Jahr 2010 rund 420 Millionen Euro zugesagt. Das Problem der Korruption, das sich bis in höchste Kreise der afghanischen Regierung zieht, ist bekannt. Die US-Regierung hatte bereits beklagt, dass viele der nach Afghanistan gelieferten Handfeuerwaffen und Granatwerfer nicht bei der Armee ankommen, sondern im Land versickern. (Klaus Boldt)

Mittwoch, 25. Februar 2009

Wetten auf den Staatsbankrott

Die Zocker an den Finanzmärkten machen - aus ihrer Sicht - das Beste aus der Krise: Sie wetten auf den Bankrott ganzer Staaten. Meßbar ist das nach einem Bericht von welt online an der Nachfrage nach Ausfallversicherungen für Staatsanleihen (Credit Default Swaps - CDS) . "Osteuropa und Südamerika stehen unter besonderer Beobachtung. Aber selbst Deutschland gilt bei den Zockern als gefährdet", so welt online.

"CDS sind Kreditderivate, die Investoren nutzen, um sich abzusichern oder aber damit zu spekulieren", klärt welt online auf. "Sie gelten als ein Seismograf für Insolvenzrisiken. Je höher die Prämie, als desto unsicherer wird die Finanzlage eines Schuldners eingeschätzt."

Als Ländern mit den höchsten Risiken eines Staatsbankrotts gelten demnach Argentinien, Venezuela, Kasachstan, Island, Russland, Bulgarien, Indonesien, Ägypten, Vietnam, Libanon, die Türkei und Südafrika.

Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua sieht Osteuropa als "Auge des zweiten Finanzsturms":
In 2007, Eastern Europe's emerging markets attracted the most foreign investment, replacing Asia. During the year, 365 billion U.S. dollars out of a total of 780 billion dollars of global investment in emerging markets went to Eastern Europe, most of which was used in purchasing such financial products as bank bonds.
Da westliche Investoren ihr Kapital jetzt aus Osteuropa abziehen, geraten die Ökonomien in Schieflage. Xinhua:
It is estimated that last year, all Eastern European countries' foreign debts exceeded 50 percent of their GDP, a far cry from other emerging markets.
(Klaus Boldt)

Mittwoch, 18. Februar 2009

Musik des Widerstands

Wer Lust hat, in den nächsten Tagen einmal andere Töne als deutsche Karnevalsschlager zu vernehmen, kann gelegentlich bei Al Jazeera reinschauen und die sechsteilige Music of Resistence Serie verfolgen, die dort in den nächsten Tagen ausgestrahlt wird. Die vorgestellten Musiker sind in der Regel bereits recht bekannt und kommen aus so unterschiedlichen Ländern wie Nigeria, Brasilien oder Großbritannien. Ein Webspecial mit schönen Fotos gibt es auch, und der Sender hat bereits bereits einige Trailer ins Netz gestellt.

Dienstag, 17. Februar 2009

Indiens Banken wachsen

Die Nummer eins des Landes, die staatlich kontrollierte State Bank of India (SBI), meldete für das letzte Quartal einen Gewinnsprung um 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die größte Privatbank ICICI trotzt dem Sturm und erwirtschaftete im gleichen Zeitraum ein Ergebnisplus von 3,3 Prozent.
berichtet das Handelblatt in seiner Ausgabe vom 16. Februar 2009. Die Gründe:
Im globalen Vergleich stünden Indiens Banken gut da, sagte Sanjaya Panth, Landesexperte des Internationalen Währungsfonds (IWF), dem Handelsblatt. Die strengen Regulierungsauflagen hätten verhindert, dass sie sich auf den internationalen Finanzmärkten mit toxischen Wertpapieren eingedeckt haben. Auch die Kapitalausstattung der Banken ist gesund. Nach Angaben der indischen Zentralbank lag die Eigenkapitalquote (Tier I und II) Ende 2008 im Branchendurchschnitt bei 13 Prozent und damit weit über dem laut den Eigenkapitalregeln Basel II geforderten Minimum von acht Prozent.
Trotz einiger Schwierigkeiten in 2009 muss sich Indiens Regierung insgesamt offensichtlich
vergleichweise wenig Sorgen um den Finanzsektor machen. Sie sieht sich bestätigt in ihrer Politik der vorsichtigen Liberalisierung, für die sie in den vergangenen Jahren im Ausland erheblich kritisiert worden war. Dem überwiegend staatlichen und halbstaatlichen Bankensektor sind enge Grenzen beim Kreditgeschäft im Ausland und Portfolio Investments gesetzt. Der Zugang zu neuen Finanzinstrumenten im Derivatebereich ist ihnen verwehrt.
Vielleicht ist es gar nicht so unsinnig, Finanzprodukte mit Autos zu vergleichen: Ein Otto-Normalverbraucher benötigt keinen Formel-1 Wagen um zum Einkaufen zu fahren. Ein ganz normales Auto ist dafür wesentlich besser geeignet, obwohl - oder vielleicht sogar weil - es langsamer ist. (Leider ist mir entfallen, wann und wo ich diesen Vergleich ursprünglich gelesen habe - diesmal also hat tip für eineN UnbekannteN.)

