Die Financial Times Deutschland zeigt in einer Bilderserie zu den Demonstrationen im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking ein Foto und titelt: "‘Kameras vor dem Eingang zur ‘Verbotenen Stadt’“. Ein, zwei Klicks weiter wird von US-Abtreibungsgegnern berichtet, die am “Tiananmen-Platz ein Sit-in gegen Zwangsabtreibungen in China veranstalteten und Parolen skandierten”.
Nichts gegen mehr oder minder wohlmeinende Zeitgenossen, die versuchen, ihren Anliegen Gehör zu verschaffen und darauf hoffen, dass sie ob der erhöhten Medienpräsenz Aufmerksamkeit finden. Von den westlichen Massenmedien darf jedoch erwartet werden, dass sie solche Leute ebenso nonchalant übergehen, wie den Kamera-Überwachungsskandal in unseren Großstädten oder den zunehmenden christlichen Fundamentalismus.
Oder bildet sich etwa jemand ein, dass ein chinesischer Fassadenkletterer, der den Superbowl nutzte, um einen fairen Umgang mit extraterritorialen US-Gefangenen zu fordern, von unseren Massenmedien ernst genommen würde? Eine Verhaftung dieses Mannes würde als petitesse empfunden und nicht als repressiver Akt eines autoritären Staates.
Hier soll nicht abgewogen und verglichen werden, kein body count von vollstreckten Todesurteilen, kein Aufrechnen von Menschenrechtsverletzungen. Doch spätestens die gestrige Rede von George W. Bush hat den Veröffentlichungen der westlichen Massenmedien Kampagnencharakter verliehen. Deshalb ist es höchste Zeit, darauf hinzuweisen, dass nicht nur die Chinesen dies als überheblich, feindselig und erniedrigend empfinden, kurz, als eine Fortsetzung des westlichen Dominanzgehabes. Überall in den Schwellenländern und in der Dritten Welt werden sich die Augen jetzt auch aufmerksam auf den Westen richten. Und es steht zu befürchten, dass die allermeisten Menschen im Süden wieder wissend lächeln werden und das Wort von den double standards, der Doppelmoral einmal mehr die Runde macht.
Die Angstreflexe der auf Konkurrenz getrimmten westlichen Kultur (dabei sein ist eben nicht alles) sind verständlich. Doch mittlerweile müssen wir aufpassen, nicht zu autistischen enfants terribles zu degenieren, auf die nur noch Rücksicht genommen wird, weil sie das meiste Geld haben.
Freitag, 8. August 2008
Montag, 4. August 2008
Aufbegehren gegen Korruption
An diesem Wochenende hatte ich das Glück, den Bollywood-Film “Rang De Basanti” (deutscher Titel “Die Farbe der Rebellion”) zu sehen. Darin begehren fünf junge indische Männer gegen die Korruption in ihrer Heimat auf. Zur Handlung hier nur so viel: Einer der fünf ist Pilot der indischen Luftwaffe und kommt bei einem Absturz ums Leben, der offensichtlich durch minderwertige Ersatzteile ausgelöst wurde. Nachdem friedliche Proteste niedergeschlagen werden, ermorden die Protagonisten den Verteidigungsminister und besetzen schießlich ein Radiostudio, um ihre Geschichte öffentlich zu machen. Der Sender wird von Polizeitruppen gestürmt, die den für die Aktion ausgegebenen Befehl “keine Überlebenden” natürlich wörtlich befolgen.
Um die Brisanz des Films zu beurteilen, hilft es sich vorzustellen, jemand hätte in Deutschland in den 60er Jahren einen ähnlichen Film gedreht. Darin hätten die Freunde eines Starfighter-Piloten (292 Abstürze, 115 tote Piloten) Franz Josef Strauß erschossen - worauf hin sich die Öffenlichkeit spontan mit ihnen solidarisiert.
Der 2006 gedrehte Film geht hart mit Regierung und Hindu-Nationalisten ins Gericht. Die Korruption durch Regierungsmitglieder und skrupellose Geschäftemacher wird direkt und unmissverständlich mit der Unterdrückung durch die britischen Kolonialherren verglichen. Im Abspann weist Rakesh Omprakash Mehra (Drehbuch und Regie) zudem darauf hin, dass 78 indische MIG-Piloten zwischen 1990 und 2005 in 206 Abstürzen ihr Leben lassen mussten. Der Regisseur vermittelt überzeugend, dass hier nicht Terroristen ihrem blutigen Handwerk nachgehen. Es ist die Verzweiflung persönlich Betroffener, die sich radikal Bahn bricht.
Wer mehr über den komplexen Plot und die Hintergründe des Films wissen möchte, sollte “Rang De Basanti” bei Wikipedia nachschlagen. Die DVD kann man im Internethandel (gebraucht ab etwa acht Euro) käuflich erwerben.
Sehr sehenswert!
Um die Brisanz des Films zu beurteilen, hilft es sich vorzustellen, jemand hätte in Deutschland in den 60er Jahren einen ähnlichen Film gedreht. Darin hätten die Freunde eines Starfighter-Piloten (292 Abstürze, 115 tote Piloten) Franz Josef Strauß erschossen - worauf hin sich die Öffenlichkeit spontan mit ihnen solidarisiert.
Der 2006 gedrehte Film geht hart mit Regierung und Hindu-Nationalisten ins Gericht. Die Korruption durch Regierungsmitglieder und skrupellose Geschäftemacher wird direkt und unmissverständlich mit der Unterdrückung durch die britischen Kolonialherren verglichen. Im Abspann weist Rakesh Omprakash Mehra (Drehbuch und Regie) zudem darauf hin, dass 78 indische MIG-Piloten zwischen 1990 und 2005 in 206 Abstürzen ihr Leben lassen mussten. Der Regisseur vermittelt überzeugend, dass hier nicht Terroristen ihrem blutigen Handwerk nachgehen. Es ist die Verzweiflung persönlich Betroffener, die sich radikal Bahn bricht.
Wer mehr über den komplexen Plot und die Hintergründe des Films wissen möchte, sollte “Rang De Basanti” bei Wikipedia nachschlagen. Die DVD kann man im Internethandel (gebraucht ab etwa acht Euro) käuflich erwerben.
Sehr sehenswert!
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