Samstag, 14. Februar 2009

Fundstücke

Telepolis brachte am 9. Feb. einen guten Hintergrundbericht über die veränderte Situation in Somalia nach der Wahl Scheich Ahmeds zum Präsidenten.

In der aktuellen Ausgabe des Freitag (14. Feb.) erschien ein lesenswerter Beitrag zur Lage in Madagaskar.

Dazu passt die Analyse im Hintergrund von Ignacio Ramonet zum "neuen Agrarkolonialismus".

Seit Anfang des Jahres gibt es einen Aid Watch Blog.

Dann will ich die Gelegenheit nutzen, um auf das Themenforum Entwicklungspolitik des Gesellschafter-Projekts der Aktion Mensch hinzuweisen.


Last not least: Auf der Website des Evangelischen Entwicklungsdienstes ist jetzt mein Bericht über die Wahlen in Ghana Ende letzten Jahres zu finden.

Montag, 9. Februar 2009

Indien kämpft entschlossen gegen Biopiraterie

Indien hat 200.000 Rezepte und Formeln aus der traditionellen Medizin (Ayurveda, Siddha und Unani) des Subkontinents digitalisiert. Das meldet The Times of India. 200 Wissenschaftler haben acht Jahre an der Datenbank (Traditional Knowledge Digital Library, TKDL) gearbeitet, die 30 Millionen Seiten umfasst, und sie haben dafür Quellen aus elf Sprachen analysiert: Hindi, Sanskrit, Arabisch, Persisch, Urdu, Tamil sowie Englisch, Japanisch, Französisch, Deutsch und Spanisch.

Der Beitrag beziffert den bisherigen Verlust an möglichen indischen Patenten durch Biopiraterie auf etwa 15.000. Ohne eine TKDL-Datenbank könnte Indien bis zu 2000 weiterer Patente jährlich verlieren. Davon jedenfalls geht Dr. V P Gupta aus, der am Council of Scientific and Industrial Research arbeitet, das die Datenbank erstellt hat. Das Europäische Patentamt hätte Patente auf 285 medizinisch wirksame Pflanzen zugelassen.
He [Dr. Gupta] added that in a study conducted in 2000, 4,896 patents were granted by the US Patent and Trade Mark Office (US PTO) on medicinal plants, 80 percent on which were on plants of Indian origin. "In a study of 760 such patents, we found 350 patents should have never been granted. Over 200-500 such patents are granted every year, mainly due to the lack of access to documented knowledge in India," Dr Gupta said.
Andere Länder wie Südafrika, Nigeria, die Mongolei, Malaysia und Thailand hätten bereits ihr Interesse an dem Verfahren bekundet um ihr traditionalles Wissen ebenfalls wirksam vor unerlaubtem Zugriff zu schützen.
The decision to create TKDL was taken in 2001 in the aftermath of wrong patents granted by USPTO on wound healing properties of turmeric (1995) and on anti-fungal properties of neem granted by European Patent Office (EPO), even though the plants were being used for centuries under Indian system of medicine for such benefits.
Das Projekt rechnet sich offenbar: Der Artikel beziffert die Kosten, um gegen ein zu Unrecht erteiltes Patent zu prozessieren, auf 10 bis 30 Millionen Rupies (zwischen 150.000 und 500.000 Euro). Das Verfahren dauere fünf bis sieben Jahre.

Informationskriege des Pentagon

Wie die Nachdenkseiten heute berichten (Abschnitt 18), hat das US-Verteidigungsministerium unter Präsident George W. Bush einen riesigen Propagandapparat aufgebaut, der über ein Budget von 4,7 Milliarden US-Dollar und 27.000 Mitarbeitende verfügt.

Die - immer lesenswerten - Nachdenkseiten stützen sich dabei auf einen Beitrag in der Huffington Post über eine Veranstaltung mit dem AP-Chef Tom Curley sowie einen Bericht im britischen Guardian.

Curley, der an der Universität von Kansas einen Vortrag vor Journalisten hielt, erhob schwere Vorwürfe gegen das Pentagon:
"(...) civilian policymakers and soldiers alike have cracked down on independent reporting from the battlefield" (...) , Curley said. "Top commanders have told me that if I stood and the AP stood by its journalistic principles, the AP and I would be ruined."
Er habe dies zwar nicht als direkte Drohung verstanden sondern eher als Zeichen von Wut über ein Editorial, dass er Ende 2007 anlässlich der Verhaftung eines AP-Fotografen verfasst hatte. Seit 2003 sind allein elf AP-Mitarbeitende länger als 24 Stunden in (us-amerikanische) Haft genommen worden.

Der Guardian bezieht sich auf eine Untersuchung von AP, die ein Jahr dauerte und über 100 Interviews umfasst. Hier die Abschnitte, in denen diese Untersuchung näher beschrieben wird.
Editors for the Joint Hometown News Service point to (...) clippings on a table as examples of success in getting stories into newspapers. Under the free service, stories go out with authors' names but not their titles, and do not mention Hometown News anywhere. In 2009, Hometown News plans to put out 5,400 press releases, 3,000 television releases and 1,600 radio interviews, among other work - 50 percent more than in 2007.
The service is just a tiny piece of the Pentagon's rapidly expanding media empire, which is now bigger in size, money and power than many media companies.
(...)
The biggest chunk of funds - about 1.6 billion US-Dollars - goes into recruitment and advertising. Another 547 million goes into public affairs, which reaches American audiences. And about 4 89 million more goes into what is known as psychological operations, which targets foreign audiences.
Staffing across all these areas costs about 2.1 billion US-Dollars, as calculated by the number of full-time employees and the military's average cost per service member. That's double the staffing costs for 2003.
Recruitment and advertising are the only two areas where Congress has authorized the military to influence the American public. Far more controversial is public affairs, because of the prohibition on propaganda to the American public.

Bleibt zu hoffen, dass Obama auch hier einige Weichen neu stellt. Das Geld könnte woanders mit Sicherheit deutlich nutzbringender verwendet werden.

Samstag, 7. Februar 2009

US-Armee unterstützte und bezahlte Ugandas Offensive gegen die LRA

ward_william_africom_200Nach einem Bericht der New York Times steckte das im Oktober 2007 gegründete Africa Command der US-Armee (AFRICOM) hinter der Offensive der ugandischen Regierung gegen die Rebellengruppe Lord’s Resistance Army (LRA), die seit Jahren den Norden Ugandas terrorisiert und nach gescheiterten Friedensverhandlungen den Nordosten der Demokratischen Republik Kongo unsicher machte. Die Offensive scheiterte, weil die Rebellen sich in kleine Gruppen aufsplitterten. Auf ihrer Flucht verübten sie zahlreiche Massaker, die mehr als 900 Zivilisten das Leben kosteten.

Jeffrey Gettleman und Eric Schmitt berichten in der NYT, Ziel der “von Uganda geführten Operation” im Verein mit der kongolesischen Armee und der südsudanesischen Regierung sei es gewesen, die Rebellenbewegung im Garamba Nationalpark im Ostkongo zu vernichten. Die USA hätten 17 Militärberater des Africa Command (Foto: Kommandeur William Ward) entsandt und eine Million US-Dollar für Treibstoff zur Verfügung gestellt.
“The United States has been training Ugandan troops in counterterrorism for several years, but its role in the operation has not been widely known. It is the first time the United States has helped plan such a specific military offensive with that country, according to senior American military officials. They described a team of 17 advisers and analysts from the Pentagon’s new Africa Command working closely with Ugandan officers on the mission, providing them with satellite phones, prized intelligence and $1 million in fuel.”
In die Kämpfe selbst sei kein Amerikaner verwickelt gewesen, berichtet die NYT. Die beteiligten Streitkräfte hätten aber keine Maßnahmen getroffen, um die Zivilbevölkerung in den umliegenden Städten und Dörfern zu schützen. Die LRA habe deshalb ihre übliche Taktik umsetzen können, in jedem Ort auf ihrem Weg Massaker zu verüben, um Furcht und Schrecken zu verbreiten.

Die US-Aktivistin Julia Spiegel, die in Uganda für das “Enough Project” arbeitet, kritisierte die schlechte Ausführung der “Operation Lightning Thunder”:
"After nearly four months of renewed attacks on civilians in central Africa by the Lord’s Resistance Army, or LRA, efforts to apprehend top rebel commanders responsible for the violence are long overdue. However, ‘Operation Lightning Thunder,’ the joint military operation against the rebel group launched in mid-December by the armies of Uganda, the Democratic Republic of the Congo, and the Government of Southern Sudan — with the support of the United States — has been poorly executed to date and has so far only made the crisis worse. However, swift and decisive action by the incoming Obama Administration to protect civilians from further violence and demobilize the LRA can salvage this window of opportunity to end the conflict."
Die New York Times sieht die Militäroperation unter dem Aspekt der Schwäche der kongolesischen Armee, die geradezu zu ausländischen Interventionen einlädt:
“The villagers who remain are terrified and confused. The Lord’s Resistance Army is not a Congolese movement. It is from Uganda. But once again, it seems that foreign armies are battling it out in Congo, and the Congolese are paying the price. In the late 1990s and early 2000s, Congo became the battlefield for more than a dozen armies and rebel groups from neighboring African countries, and several million Congolese died. Even now, Rwandan troops are battling militants hundreds of miles south of here. Congo invited the Rwandans in to go after a different rebel group and its commander, much in the same way it allowed Ugandan soldiers to cross the border and hunt down the Lord’s Resistance Army.”
Dem Bericht zufolge bat die Regierung Ugandas die US-Botschaft in Kampala um Unterstützung. Ex-Präsident George W. Bush, der hin und wieder selbst göttliche Eingebungen gehabt haben will, habe den Einsatz gegen die “Widerstandsbewegung des Herrn” persönlich autorisiert, schreibt die NYT unter Berufung auf einen (nicht genannten) früheren Mitarbeiter der US-Administration.
“The American advisers and Ugandan officers used satellite imagery and Ugandan field intelligence reports to triangulate where they believed Mr. Kony and his fighters were hiding. The plan was for the Ugandan military to bomb his camp and then cut off his 700 or so fighters with more than 6,000 Ugandan and Congolese ground troops. On Dec. 13, the day before the attack, several American advisers traveled to a staging site near the Uganda-Congo border for a final coordination meeting, a senior American military official said.”
Das Ergebnis ist bekannt. Nebel sorgte dafür, dass der Angriff um mehrere Stunden verschoben werden musste, der Überraschungseffekt war dahin. Die von ugandischen Hubschraubern abgeworfenen Bomben trafen nur die leere Hütte von Rebellenführer Joseph Kony. Ugandische Infanterie erreichte den Kampfplatz mehrere Tage zu spät. Die Operation Lightning Thunder wirkte wie ein Stich ins Hornissennest. Zahlreiche tote, vergewaltigte oder verstümmelte Zivilisten sind die Hinterlassenschaft der Militärexperten. (Klaus Boldt)

Freitag, 6. Februar 2009

China will Hilfe für Afrika trotz Finanzkrise steigern

chinaviewsDie Volksrepublik China will trotz zunehmender wirtschaftlicher Probleme infolge der globalen Finanzkrise ihre Hilfeleistungen und Investitionen in Afrika aufrecht erhalten, meldet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die Entwicklungshilfeleistungen sollen gegenüber dem Jahr 2006 sogar um 200 Prozent gesteigert werden. China hat zudem einen "China-Africa Fund" eingerichtet und mit einer Milliarde US-Dollar ausgestattet.

Dem Bericht zufolge hat der Fonds bis Ende 2008 rund 400 Millionen Dollar in 20 Projekte investiert. Insgesamt haben chinesische Unternehmen zwei Milliarden Dollar in Afrika investiert. Seit 2007 hat die chinesische Regierung mit 48 afrikanischen Ländern Hilfeabkommen geschlossen und 22 Staaten Kreditlinien eingeräumt. Chinas Präsident Hu Jintao wird dem Bericht zufolge vom 10. bis 17. Februar Saudi-Arabien, Mali, Senegal, Tansania und Mauretanien besuchen. (Klaus Boldt)

Dienstag, 3. Februar 2009

Vorsicht beim China bashing!

Anfang des Jahres hatte der ehemalige Finanzminister der USA, Henry Paulson, seine Amtszeit mit schrillen Schuldzuweisungen beendet. Er hatte behauptet, dass China (und die ölexportieren Länder) an den Ungleichgewichten im Welthandel schuld seien. Im Kern liefen Paulsons Einlassungen darauf hinaus, dass die Ersparnisse dieser Ländergruppe die Kreditblase erst ermöglicht hätten. Und bei seinem Amtsantritt Ende Januar hatte der neue US-Finanzminister Timothy Geithner nachgetreten, als er China der Währungsmanipulation bezichtigte.

Die Chinesen haben sich gegen die Vorwürfe mit vergleichsweise deutlichen Worten zur Wehr gesetzt. In einem Kommentar der Nachrichtenagentur Xinhua heißt es:
It is completely a ridiculous conclusion both in time order and in causal relationship.
(...)

Compared with their U.S. counterparts who have long got accustomed to overspending, Chinese people have developed a tradition of savings since ancient times.
(...)
China's foreign reserve growth has been mainly pushed by its trade surplus and investment from other countries, including that from the U.S.. Due to its ever-increasing economic openness to the outside world, China has been considered (...) an ideal investment haven. As a result, the export by China-based foreign enterprises takes the lion's share of the country's total export volumes.

Und Xinhua reicht den Schwarzen Peter an den Absender zurück:
After the 1997 Asian financial crisis, some emerging Asian economies, including China, began to reinforce their foreign reserves and domestic bank deposit. (...)
In the Asian financial crisis, the U.S. dominated International Monetary Fund's (IMF) economic aid plans to crisis-struck Asian nations. As a precondition for assistance, the U.S.-led international body prescribed medicine for Asian nations, demanding them to adopt a tightened fiscal policy and raise interest rates. Also, they were urged to reduce financial deficits and increase international reserves.
The increased international and domestic savings by Asian nations after the 1997 crisis greatly helped raise their ability to fend off a financial crisis.

Und nun hat der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao in einem Interview mit der Financial Times (nur für Abonennten zugänglich) erstmals selber Position bezogen. Und was er zu sagen hatte, sollte den Strategen im Weißen Haus zu denken geben. Im Folgenden zitieren wir aus der Kolumne "Das Kapital" der Financial Times Deutschland:
Doch bei aller Enttäuschung darüber, dass China seine Währungsreserven nicht dem IWF zur Verfügung stellen will, ist die entscheidende Passage etwas untergegangen: dass China angesichts von 20 Millionen beschäftigungslosen Wanderarbeitern seine Währungsreserven von fast 2000 Mrd. US-Dollar im Notfall auch dazu verwenden könnte, die Mittel für eigene inländische Zwecke einzusetzen, um das Wachstumsziel von acht Prozent zu erreichen.
(...) allein die Andeutung dessen ist ein Schuss vor den Bug der USA, die auf ein zweistelliges Budgetdefizit zulaufen und daher gerade jetzt auf chinesisches Kapital angewiesen sind. Vielleicht ist das nur diplomatisches Geplänkel (...). Doch es ist und bleibt ein Wahnsinn, dass ein Schwellenland die größte Industrienation der Erde finanzieren muss.
Muss?
(...) wenn China den Aufkauf von US-Staatsanleihen nur verringert (im Einklang mit den Exporterlösen), könnte das am US-Rentenmarkt schon Tumulte auslösen, die selbst die Fed nur schwer beruhigen könnte, ohne den Dollar zu beschädigen. Auch wenn China, wie zu vermuten, zunächst brav bleibt, wird das riesige Angebot an neuen Staatsanleihen rund um die Welt die Rentenmärkte ohnehin gehörig belasten. Und sobald die akute Krise vorbei ist, so Wen, könnte China seine Anlagestrategie für Währungsreserven sowieso auf den Prüfstand stellen.
Bleibt zu hoffen, dass die US-Amerikaner zügig erkennen, wer zur Zeit die Musik bezahlt und dass sie nicht - und wahrscheinlich nie mehr - alleine bestimmen können, was gespielt wird.